Schatzgräber – Goethe 1797

Arm am Beutel, krank am Herzen, Schleppt' ich meine langen Tage. Armut ist die größte Plage, Reichtum ist das höchste Gut! Und, zu enden meine Schmerzen, Ging ich, einen Schatz zu graben. Meine Seele sollst Du haben! Schrieb ich hin mit eignem Blut.    Zu allen Zeiten das Gleiche. Nur die Wege sind oft andere.

Ein Abendspaziergang

Wieder ist ein sonnig-warmer Tag vorbei, und Dämmerung füllt die Lücken zwischen den Häusern, nebeltrüb erscheint die Stadt. Die Musik ist verklungen, und der Zauber des Tags verliert sich im Grau des frühen Abends. Die Menschen gehen schneller, als wollten sie der Melancholie dieser Stunden entkommen.   Aus einem Fenster dringt Musik. Es ist Blues, …

Elegie

Die Melodien sind längst verklungen. Der Winter hat Schwermut hinterlassen, und langsam windet sich seine Kälte in die Strassen meiner Stadt, sucht ihresgleichen in den Herzen der Menschen. Eiswasser statt Blut, und Herzen aus Stein in frostigem Ambiente – Leben ist das nicht, nur Leiden. Aber es wird einen Sommer geben.  

Gier

Ein Tier findet Nahrung. Sein Selbsterhaltungstrieb befiehlt ihm, zu fressen. Fressen bis zur maximalen Sättigung. Gibt es einen Rest, so bleibt er liegen für andere. Dies ist ganz im Sinne des Systems. Fressen bis an die Kotzgrenze ist vernünftig, da der Zeitpunkt der nächsten Fress-Möglichkeit unbestimmt ist. Analogie. Der Mensch findet eine Geldquelle. Er frisst …

Düstere Gedanken

Das Leben zieht vorbei gleich einem Film. Schlechtes Kino, denke ich. Wer schreibt bloss das Drehbuch? Immer folgt dem Licht ein Schatten. Manchmal auch zwei, und im zweiten Schatten herrscht Kälte. Das Blut will gefrieren, und der Atem gerinnt zu Schnee. Jedes Drama findet seine Zuschauer. Ich aber warte auf die Einzige, die Heroe allen …

Völkerwanderung

Tun wir mal etwas, was die Politiker der Gegenwart scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Schreiben wir den Klimawandel fort in die Zukuft, indem wir begonnene Veränderungsprozesse weiterentwickeln: Ich mache es ganz kurz. Sagen wir, das Äquatorialklima hat Mailand erreicht, und Afrika ist grossflächig nicht mehr bewohnbar. Der Grosse Hunger quält die Menschen, und sie …

Weisheit?

Dieser Spruch aus dem Zen-Buddhismus liest sich flott, und er hört sich gut an. Und er mag sogar ein guter Rat sein an alle, die als Mönch in einem buddhistischen Kloster leben. Menschen, deren Körper ruiniert ist, die im Rollstuhl leben müssen oder andere Handycaps zu ertragen haben, sollten ebenfalls über diese Weisheit nachdenken. Für …