927 – Leckerli

Ich gestehe, dass ich bei Süßigkeiten schwach werde,
und dies auf fast peinliche Weise:

Ich habe schon an Schoko gedacht
und gesabbert wie ein Neufundländer-Rüde,
wenn er auf eine Hübsche trifft,
oder auf seinen Besitzer,
der sich albern „Herrchen“ nennt.
Es war unvermeidlich,
dass ich meine Lieblingssorte
gedanklich herbei zitiere,
und in Phantasien schwelgte
wie ein geiler Bock
beim Anblick seiner Lieblingsziege.
Allerdings:
Vom ganzen Angebot mag ich lediglich
meine dazu erfundene Sorte,
ein dünnes Täfelchen mit Beulen,
und in den Beulen ein Mikroschlückchen
na? Marillengeist!
Diese feinsinnige Köstlichkeit
gehört als Krönung
ganz nach oben auf den Berg
ordinärer Kakaoprodukte,
denen man auch noch komplette
Haselnuss-Ernten geopfert hat,
nur weil Haselnuss billiger ist
als Kakao-Bohne.
Dabei ist die Spitze der Scheusslichkeiten
im Schoko-Bereich
eine Schokolade, die zu 100%
aus Kakao besteht.
Hundert Prozent heisst
zu 99,5 % Kakao, und
zu 0,5 % Bindemittel.
Und K E I N Zucker!
Diese Schoko schmeckt
wie getrockneter Schlick aus der Elbe.
Ich habe ein Stückchen probiert,
ein Urteil gefällt,
und das Machwerk stückchenweise
in meinen Kaffee geworfen.
Dort aufgelöst hat er plötzlich
einen Nutzen entfaltet.

Eigentlich hatte ich nicht die Absicht, mich über Schokolade in epischer Breite auszulassen wie eine Speckschwarte in heisser Pfanne. Aber wie so oft ist mir das Thema einfach entglitten, aus der Hand gerutscht und voll umfänglich auf meine Tastatur geklatscht. Dabei tue ich auch noch so, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt als Schokolade – dennoch: Diese süsse Ware ist, wie ich aus früheren Jahren erinnere, Soul food vom Feinsten. Ich habe nach Kriegsende die ersten Schokoladen gegessen; sie hatten einen rosa Kern, den man Erdbeercreme nannte, und der nicht nach Erdbeere schmeckte, sondern nach BASF, der Ludwigshafener Badische Anilin-und Soda-Fabrik.

Wer heute eine wirklich gute Schokolade essen möchte, sollte sich die Mühe machen, nach Produkten aus der Schweiz zu schauen. Dort sitzen noch Leute mit goldenen Händen und dem Ehrgeiz, Gutes zu leisten.

926 – Politik

Ein aufmerksamer Beobachter wird erkennen: Diese drei Vögel sind – um die Menschensprache zu benutzen – gestandene Weiber. In der Menschenwelt würden sie nicht Korn für Korn picken, sondern Doppelkorn schlucken. Dem alten, aufgeputzten Angeber auf dem Misthaufen zeigen sie, mit Absicht mehrdeutig, das Hinterteil. Er fühlt sich als Hahn im Korb seiner Weiber, und sie gackern respektlos vom Hahn im Topf. So sieht es nun mal aus auf einem ordentlich geführten Hühnerhof.

Es herrscht unausgesprochen das Matriarchat, und den selbsternannten Patriarchen ruft man nur, wenn er gebraucht wird. Das fesselt ihn auf Wolke sieben, er ist aus dem Weg, und die Hennen halten die Produktion in Gange mit einer Legeleistung von 200 Eiern p. a. und einer Brutleistung von vier Eiern plus ein Gips-Ei pro Henne.

Und der Stall-Erste, der Stellvertreter Gottes, der Herr über Leben und Tod, das Bauer?
Er kennt alle beim Namen, kommt oft in den Hühnerstall zum Kuscheln, hat immer eine Handvoll Bruchmais in der Hosentasche, und brummt Kinderlieder – völlig harmlos!

Seine Frau, die Bäuerin spielt gerne den Eisernen Besen. Kommt in den Stall getobt und keift los: „Wo issen die Mizzi widder, das verfluchte Saumensch! Kumm her, isch dreh Dir de Hals um!“ Mizzi hockt aber über der Legerinne und versucht, ein Ei loszuwerden. Die Bäuerin: „Kumm her, Mizzi, bischt meine Liebschde – knuddel knuddel Küsschen auf den Schnabel – gehts dir gut?“ Und man sieht, wie Mizzi in Rage gerät; die Farbe vom Kamm tendiert nach lila., und die Hühnerfüsse krampfen wie bei schwerem Gelenkrheuma. Sie geniesst, das Luder.

