55 – Gier

Der Deutsche gefällt sich in der Rolle des Biedermanns. Er gerht arbeiten, hat Vorlieben wie Fussball oder Modelleisenbahn, vermeidet Bildung, so gut es geht, und insbesondere politische Bildung, denn das stört sein Getriebe empfindlich, und ist - zusammengefasst - ein wenig degeneriert, leicht verblödet. Seine monarchistische Ader wird durch Karikaturen wie die "Shopping Queen" zufriedengestellt. …

54 – Sibylle

Ich lag im Gras und genoss die Abenddämmerung. Tiefer Friede hatte mch und die Welt um mich erfasst - als sie plötzlich neben mir kniete. Ich schaute sie lange an; sie war eine klassische Schönheit, die in Wolken von Empathie verpackt schien. Plötzlich beugte sie sich zu mir herunter, ihr schönes Antlitz näherte sich meinem …

53 – Müde

Seit Monaten quält mich eine bleierne Müdigkeit. Sie liegt über mir wie ein Sack Kartoffeln und verfolgt mich bis tief in den Tag hinein. Erreicht sie einen Kulminationspunkt, dann schickt sie mich ins Jenseits. Wo immer ich bin., was immer ich tue ….. ich klappe weg, einer Ohnmacht gleich, und hänge einer toten Makrele gleich …

52 – Wetter

Schreibe kurz, und positiv. Ich erinnere mich. Langatmiges Labern ist einfach. Das Verordnete dagegen will mir nicht so gut aus den Fingerspitzen fliessen. Aber gut. Zum Wetter. Ein Thema, wie es langweiliger nicht sein kann. Aber ich habe einen Wetterdienst abonniert, der mir für heute mit 87%-iger Wahrscheinlichkeit 8 Stunden Regen ankündigt.Tatsächlich ist Wetter eingetroffen. …

51 – Verfügung

Auf meinem Grabstein: Ich bin nicht irgendwo.Ich bin überall nicht. Pietätloses Gerede, denkst Du?So darf man nicht mit dem Thema Tod umgehen?Falsch. Ich schon. Pietät meint u. a. die Ehrfurcht,die Achtung gegenüber Toten.So mein Fremdwörterbuch. Ich aber verstehe das nicht.So mein Verstand. Einem Leichnam ist Ehrfurcht entgegen zu bringen? Wagt so etwas ja nicht über …

50 – Lyoner

Der Urlaub war zu Ende. Auf der Rückfahrt zum Autozug hatten wir noch eine Kleinigkeit gegessen. Beim Verlassen des Restaurants fiel mir ein Schaukasten auf, der Essbares aus Lyon anpries.Ich kaufte rasch einen Ring Fleischwurst für die Abendmahlzeit. Der Gastronom erklärte uns, er hätte einen Freund in Lyon, der sich in dieser Feinschmeckerstadt gut auskennt, …

49 – Heavy

Da erzählt mir heute ein Blogger, er kenne "Rammstein" nicht. Dann ist ihm auch Wacken kein Begriff. Aber ich glaube ihm nicht. Rammstein in Wacken ist das Nonplusultra der Neuen Deutschen Härte, denn Rammstein verwandelt die Bühne mit Pyrotechnik und Laser in eine Hölle; was sie aus ihren Instrumenten rausholen ist in Akkorde gequetschter höllischer …

48 – backstage

In meinem Dunstkreis praktizieren einige Mediziner, auf die ich nicht verzichten kann. Sie sind fester Bestandteil meiner stringenten Planung für ein Weiterleben in den nächsten 13 Jahren. Erst mit 94 pfeife ich einen Elfmeter gegen mich. Die Crux: Sie verbieten mir das Saufen. Tja, so isses. Mitfühlende fragen sich nun, was einer Ruine, wie ich …

47 – Finnegan

Die Situatuion für den weissen Kater, der hier ein- und ausgeht, hat sich dramatisch verändert. Am Ende war es von ihm nicht klug, sich hier derart präsent zu machen. Es gab seinetwegen ein kleines Palaver mit einer Veterinärin. Es wurde beschkossen, dass meine Tochter sich den Kater krallt, ihn in die Transportbox steckt und in …

46 – backstage

Heute geht es mal um das tägliche Futter für den alten Wolf.Bei ihm ist der Prozess zur Nahrungsverarbeitung weitgehend intakt; er kann also noch gut fressen. Dennoch gibt es dabei massive Störungen. Ursache ist das Angebot von Futter. Der Alte ist Allesfresser, aber er will nicht alles fressen, was man ihm vorsetzt. Er ist so …

45 – Titi

Es wäre nicht vertretbar, Titi einen Stubentiger zu nennen. Nun hat sie sich als nahkampf-untauglich erwiesen. Sie war ein em 40-kg-Rottweiler nicht ebenbürtig, hat ihm nicht die Schnauze poliert, sondern ist geflüchtet. Leider war ihr auf dem Weg zum nächsten Baum ein Drahtzaun im Wege, und sie schaffte den Sprung darüber nicht, hing im Geflecht, …

