Leben 19

Vor  Minuten redete im TV ein Polizist von Katzenstreu. Meine angeborene Neugierde war umgehend aktiviert worden. Der Grund ist simpel. Ich habe nie eine Katze besessen, habe nie Katzen gestreut. Ich weiss beim besten Willen nicht, wieviele Katzen gebraucht werden, um damit zu streuen, und mir fehlt die Phantasie zur Vermutung, wozu man mit Katzen streuen sollte. Völlig unklar ist auch, ob die Katzen tot oder lebend gestreut werden sollen.

Schau mal: Wenn unsere Dorfstrasse 15.000 Quadratmeter gross ist, und ich pro qm 4 x 4, also 16 Katzen brauche, so müsste ich 240.000 Katzen auftreiben, um eine einzige Strasse abstreuen zu können. Nun schätzt man den Bestand an Katzen in Deutschland auf 8,2 Millionen. Die reichen für 512.500 Quadratmeter, das sind 102,5 km gestreut. Irgendwie riecht das nach einer gigantischen Versorgungslücke.

Nun kann ich in Unkenntnis der Fakten auch in Erwägung ziehen, dass man nicht Katzen streut, sondern „für Katzen streut“, wie man das vom Vogelkäfig kennt, weil der Wellensittich ungeniert von der Stange runterpullert. Das nur nebenbei. Zurück zur Sache. Man kann nun nicht den Bedarf an Katzenstreu auf die Kilometer des Strassennetzes der BRD beziehen. Bezugsgrösse ist natürlich der Katzenbestand. Wenn man nun unterstellt, dass jede Katze an jedem 3. Tag unterstreut werden muss, so sind das 120 Tage im Jahr für 8,2 Mio. Katzen, das sind somit 984 Mio. Streuungen per annum. Bei 100 g Materialeinsatz pro Streuung ergibt sich ein Bedarf an Streugut von 98.400 Tonnen pro Jahr nur für Deutschland. Das entspricht 103 Millionen Euro Umsatz, sofern der Grundstoff Bentonit ist, ein Mineral vulkanischen Ursprungs.

So wandert das Bentonit, der wertvollste Bestandteil des Pannonischen Beckens Tonne für Tonne auf den Müllkippen Deutschlands.

Mit Katzen streuen wäre ökonomisch ungleich günstiger. Katzen sind so etwas wie erneuerbares Streumittel.

Ja, Du hast recht. Mit Katzen streuen ist nicht mal schwarzer Humor, sondern rücksichtslos und unverschämt. Katzenfreunde sind zu Recht betroffen und angewidert. Der Autor scheint eine sadistische Ader zu haben. Ich dementiere. Bin kein Sadist, sondern ein wahrer Katzenliebhaber.

Ich mag dieses arrogante Pack, das Dich eben noch links liegen lässt und Dir in der nächsten Minute schnurrend um die Beine trudelt.

Warum schreibe ich dann so garstig über Katzen? Na weil mir zu „Katzenstreu“ nichts Besseres eingefallen ist!

Leben 18

Manchmal packen mich Zweifel an meinem Geisteszustand. Dann vermute ich so etwas wie eine Zwangsneurose. Ich definiere selbst: Es ist ein psychisch bedingter Zwang, auf reale oder eingebildete Situationen emotional zu reagieren.

Genau dies ist mir soeben wieder einmal bewusst geworden. Habe ich doch in einem Anfall von Souveränität den Fernseher ausgeschaltet ( das war ein Trigger), und schon beschäftigt mich die Qualität des Fernsehprogramms wieder einmal, und ich beginne zu analysieren. Gesund ist das nicht!

Egal. Das Hirn ist gut angewärmt, also auf Betriebstemperatur. Somit kann ich los werden, was mir durch den Kopf geht.