Jede Anspannung löst sich, wenn die nächste Fütterung bevorsteht. Dann tun alle, Tiere wie Menschen so, als wäre nichts gewesen, als verzichte man auf Rangordnung, als habe man es geschafft, die ideale Form von Demokratie zu praktizieren:
Vor einer guten Mahlzeit sind alle gleich.

925 – Katzengedanken

Sei froh, dass Du kein Hamster bist!
Das sage ich Dir an jedem Tag.
Wir sind nun 29 Katzen.
Ein kleines Universum.

Wir?
Alles Killer.
Mäuse?
Ja, auch solche.
Noch.
Solange Vorrat reicht.
Katzengesetz:
Erst spielen, dann töten.
Fressen? Nein.
Zu Hause gibts Besseres.
Kitekat und so.
Und Frauchen.
3 Monate Dressur.
Jetzt spurt sie.
Katzengesetz:
Immer wissen, wo es längs geht.
Und entscheiden.
Menschen?
Niemals!
Sind inkonsequent,
unzuverlässig.
Wieder kein Cheddar im Haus!
Aber Bier saufen!
Diese Allesfresser.
Laut sein.
Kein Schwanz –
keine Schwanzsprache –
keine Kommunikation!
Haben es warm und trocken,
sind aber echt Scheisse.
Wieder mal kein Cheddar da!
Ich warte.
Schlafe eine Runde.
Dann putzen,
und in die Küche gehen.
Vielleicht ist dann der Käse da.
Wenn nicht?
Krallen raus und zuschlagen.
Immer auf die Finger!
Ich will Blut sehen!
Oder Cheddar,
Ihr Deppen.

924 – Wüste

Wüsten sind Orte des Vergessens.
Dort wird der Mensch vergessen,
und er vergisst.
Es ist unerheblich,
ob man sich in einer geistigen,
oder in einer materiellen Wüste befindet.
Der Mensch kommuniziert mit Sand,
bis er selbst zu Sand geworden ist.
Man hat nie beobachtet,
dass der Sand zu Mensch konvertiert.
Dies wäre ohnehin nicht wünschenswert.
Man stelle sich vor,
der Mensch würde sich
einem Naturgesetz entsprechend
vom Menschen zum Homo sapiens entwickeln,
statt als Homo erectus
ein friedvolles, erfülltes Leben zu führen:
Zyniker schätzen den Brauch,
Menschen in die Wüste zu schicken.
Wo das nicht gelingt, springt der Priester ein:
„Asche zu Asche,
Staub zu Staub,
Sand zu Sand!“
Heuchlerisch vermeidet er
den Terminus „Dreck“.
Gut. Auch er ist nur ein Homo,
wenngleich er verzweifelt
nach göttlichem Segen sucht
und in seiner eigenen Wüste
gräbt und gräbt.
Wie überhaupt das Suchen nach etwas,
was weder bekannt noch vorhanden ist,
was das Schicksal des Homo erectus prägt.
Das Suchen beginnt bei der Brille,
und endet mit der Weisheit.

Unverdauliche Gedanken, die ich hier hinterlasse.
Der Autor hat einen Dachschaden.
Das kann sein.

Meine Gedanken werden unfein.
Ich muss aufhören, bevor Schlimmeres geschieht.
Wiedesehn!

923 – Smrt

“ ….. da sagte diese Patientin,
sie sei nun knapp 80 Jahre alt,
und ihr Alter sei ihr völlig egal.
Also habe ich den auch gleich
mitgenommen.“

Anmerkung: „Smrt“ ist ein seltsames Wort.
Es gehört in die kroatische Sprachwelt
und heisst zu deutsch „Tod“.

922 – Autarkie

Man muss es den Briten lassen.
Es findet sich immert wieder ein heller Kopf,
der intellektuell in der Lage ist,
den Fortbestand der britischen Arbeiterklasse
zu sichern, indem er reale Maßnahmen
vorausdenkt.

Eine der Leuchten ist Paul Scully,
Wirtschaftsstaatssekretär in der Regierung Johnson.

Mr. Scully:

„Wir müssen mehr Wind machen!
Wir wollen keinen Wind aus Europa!“

Und:

„Wir müssen gegen den Klimawandel stimmen!“

Endlich ein Königsweg gegen das Übel!
Britischer Humor ist nicht zu toppen.
In Brüssel sitzen allerdings die Zweifler.
Sie fragen sich, welche Gemeinheiten die
Johnson-Regierung schon wieder ausbrütet,
und nennen Mr. Scully eine Sphinx,
die kryptisch daherredet.

