Fussballspiel?

Fussballzeit. Bayern München gegen irgendwen. Der Fernseher steht in meinem Rücken, wenn ich am PC sitze. Ich habe mir angewöhnt, die Glotze als Radio zu verwenden, das mir von hinten erzählt, was in der Welt, oder auch auf dem Fussballplatz geschieht; wird’s interessant, dann drehe ich mich einfach mal um. Es gab schon Spielfilme, bei denen ich mich nicht ein einziges Mal umgedreht habe. Keine Figur hat ein Gesicht erhalten. Es gibt Werbung, die ich hundertmal gehört, aber nie im Bild wahrgenommen habe.

Wie? Schwachsinnig? Genau das ist es. Aber irgendwann kommt die Meldung des Jahres, oder der Kick des Jahrhunderts, und dann vollführe ich eine 180-Grad-Drehung mit meinem Sessel und bin voll da. Man muss Geduld haben, finde ich. Leider habe ich mich in dieser Beziehung noch nicht voll entwickelt; bis gegen 19 Uhr bleibt die Flimmerkiste ausgeschaltet; in manchen Familien schaltet man den TV ein, nachdem man das Bett verlassen hat.

In meinem Rücken nörgelt der Reporter über ein miserables Fussballspiel. Offensichtlich passiert auf dem Acker nicht viel, hört sich an wie eher nichts, und die Zusachauer pfeifen um die Wette und ihren Eintrittskarten hinterher.

Seelenlose Politik, seelenloser Fussball, seelenlose Musik, statt dessen Taktik, Klischees, Mechanisierung, Automaten, Geldverdienen – sind wir eine Gesellschaft von Zombies geworden? Tut es nicht weh, einen seelenlosen Tag gelebt, ohne gelacht oder geweint zu haben? Oder tut es weh, und wir sind gegen diesen Schmerz unempfindlich geworden und spüren nicht mehr, wie wir kaputt gehen? Schwere Kost.

Endspiel Fussball – DFB-Pokal

Soeben hat dieser Kick begonnen.
Ich weiss nicht, in welcher Stadt gespielt wird.
Das ist mir auch gleichgültig.
 
Weniger gleichgültig ist mir das zelebrierte
Ritual. Es hat mich in fataler Weise an die Rituale
zu den Reichsparteitagen des Hitler-Regimes
auf dem Nürnberger Märzfeld erinnert.
Allerdings fehlte das Hakenkreuz völlig.
An seiner Stelle hatte man einen gelben Topf
auf die Fahnen gemalt.
 
Nun sitze ich hier und frage mich,
welches kranke Hirn diese Zeremonie
geboren hat.
Anscheinend haben die DFB-Oberen jede
Scham verloren und feiern sich unverfroren selbst
auf Faschisten-Art.
Und vornedran steht ein einfältig grinsender
Bundespräsident und hat den Schuss
nicht gehört.
Der alte Risch bedankt sich artig für diese
Vorstellung, und schaltet seinen TV aus.
 
Vor mir steht eine Buddel guten Rioja’s,
und ich lasse mir das Vergnügen daran nicht nehmen.
Dies schon garnicht von alten Männern,
die immer noch im Vorgestern zu leben scheinen.
 
SNAFU, wie der Ami sagt.
Situation normal; all fucked up!
Hauptsache, die Fahnen wehen!