427 – Okkultes

Menschen ohne Schatten

Wie es scheint, ist es heutzutage wieder
in Mode gekommen, seinen Schatten für
gutes Geld zu verkaufen.
Nun hatte schon Adelbert von Chamisso
zu Beginn des 19. Jahrhunderts
eindringlich davor gewarnt, einen
solchen Schritt auch nur in Erwägung
zu ziehen. Unkundige wissen nicht,
dass ihre Freiseele untrennbar mit
ihrem Schatten verbunden ist.
Und sie wissen nicht, dass ihr Schatten
ein Eigenleben entwickeln und damit
ihr Denken und Handeln steuern wird.
Peter Schlemihl berichtete eindringlich
über sein Handeln und die Folgen.
Der Teufel tritt in vielerlei Gestalten
auf die Bühne des Lebens.
Man mache mit ihm keine Geschäfte!

Schatten ohne Menschen

Sein Schatten hatte sich verselbständigt,
und nun stirbt der Mensch.
Die Bindungskräfte erlahmen, und
die Seele reist mit Lichtgeschwindigkeit
zum Ort ihrer Herkunft, einem Ort
in einer unbekannten Dimension des
Universums.

Der Schatten nimmt einen anderen Weg.
Er sucht, und findet seinesgleichen.
Er sucht, und findet einen Platz in der
Zwischenwelt, Heimat der Geister,
und Platz für diese Dunklen,
die ungeliebten Wanderer
zwischen zwei Welten.
Der Schatten wartet
auf eine verwandte Seele.

426 – Tod

Der Alte ist mal wieder richtig
gut gelaunt. Sein Geschäft floriert
besser denn je mit
150.000 Todesfällen pro Tag weltweit.
Das sind 104 pro Minute.
Und das Beste: Täglich zählt man
250.000 Geburten!
Die Wachstumsrate seines Business
beträgt sagenhafte 66%.

Und so murmelt er vergnügt den Vers,
den Goethe in einer Jagdhütte
an die Bretterwand formulierte:

„Über allen Gipfeln ist Ruh‘,
In allen Wipfeln spürest du
kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde ruhest du auch.“

425 – Liebe

Im Jahr 1811 schrieb die an
Krebs erkrankte Henriette Vogel
an ihren Freund Heinrich von Kleist,
einen Dramatiker und Lyriker
einen Liebesbrief, bevor beide
am Kleinen Wannsee in Berlin
Selbstmord begingen:

„Mein Hyazinthenbeet,
mein armer, kranker Heinrich,
mein zartes, weißes Lämmchen,
meine Himmelspforte.
Meine Dornenkrone,
meine tausend Wunderwerke,
mein Lehrer und mein Schüler,
wie über alles Gedachte
und zu Erdenkende
lieb ich dich.
Meine Seele sollst du haben.“

Epitaph:

„Er suchte, sang und litt
in trüber, schwerer Zeit.
Er suchte hier den Tod
und fand Unsterblichkeit.“

424 – Biker

Aus gutem Grund sehe ich mich genötigt
zu einer Richtigstellung.

Ja, ich war ein Biker.
Mein Bock, eine BMW in Metallic grün
wiegt 150 kg.
Beim Handling des Geräts
hatte ich so meine Probleme.
Aber im unteren Drehzahlbereich
war ihr Motor kaum zu hören.

In meiner Zeit als Biker färbten
sich meine Haare. Manche sagten,
das sei altersgerecht – grau.
Ich stelle das hier richtig:
Ich habe keine grauen Haare!
Das ist alles Chrom!

423 – Gestalten

Sie haben ihren Schatten verloren,
viele moderne Businessmen.
Man könnte auch vermuten,
dass ihre Seele geflohen ist –
um der Unmenschlickeit
ihrer Jobs zu entgehen.
Sie warten im äussersten Kreis der Hölle
auf Erlösung.

Das bedeutet, dass im Irdischen
seelenlose Gestalten das Leben
von Menschen bestimmen.
Sie haben kurzerhand den Mammon
an die Stelle gesetzt, wo die Seele
ihren Platz hatte.
Schliesslich ist die Vollständigkeit
der eigenen Erscheinung unverzichtbar.
Geld sieht und riecht man.
Und die Seele?
Sie wird nicht mal vermisst.

422 – Rot

Die Dame in Rot zeigte sich heute nicht.

