371 – Attacken

Ich war es gewohnt, mich täglich zu rasieren. Dabei wäre es mir doch auch ohne Brille aufgefallen, wüchse unter meinem Schnabel ein Kehlsack! Zur Sicherheit schleiche ich verstohlen ins Badezimmer und betrachte mein Gesicht aufmerksam – ein paar Falten, sonst nichts. Sieht aus wie immer. Ich schaue eine Etage tiefer, dorthin, wo man bei der Rasur so viel Mühe aufwenden muss, weil die Borsten in alle Himmelsrichtungen wachsen. Ein Schatten. Nein, ein – ich möchte den Gedanken nicht denken – es ist einer. Ein – na Du weißt schon. Dort, wo ein normaler Mensch meines Kalibers ein dreifaches Doppelkinn trägt, hängt bei mir etwas, was beim Rind „Wamme“ genannt wird. Nun mal halblang. Das Teil ist sehr wohl korrekt proportioniert, und erst mal nur Andeutung eines späteren Zustands.
Meine Madame hatte also recht. Da wächst öffentlich eine Hautfalte von der nutzlosen Sorte, in den man also nichts reintun kann – nicht mal ein Pfefferminzbonbon, wofür man sowieso die Backentaschen hat, für die Fishermen´s Friends, die nach ausgiebigem Tsaziki-Genuss so unentbehrlich sind.
Ein Kehlsack also, echt truthahnmässig. Bloss gut, dass ich nicht eitel bin. Und ich beherrsche die Anwendung der politischen Doktrin „Na und? Vergiss es und sitze aus!“. Zumindest rede ich mir das ein. Aber mit der zweiten Trumpfkarte meiner Madame hatte ich halt überhaupt nicht gerechnet. Die Abmahnung eskaliert: „Ausserdem ist Dein Bauch nicht mehr dort, wo er hingehört“ Sprach´s, und wandte sich ab, dabei etwas knurrend, was wie „Alt werden“ nachklang.

Es glich einem Paukenschlag mittenrein ins Ave Maria. Eben hatte ich noch sinnig die Kartoffeln geschält, weinend Zwiebeln gehackt, und unversehens … na ja. Recht hat sie ja. Wenn die Wampe sich um weitere 5 cm senkt, kann ich sie sitzend bequem auf den Oberschenkeln ablegen. Ein Zentimeter pro Jahr, das macht in 30 Jahren … und dann bin ich ….. seufz. Ich bin vorsichtshalber uneitel.

Heute kommt es dicke, denke ich gerade, als Madame noch einmal nachlegt: „Ich verstehe sowieso nicht, dass Du in Deinem Alter …. immer noch eigene Zähne … seit acht Jahren keine Reparatur, nur Weinstein rauspulen …. wo Du doch … !“ Instinktiv habe ich auf selektives Hören umgeschaltet ( input = zero / process = none ), einer meiner Not-Aus-Schalter, auf den immer Verlass ist.
Die folgenden 15 Minuten waren wirklich schwierig. Hier gab es die Fakten, dort meine Madame, und dazwischen ich, mit dem dringenden Bedürfnis, Dampf abzulassen. Aber wie nur? Ich weiss: Zurückschlagen ist tödlich. Auch ich bin weder der Wahrheit verpflichtet, noch der weiblichen Logik gewachsen. Ich verliere Scharmützel immer. In meiner Not alleine gelassen ass ich einen Apfel, und dann noch zwei.
Beim dritten schweiften meine Gedanken ab: Es reicht, ich stellte fest. Die Äpfel waren erstens unschuldig, zweitens mehlig. Ich nahm mir vor, meine Gedanken zu ordnen, und dann ganz vorne anzufangen:

Noch lebe ich, und ich fühle mich heute wohl, trotz Paukenschlag. Das ist mal eine Basis. Ich werde ruhig. Sehr ruhig. Und müde. Um nicht vom Sessel zu kippen, ziehe ich um. Es sind nur 75 cm Weg zu meiner Couch. Inschallah! Ich segle unversehens ab, so für ein knappes Stündchen. Beim Erwachen stellte ich dreierlei fest:
Erstens fühlte ich mich gut. Zweitens war meine Madame nicht mehr zu hören. Und drittens sollte ich mich endlich rasieren.

Na bitte! Geht doch! Es herrscht Ruhe im Schiff – schon ist alles schön.

370 – Faulheit

Es ist ein gutes Gefühl, nichts auf dem Zettel zu haben, sagen zu koennen, ich mache jetzt vielleicht etwas, was, das wird sich finden, oder ich tue überhaupt nichts, dann wird sich das Nichts finden, damit ich es tun könnte, wenn ich wollte.

Ich mag es, genau jetzt nicht zu wissen, wozu ich im nächsten Moment Lust verspüre, und wenn dieser Moment dann da ist, und ich hätte Lust auf – egal was auch immer – dann ist der Spass an der Sache, das Interesse daran schon wieder erloschen, denn nun wäre angesagt, genau jenes zu tun, und es stellt sich umgehend die Frage nach dem nächsten Moment, über den ich schon wieder nichts weiss, wissen will.