921 – Überblick

Mit dem folgenden Beispiel zeige ich auf, wie Intellektguelle ticken. Ich hatteals Jüngling den Versicherungskaufmann hingeschmissen und ging in die Industrie. In einem 10.000-Mann-Unternehmen heuerte ich an und wurde ziemlich rasch zum Chef zitiert. Er wollte alle Neuen der Schlips- und Kragen-Klasse kennenlernen. Mir sagte er, er möchte wissen, wer ihm begegnet, wenn man sich auf dem Fabrikhof trifft. Ich, die kleinste Kerze auf der Torte, war dem Eigentümer und CEO des Ladens wichtig. Der Patriarch fragte mich nach meinen Sorgen, und wie es mir in seinem Unternehmen so ergeht, und ich hatte nur über die Mühe, mir und meiner schwangeren Frau eine bessere Wohnung zu suchen, erzählt. Danach sagte der alte Mann, das sei nun sein Problem, und ich solle mir keine Sorgen machen. Eine Woche später hatte ich einen Mietvertrag auf dem Tisch, und der Mietpreis liess mich auf bessere Zeiten hoffen.

Diese Episode stammt aus dem Jahr 1964. Gute Mitarbeiter waren wichtiges Kapital und wurden pfleglich behandelt. Und heute? Die von vielen herbeigesehnten Experten für alles Mögliche in allen Bereichen eines Unternehmens sehen in Mitarbeitern Material wie Rohstahl, das man verwenden, verbrauchen kann, oder in die Schrottkiste wirft.

Es sei hier angemerkt, dass bereits um 1900 Nationalökonomen wie Max Weber und Joseph Schumpeter Modelle der Sozialökonomie entwickelt haben, und dies in dem Glauben, Weichen für die Zukunft gestellt zu haben. Aber während sie die akademische Elite heute noch mit der Sozioökonomie vergnügt und sich die Abstraktion zunutze macht, um nicht Schaden zu erleiden, geht man im operativen Alltag des Wirtschaftens den Weg, die Soziologie unter Krämpfen von der Ökonomie zu trennen und durch profitables Handeln zu ersetzen. Dabei ist stets die bretter-bewehrte Denkweise von allerlei Experten richtungweisend.

Langfristige Denkweise ist nicht modern. Möglich, dass man darum die Folgen seiner Handlungen nicht erkennt. Es gibt sie also nicht, oder sie sind im lafenden Geschhäftsjahr nicht elevant. Aber ganz hinten in einer Ecke lauert die Gefahr, die man künstlich und unwissend erzeugt hat: Die Zerstörung des natürlichen Gleichgewichtsschädigt die Lebhensgrundlage der menschlichen Gemeinschaft. Und was kurzfristig so toll aussieht und sich so prima verkaufen lässt, ist in Wirklichkeit toxisch und beginnt vielleicht erst mittelfristig zu wirken.

Für positive Veränderungen ist eine globale Katastrophe notwendig. Keines der heute installierten Gesellschaftssysteme hat eine gute Zukunft; das konfuzianische der Chinesen und das steinzeitliche der Osteuropäer und der USA sind irgendwie kompatibel zueinander, und selbst das der Mitteleuropäer ist mit idiotischen Nationalismen überfrachtet – kurz: Es geht nichts zusammen, und schon garnicht, wenn sich die politische Macht in den Händen von Psychopathen ausruht.

Weiss jemand zufällig, wie mein Thema heisst? Ich verliere den Überblick …..

920 – Arbeit

Da bildet man sich ein, ein abgebrühter Hund zu sein, den nichts mehr aus der Spur bringen kann. Da ist man sich seiner Sache gerwiss, nämlich auch, dass das Alter un d die Lebenserfahrung vor Erschütterungen schützen würde. Denkste!