Zunächst schliesse ich aus, dass die TV-Macher ihr Publikum manipulieren. Die dabei benutzten Verfahren möchte ich hier nicht aufzählen. Es reicht die Feststellung einer massiven Schweinerei, die man den Öffentlich-Rechtlichen nicht verzeichen kann. Ich beschränke mich auf die Mischung der Programmbeiträge, die vom Trash bis zum kulturell Wertvollen, von seichten Talkshows bis zu massiver Gesellschaftskritik alles, wenn zwar gewollt dosiert anbietet.

Tatsache ist: Für jeden ist etwas dabei, ob er sich mit der Quantenmechanik herumschlagen mag oder ob ihn die Goldene Hitparade der Volksmusik bauchpinselt. Man könnte mit einigem guten Willen von Ausgewogenheit sprechen, und daran kann nichts kritikwürdig sein.

Warum also übt man so viel Kritik an der Programmgestaltung? Man fasse sich an die eigenen Nase! Das Übel ist nicht das Programm, sondern die eigene Unfähigkeit, abzuschalten, wenn ein Beitrag nicht konveniert! Fernsehen ist zum täglichen Ritual verkommen. Einschalten ist ein Muss. Und dann sieht man irgendeinen vermeintlichen Scheiss und wird gallig. Aber die Glotze muss laufen. Schliesslich ist der tägliche Fernsehabend ein krönender Abschluss des Tages, mithin unverzichtbar.

Wenn also die berüchtigte Hitparade der Volksmusik gesendet wird: Mitsingen! Wetten, dass …… dass das Spass macht?

Aus dem Leben eines Träumers

Ein kleiner schwarzer Hundefloh
steigt ab von seinem Hund.
Es lockt ihn der Geruch im Zoo –
riskant und denkbar ungesund.

Er springt beseelt.
Die Erde bebt.
Kamel verfehlt,
ein Löwe lebt!

Er springt erneut.
Die Mähne lockt.
Landet erfreut,
rasch angedockt.

Die Mähne hat er nicht erreicht.
Die Schnauze hatte er erwischt.
Als Floh ist man ja federleicht,
und Löwenblut ist aufgetischt!

Nun rasch den Rüssel klargemacht,
versenkt in Löwe’s Nase.
Dann saugt er, doch der Leu erwacht.
Der Floh versinkt nun in Ekstase.

Glaubt er doch, Löwenblut macht stark!
Will seinen Hund zerfetzen!
Ein Machtgefühl trifft ihn ins Mark.
Er möchte Hunde hetzen …..

Indes, der Löwe gähnt, und zuckt.
Der Plagegeist saugt mit Bedacht.
Grad hat die Nase noch gejuckt.
Nun: Pranken haben ihn platt gemacht.

Leben 17

Es ist nun ein Vierteljahrhundert her, seit mir ein Amtsarzt auf meine Bitte unverblümt erklärte, meine Gesundheit sei so stabil wie ein Sack voller Kochlöffel, und 50% meiner Art stirbt innerhalb der ersten 3 Jahre, und 80% innert 5 Jahren. Und er fügte hinzu, dass wir, also er und ich nun einen Schluck guten Cognac vertragen könnten. Und genau das geschah. Der Gute hatte wirklich einen erlesenen Geschmack, und reichlich Humor und Lebensfreude. Und ich hatte eine vergnügliche Viertelstunde.

Mein Körper hat sich nie erholt. Aber ich gehöre zu jener Gruppe, den 20%ern, die überleben, und ich habe nun zusätzlich die Folgen des Alterns hinzunehmen. Und weil das nicht reicht, starb vor Monaten meine Frau.

Ich darf also feststellen, dass Krankheit, Alter und der Tod mein Leben gründlich verändert haben. Das wurde mir diktiert. Ich konnte mich nicht dagegen wehren. Nun müsste ich trivial, aber richtig anmerken, so sei halt das Leben. Nur ….. so einfach ist das nicht. Abstrahiert stellt sich die Frage, wie der Mensch derartige Veränderungen verarbeitet, und wie er danach zurecht kommt.