Die Wartezone des Flughafens war wie
immer gut besucht, und das Klavier
blieb zunächst stumm – bis eine junge Frau
auf dem Hocker Platz nahm. Ihr Rucksack
blieb, wo er hingehört, also auf dem Rücken.
Sie streckte sich, und begann zu spielen.

Es brauchte nur wenige Synkopen,
und sie hatte ihren Rhythmus gefunden.
Ihre Hände flogen über die Tasten wie Vögel,
und sie zauberten den „Swanee Boogie“in
die Wartehalle auf eine Weise, dass die
Fluggäste ihre Füsse nicht mehr
still zu halten vermochten.

Ich habe lange zugehört, und wieder
einmal erfahren: Wer Musik liebt,
und in vollen Zügen geniessen kann,
erlebt sie mit allen Fasern seines Körpers,
und sie ist Balsam für die Seele.

Und die Dame in Rot?
Vielleicht morgen …..

421 – Ovid

Unsichtbare Kräfte formen Wasser.
Eine Woge entsteht zu Poseidons Ehre
und zu der Nereiden Vergnügen.

Das Spiel der Nymphen endet,
als die Woge auf Land trifft
und aufschäumend im Sand endet

Galateia, die milchweisse Nymphe
widmet sich wieder der Liebe.
Wer soll es sein, heute nacht?

Polyphem, der Kyklop, einäugig und gewaltig
erschlägt Akis, den schönen Hirtenknaben.
Galateia weint um Akis.
Und Polyphem bleibt allein.

420 – Käse

Neulich musste ich eine angestrengte
Diskussion über die Schweiz erdulden.
Der Proponent: Ich kann die Schweiz
nicht ausstehen. Und ich, der Opponent:
Ich mag die Schweiz, auch wenn ich
sie mir nicht leisten kann.
Dann kam: Ja, die UBS, die Banditen
von Nestlé!
Und ich: Ja, die Deutsche Bank, und
die Banditen von VW!

Ich kann derart niveauloses Geschwätz
nicht vertragen. Nenne es geistigen Durchfall.
Warum? Wer schlicht denkt, neigt zu
Verallgemeinerungen in der Annahme, dass
das Niveau reicht, und man damit bequem
diskutieren könne. Richtig ist, dass man
es sich damit bequem machen kann.
Falsch ist, dass das Niveau akzeptabel sei.
Erlaubt ist, böse Schweizer hart zu
kritisieren. Saudumm ist es, über die
böse Schweiz herzuziehen, denn
es gibt sie garnicht.

Besagter Proponent isst keinen Käse.
Ergo mag er auch kein Käsefondue.
Und wer kein Käsefondue mag,
ist mir suspekt.
Merkst Du was?
Schweiz – Käse, schon wieder ein Klischée!
Auch ich bin nicht geimpft gegen
diese Krankheit, das Klischée-Syndrom.
Ich trage keine Schuld daran!
Wer, verflucht, hat mich bloss so konditioniert?

419 – Lagerfeuer

Es ist Nacht. Neumond, sagt der Mondkalender.
Neumond im Sternzeichen Krebs,
und das Licht der Sterne ist kraftlos.
Die Finsternis ist perfekt –
so perfekt wie mein Lagefeuer.
Hier knistern unter extremer Hitze
Holzscheite von besonderer Güte,
lang brennendes Hartholz aus einer Buche,
für mehrfach positive Effekte bekannt
und geschätzt.
Für Romantiker hat dieses Holz
Besonderes zu bieten.
Es lässt glühende Funken aufsteigen
und in die offene Flamme zurückfallen.
Man sitzt still daneben,
und unversehens
fühlt sich die Phantasie angesprochen.

Seraph, der Herrscher über dfas Element Feuer ist heute milde gestimmt.
Feen treiben ein Spiel mit mir, dem Sterblichen.
Sie zeigen mir, wie sie fühlen und denken,
und dass in dieser Nacht
auf meinem Feuer ein Zauber liegt.
Ich lebe diesen Zauber einige Minuten lang,
und bin mit meinem Leben,
mit dieser magischen Nacht
und mit dem Rest der Welt
friedvoll vereint.

418 – Propaganda

Zu Zeiten Homers und Hesiods,
also um 800 v. Chr. verstand man
unter Demos die Sippen- oder Dorf-
gemeinschaft, und Kratos meinte die
Karre ziehen.
Neusprachlich also:
Die Sippe zieht ihre Karre selbst,
regelt also ihre Angelegenheiten
im modernen Sinne basisdemokratisch.