Da kommt eine einzige, lausige Nacht daher, die diesbezüglich einen Irrtum offenlegt. Gut. Man mag daher kommen und tiefgründig anmerken, Irren sei menschlich. Und ich, gutmütig bis tolerant wie ein Backstein in der Mauer kann das hinnhemen, als wäre es nie gesprochenes Wort bzw. Satzungetüm. Ich kann das. Aber was habe ich davon? Geschehen ist geschehen, und ich habe nun mal anscheinend die ganze Nacht an einem Text für diesen Blog geschrieben. Im Bett. Schlafend und träumend. Und nun sitze ich in meinem kleinen Office udn bin ebenso müde wie lustlos. Wohlgemerkt:_ Von 6 Stunden Schlaf! Und das Schlimmste: Ich habe keine Ahnung, an welchem Thema ich nächtens entlang geschrieben habe. In wachem Zustand – vielleicht auch nur halb wach – weiss ich ohne jeden Zweifel, dass mein Text fertig geschrieben und sau-schlecht war. Es war in meinen Sinnen festgemauert, dass ich ihn so nicht hochladen kann. Und zeitweise habe ich meinen eigenen Schrieb nicht mehr verstanden. Und wenn das Unterbewusstsein es so will, findet man auch keine Lösung. Man kriegt keine Delete-Taste zum Löschen angeboten – basta! Und so ist man, durch eigenen Willen nicht belastet, in der wahrlich üblen Situation, sich unter Zwang durch sein eigenes Textungetüm schrauben zu müssen, das sich anfühlt wie Stahlbeton, und dies, bis sich die Harnblase mit Krämpfen meldet. Ich kam jedenfalls geschlaucht aus dem Badezimmer und wagte nicht, wieder ins Bett zu gehen.

Mag sein, dass dort ein Wäschewechsel fällig ist. Oder meine Halbe Bier, mein Schlummertrunk war schlecht. Schmiermittel von der Abfüllanlage drin, oder so.
Hat Zahnpasta eigentlich ein Haltbarkeits-Limit? Der Feind kann nicht überall sein, aber überall sind Feinde! Wenn mir heute alle Zähne ausfallen, habe ich dann Covid-19?

Es isr doch so: Als Mensch der Moderne hat man verinnerlicht, nicht in der Vergangernheit zu leben, sondern immer nach vorne zu schauen. Wir arbeiten an einer besseren Zukunft! Und manchmal sind wir voll im Flow und überholen uns selbst, brüllen „wir schaffen das!“, un d plötzlich stehen wir in einer Wüste, und erkennen: Was wir geschafft haben, war nur eine Fata Morgana. Da ist weit und breit nicht mal ein Wasserloch. Wir haben wieder einmal mit Illusionen gehandelt, statt mit der Wirklichkeit.

Achottschen. Ich wollte jetzt nicht dramatisch werden. Es ist doch nichts weiter als natürlich, dass der Durchschnittsmensch nicht in der Lage ist, den von ihm so gerühmten Fortschritt und seine Auswirkungen in der Zukunft zu verstehen und zu bewerten. Die Veränderung der Erdatmosphäre ist ein aktueller Beweis dafür – Geld ist noch immer wichtiger. Moment mal. Um was geht’s hier? Das ist doch wohl meine Träumerei ….. nicht das Klima!
Motor aus, 1. Gang einlegen, Handbremse ziehen und aussteigen, aber ein wenig flott!
Nur Deppen fahren über München, wenn sie von Hamburg nach Bremen wollen.

919 – Episode

Beide Schuhe waren froh, die lästigen Füsse endlich losgeworden zu sein.
Sie waren alt, und ein Grauschimmer kündigte an, ihr Lebenszyklus neige sich dem Ende entgegen. Dennoch waren sie in der vergangenen Nacht bemüht, dieses einsame, schwächliche Grasgewächs möglichst wirksam gegen die Kälte zu schützen; Kinder hatten zudem mit Teelichtern gespielt, und ihre Flämmchen sollten beim Schutz vor Frost behilflich sein.

Die Bugwelle eines tief liegenden Frachters beendete das Stilleben abrupt. Die drei Teelichter gingen auf eine Reise, beide Schuhe wurden ebenfalls vom Strand gespült. Sie gingen unter, und die Strömung im Fahrwasser trug sie fort. Lediglich eines der brennenden Teelichter wurde am anderen Flussufer gesehen, löste in der Abendpresse ein kleines Chaos aus. Für einen Moment glaubte man, der Geist von Pieter Buttpedder sei nach 200 Jahren wieder aufgetaucht, um seinen Tribut von den Glückstädtern zu fordern, das wären 3 Jungfrauen im Alter von 65 Jahren. 17 Damen sind Richtung Hamburg geflüchtet. Wegen eines Teelichts von IKEA. Nun, Hauptsache, die Republik hatte ihren Spass!

Und die Graspflanze, eine salztolerante Binsen-Art steht fest und ist guter Dinge. Sie wird ohne die Hilfe des Menschen prächtig gedeihen und eine Kolonie ihrer Art gründen.

918 – Vogel

Wieder einmal herrscht die grosse Leere in einem kleinen Hirn. Ich sitze vor dem Bild eines Vogels, mir fällt dazu nichts ein. Im Gegensatz zu mir scheint das Tier voll unter Dampf zu stehen. Er muß voll bei der Sache gewesen sein, als er abgelichtet wurde.
Es ist ein afrikanischer Graupapagei, und er trägt eine Waffe, wo andere Viecher ein Maul haben. Aber er strahlt Autorität aus und kann deshalb in Frieden leben.

