Wetter und Religion

Natürlich sind wir Nordlichter für Schlechtwetter gerüstet. Gummistiefel, Friesennerze, Regenschirme, die man quadratmeterweise kauft, überall Schafe für die warmen Pullover, Wathosen bis unter die Achseln, das alles ist Standard im nordischen Haushalt. Wir sind mit dem Blanken Hans vertraut, mit den Orkanen auf Du und Du, und fällt mir eine Frankfurter Pfanne auf den Kopf, dann bringt man mich gewiss nicht ins Krankenhaus, sondern geht zum Dachdecker, damit der nachsschaut, ob man mit der Dachpfanne noch etwas Vernünftiges anfangen kann. Und die Älpler: Lederhose, Loden-Janker, Seppelhut mit Gamsbart – das würde hier nicht lange standhalten. Sie sind im Schutze der Alpen besser aufgehoben.
 
Dennoch bleibt die Frage: Ist gutes Wetter katholisches Wetter? Hat der Vatikan seine Finger wieder einmal  im Spiel? Und welche Rolle spielt Kardinal R. ? Hat die Nordelbische Kirche versagt? Und, Ihr Polytheisten, welcher Eurer Götter ist für das Wetter zuständig? Jupiter Dolichenus?

Der schon wieder ….. so wird das nix.

Hamburger Wetter

Vor wenigen Minuten bin ich nach Hause gekommen,   war mit dem Auto unterwegs – heute ein gefährliches Unterfangen. Braune Kerle randalierten, serienweise flogen sie über die Strasse, um schliesslich mit offener Klappe irgenwo liegenzubleiben – Bio-Mülltonnen.

Regen gab es satt, ein banniger Sturm bewegte diese Kübel  durch die Landschaft und durch die Gemüter der Passanten; erst gestern konnte man noch bei reichlich Sonne und angenehmer Wärme an den kalendermässig taggenau angefangenen Frühling glauben, und heute befindet man sich in erstklassig organisiertem Novemberwetter, das nach Lage der Dinge für die nächsten fünf bis sechs Monate anhalten könnte. Eine Übertreibung? Dies unterstellt nur, wer nicht an der Elbe wohnt. Der Eingeborene bestreitet zwar vehement, aber doch nur pro forma die endlose Wetter-Misère – wenn auch anders als der Rest der Welt. Er wird ausführen, es sei im Prinzip ja wahr, dass sich Hamburg und Dauerregen seit Jahrzehnten und auf ewig verbündet hätten, aber nicht so, wie die Zugezogenen es immer darstellen, es sei dann doch alles ganz anders, da wäre zum Beispiel der März 1956 gewesen, sonntags hätte man auf der Terrasse von Sagebiel´s Fährhaus sage und schreibe vier Paare beim Nachmittagskaffee beobachtet! Und es sind dieselben Leute, die dann ihre gummistiefel-bewehrten Füsse verschämt unter dem Tisch verstecken, und die nie zugeben würden, dass sie mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen zur Welt gekommen sind.

Tröstlich, dass anderswo noch soviel Sonne scheint, damit ein vernünfiger Rotwein erzeugt werden kann, welchselbiger schliesslich im nassen und dunklen Teil der Welt als Seelentröster so dringend benötigt wird.