Solche Phasen nenne ich komplizierte, hilfsweise „kultivierte Langeweile“. Gib´s zu, mein Freund, nicht jeder ist dazu befähigt, eine gepflegte Langeweile zu geniessen. Ich schon.

Kurz: Ich bin einfach faul.

Wenn ich mal fleissig bin, dann entweder aus Versehen, oder ich will andere täuschen. Fleiss als Camouflage – wirkt immer!

369 – Küche

Es war Küchendienst angesagt. So etwas tue ich freiwillig, denn angeordnet halte ich es nicht durch, 13 Töpfe und Schüsseln, unzähliges Kleingeschirr und 10 komplette Gedecke von etwas wieder zu befreien, was ich selbst gerne gegessen hätte (genauer: es war kein Pudding für mich übriggeblieben, darum bin ich verbittert). Die Gäste meiner Frau waren gut versorgt und hatten Spass, ich hatte Spülhände und lauerte darauf, dass wenigstens ein Schluck Wein für mich übrigbleibt. Oh bitte nein, das ist kein fishing for compliments, auch kein Selbstmitleid. Bitte keine Beileidsbekundungen, keine Kranzspenden.

Davon abgesehen: Es ist ein ganz normaler Job für einen gestandenen Kerl, eine Küche aufzuklaren, wenn die Gattin anderweitig verpflichtet ist, nicht wahr? Aber wie´s dort ausgesehen hat! Und immer das beste Geschirr. Immer ein Stossgebet vorneweg: Herr, mach dass nichts kaputtgeht … und ein Dankgebet hintendran: Herr, ich danke Dir, dass Du mitgeholfen hast, die Suppenterrine sauber in 4 Teile zu zerlegen! Nun ruf meinen Schutzengel, dann kannst Du wieder gehen und anderswo nicht drauf achten, dass keine Schäden entstehen!

Ab sofort halte ich mich an Bacchus! Der ist ein wenig irdischer als der ganze Rest da oben! Das Leben ist aber ganz schön hart für Zartbesaitete wie mich. Ich musste mir eine Flasche meines eigenen feinherben Rieslings klauen! Wäre das misslungen, dann wäre auch meine blaue Stunde in der finsteren Küche ins Spülwasser gefallen und der Tag in Disharmonie geendet.
Wer wach sein will, muss nun mal wach bleiben.

368 – Bruschetta

Ein Dialog der angestrengteren Art – gerade noch konfliktfrei:

· Hast Du endlich das Rezept für Bruschetta rausgesucht?
· Ja! Nee, das heisst nicht Bru schet ta. Man spricht es wie Brusketta aus!
· Und ich heisse Risch, und nicht Riech.
· Aber Du bist keine Italienerin.
· Und Du weiss Gott kein Italiener! Wo ist denn nun das Rezept?
· Suchs doch selbst raus!
· Ich weiss aber nicht, wie´s geht!
· Und ich habs Dir gezeigt. Einschalten, warten, InternetExplorer/ Favoriten/ Rezepte/Italienisch/ Bruschetta – so geht das.
· Ja, ich weiss, aber ich muss das Klo putzen. Du kannst das doch mal für mich raussuchen, Du hast doch sonst nichts zu tun!

Und schliesslich hatte sie mich so in die Ecke gestellt, dass ich nicht mehr rauskommen konnte.

· Also gut! Ich machs!

Hier ist das Rezept. Falls Du Bruschetta nicht kennst: Es lohnt sich. Lade ein, zwei Freunde ein, trinkt einen trockenen, nicht zu körperreichen Roten und quatscht bis zum Abwinken!

Bruschetta kann man auf zweierlei Weise schreiben (Bruschetta oder Bruscetta) , aber nur auf eine Art aussprechen, und auf vielerlei Arten zubereiten: Mit Fisch, Pilzcreme, Gehacktem und so weiter, aber immer mit Olivenöl und Knobi als Basis. Also aufgepasst:

Du schneidest Weissbrot, am besten italienisches Ciabatta, in Scheiben. Dann werden enthäutete, aromatische Tomaten ohne das Innere in kleine Würfel geschnitten. Schliesslich werden fein gewürfelte Schalotten in Olivenöl gedünstet, und dann die Tomatenwürfel dazugegeben. Wer mag, kann auch zerkleinerte schwarze Oliven hinzufügen. Ich mag’s nicht.
Nun ist das Ganze zu erhitzen. Vorsichtig salzen und mit Pfeffer abschmecken. Warm halten. Mehr nicht.
In einer zweiten Pfanne werden die Brotscheiben in Olivenöl von beiden Seiten goldgelb geröstet. Danach muss man sie kräftig mit ausgepresstem Knobi einreiben. Nun wird die Küche duften, wie es sich gehört. Nun schliesse mal kurz die Augen und erinnere Dich! …… alles klar? Dann weitermachen!
Wer hat, bestreut die Brotscheiben mit frischem, feingehackten Basilikum, und belegt sie anschliessend mit den angedünsteten, heissen Tomaten. Heiss servieren und gut warm geniessen.