Es liegt auf der Hand: Die Reaktion auf Veränderungen des Lebens ist individuell. Der eine zerbricht irgendwann, ein anderer passt sich problemlos an. Man blickt zurück, oder in die Zukunft. Man beklagt das Negative, oder man sucht optimistisch das Positive des neuen Lebens zusammen und pflegt dieses wertvolle Paket.  Und all dies tut jeder auf seine Weise.

Die hier angestellte Betrachtung ist gewiss schlicht bei schlicht. Nix Neues, auf den ersten Blick. Aber es gibt da noch den zweiten Blick, und der ist meist schärfer als der erste. Und der sagt mir, dass viele der Betroffenen in dieser Hinsicht unaufmerksam sind und nahezu paralysiert in die Zeit hineinleben. So verliert man unter Umständen kostbare Lebenszeit,  und Lebensqualität. Es gilt also, bei tiefgreifenden Veränderungen ein neues Bewusstsein zu entwickeln, in welchem das Negative wie das Positive seinen Platz findet.

Alles andere regelt sich dann von selbst.

Weise Worte des Dalai Lama

Der Dalai Lama wurde gefragt, was ihn am meisten überrascht; er sagte: „Der Mensch, denn er opfert seine Gesundheit, um Geld zu machen. Dann opfert er sein Geld, um seine Gesundheit wieder zu erlangen. Und dann ist er so ängstlich wegen der Zukunft, dass er die Gegenwart nicht genießt; das Resultat ist, dass er nicht in der Gegenwart lebt; er lebt, als würde er nie sterben, und dann stirbt er und hat nie wirklich gelebt.“

„Ich denke, dass der Sinn des Lebens darin besteht, glücklich zu sein.“ So der Dalai Lama. Und:

„Es gibt zwei Wege, die Ursache für Glück zu schaffen. Der erste ist äußerlich. Der zweite Weg besteht in geistiger Entwicklung… Wir müssen Ärger minimieren sowie Güte und Warmherzigkeit kultivieren… Die wichtigste Methode, ein glückliches Leben zu erreichen, besteht darin, unseren Geist in täglichen Übungen zu schulen, die negatives Verhalten schwächen und positives Verhalten stärken… Ich glaube, dass die Übung von Mitgefühl und Liebe – ein aufrichtiges Gefühl für Bruderschaft und Schwesternschaft- die allumfassende Religion ist. Es kommt nicht darauf an, ob Sie Buddhist, Christ, Moslem oder Hindu sind oder ob Sie überhaupt eine Religion ausüben. Worauf es ankommt, ist ihr Gefühl der Verbundenheit mit der Menschheit… Die spirituelle Praxis hat drei Aspekte: Ethik, konzentrierte Meditation und Weisheit. Jeder Aspekt dient als Grundlage für den nächsten. Es gibt zwei Arten ethischen Verhaltens: 1. Die Neuausrichtung von körperlichen und sprachlichen Handlungen, um anderen nicht zu schaden und 2. die Kultivierung von tiefer Fürsorge für andere… Manchmal verwechselt man Glück mit Vergnügen. Zum Beispiel sprach ich kürzlich vor indischem Publikum in Rajpur. Ich sagte, dass Glück der Sinn des Lebens sei. Einer der Anwesenden meinte, dass wir nach Rajneesh unsere glücklichsten Momente beim sexuellen Verkehr hätten, dass man durch Sex zu höchstem Glück kommen könne. Er wollte wissen, was ich von dieser Idee hielte. Ich antwortete, dass von meinem Standpunkt aus das höchste Glück im Erreichen der Befreiung bestehe, in der es kein Leiden mehr gibt. Das ist echtes, dauerhaftes Glück. Wahres Glück bezieht sich auf den Geist und das Herz.

Glück, das vornehmlich von physischem Vergnügen abhängt, ist instabil – an einem Tag ist es da, am nächsten vielleicht nicht.“

Leben 16

Man hört immer wieder einmal das Gleichnis mit dem halbvollen Glas Wasser. Damit verbindet man eine Sichtweise. Schliesslich kann das Glas Wasser auch halbleer gesehen werden. Nun kommt der schlaue Rhetoriker und stellt die beliebte Frage: Ist es halbvoll oder halbleer?

