Dann wäre da noch die Musik …..

Diese Koreaner! Blasen einen Hamburger Shanty seelenvoll auf einer Mundharmonika, und senden ihn als new age music – das hat doch was!
 
Ich denke, dass man sich für Musik einen eigenen Masstab suchen sollte – sofern man damit etwas am Hut hat.
 
Die Musik ist eine Klangwelt besonderer Art. In ihr sind gewaltige Bögen gespannt, von den Gregorianischen Gesängen bis zum Tekkno, vom Didgeridoo bis zum elektronischen Keyboard, von Hamburg bis Hawaii.
 
Wir sind mittlerweile daran gewähnt, Musik als Hintergrundgeräusch zu konsumieren. Gut, dagegen gibt es nichts einzuwenden. Nur: Es ist eben nicht Musikhören im eigentlichen Sinne.
 
Musik verdient Aufmerksamkeit. Ich glaube, dass man erst bei ungeteilter Aufmerksamkeit entscheiden kann, ob man eine Komposition mag, oder nicht.
 
Möglich, man entdeckt Schönheit, wo man sie nie vermutet hätte. Ich hatte an anderer Stelle schon auf dieses „Phänomen“ hingewiesen, mit einem Sechszeiler von Marie von Ebner-Eschenbach. Er ist es wert, wiederholt, ja sogar auswendig gelernt zu werden:
 
Ein kleines Lied, wie gehts nur an,
dass man so lieb es haben kann?
Was hat es nur? Erzähle.
 
Es liegt darin ein wenig Klang,
ein wenig Wohllaut und Gesang,
und eine ganze Seele.
 
Diese Sprache ist von schlichter Schönheit –  es ist gesprochene Musik.
Öffne Dein Herz, und höre zu. Sie hat ohne Pathos, in klarer Sprache ausgedrückt, wofür mir die Worte fehlen.
 
Vielleicht gehts so: Wir können aus Musik nur heraushören, was hineingeschrieben wurde. Legt der Autor Seele in sein Werk, dann können wir sie vielleicht wahrnehmen. Vielleicht meint, dass auch unsere Seele auf Empfang geschaltet sein muss.
 
Musikgenuss ist ein Brückenschlag der Seelen – vom Komponisten zum Interpreten zum Hörer.
 
Ich habe irgendwo gelesen, Gemeinschaft sei eine Sache der Seele. Im Zustand der Harmonie einer Gemeinschaft kannst Du glückliche Momente erleben.
 
Teufel noch eins. Mag sein,  ich bin hier sentimental geworden.  Na und? Man muss doch mal darüber nachdenken dürfen, warum die Musik in der Psychotherapie eine so grosse Rolle spielt, und warum Musik zu Tränen rühren kann, oder? Was liegt darin? Erzähle!
 
Kann es sein, dass Du mich immer noch nicht verstehst? Dann höre wieder mal bei QUEEN und Freddy Mercury rein …..
 
One man, one goal, one mission,
one heart, one soul, just one solution,
one flash of light – yeah one god, one vision!

Die Dame in Rot

Die Dame in Rot zeigte sich heute nicht.
Die Wartezone des Flughafens war wie
immer gut besucht, und das Klavier
blieb zunächst stumm – bis eine junge Frau
auf dem Hocker Platz nahm. Ihr Rucksack
blieb, wo er hingehört, also auf dem Rücken.
Sie streckte sich, und begann zu spielen.
 
Es brauchte nur wenige Synkopen,
und sie hatte ihren Rhythmus gefunden.
Ihre Hände flogen über die Tasten wie Vögel,
und sie zauberten den „Swanee Boogie“ in
die Wartehalle auf eine Weise, dass die
Fluggäste ihre Füsse nicht mehr
still zu halten vermochten.
 
Ich habe lange zugehört, und wieder
einmal erfahren: Wer Musik liebt,
und in vollen Zügen geniessen kann,
erlebt sie mit allen Fasern seines Körpers,
und sie ist Balsam für die Seele.
 
Und die Dame in Rot?
Vielleicht morgen …..

Guzheng

Es ist mir eine echte Herzensangelegenheit, Euch die Guzheng vorzustellen. Das Instrument ist etwa 3000 Jahre alt (gu) und eine chinesische Zither (zheng). Man zählt das Instrument zu den immateriellen Weltkulturgütern. Dennoch wendet man sich in China den modernen, westlich beheimateten Musikgeräten zu, und die Guzheng droht in Vergessenheit zu geraten.

Warum nun diese Fürsprache?

 Ich habe in einem der Beamtengärten von Suzhou eine Komposition mit dem Titel „Gewitter“ gehört. Mit der letzten Kadenz war ich in meiner Gänsehaut erstarrt und sprachlos. Ich hatte nie ein Musikinstrument gehört, das eine solch starke Ausdruckskraft besitzt und, in kundigen Händen, ihr Publikum buchstäblich verzaubert.

 Ich habe hier eine Hörprobe anzubieten. Nehmt Euch Zeit und hört bis zum Ende zu.

 https://www.youtube.com/watch?v=bqi9B4vtZNo

 Ein aussergewöhnliches Hörerlebnis!

Besuch am Fenster

Ich hörte soeben ins Net-Radio und hielt mich bei einer hübschen Melodie auf; es waren die „Conversations with Angels“ von Ariell. In Sekundenschnelle hatte sich ein Gast eingefunden, sass plötzlich in meinem geöffneten Fenster, auf der Fensterbank,  just auf einem Roman von Frank McCourt mit dem Titel „Die Asche meiner Mutter“.
Merkwürdig, denke ich, und wage nicht, mich  zu rühren.
 
Nun wechselte die Musik zum „Divertimento“  von Secret garden. Das geht etwas flotter, ein wenig lauter. Die Krähe wandte sich ab und flog davon.
 
Ich habe mir dann mein Buch angesehen. Dort waren zwei winzige Wassertropfen zu sehen.
 
Sachen gibt´s, nicht wahr?