Leben 7

„Südafrika, Krüger-Nationalpark. Antilopen nähern sich einer Gruppe von Akazien. Die Tiere rupfen an den Blättern eines Baumes und genießen den saftigen Geschmack. Nach einer Weile traben die Tiere zum nächsten Baum – doch der schmeckt bitter. Die Blätter der Nachbarn ebenso. Der ganze Wald ist plötzlich ungenießbar geworden. Hungrig ziehen die Antilopen weiter.“ (Zitat Deutschlandfunk)

„Die Quelle so mancher Wunder ist die Ahnungslosigkeit der Menschen.“ (Zitat Roland)

Mysteriös? Das nein. Neu? Kann sein, dass wir nicht wissen, ob Pflanzen reden können. Die Wissenschaft hat längst nachgewiesen, dass Pflanzen kommunizieren, auf artspezifische, für uns völlig fremdartige Weise. Bleiben wir einen Moment im Krüger-Nationalpark. Dort wird eine Akazie von einer Tierherde angefressen. Sie stellt ihren Stoffwechsel um, und aus süss wird bitter. Erstaunlich, nicht wahr? Aber diese Akazie tut mehr.

Sie sendet einen Botenstoff, ein gasförmiges Molekül über die Luft an benachbarte Akazien, die stellen sofort um auf „ungeniessbar“, und geben die Info. weiter, bis alle Bescheid wissen. Die Antilopen ziehen weiter. Die Luft ist wieder rein. Wir haben hier ein Beispiel für Planze zu Pflanze-Kommunikation.

Ein zweites Beispiel, aus dem Labor von Biochemikern. Die Details habe ich leider längst vergessen, aber das Wesentliche blieb an mir kleben.

Also: Man verband 5 transparente Rohrstücke, vielleicht 15 cm lang sternförmig miteinander und setzte an die freien Enden einen Pflanztopf mit Pflanze. Diese 5 Pflanzen gediehen, und ihr Wurzelwerk wuchs in das Röhrensystem hinein.

Schliesslich fügte man 4 Töpfen Insekten bei, die Fressfeind einer Raupe sind, welche ihrerseits Fressfeind der Pflanzen ist. Den 5. Topf übergab man einer dieser Raupen, die sich dann auch ans Fressen machte. Nun sandte die angefressene Pflanze eine Nachricht an die 4 anderen Töpfe. Die Pflanzen wussten, was zu tun ist. Sie schickten ihre Insekten los, um im 5. Topf die Raupe zu töten. Nun beobachteten die Menschen, wie die Killer zu suchen begannen und nach einer Weile Topf 5 als Ziel erkannten. Die Raupe hatte keine Chance. Und dies ist ein Beispiel für die Pflanze zu Tier-Kommunikation.

Nun hat ein Schweizer Forscher nachgewiesen, dass Pflanzen auch akkustische Signale abgeben. Er hat mit aufwendiger Technik Ultraschallsignale aus den Wurzeln junger Getreidepflanzen übersetzt in den Hörbereich der Menschen. Man weiss noch nicht, was es damit auf sich hat. Aber wir machen hier einen halben Schritt in Richtung Pflanzen zu Mensch-Kommunikation.

Zitat Deutschlandfunk:

„Die Rotbeerige Zaunrübe, eine Kletterpflanze, ist so empfindlich, dass sie einen Faden spürt, der weniger als ein Millionstel Gramm wiegt – das übersteigt bei weitem das Empfindungsvermögen der Tiere und des Menschen. Auch UV-Licht registrieren Pflanzen aufs Genaueste. Wenn es ihnen zu viel ist, bilden sie Pigmente, die wie eine Sonnencreme wirken. Stellt eine Pflanze eine Virusinfektion an sich fest, heißt ihre Antwort „Aspirin“. Sie produziert Salicylsäure und stärkt so ihre Abwehrkräfte.