Der schlaue Pragmatiker weiss die einzig richtige Antwort: Beides. Basta. Die Attacke des Rhetorikers endet im Nichts. Warum ist diese Denke so schlicht? Es liegt auf der Hand: Das Streitobjekt ist messbar.

Ein anderer Fall. Ich stelle mich vor einen grossen Spiegel und betrachte mich emotionslos.
Schliesslich frage ich den Menschen, der mich kritisch anschaut:
Was meinst Du? Bin ich stark mit einigen Schwächen,
oder bin ich schwach mit einigen Stärken?

Der Mensch im Spiegel stellt zunächst fest, dass hier nichts gemessen werden kann.
Das ist garnicht gut. Aber ich will es auf die Spitze treiben und verlange eine Entscheidung.
Also wende ich mich von dem Spiegel ab, gehe in meine Küche und bestimme: Ich bin stark, mit ein wenig Schwäche.
Man ist ja Mensch, also nicht perfekt.

Danach stellt sich ein bisschen Unwohlsein ein. Das eben war wohl ein Akt der Selbstüberschätzung!
Eigentlich müsste ich zur Absicherung einen oder zwei Nachbarn abfragen.
Allein der Gedanke erschreckt mich. Ich fürchte ihre Antworten.

Jetzt trete ich wieder vor den Spiegel.
Und der Mensch im Spiegel stellt in gebotener Sachlickeit fest:
Hättest Du die Nachbarn befragt, so würde ich Dich stark nennen.
Wenn Du das geschafft hast, kannst Du wieder kommen und in den Spiegel schauen. Und jetzt verzisch‘ Dich!

Was ist nun der Nutzen aus dieser Betrachtung?
Nun, Rhetorik ist bekanntlich die Kunst der Rede.
Und nicht jeder ist als Künstler geboren worden.
Rhetorische Redewendungen müssen gut plaziert werden.
Wenn Du das nicht kannst – Finger weg von den verbalen Tricks!
Falsch verwendet können sie kleine Katastrophen auslösen.
Stelle Dich öfter vor einen grossen Spiegel.
Diese kalten Dinger sagen oft die Wahrheit über Dich.
Und noch eines:
Hüte Dein Selbstwertgefühl wie Deine Augäpfel!

Ach ja! Da fehlt noch eine Antwort zur Frage von Stärken und Schwächen.
Hier ist sie: Beides. Basta.

Früher

Ja, früher war alles besser!
Tatsache?
Nein. Reine Polemik.
Früher war manches anders.
Oder vieles. Das meiste.
Oder fast alles.

Robert Bosch, Unternehmer:
„Ich zahle nicht gute Löhne,
weil ich viel Geld habe.
Ich habe viel Geld,
weil ich gute Löhne zahle.“

Unternehmer X heute:
„Ich zahle miese Löhne,
damit ich noch mehr Geld habe.“

Robert Bosch würde heute scheitern.
Die Bedingungen für wirtschaftliches Handeln
haben sich grundlegend verändert.
Unternehmer X hat sich angepasst.
Das System der Weltwirtschaft ist
durchgängig inhuman geworden.

Bosch-Chef Denner:
Für die Produktion der Dieselsysteme
sind 1600 Mitarbeiter beschäftigt.
Für E-Cars brauchen wir 160.
Diese Aussage ist als Metapher zu begreifen.
Aber der Stellenabbau läuft bereits.

Was die Raffkes nicht verstehen:
Je ärmer das Volk,
desto geringer der Konsum.
Je geringer der Konsum,
desto ärmer die Wirtschaft.
Je ärmer die Wirtschaft,
desto ärmer das Volk.

Die Spielwiese der Milliardäre verkommt.
Ihre Geldberge sind totes Kapital.
Nur der Geldkreislauf bedeutet Leben
für unser System.
Gehortetes Geld fehlt dem Kreislauf.
Das System wird krank.
Diagnose: Disharmonie.

Vielleicht war früher doch alles besser?
Wann war das eigentlich,
dieses „Früher?“