Völkerwanderung

Tun wir mal etwas, was die Politiker der Gegenwart scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Schreiben wir den Klimawandel fort in die Zukuft, indem wir begonnene Veränderungsprozesse weiterentwickeln:

Ich mache es ganz kurz. Sagen wir, das Äquatorialklima hat Mailand erreicht, und Afrika ist grossflächig nicht mehr bewohnbar. Der Grosse Hunger quält die Menschen, und sie sind gezwungen, nach Norden auszuweichen.

Der Norden hat sselbst grosse Probleme mit der Ernährung seiner Bürger. Die Umstellung auf subtropische und tropische Produkter in der Landwirtschaft ist schwierig, die Erträge sind gering. Und vor der Tür stehen die Afrikaner und begehren Einlass in das Europa.

Es sind nicht einfach „Afrikaner“. Nein, ein kreativ denkender Despot hatte eine kluge Idee. Es sammelt kontinentweit die Kindersoldaten ein, bewaffnet sie ordentlich und bringt sie als Türöffner in Gruppen von 800 Kindern über das Mittelmeer nach Spanien, Italien, Frankreich und Griechenland. So stehen Europas Soldaten einer Kinderarmee gegenüber. Und im Hintergrund warten Millionen hungernde Afrikaner auf den Marschbefehl „Nach Norden!“

Kindersoldaten sind von besonderer Art. Sie sind entwurzelt, ihre Seelen sind zerstört, und sie sind auf Gewalt konditioniert. Sie sind kleine, tödliche Automaten. Was nun? Darf, oder muss man auf Kinder schiessen?

Ich zweifle nicht. Wir werden auf diese Kinder schiessen, weil wir es müssen. Und wir werden Afrika nicht in Europa aufnehmen. Beides werden wir als Massnahmen der Notwehr verstehen, und das sind sie schliesslich auch.

So weit ein Kurztrip in die SF.

;>(

Weisheit?

Dieser Spruch aus dem Zen-Buddhismus liest sich flott, und er hört sich gut an. Und er mag sogar ein guter Rat sein an alle, die als Mönch in einem buddhistischen Kloster leben.

Menschen, deren Körper ruiniert ist, die im Rollstuhl leben müssen oder andere Handycaps zu ertragen haben, sollten ebenfalls über diese Weisheit nachdenken.

Für die Menschen, die in modernen Industriegesellschaften oder in Notstandsgebieten leben müssen, die Kriegen ausgesetzt sind, die mit Existenzangst und Leistungsdruck gepeinigt werden, ist der Spruch nur noch zynisch. Er sagt ihnen, sie sollen sich der Wirklichkeit anpassen, also kapitulieren. Das erzähle mal einer Mutter in Eritrea, deren Kind gerade verhungert.

Was lerne ich aus diesem „Fall“? Ich lerne, dass Abkupfern ohne nachzudenken ganz schlecht ist.

Pamphlet über Selbstfindung

Wenn ich nichts zu sagen habe, halte ich die Klappe dicht. Irgendwer hat mir das beigebracht. Mag sein, meine Mutter, oder das Leben – egal. Wenn ich dann einen Kommentar lese wie „Oh wie schön!“, so braucht es eine Extraportion Toleranz aus dem Fass in der Ecke, um nicht pöbelig zu werden. Und just die gleiche Situation ergab sich vorhin, als ich in einem Blog lese, man biete die Kommentarfunktion nicht an, weil manche Leser glauben, kommentieren zu müssen. Einen sehr gelungener Beitrag über Religion und Selbstfindung hätte ich gerne mit „Oh wie gut!“ kommentiert!

Selbstfindung als Ziel bei hohem Aufwand an buddhistischer Meditation oder christlichem Pilgern etwa auf dem Jakobsweg ist recht nebulös formuliert. Anscheinend möchte man sich in sich selbst so weit vertiefen, dass man Vermisstes findet und an die Oberfläche befördert, wo es hingehört. Und hat man etwas Positives gefunden und ist sich dessen bewusst geworden, dann freut man sich wie Bolle. Was aber, wenn man Negatives findet? Helmut Qualtinger: “Der Mensch ist eine Sau!“ Solche Dinge lassen wir dann dort, wo wir sie entdeckt haben? Geht das überhaupt? (Zugegeben, das ist nun ein wenig polemisch.)

Nun, ich meine, eine gelungene Selbstfindung ist ein gelungener Selbstbetrug.

Wer sich ehrlich bemüht, kann in der Tat neue Seiten an sich kennenlernen. Er kann sich besser kennenlernen, aber niemals gut. Wie das? Sich selbst wahrzunehmen ist ein bewusster Prozess. Nun existiert unbestritten eine andere Kraft, das Unterbewusstsein. Wenn Bewusstsein und Unterbewusstsein addiert werden, und wir unterstellen hilfsweise Volumina von 100%, so entfallen auf das Bewusstsein maximal 10%.