Es ist die gefürchtete Mamagei.

Diese Kampfhenne muss nicht beschrieben werden. Wohl dem, der noch zur rechten Zeit das Weite gesucht hat, bevor er mit einer solchen Vogelin den Bund fürs Leben schliessen musste. Es gilt immer noch,

dass man prüfen soll, bevor man sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet.
Der Wahn ist kurz, die Reu‘ ist lang.

Das walte Friedrich Schiller und sein Lied von der Glocke!

Was ich meine, ist:
Bevor Du ein Risiko eingehst, frage Dein Herz danach, ob’s nicht auch ein senibler, kluger Papagei tut; er ist zuverlässig monogam, und Du kannst ihn Vokabeln lehren, gerne auch in Russisch. Und wenn er Besucher mit „говно“ begrüsst, was sich wie govno anhört und Fäkales benennt, dann wisst nur Ihr beiden, dass ihr den Besuch echt Scheisse findet.

Zugegeben, die Sache mit dem Papagei hat einen Pferdefuss. Wenn dieser Vogel sommers, wenn alle Fenster offen stehen, damit beginnt, in voller Lautstärke und aus Übermut auf Russisch „govno“ zu brüllen, so kann es geschehen, dass sich auf der Strasse vor Deinem Haus die halbe russische Kolonie versammelt und mitbrüllt. Dann kannst Du nur noch Deinem Vogel den Hals mit einer Banane stopfen und mit 6 Flaschen Wodka draussen für Ruhe sorgen. Dann ist passiert, was vielleicht nicht in Deinem Sinne ist. Wenn draussen 30 Russen standen, brüllten und tranken, dann hast Du plötzlich 29 neue Freunde. Und sie alle wollen für Dich Vareniki oder einen Borschtsch kochen.
Und so lernst Du en passant, wie hart das Leben sein kann!

917 – Fiktion

Wer kennt sie nicht, die biblischen 10 Gebote! Wer sie im Tanach, der hebräischen Bibel nachliest, wird begreifen, dass diese „fossile“ Werteordnung, sei sie nun hebräisch oder christlich ausgelegt, die Freiheit des Menschen erheblich beschneidet. Aber wer von den Pharisäern, die in alle Richtungen zu polemisieren gewohnt sind, hat je dazu Kritisches verlauten lassen? Offenbar fürchtet man die Macht der Kirchen dieser Welt!

Handlungen, die per Gesetz mit Strafen bedroht sind, engen die Freiheit weitergehend ein. Dies ist nichts weiter als natürlich, denn das Leben in einer Gemeinschaft kann nur möglich sein, wenn der Einzelne seinen Individualismus zügelt; der Aussenseiter, der in seiner Laubhütte im Wald autark lebt, ist nur scheinbar erheblich freier, denn ihn plagen die Naturgesetze. Aber ja doch! Wenn Winter angesagt ist, wird nicht lange diskutiert, sondern Winter gemacht!

Wer bis hierhin alles verstanden hat, sollte seine Vorstellung von Freiheit längst im Klo runtergespült haben. Es kommt noch einiges andere zusammen, was Erziehung und Erfahrung an Unfreiheit beisteuern, oder?

Ich halte mich kurz. Nur noch ein Hinweis:
Auch wer sich seinen Emotionen uneingeschränkt hingibt, ist durch sie unfrei geworden.
Wenn also ein Autofahrer 230 km/h fahren darf, kann und wird, fühlt sich frei, und ist ungefühlt in einem Geschwindigkeitsrausch gefangen. Frei sein geht anders: Ich traf in Berlin, im Grunewald auf einen Maserati-Fahrer. Fragte, wie schnell sein Sportwagen läuft. Er bemerkte lakonisch, das wisse er nicht, da er in seinem Kabrio viel lieber mit 40 durch den Wald fährt und die Natur geniesst.

Der Terminus „Freiheit“ wird unentwegt missbraucht, ist deshalb entwertet und nur noch in Propaganda-Parolen zu gebrauchen. Politiker sind nicht so dumm, wie man es glauben möchte. Sie wissen um das Problemwort, und sie nutzen ihr Wissen.
Dumm scheint jener mächtige Teil des Volks, der sich seine humanistische Bildung in der Dorfkneipe geholt hat. Dieser Truppe kann man etwas vom Pferd erzählen –
sie müssen glauben, weil sie nicht wissen. Und so entwickelt sich zum Beispiel der Trumpismus zu einer Art Religion, wo die Wahrheit untergeht wie ein Pflasterstein im Marianengraben.