400 Jahre später übernahm Aristoteles
diese Herrschaftsform für die Polis, also
für Stadt und Staat. So begann ein Dilemma.

Riechst Du den Braten?
Die Art der Verwaltung einer Sippe mit vielleicht 120 Menschen im
antiken, archaischen Griechenland soll heute noch,
und zwar für ein 80-Millionen-Volk in einer hochtechnisierten, hochpolitisierten Welt
zufriedenstellend funktionieren? Hat je einer von uns gesehen, dass ein Servicetechniker die kaputte Waschmaschine mit einer Steinaxt repariert hätte?

Natürlich hat alles seinen Grund. Und die Gründe bleiben tief im Dunklen. Indiziern deuten die Richtung an – und werden nicht wahrgenommen. Manches ist rätselhaft, wie die Frage, warum ein Volk sich verarschen lässt und die Übeltäter auch noch wählt.

(Demokratie >>>
Etikettenschwindel >>>
grosse Heiterkeit!)

417 – Allein

Allein sein bedeutet:

einsam sein unter Einsamen,
geniessen können
ohne teilen zu müssen,
dankbar sein für kleinste Gesten
der Zuwendung,
verschwinden, ohne vermisst zu werden,
Frust an Fremde zu verschwenden,
Feinde voll zu geniessen,
ebenso alle Freiheiten,
dem Tod näher sein als dem Leben,
und unbeachtet in den Tod zu gehen.

416 – Bedürfnisse

Zur Zeit bin ich einigermassen irritiert.
Das Leben, genauer mein Leben scheint
im wesentlichen bestimmt zu werden durch
Negatives, das sich um mich verbreitet
wie eine Seuche. Ich könnte unentwegt
abgrundtiefen Pessimismus verströmen.
Zugleich aber lässt meine Lebenserfahrung
vermuten, dass eine Fülle positiver
Zustände und Ereignisse zu konkurrieren
versucht, in meinem Bewusstsein jedoch
nicht zum Zuge kommt.

Da haben wir nun ein seltsames Dreigestirn:
Das Positive – das Negative – und ich.
Wir kommen nicht miteinander zurecht.
Zweifelsohne bin ich selbst die Störquelle.
Ich bin der aktive Teil, nehme das Positive
als Selbstverständlichkeit hin und beklage
vehement das Negative, denn es gibt immer
Besseres – das sich mir verweigert.

Normal ist das nicht.
Oder etwa doch?
Da war doch dieser Maslow mit seiner
widerlichen Bedürfnispyramide,
die erklärt, dass wir Erreichtes vergessen,
weil wir die nächste Stufe
Irdischer Wohltaten anstreben
auf der Suche nach Selbsterfüllung –
was immer das sein mag.

415 – Mahnung

Das effektivste Mittel,
die Tyrannei zu verhindern
besteht darin, soweit möglich,
die Menschen in der Gesamtheit
aufzuklären, und ganz besonders,
ihnen das Wissen
über die Tatsachen zu vermitteln.

Das sagte ein Mann namens Thomas Jefferson. Aber wen interessiert schon ein Jefferson, dieses kleine Licht in der Geschichte der USA, wenn eine eindrucksvolle Leuchte wie Donald Trump die Bühne betritt?

Thomas Jefferson,
einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten, von 1801 bis 1809 der dritte amerikanische Präsident und der hauptsächliche Verfasser der Unabhängigkeitserklärung sowie einer der einflussreichsten Staatstheoretiker der USA. Von 1797 bis 1801 war er außerdem der zweite amerikanische Vizepräsident.

Was ist das nur für ein Gift, das eine 330 Mio. grosse Nation mit einer sehr ausgeprägten Imaginationskraft dazu verführt, einen psychisch Kranken zu glorifizieren? Einen Weg einzuschlagen, der direkt in die Gosse der Weltgeschichte führt? Will keiner sehen, dass die USA längst zu einer Gefahr für den Weltfrieden geworden sind?