44 – Kur

Reduktionskost im Kurheim "Rosalie"! Ich sage Dir: Du stirbst unter dem Joch dieser Kost schneller an Unterernährung, als Du abnehmen könntest. Alle Kritik am System ist ohne ein Lösungsangebot nicht zielführend. Was also ist zu tun für einen Kurerfolg?Du gehst in einen Gasthof und bestellst Dir Dein Lieblingsgericht, trinkst das eine oder andere Bierchen dazu …

43 – Nacht

Wie stets endet ein Tag.Diffuses Licht kündigt die Nacht an.Dann legt sich Dunkelheitwie ein schwerer Nebel über das Wasser,tintenschwarz und geheimnisvoll.Ein bleicher Mond zaubert.Seine Lichtblitze spielen mit Wellenspitzen,ein Ozean verliert seinen Horizont.Delphine jagen spielerischnach Lichtreflexen,und kommen schliesslich zur Ruhe.In den Riffen herrscht Frieden.Bandalgen wiegen sichim Rhythmus des Wellenschlags,als würden sie den Schlaf suchen.Robbenkinder schlafenund trinken …

42 – Abitur

Dies ist eine Bundesregierung.Tisch und Stühle gehören nicht dazu,obschon gerade sie Garantenfür Solidität und Kontinuität sind.Gerade den Stühlen wird viel abverlangt.Schliesslich müssen sie aushalten,dass sie täglich fremden Hinternund allem Beiwerk ausgesetzt sind,die solche Körperteile in der Lage sindabzusondern.Solche Sitzungen sind immer etwas rätselhaft.Niemand weiss, was arbeitet.Sicher scheint: Oft sind es die Köpfe.Das sind die runden …

41 – Britain

Great sind sie nicht mehr. Nun ist nach Jahren wieder einmal ein ehrlicher Brite aufgetaucht. Er hat den Rüssel voll, hockte sich vor seinen PC und erklärte öffentlich:Den Brexitbefürwortern hat man versprochen, aus der Gemeinschaft auszuscheiden, und den Nutzen in Geld auszuzahlen, oder Steuern zu reduzieren usw.Der Brexit ist geschafft.Nun wartet man auf die Gewinnausschüttung.Mehr …

40 – Böses

Das Feuer der Fackel ist längst erloschen.Die Freiheit eines grossen Landes versinktin einem Meer von Unwissen, Ignoranz,Dummheit, Grossmachtgehabe undder verzweifelten Suche nach Identität.Das Sündenregister aus vergangenenJahrzehnten soll ausgeglichen werden,indem man Pseudo-Religionen einsetzt, undden einzigen Gott, der greifbar undbegreifbar erscheint: Das Geld.Ein Blick von draussen offenbartdie Erbärmlichkeit einer Gesellschaft,die Besseres zu leisten in der Lage ist,und …

39 – Schattenwelt

Ein Mann geht seinen Weg durch die Stadt.Er ist einsam.Die Strasse scheint menschenleer.Es sind nur Schatten, die vorbeihuschenund sich an ihm reiben.Er spürt, wie seine Gedanken ihn verlassenund seinen Kopf umflattern,dunklen Spruchbändern gleich.Er fühlt sich seinem Gott nahe.Schaut zu, wie die Kathedrale ihr Fundament verlässtund himmelwärts strebt,glaubt, eine gottverlassene Existenz zu sein.Verzweiflung formt sein Gesichtbis …

38 – Ende

Wie so oft ohne Erfolg bleiben,doch ich versuche es wieder und wieder.Möchte den Horizont erreichen,unter einem Regenbogen verweilenund die scheinbar graue Weltals buntes Wunder begreifen.Ich schaue aufwärts,sehe nun Fisch an Fisch vorbeiziehendas Meer hat seinen Platz verlassen.Seine sehr irdische Sphärehat ein Himmel eingenommen,und so schaue ich nach unten,suche tief und tiefernach unserer Sonne,die ihre Bestimmung …

37 – Pissoir

Fängt der eine an:"Sie sind geboren zwischen 1910 und 1951.""Jo, das ist richtig, kennen wir uns?""Nein. Sie sind in einem kleinen Dorf bei Prag zur Welt gekommen.""Stimmt genau. Woher wissen sie das?""Ihre Familie ist in eine kleine Synagoge gegangen, nahe dem Ortsausgang, Richtung Prag.""Und wir kennen uns wirklich nicht?""Nein, aber zu der Zeit hat dort …

36 – Wetter

Heute haben wir wieder mal Wetter.Dieses, die Art von Wetter im Elbe-Urstromtal nennen wir Schiet-Wetter; anderswo spricht man von Nass-Kalt.Es ist kein Wetter für Katzen. So auch nicht für unsere beiden,und das hat zur Folge, dass sie die Katzenklo's rege benutzen.Das wiederum erzwingt einen recht unbeliebten Job:Scheisse schaufeln.Wer's nicht macht, geniesst in seinem trauten Heimdas …