Nun wird es wirklich schwierig, denn die Träumer kommen ins Spiel und behaupten eine Tatsache: Die Gedanken sind frei! Ja, ich darf denken, was ich will! Aber bin ich noch frei, wenn ich nicht mehr denken kann? War Kaspar Hauser frei, als er mit 16 aus dem Kartoffelkeller hervorkroch? Und was ist mit Menschen, die massiv indoktriniert wurden?
Ihre Freiheit im Denken beschränkt sich auf einen eingeschränkten Rahmen, der fremdbestimmt ist. Was ist mit jenem Kuhbauern, der am Sonntagmorgen in die Kirche rennt, um sich mit christlicher Ethik vollpredigen zu lassen, um hinterher im Wirtshaus eine Kuh zu verkaufen, umgehend eine Vorderkeule zu versaufen, der nach Hause geht und erst mal die Kinder durchprügelt, bevor er die Knödeln der Mittagsmahlzeit gegen die Wand wirft, seine verzweifelte Frau in den Stall treibt und dann auf dem Küchenboden seinen Rausch ausschläft – ist der frei? Oder ist er doch behindert? Urteile!
Ich wette Du hast es rausgekriegt. Wenn dieser Saubauer 70 geworden ist, kriegt er das Bundesverdienstkreuz am Bande umgehängt. Seine Frau und die Kühe kriegen nichts.
Das entschieden dann andere freie Denker. Hör mir bloss auf mit dem Quatsch!
Nun könnte ich eigentlich zur freien Entfaltung der Persönlichkeit überleiten .…. Nichts da.
Schluss ist.

916 – Versuche

Wenn man einem Kind aus einem Dorf städtische Bildung aufzwingen will, muss das nicht unbedingt erfolgreich sein. Oder man schafft es bis zu einem bestimmten Niveau. Ich bin ein Beispiel dafür. Man führe mich zu einem Baum. Ich erkenne diesen sofort, und sage an: „Buche. Kann man nicht essen.“ Hier ist dann aber Schluss.

Das angedeutete Minimum an Wissen hat Folgen. Ich weiss, dass die Tomaten nicht von der Kuh kommen. Das Tier liefert nichts Rotes, sondern Weisses, unten, und Grünes, hinten.
Entsprechend reduziert ist mein Verhältnis zum Hausgarten. Ich verzichte darauf, meine Missgeschicke aufzulisten. Immerhin ergibt sich:

Nicht dass ich einen weiteren ambitionierten Schritt in de Landwirschaft wagen würde. Es ist nichts weiter als Neugierde, die mich dazu trieb, einen Blumentopf mit Pflanzerde zu füllen und ein Snickers einzupflanzen. Ich habe diesem Schoko-Riegel vorne und achtern die Verpackung entfernt und das Teil senkrecht bis zur Hälfte in die Erde gesetzt, mit drei Schlückchen Wasser gegossen, und den Topf am Fenster auf die Heizung gesetzt.

Man wird sehen, was wächst. Ich weiss es nicht. Ich hoffe, dass die Erdnüsse keimen. Wenn das nicht geschieht, habe ich eine falsche Entscheidung getroffen. Die erste Idee war, aus einem Bounty eine Kokospalme zu ziehen. aber ich bezweifle, dass Kokosflocken keimfähig sind.

Was, wenn ich einen Stuhl zur Hand nehme und ein Bein in Pflanzerde stelle? Ob der Stuhl dann Triebe und Blätter entwickelt?

Denkst Du nun, ich sei senil geworden? Kan sein. Aber nur vielleicht. Vielleicht suche ich Ansätze für ein sinnvolles Beispiel der Re-Engineering in der Landwirtschaft!
Aus Wurst ein Schwein machen – geht leider nicht! Aber wenn ein Huhn ein Maiskorn frisst und unverdaut wieder ausscheidet, so könnte eine Maispflanze entstehen, oder? Und was geschieht, wenn ich das Huhn einpflanze? Oder ich bestäube mit einem feinen Dachshaarpinsel die Blüten unseres Plaumenbäumchens mit Eipulver. Möglich, ich ernte dann zur rechten Zeit „lippische Eierpflaumen“, gross, gelb, würzig und saftig?

Wie auch immer: Für diese Art Gartenforschung bin ich zu haben. Für Hecken schneiden und Unkraut jäten bin ich zu ungeschickt.

Ich denke, ich sollte mich nun zurückziehen, in die Theorie des Gartenbaus – dort kann man wirklich gut verweilen.