Der klägliche Rest von 90% ist Unterbewusstsein. Und genau dort spielt die Musik. Und wir haben keinen Zugriff!

Die hier angedeutete Regelung schützt uns vor Überforderung. Wir haben jene Menge im Zugriff, die wir ertragen können. Bewusstseinserweiterung mit Hilfe von Drogen, Alkohol und anderem Zeug führen direkt in die Katastrophe. Siehe Ohr ab Van Gogh, Toulouse-Lautrec und andere, wie die Absinth-Trinker.

Und nun sage ich meine Meinung dazu in populärer Art und Weise:

90% meiner Persönlichkeit entziehen sich meinem Einfluss, und ich bastle an den lausigen 10% Bewusstsein herum.

Das ist scheinbar lächerlich, bezogen auf die Zielsetzung.

Nun kommt der Esotheriker ins Spiel. Er führt aus, man könne mit bestimmten Methoden wie der Meditation das Unterbewusstsein erschliessen und Nützliches nach oben ans Tageslicht befördern. Ich gestehe, dann hat man mich erwischt. Ich weiss darüber nichts. Aber ich weiss, dass es einen Datenverkehr zwischen beiden Bewusstseinsebenen geben muss. Schliesslich reden wir von Erinnern und Vergessen. Wir alle kennen das: Wir haben etwas Wichtiges vergessen. Dann poppt ein Stichwort auf, wir erinnern, und es kommt aus dem Keller gleich der gesamte Kontext mit hoch. So weit gehe ich mit. Aber ich lehne die Vorstellung ab, dass man mittels Meditation das Unterbewusstsein auflösen kann, um es zu bearbeiten, es praktisch auszumisten. Wem das je gelingt, der landet binnen 4 Wochen in der Geschlossenen. Oder er läuft ohne Ohren durchs Land.

Leben 22

Die Himmel rühmen

Es war eben nach Mitternacht, als ich durch das Netz rumpelte und der guten alten Zeit huldigte, als ich noch im Chor gesungen habe. Dies tat ich mehr schlecht als recht und als musikalische Dutzendware, nämlich als Bariton ohne die für Soli erforderliche Klasse.Aber meine Motivation war damals nicht zu beanstanden.

So holten mich heute abend die Erinnerung an jene Zeit ein, und prompt hörte ich entfernt zwei Lieder, die ich zu meinen unstrittigen Favoriten erklärt hatte: „“Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ von Beethoven/Gellert, und das Schifferlied von Friedrich Silcher. Sie waren die Prachtnummern in unserem Repertoire und für Pokale bei Choir-Contests immer gut. Gesungen waren sie rasch, aber Pokal feiern – das dauerte!

Natürlich habe ich dank Youtube beide Titel wieder einmal gehört. Als der Montanara-Chor das Schifferlied sang, versuchte ich mitzusingen. Es blieb beim Versuch. Ich sang, als hätte ich gerade einen ALDI-Einkaufsbeutel über meinen Stimmbändern ausgebreitet. Ich sang „ Es löscht das Meer die Sonne aus“ und hörte nur „Magerquark, Magerquark.“ Aber das hat beim Zuhören weder die Freude noch die Gänsehaut behindert.

Wertvoll ist für mich auch die Erinnerung an eine „gut alte Zeit“. Es gab sie, und ich hatte sie für zirka 25 Jahre meines Lebens. Dumm nur, dass ich dafür keine Wertschätzung zustande brachte. Dumme Sache: Die Reife der Persönlichkeit benötigt wohl Jahrzehnte. Wieviel Mühe und Systematik mag es kosten, einem jungen Menschen im Schnellkurs ein stabiles Wertesystem einzupflanzen, damit er Gutes und Schönes als Bereicherung seines Lebens empfindet, und nicht als sein gutes Recht zu konsumieren?

Die Gefahr im Dunkel

Man könnte dieses Bild eine Allegorie nennen. Es schildert ein Horror-Szenarium: Die Digitalisierung hat den gesamten Planeten Erde im Griff. Eine Fiktion. Mehr nicht.

Jaaa, rufen nun die Stimmen der Belesenen, die Fiktionen von Menschen wie Jules Verne oder Stanislaw Lem seien doch weitgehend Wirklichkeit geworden! Jaaa, rufe ich zurück, aber nicht immer menschenfeindlich! Und nach langer Zeit der Entwicklung! Nach deutlicher Sozialisation unseres Gemeinwesens! Aber der Opponent kontert mit dem Hinweis, dass die Zeit schnelllebig geworden sei, und dass der menschliche Geist droht, durch die Decke zu gehen. Nun wird der Proponent stumm. Er weiss, der andere hat recht.