414 – Bürokratie

Der Begriff „Bürokratie“ ist negativ belegt, und das mit Recht.
Aber sie ernährt ihre Kinder, und das nicht schlecht.
Die Privilegien des Beamtenstands sind legendär, und man darf sie getrost eine Sauerei nennen.
Wäre das alles, so könnte man damit leben.
Aber Beamte schreiben, als ginge es ums Leben. Andere lesen, und setzen das Geschriebene unkritisch um in die Realität der Bürger.
Die Regelungswut bremst das Gemeinwesen aus bis zur Unerträglichkeit.
Wenn Dir morgen der Personalausweis geklaut wird, so braucht die Bürokratie 3 Monate, um einen vorläufigen Ersatz herzustellen. Dieser Ersatz ist ein Zettel, den man von Hand ausfüllen kann. Passbild dazugeklebt und einen schönen grossen Stempel drauf – ich mache das in 10 Minuten.
Ich erspare uns weitere Beispiele, aber ich habe gut zwei Dutzend davon auf der Pfanne – echte Nuggets des deutschen Beamtentums.

In Zeiten, wo die Menschen schlechter werden und die wahre Lehre untergeht, steigt die Zahl der Gesetzesregeln.

Das wusste vor Jahren schon Siddhartha Gautama Buddha (der Erwachte) , 563 bis 483 v. Chr.

Das ist schon wieder lustig.

413 – Domino

Ein Olm! Ein Grottenolm! wisperte das Moos,
bevor es gefressen wurde.
Ein Steinschlag! schrie der Olm,
bevor ihn das Geröll erschlug.
Ein Riss! Ein Riss, ächzte der Berg,
bevor er die Grotte mit Felstrümmern füllte.
Mein Berg! Mein Berg!, stöhnte das Gebirge,
bevor der Hochvogel im Allgäu zerbarst
und 260.000 Kubikmeter Fels
ins Fallental stürzten.
Meine schönes Gebirge!, klagte der Planet Erde,
und dreht weiter seine Kreise
um sich selbst und um die Sonne.
Es ist halt immer irgendwo etwas,
meinte die Galaxie
und wendete sich wieder
ihrem Schwarzen Loch zu.
Und das Schwarze Loch?
Ich kann warten.
Irgendwann seid auch Ihr fällig,
Ihr, die Ihr euch „Leben auf der Erde“ nennt.

412 – Heimat

Nun gibt es auch in der BR Deutschland einen Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat.
Wer erzählt mir, was es mit Heimat auf sich hat? Einer plausible Erklärung dazu:
Das Gehirn speichert Erfahrungen vielfach in Paketform ab. Man nennt das Paket ein Engramm. Die Summe aller Engramme nennt man Gedächtnis. Sachlich zusammengehörende Engramme bilden einen Cluster. „Heimat“ ist ein solcher Cluster.

Was ergibt sich aus dieser Betrachtung? Heimat ist eine individuelle Empfindung wie Religiosität, und geht den Staat nichts an. Ein Heimatminister ist folglich entbehrlich, es sei denn, man baut sich nach dem US-Vorbild eine Homeland Security Department, also eine neue Schnüfflertruppe. Oder: Wenn es ihn nun doch gibt, den Heimatminister, so müsste sein Einfluss auf die Bürger rigide nationalistisch geartet sein, und das wäre wiederum ein anderer Cluster. Es wäre der Job eines Propagandaministers. Dann wird dem Bürger blinder Nationalismus abverlangt. Eine mehr als fragwürdige Sache.

Übrigens: Wer den USA nacheifert, kann nur durchgeknallt sein und beweist sich als armseliger, geistiger Kleingärtner.
Verstanden, Seehofer?

Allzeit gilt die Regel:
„Wo Fahnen wehen,
haben Verstand und Vernunft verloren.

Das Tor zur Manipulation der Massen steht sperrangelweit offen.“

411 – Getürkt

Der Mond trägt heute nacht
sein schönstes Gewand;
Gelb wie Butter ziert er einen Himmel
aus dunklem Azur.
Nun aber lasst uns ganz hinübertreten
in die Welt, die monden ist!

So formulierte R.M. Rilke seine Sehnsucht
nach Nähe zum Mond-Zauber.

Ein Pragmatiker war oben und berichtet:
Riesiger, runder Stein, gebirgig,
mit nichts drauf ausser grauem Dreck.
Mit sonst nichts! Nicht mal Atemluft!

Schon gut. Herr Rilke wusste auch nicht,
dass ein Mond-Tag 29 Erd-Tage dauert und
dass die örtliche Temperatur zwischen plus
120° am Tag und minus 150° in der Nacht wechselt.

