262 – Narzissmus

Narziss war der schöne Sohn des FlussgottesKephissos und der Wassernymphe Leiriopegewesen. Auf seine Mitmenschen übteer eine unglaubliche Anziehungskraft ausund diese verliebten sich reihenweisein ihn. Doch aus Stolz und Überheblichkeitwies er alle zurück. Seine Überheblichkeitwird schließlich mit grenzenloser Selbstliebegestraft. Als er sich eines Tages an einerWasserquelle niederlässt, um seinen Durstzu stillen, verliebt er sich in sein …

261 – Luftiges

Kennst Du das Gewicht einer Daune? Man kann Daunendecken für den Winterkaufen, die ein Füllgewicht von 1000 gauf die Waage bringen. Rechnung:1 Daune, die einer masurischen Ganswiegt 0,001 g.Für 1 g Füllung braucht es also 1000 Daunen,für die Schlafdecke sind es somit 1 Million.Dafür müssen 20 Gänse gerupft werden. Man erntet oft noch per Lebendrupfwährend …

260 – Poesie

Ich glaube, man muss als Lyriker geboren werden. Wer dieses Privileg nicht hat, sollte die Finger von der Lyrik lassen. Man schaue nur ins Netz - dort findet man nahezu nur Murks, und beim Lesen glaubt man, an den Gehirnkrämpfen der Autoren mitleiden zu müssen. Vorweg genommen: Ich gehöre dem Heer der Unfähigen an. Mein …

259 – CUM-EX

In den Jahren 2008 bis 2011 hat das Hamburguische Bankhaus M. M. Warburg 196 Mio. vom Finanzamt zurückgefordert, Steuern, die man zuvor nie bezahlt hatte. Eine betrügerische Handlung! Danach sollte Warburg 43 Mio. an das Finanzamt zurückzahlen. Warum nicht 196 Mio.? Keiner weiss es. Aber der Bankchef mochte garnichts zurückzahlen und versuchte mit Verfahrenstricks, die …

258 – Feeling

Keine Frage, die Abrechnung ist auch eine Art Rechnung. Das Besondere dabei ist die Erwartung, dass unter dem Strich immer eine Null stehen soll, also kein Guthaben, und vor allem keine Schuld (en). Daraus ergibt sich eine gewisse Nützlichkeit dieser üblicherweise unangenehmen Prozedur. Nun kann man versuchen, dem Vorführeffekt zu entkommen. Pfiffige Menschen rechnen deshalb …

257 – Mutti

„Die Jugend liebt heutzutageden Luxus.Sie hat schlechte Manieren,verachtet die Autorität,hat keinen Respekt vor denälteren Leuten und schwatzt,wo sie arbeiten sollte.Die jungen Leute stehen nichtmehr auf, wenn Älteredas Zimmer betreten.Sie widersprechen ihren Eltern,schwadronieren in der Gesellschaft,verschlingen bei Tisch die Süßspeisen,legen die Beine übereinanderund tyrannisieren ihre Lehrer.“ So klagte Sokrates (469 - 399 v.Chr.) Die Evolution hat …

256 – Trostlos

„Das ist bitter, zu erkennen. Ich weiß esseit 1929 – da habe ich eine Vortragsreisegemacht und „unsere Leute“ von Angesichtzu Angesicht gesehen, vor dem Podium,Gegner und Anhänger, und da habe iches begriffen, und von da an bin ich immerstiller geworden. Mein Leben ist mir zukostbar, mich unter einen Apfelbaum zustellen und ihn zu bitten, Birnenzu …

255 – Worte

Der Satz des Pythagoras umfasst 24 Worte,das Archimedische Prinzip 67,die Zehn Gebote 179,die amerikanische Unabhängigkeitserklärung 300,und allein Paragraph 19a des deutschenEinkommensteuergesetzes 1.862 Worte. [Erwin Huber (bayerischer Ex-Finanzminister)] Der ausländischer Gast eines Steueranwalts:„ Weisst Du, in meinem Landmisst die Literatur zum Steuerrecht120 cm im Bücherregal.In Deutschland füllt sie alle Wände eines Zimmers.“ Ungesagt blieb: Die deutsche …

254 – Oben

Wunderbares Universum!Der Mond verbündet sich mit seinem Planetenzu einem pittoresken Ensembleauf beinahe unwirkliche Weise.Poetische Momente sind flüchtig.So auch dieser -die Erde und der Mond,beide sind unterwegsund folgen Gesetzen,die nicht der Mensch zum Glücknicht bestimmen kann.