915 – Kultur

Kennst Du die Schinkenstrasse am Ballermann in El Arenal auf Malle?
Ich nicht.
Offenbar habe ich etwas versäumt.

Nun sah ich gestern im TV einen kurzen Ausschnitt
vom Leben in besagter Strasse:
Ein betagter „Schlagersänger“ stand auf einem Tisch und sang:
„Ich hab ne Zwiebel auf dem Kopf,
ich bin ein Döööner!“

Natürlich war ich sofort begeistert.
Es gibt sie noch, die Idealisten,
die deutsches Kulturgut in der Welt verbreiten!

Leider hat er nicht den korrekten Text gesungen.
Der geht anders:
„Ich hab ’n Döööner im Kopf,
bin eine Zwiebel!“
Es ist nicht der Döner, sondern die Zwiebel,
die dem Zuhörer Tränen in die Augen treibt!

Originell wäre auch:
„Ich habe Erbsensuppe im Kopf,
ich bin ein Würstchen!“

Um solches deutsches Liedgut unbeschadet zu überstehen,
bieten sich zwei Wege an.
Entweder man säuft sich mit Sangria hackedicht,
oder man geht aufs Klo zum Weinen.

In Berlin ist gerade anderes modern:
„Ich hab‘ Gehampel im Kopp,
bin eine Ampel!“
Und der Bundeskanzler Olaf I. tanzt auf dem Tisch!

Schon recht. Ich sollte mir mal gründlich den Mund auswaschen.
So richtig mit Kernseife.

914 – Zen-Feier

Senfeier oder Zen-Feier?

Der Not gehorchend, und nicht dem inneren Triebe entscheide ich mich für die Senfeier.
30 Minuten angestrengtes Essen, und ich bin erlöst.
Eine Zen-Feier dauert erheblich länger und ist auch deutlich quälender.

Dessen ungeachtet ist mir das eine so fremd wie das andere. Diese Hühnerklüten in Senfsosse habe ich im Leben nur einmal gegessen; es geschah in der Kantine eines deutschen Grossunternehmens, und ich habe gehofft, dass der Koch an diesem unseligen Tag das Werksgelände nicht lebend verlassen hat. Ich hatte seinen Frass als Attentat auf die körperliche Unversehrtheit von rund 1.500 Menschen empfunden.

Und heute, nach 55 Jahren kommt dieses ur-deutsche Gericht wieder auf meinen Tisch. Der einzige Grund: Mein Sohn hat diese Untat noch nie vorgesetzt bekommen und kann deshalb nicht mitreden, wenn das Thema aufs Tapet gebracht wird. Und ich – in einem Anfall von Selbstüberschätzung – habe zugestimmt, Senfeier als Lunch an einem Sonntag aufzutischen.

Dabei weiss ich genau, dass ich so oder so verliere. Entweder ich mag sie immer noch nicht, oder ich mag sie und habe sie ein halbes Jahrhundert lang ignoriert. Beides ist nicht gerade schön zu nennen. Dazu kommt, dass das Re-Engineering versagen wird, weil ich aus Kartoffelschnee keine Bratkartoffeln machen kann, so wie man aus Wurst kein Schwein hinkriegt.

So kann ich nur hoffen, dass ich über genügend Tapferkeit verfüge, wie man sie bei einem alten, erfahrenen Kämpfer erwarten darf.
Mein Plan B ist längst fertig. Ich musste nur die Tür zur nächstgelegenen Toilette offen lassen. Ich hoffe sehr, diesen Plan B nicht benutzen zu müssen. Es täte mir wirklich leid, wenn ich den Jungs in der Kläranlage den Bakterienstamm des ersten Fäkalienbeckens mit Senfsosse kaputt machen müsste.

Nachtrag:

Dem Kantinenkoch soll der Teufel holen.
Meine Senfsosse war richtig lecker,
seine nur eine saure Plörre..
So ein Ochse!

913 – Draussen

Da steh‘ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!

So klagte Goethe’s Dr. Faust – und so klage ich heute.
Ich stehe tatsächlich in dieser Felseneinöde
und starre auf ein Felsentor, das nur dazustehen scheint,
um die Tristesse rätselhaft erscheinen zu lassen.
Ich weiss nicht, wie und warum ich hierhergekommen bin,
oder auch, warum man mich an diesen Ort brachte.
Fakt ist, dass ich hier stehe,
dass ich nicht weiss, wo das Hier ist,
dass ich nicht weiss, warum ich hier bin,
nicht weiss, wer mich hergebracht hat,
und Datum sowie Uhrzeit nicht kenne.