Der Mond trägt heute nacht
sein schönstes Gewand.
Aus Sonnenlicht,
der alte Hochstapler!

410 – Daneben

Guck‘ sich einer den November an! Nun ist er schon – wie in jedem Jahrhundert – spät im Jahr dran, aber in diesem, dem Jahr 2021 kommt er ein wenig weit von der Rolle! Sein Auftrag ist wie stets, nass und kalt zu sein, Kleingedtier wie die Insekten erfrieren zu lassen oder sie in Regenfluten zu ertränken, und die Menschen auf einen Winter einzustimmen und langsam in den Dezember zu schubsen, wo dann die Schneemassen, noch am Himmel hängend, auf ein Signal zum Abwurf warten. Der November versucht es, und er schafft es nicht!

Und was geschieht heuer? Der Sommerflieder beginnt zu blühen. In Nachbars Garten blühen die rosa Röschen, als würden sie keinen Kalender kennen! In der Sonne tanzen die Mücken ihren Reigen, statt tot vom Himmel zu fallen. Mein Auto geht unversehens in die Werkstatt, lässt sich für den TÜV hübsch machen. Wo zum Teufel bin ich eigentlich? Das ist nicht meine Welt!

Was soll ich machen, wenn zu Weihnachten unsere Apfelbäume blühen?
Eine einzige Frostnacht im Januar genügt, und mit der Ernte 2022 ist es Essig! Und dann? Kein Gewerbesschein – keine Subvention! Keine Frostschutzversicherung – keine Entschädigung! Keine Äpfel. Ergo: Kohlrabi fressen wie die Stallhasen – pfui Teufel!

Wir leiden allesamt. Sogar die Zugvögel sind irritiert. Dieser Tage sind Schwärme Richtung Nord geflogen! Nein, nicht wie es sein soll nach Süden; mein Kompass meldete mir „nach Norden“. Das dürfen sie auch, aber erst, wenn der Winter zu Ende ist. Anno Tobak konnte man sich auf derartige Beobachtung verlassen. Wenn die Gänse nach Norden zogen, konnte man die Wintersachen einpacken. Aber heute, Mitte November, nach Norden, Winter ade? Nie im Leben! Diese Vögel sind fehlgesteuert. Wenn die in Schottland angefroren vom Himmel fallen, werden sie wohl zum Teil in Tiefkühlung aufbewahrt, zum Teil in Küchen und Schlafräumen über den Winter beherbergt und im Frühjahr ausgewildert werden. Schon wieder falsch. Es gibt zu viele davon. Die machen an einem Tag einen ganzen Acker mit Wintergetreide einfach nieder. Dann lässt der Bauer die Fensterjalousie runter und verfällt in dumpfen Zorn. Zeit und Geld investiert – alles futsch.

Und ich Narr habe für den Winter 3 Zentner Kartoffeln gekauft und eingebunkert. Was mache ich bloss damit, wenn es in 8 Wochen neue Ernte gibt?

409 – Snowball

I made myself a snowball
As perfect as could be,
I thought I’d keep it as a pet
and let it sleep with me.
I made it some pajamas
and a pillow for its head.
Then last night it ran away,
but first it wet the bed!

(Shel Silverstein)

Ich machte mir einen Schneeball
so perfekt wie nur möglich.
Ich dachte, ich würde ihn als Haustier halten
und mit mir schlafen lassen.
Ich machte einige Schlafanzüge
und ein Kissen für sein Haupt.
Dann, letzte Nacht lief er weg,
aber zuerst machte er das Bett nass.

408 – Uhren?

Die Zeit!
Verbindet sich mit ihr
nicht das grösste aller Rätsel,
das zur Ewigkeit?
Bereits die Fragen dazu öffnen
den Horizont und lassen uns
das Universum sehen.

Ihre Stärke der Zeit ist,
dass nichts und niemand
sie stören kann.
Sie ist tabu.

Der Mensch wird in der Zeit
wird beliebig hin- und her geworfen,
stets bemüht, sich festzuhalten,
um nichts zu versäumen.
Quelle der Kräfte
Ist seine eigene Energie.
Gelingt ihm das nicht,
so fällt er zurück in die Vergangenheit
und verliert ein Stück Zukunft,
sie kann dann nicht stattfinden.

Dennoch existiert der Mensch
in der Ewigkeit,
wie ein Sandkorn in einem stillen Strom,
der nirgenwo beginnt
und nirgendwo endet.

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