Attacke auf mein Spiegelbild

Wenn Dir Dein Computer verreckt, und Du hast einen format c: hinter, und einen kompletten Neuaufbau vor Dir, und zudem einen Topf feurige Bohnensuppe auf dem Herd in der Küche – ja dann wird´s lustig. Du rennst nur noch hin und her, hier clicken, dort umrühren, hier einem Idioten von Programmierer auf blöde Fragen antworten, dort die Hitze runterregeln, zu spät, wie es sich gleich zeigen wird, und wieder  zurück, um ein Download zu checken und eine Setup.exe zu suchen, zurück in die Küche, weil’s stinkt – natürlich sind die Bohnen nun angekokelt, das machst Du noch zweimal, dann hast Du am PC den Faden verloren und in der Küche Dein Mittagessen – und im Kühlschrank stinkt der Tilsiter wie ein Güllewagen im Hochsommer, während das Brot im Schrank damit begonnen hat, seine Form von straight on nach curled zu ändern und dabei die Hälfte an Gewicht zu verlieren. Endlich bemerkst Du, dass Du etwas falsch gemacht hast. Aber es keiner da, der Dir sagen würde, was es war.

Ich bin dumm wie Bohnenstroh
So sah man mich schon immer.
Und dennoch gut gelaunt und froh –
Wieso? Hab keinen Schimmer!
 
Mal tu ich dies, mal tu ich das!
Ganz wie der Zufall will.
Ich rede ohne Unterlass,
doch mein Verstand steht still.
 
Nur ab und an geht es mir schlecht,
Ich kenne mich dann nicht.
Ich sage etwas,  hab auch recht,
doch mein Verstand erbricht.
 
 
( Ich bin so dumm wie Bohnenstroh – das hat irgendwie Rhythmus, nicht wahr? Man muss es einfach verarbeiten! )

Wem Bohnenstroh nicht so liegt
und „dumm wie 100 m Landstrasse“ vorzieht:

Umrechnung mit
1 Bohnenstroh = 5,3333 Zoll Landstrasse.

Der Blick in den Spiegel

Eigenliebe

Wenn ich vor einen Spiegel trete und hineinblicke, so weiss ich, was mich erwartet. In guter Stimmung sehe ich einen rüstigen Alten mit Silber auf dem Schädel, der ausschaut, als hätte er gestern noch mit Reinhold Messner das Matterhorn bestiegen. Ja, wir wissen es. Spiegel sind geschwätzig und zugleich verschwiegen; ich und das Matterhorn – im Rollstuhl etwa?

Bin ich dagegen nicht gut drauf, so wird der Spiegel an mich weitergeben, dass ich wieder einmal den lahm getretenen Dackel gebe, auch eine meiner Lieblingsrollen. Ich bade dann ein Minütchen in meinem Elend und krieche anschliessend in die Küche zum Kühlschrank. Ich habe gelernt, solche Situationen rufen …… nein, sie brüllen los, Kompensation fordernd.

Bis dahin ist alles noch irgendwie normal, gut zu verarbeiten, und meist konfliktfrei. Pass auf, jetzt kommts. Ich kann meinen Spiegel auch abhängen, und anderen Leuten hinhalten. Ich fordere von ihnen ….. nein ….. ich zwinge sie, sich selbst zu sehen. Und das ist nun garnicht beliebt.Was geht da ab?

Erst mal ist es unfein, so etwas zu tun.
Aber Spiegel lügen nicht.
Wenn mir ein Spiegel sagt, ich sei ein asoziales Arschloch, dann ist es auch so.
Wenn der Spiegel sagt, man sei dumm wie 100 m Landstrasse, dann ist es wohl wahr.
Vielleicht sagt der Siegel: Wache auf, Dumpfbacke!
Oder er spricht: Bleib dran, es ist wichtig!
Oder: Denke nach, Du hast ein Hirn im Kopf!
Entscheide Dich! Links oder rechts entlang!

Die aufgezwungene Spiegelschau ist stets unbequem. Der Spiegel fordert. Baut Druck auf. Erzwingt Stellung beziehen und Handeln.
Spiegel sind unbarmherzig. Brutal offen. Sie senden virtuell Signale direkt in die Hirne der Betrachter.

Man dreht im Haus auch die Spiegel um, wenn man einen Toten zu beklagen hat, damit der vorbei huschende Tod nicht glaubt, es wäre misslungen und er müsste noch eine zweite Seele abernten.

Ich meine, man sollte mit Spiegeln trotz aller Bedenken sorgsam umgehen. Sie sind zerbrechlich, wie wir selbst.

Spiegelsichten

Ist Dir schon mal ein Spiegel zerbrochen? Ich glaube, man sagt, ein solches Ereignis bringe Unglück. Mag sein. Ich bin in der Welt des Aberglaubens nicht so recht zu Hause. Nicht  so recht? Das impliziert „ein wenig“ – vielleicht genauso viel, wie ich zu gestehen vermag. Es ist unvermeidbar, dass man den Aberglauben in sich selbst kennenlernt. Immerhin geschehen Ereignisse auf mehr als eigentümliche Weise – in der Wirklichkeit.

Dennoch: Ein zerbrochener Spiegel gehört nicht zu jenen Objekten, die mir dunkle Gedanken aufzuzwingen vermögen. Wohl aber eröffnet der Blick in einen zerbrochenen Spiegel, dessen Teile sich beim Fall auf den Fussboden in drei Dimensionen asymmetrisch angeordnet haben, sehr fremdartige Sichten – so fremdartig wie die neue Ordnung des Spiegels.

Zugegeben, es ist ein schwieriges Unterfangen, einen solchen Zustand eines grossen Spiegels zu rekonstruieren. Ein teures zudem. Sollte Dir solcherart Unbill dennoch einmal widerfahren, dann fluche. Einmal, zweimal. Und dann nimm Dir Zeit. Schaue hin, und bemerke, was Du entdeckst, und welche Gedanken Dich bewegen.

Spiegel verkehren ihre Sicht der Dinge,

setzen Zeichen,

brechen und schaffen neue Sichten.

Sie sagen damit: Schaue,

Mensch, und bedenke:

Brüche und Verluste – auch das ist Leben.

Sei mutig, Mensch,

und richte Deinen Blick

in die Ferne.

Hier ist Gegenwart,

dort aber die Zukunft.

Vertraue deinem zweiten Blick.

Die Spiegel sagen: Schaue,

und folge Deinen Gedanken.

Sie sagen:

Sei mutig, Mensch!

Schritt für Schritt nach vorn

ist neue Wirklichkeit,

rückwärts gewandt

ist längst gelebtes Leben.