Proponent und Opponent haben dieselbe Heimatadresse. Beide wohnen in mir. Weniger verschwurbelt gedacht: Ich habe Zweifel um die Zukunft. Oder, einen Tick ehrlicher: Ich weiss nichts. Und ich weiss, dass ich nichts weiss. Wie so viele lese ich im Kaffeesatz und rede über „Gesehenes“. Und dann passiert es. BILD berichtet: Roboter erwürgt seinen Mechatroniker! Tschernobyl im Mini-Format, aber mit derselben Wirkung. Überall wird der Blech-August erst mal abgeschaltet. Dann sucht man den Deppen, der die Roboter programmiert, ohne die Asimow’schen Grundsätze zum Schutz der Menschen in die Software einzufügen. Und Oma Krause wirft ihren Rosshaar-Handfeger in die Mülltonne. Man weiss ja nicht ….. vielleicht dreht der durch, denkt, er sei eine digitalische Zahnbürste und fährt ihr unkontrolliert ins Gesicht und unter die Kau-Leiste?

Unsere Welt(en)

Wir, die Menschen, leben offensichtlich in mehreren Welten.
Es ist nicht möglich, zur selben Zeit in jeder Welt zu sein.
Folglich  gleiten wir aus einer Welt in die nächste.
Mystisch? Ganz gewiss nicht. Man denke an Privatwelt,
Arbeitswelt und Traumwelt.
 
Privat- und Arbeitswelt sind real, die Traumwelt dagegen irreal.
Diese Sichtweise ist allerdings nicht von Belang,
wenn man bedenkt, dass jede Welt spezifische Anforderungen an das Bewusstsein und – das ist wichtig – auch an das Unterbewusstsein stellt.
 
Was ist, wenn uns die Weltsicht überfordert?
Wenn wir Werte und Ordnung verlieren und situationsbedingt alles durcheinander würfeln?
Auf dem Teller Eintopf  statt einer klaren Consommé?
Wir werden meschugge !


Leben 21

Übung / Schrottiges

Es ist meine feste Überzeugung, dass man über alles schreiben kann. Gut, auch hier sind Grenzen gesetzt. Mal gibt ein Thema viel her, mal wenig. Mal ist man gut drauf und hat den Kopf frei, mal ist man wie verbrettert und es kommt nicht viel zustande – egal. Irgendwas geht immer.

So war ich tatsächlich versucht, über Toiletten zu schreiben. Ich war beruflich wie privat viel auf Reisen und habe dabei viel Erfahrung gesammelt.

Es hält sich bis heute das Gefühl, alle Varianten kennengelernt zu haben. Schliesslich habe ich das Vorhaben aus meiner To do-Liste gestrichen.

Würde ich bei der Königsklasse, die mit den vergoldeten Armaturen beginnen und beim Scheisshaus (Verzeihung!) einer chinesischen Landkommune angekommen sein – meine Leserschaft hätte längst das Weite gesucht. Aber ich könnte!

Es bleibt dabei. Man kann über alles schreiben. Klar, dass ich dazu einen Beweis liefern muss. Und ich mache es mir nicht einfach. Nein, ich schreibe nun ….. über einen Papierfetzen.  Noch habe ich keine Ahnung, was mir dazu einfällt. Aber ich bin stur. Ich will das. Also leg mal los, Roland!

Da liegt das Stück Papier auf der Strasse. Leicht zerknüllt, und so kann der Wind drunterfassen und das Teil einige Meter weiterschieben.

Das geht, solange es nicht regnet. Ich schaue dem Spiel des Winds gelassen zu und frage mich derweil, wo dieser Fetzen herkommt. Er sieht aus, als wäre er in einem früheren Leben Teil einer Brötchen-Tüte gewesen. Zur Sicherheit laufe ich hin und nehme den Zettel hoch, glätte ihn und sehe ….. nichts.Ich gebe ihm seine Knitterform zurück, und dem Wind sein Spielzeug. Und ich ernte missbilligende Blicke vorbeihuschender Passanten. Wie sähe die Stadt aus, wenn das jeder macht? Schmeiss doch gleich noch Deine Kippe hinterher, Du Ferkel!

Egal. Schliesslich habe ich eine Mission. Mein Papierfetzen verucht, mir zu entkommen. Aber ich bleibe dran. Dumm nur, es hat nun zu regnen begonnen. Ein heftiges Gewitter bringt viel Wasser auf die Strasse. Mein Zettel fliegt nicht mehr. Nun schwimmt er. Ich weiss, das ist garnicht gut. Sehe den Gully, und wie mein Zettel darin verschwindet. Aus die Maus.

Du merkst schon, ich habe das Thema abgekürzt. Schriebe ich so weiter, es käme gewiss kein Pep in die Sache, es sei denn, ich würde es als Intro für einen Krimi benutzen. Dann wäre es halt kein Stück Tüte, sondern eine halbe Banknote, und die dürfte nicht im Gully verschwinden.

Wie auch immer: Nun mache ich etwas mit Sinn und Verstand.

Küchendienst!

ps: Der Zettel war in Wirklichkeit ein Kassenbeleg von ALDI !