Aber ich weiss, dass ich hungrig und durstig bin,
und ich weiss,
dass ich dringend zurück in die Zivilisation muss.

Ich gehe ein paar Schritte auf das Tor zu,
fasse den Fels an.
Er steht in glühendem Sonnenschein
und ist ist eiskalt.
Ich schaue durch das Tor.
Die andere Seite gleicht dem Platz
vor dem Felsbogen, mehr ist dort nicht.
Aber eine innere Stimme warnt mich,
das Tor zu durchschreiten.
Die Kulisse dahinter könnte trügerisch sein.
Ich frage mich vergebens, was geschieht,
wenn ich das Tor links oder rechts umgehe.
Lieber nicht, lieber nicht!

Noch bevor ich Verzweiflung entwickeln kann,
legt ein Boot an, und ein Mensch steigt aus.
Er schreitet auf das Tor zu, schreitet hindurch

  • und wird unsichtbar.
    Sein Boot legt unbemannt ab und verschwindet.
    Es dauert eine Weile,
    bis ich den Schreck überwunden habe.
    Dann greife ich einen faustgrossen Stein
    und werfe ihn in das Tor.
    Er prallt lautlos von einem Nichts ab
    und fällt zu Boden.
    Ich verstehe nichts. Will nur noch weg.

Wenig später wiederholt sich der Vorgang.
Ein weiterer Mensch verschwindet im Nichts.
Aber ich sitze im Boot.
Es trägt mich durch einige unbekannte Bilder
und legt an einem unbedeutenden Steg an.
Ich weiss, es sind nur noch wenige Schritte
bis nach Hause, zu meiner Familie.
Sie sagen mir, ich sei 18 Monate
lang unauffindbar gewesen.

Mir scheint, der Teufel hatte mich geholt –
und wieder zurück gegeben. Ausgespuckt.
Ich bin gelassen und lächle still in mich hinein.

911 – Selbstmitleid

Die Welt jubelt: Heute ist Vatertag!

Jubilate Deo, omnis terra!
Jauchzet Gott, alle Lande? Wie bitte?
An einem elenden Tag wie diesem, dem Heutigen?

Merket alle: Ich bin überfordert.
Kann weder jauchzen noch jubilieren,
an Tagen wie diesem,
der mir nur Niederlagen beschert.

Was ist?
Nun, mein Spass mit dem Tod kommt garnicht gut an.
Man vermutet sicherlich, ich sei abartig.
Ernstes ist nun mal nicht lustig.
Doch, ist es.
Für ihn und Insider, wie ich.

Dann stelle ich so ganz im Stillen und nur für mich fest,
dass ich es heute verdient hätte,
ein wenig bedauert zu werden.
Schliesslich ist heute der Ehrentag für Väter.
Und was habe ich davon?
Ich sitze hier mit einem Pfund Thüringer Mett
und einem Kanten trockenes Brot,
und zwei Bierdosen.
Schneide Zwiebel, und heule in mein Grubentuch.
Wie ich mich sehe, gebe ich ein Bild
menschlichen Elends ab.
Alleingelassen, und nur mit dem Nötigsten versorgt.
Und das Schlimmste:
Ich kann nicht mehr trinken wie früher.
Da rechnet sich nichts mehr.
Vier Stunden volltrunken kosten 4 Tage Unwohlsein,
so, als wäre ein 40-Tonner über mich gerollt.
Man muss sich das mal selbst erklären:
Früher durfte ich Auto fahren, aber nicht trinken.
Heute darf ich trinken, darf aber nicht Auto fahren.
Das ist eine Wende um ziemlich genau 180°,
und das tut weh!

Schon gut. Ich sage auch etwas Positives.
Meine rechte Hand ist nicht ab. Sie funktioniert noch.

Ich bin ein alter, einsamer Wolf.
Ein Carnivore der Alten Schule.
Darum gehe ich jetzt in die Küche –
Fleisch fressen und Bier saufen.

Und wenn ich ganz leise bin, wird W. mich nicht bemerken.
Dann werde ich mir eine zweite Dose Bier gönnen,
und einen grossen Rest Mett ohne Brot in mich hineinstopfen,
wie Wölfe das tun, und dann ………

Jubilate, omnis terra!

910 – Tod 5

„Meine Toten werden immer auf dem Bauch liegend begraben.
Wenn einer scheintot ist, gräbt er nach unten.“

909 – Tod 4

„Viel Arbeit heute. Muss noch 3 Veganer kompostieren.“

908 – Tod 3

„Das Gute an meinem Job ist,
dass ich immer mit Menschen
zusammenarbeiten kann“

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