Die Überlebenschance einer Pflanze hängt davon ab, wie präzise sie ihre Umwelt wahrnimmt. Schließlich steht sie fest verwurzelt an einem Ort, kann weder fliehen noch zuschlagen oder zubeißen. Pflanzen warnen sich nicht nur gegenseitig vor Feinden. Sie rufen auch die Feinde ihrer Feinde zu Hilfe und bieten an, was im Tierreich außerordentlich geschätzt wird: Fressen satt auf dem Silbertablett.

Raupenalarm im Maisfeld! In seiner Not produziert der Mais einen Duftstoff. Er lockt damit die Schlupfwespe „Cotesia marginiventris“ herbei. Ihre Larven lieben genau diese Raupenart als Futter. Das gesamte Maisfeld sendet S.O.S. Endlich riechen die kleinen Schlupfwespen die Botschaft und kommen in Scharen. Bald schon werden ihre Larven den Schädling von innen verzehren. Mission erfüllt.

Pflanzen registrieren sehr genau, wer sie verletzt. Ein kleine Beschädigung am Blatt reicht nicht – der chemische S.O.S.-Ruf wird erst versendet, wenn die Pflanze den Angreifer anhand des Speichels identifiziert hat. Ist es die gemeine Spinnmilbe oder etwa die Lindenspinnmilbe? Der „Duftschrei“ der Pflanze erzählt es ihren hungrigen Helfern.

„Es ist ein sehr kompliziertes Netzwerk von Kommunikation zwischen den unterschiedlichsten Organismen. Auf der einen Seite ein Fraßfeind der Pflanzen, auf der andern Seite aber ein Schutzinsekt der Pflanze, insofern es einen Feind von den Insekten wieder angreift und den zu Gunsten der Pflanze tötet.“

Die modernen Kulturpflanzen haben diese Fähigkeiten übrigens verloren. Sie können die Alarmrufe ihrer Artgenossen nicht mehr verstehen und sind selbst nicht in der Lage zu warnen. Sie wurden stumm und taub gezüchtet.“

Du nun?

Wollen wir ein wenig über diese Infos nachdeken? Über das, was wir zu tun gewohnt sind, wenn wir mit Werkzeug in den Garten gehen? Nein! Wir müssen nicht in den Wald gehen, um Bäume zu umarmen. Wir müssen nicht mit unserem Kaktus reden. Fürs erste reicht es völlig aus, wenn wir wissen, was wir tun. Dann regelt sich das Weitere von selbst.

Drachsätels

Vor Jahren hat mir eine alte Dame in einer Kleinstadt
nahe Zürich den Weg zu einer Gärtnerei erklärt. Sie
machte das verbal und nonverbal – wie klug!
Von ihrer verbalen Erklärung in Schwyzerdütsch habe
ich kein Wort verstanden. Aber die Sprache ihrer Hände
war präzise, und ich stand kurz danach vor dieser Gärtnerei.
Ich hatte zwei Dinge gelernt:
Schwyzerdütsch, schnell gesprochen, ist nicht für mich gemacht.
Und: Nimm bei Kommunikation die Hände aus der Tasche.
Die Vielfalt der Gesten, von der zarten Andeutung eines Kusses bis zur Faust mitten auf die Zwölf  ist ein wertvolles Hilfsmittel,
um Sprache lebendig zu machen.

Drachsätels? Stelle Dir vor, dass über Deinen Oberkörper
zwei breite Bänder senkrecht bis zum Hosenbund anliegen.
Greife mit beiden Daumen dahinter und ziehe die Bänder
nach vorne, so weit wie es geht – und dann lasse los.
Es klatscht, tut ein wenig weh, und Du weisst nun: Du hattest
Drachsätels zu fassen. Nonverbal erklärt – Klatsch!
Verbal und in Ostfriesisch: Drachsätels.
In der Hochsprache: Hosenträger.
 
Um dem babylonischen Sprachgewirr zu entgehen,
hat man gottlob das Erlernen einer erste Fremdsprache
zur Bürgerpflicht gemacht, das Hochdeutsch. Damit wurde
die Vielfalt der deutschen Stammesdialekte auf reines
Kulturgut reduziert. Die Verständigung zwischen Menschen
wird dann über andere Hürden stolpern,
wie den Intellekt, ein sehr beliebtes Hindernis.