253 – Denksport

Keine Ahnung, wer dies geschrieben hat. Es riecht jedenfalls verdächtig nach Martin Heideggers Existentalphilosphie: „Das Seiende, dessen Analyse zur Aufgabe steht,sind wir je selbst. Das Sein dieses Seiendenist je meines. Im Sein dieses Seiendenverhält sich dieses selbst zu seinem Sein.Als Seiendes dieses Seins ist es seinemSein überantwortet. Das Sein ist es,darum es diesem Seienden je …

252 – Trinken

Es ist nicht weiter schlimm, nur ein wenig teuer, ein Genussmensch zu sein. Genussmensch - das ist kein Feinschmecker, sondern einer, der Monotonie in der Ernährung einfach nicht mag, und der jedem die Pest an den Hals wünscht, der mit seinen Produkten nicht wenigstens gute Qualität abliefert. Es ergibt sich daraus zwangsläufig, dass der Genussmensch …

251 – Oma

Offenbar bin ich wieder in eine sehr eingetrübte Stimmungslage abgeglitten. Wen wundert's? Soeben hat man mir eine tote Oma durch die Haustüre geschoben. In einer Dose, nicht in einer Urne. In der Dose klappert auch nichts, also keine Knochen drin. Omma ist schwer, und absolut still. Wie gesagbt, es ist das Alter, das mich zu …

250 – Salami

Ja, Du hast schon richtig erkannt: Hier geht es um die Wurst! Genauer gesagt: Um mich. Nicht dass ich mich plötzlich als Wurst empfinde, oder gar als Würstchen. Dafür reicht meine Selbstkritik nicht aus. Aber ich muss hinnehmen, dass ich bei Einkäufen nicht gerade ein goldenes Händchen beweise, sondern präzise das Gegenteil. Soll heissen, dass …

249 – Bösartig

Zwei Deutsche, ehemalige Militärs wollten ein weltweit gängiges Geschäftsmodell benutzen, um eine Söldnertruppe zu organisieren. Man plante Einsätze im Nahen Osten und Bezahlung durch Saudi Arabien.Beinahe hätte der Coup funktioniert. Irgendeine deutsche Staatsanwaltschaft hat das Projekt gestoppt, und nun stellt man die Drahtzieher vor Gericht. Der Vorwurf: Gründung einer terroristischen Vereinigung. Die Juristen sind wohl …

248 – Faul

Die Arbeit ist etwas Unnatürliches.Die Faulheit allein ist göttlich. (Anatole France (1844 - 1924),französischer Erzähler) Elegant und geschmeidig, diese französische Artbeim Umgang mit fragwürdigen Themen!Ganz anders in deutschem Duktus: Faulheit und Feigheit sind die Ursachen,warum ein so großer Teil der Menschen,gerne zeitlebens unmündig bleiben;und warum es andern so leicht wird,sich zu deren Vormündern aufzuwerfen.Es ist …

247 – Süßes

Gütiger Himmel! Wenn ich so lese, was ich hier zusammenschreibe,wird mir angst und bange. Düsternis, Schatten, Tod und Seelenwanderung - da kommt doch keiner mit auf die Reise!Schalte um, Du Hirsch!, ruft mein Gewissen! Du suhlst Dich in Trübsal wie die Wildsau im Schlammloch! Zugegeben, da ist was dran.Hier also leichte Kost zum schwer werden: …

246 – Finish

Sie sind zurückgekehrt an den Ort, wo ihre Reise begann.Sie, die schattengleichen Komplementären.Sie sind, was übrig bleibt. Sie sitzen in der Lounge und warten.Man weiss nicht, worauf sie warten.Vielleicht warten sie auf Charon, den Fährmann,entrichten ihren Obolus, lassen sichüber den Fluss Styx in eine Oberwelt bringen? Für die Lebenden bleiben sie unsichtbar.Da ist schliesslich Kerberos, …

245 – Endspiel

Wassertropfen versuchen,ihr Geheimnis zu hüten.Ihr kaltes, kaltes Herz.Vergebens, denn da ist die Sonne. Sonne und Eis,nichts verbindet sie.Trügerisch ist das Lichtdes Sonnenstrahls im Kristall. Aber Tropfen um Tropfenverrinnt das Gebilde.Und was die Sonne übrig lässt,das trinkt die Erde.

244 – Pssst !

James Madison war Co-Autorder Verfassung der Vereinigten Staatenvon Amerika (1788), und der 4. Präsident.Zitat: „Jede Regierungsform muss so gestaltet sein,dass sie die Minderheit der Reichengegen die Mehrheit der Armen schützt.“ Das führte zur Staatsform derrepräsentativen Demokratie. In deren Rahmen liessen sich oligarchischeStrukturen zum Schutz der Eigeninteressen einer reichen Minderheit etablieren. Wir Bürger haben diesen Müll …

243 – Erfahrungen

Es gibt nur eine einzige von Zwergen bediente Riesenmaschinerie, und das ist die Bürokratie. Honoré de Balzac (1799 - 1850), französischer Philosoph und Romanautor Das Amt macht wohl satt, aber nicht klug.Amt macht Diebe.Amt bringt Samt.Die Feder regiert das Schwert.Ehren entehren.Titel setzen herab.Ein Amt verblödet. Gustave Flaubert (1821 - 1880), französischer Erzähler und Novellist Diese …