Das wars. Schön einfach, nicht wahr? Wenn die Gäste mit anfassen, ist man in zehn Minuten mit der Zubereitung fertig. Man lässt sie arbeiten und kontrolliert die Prozesse. So macht das viel Sinn.

367 – Kurios

Boxen verbreiten Moonlight Shadow . Draussen rührt sich aber nichts. Nein, auch kein Regen. Ich lege mir Tangerine Dreams zurecht. Mandarin-farbene Träume für Saubermänner. Eine Aufzeichnung von Konzerten in Berlin und Albuquerque. Vielleicht hilft es, und es kommt doch noch die Sonne raus. Ich würde meinen dicken Pulli abstreifen, die Regenjacke weghängen, eine Flasche Weisswein in den Kühlschrank stellen, vielleicht wieder mal eine Taube übermangeln, oder so, und dann ….. dann müsste ich raus zum Strassenfegen, Blödmann. Wenn man nicht an alles denkt! Nach Tangerine Dreams werde ich wieder Fluting Paradise auflegen. Die LP mit dem zur Tonkonserve gewordenen Geplätscher, die Regen brachte. Mal unter uns: Ich hasse Strasse fegen wie die Pest! Dagegen hilft Regen immer.

Wenig später:

Erst bei KITARO hats wieder zu regnen angefangen! Ich weiss noch nicht, warum. Ist aber recht so. Die Strasse bleibt ungefegt. Jetzt bloss nicht Gershwin auflegen – Porgy and Bess – Summertime: Waldbrände in Hamburg-Mitte, Biermangel in München, überall wird gegrillt, Kühe geben Trockenmilch, in Bächen von Beamtenschweiss wird Rotbarsch gesichtet – danke. Dat mut ick ook nich hebben.

366 – Stimmungstief

In der guten Stube steht ein Paar wirklich gute Boxen. Wenigstens sehen sie gut aus, und sie sind laut, wenn ich am falschen Knopf drehe. Sie plärren nicht, sie brüllen! Irgendwo an ihren Böden sind dicke Kupferdrähte befestigt, an deren anderen Enden schwarzes Gerät angeknotet ist. Dortselbst dreht sich zur Zeit eine unserer alten Langspielplatten, das sind Teile, die die Jugend von heute nur noch vom Hörensagen kennt. Nun, ich dachte, ich sollte die alten Sachen einfach mal wieder durchhören, nachschauen, ob ich sie immer noch mag. So habe ich also eine LP aufgelegt und ….. wie war das nochmal? Tja, welcher die vielen Knöpfe muss nun ….. vielleicht der, mit dem man Phono …. ja! Ich bin schon drin, und höre!

Ja, ich habe etwas gehört. Es war allerdings keine Musik, was da aus dem Boxenpaar plätschert. Nein, es plätschert im Wortsinne. Ich versuche mich zu erinnern. Worpswede. Das Kreative Haus. New age. emotional, meditational, uplifting and enlightening. Titel der LP „Fluting paradise“. B-Seite erwischt, erster Titel heisst „Smelting snow“, schmelzender Schnee also. Damit ist das Plätschern gerechtfertigt, gleichsam erklärt, alles hat seine Richtigkeit, das Equipment ist nicht kaputt, auch nicht die Dachrinne, und nun setzt tatsächlich auch die erste Flöte ein, es muss eine von diesen Panflöten sein, die man aus einem Rohrstock knotet, und es plätschert im Hintergrund weiter, ich kenne jemand, der bei derlei Geräuschen umgehend das Klo zum Pieseln aufsuchen muss, also auf dem Topf meditiert, ich weiss nicht recht, ob das alles so sein muss!

Endlich schaue ich aus dem Fenster. From Windows to and thru the window. Es regnet. Das muss man sich mal vorstellen: Drinnen wird eine Panflöte von Schmelzwasser umplätschert, und draussen hat es prompt zu regnen begonnen, so, als würde einer versuchen, mir die wahre Natur zu erklären. Draussen spielt die Musik, das ist die Realität, das ist der Hamburger Frühling, und das hier drinnen ist only a artificial world (für die Säuberer der deutschen Sprache: nur eine künstliche Welt).

Nun hat die Musik gewechselt, Der zweite Titel lautet „Whispering brook“, flüsternder Bach also. Nur: Das Wetter hat wie schon zu Beginn nichts mitgekriegt. Es regnet einfach weiter. Ich habe verstanden. Wer auch immer Du sein magst: Es ist Dein Wetter. Nicht meines. Pack’s ein und verdufte!

365 – Wetter

Wie wird das Wetter, wenn ein Optimist in Sommerkleidung, und ich ohne Schirm loszieht? Klar, dass es regnen wird. Und gehe ich mit Schirm, und er im Wintermantel los, dann wird’s besonders sonnig und mollig warm. . Auch in Hamburg. Sofern ich jedoch im Wintermantel und ohne Schirm ….

Schon recht. Wie wir wissen, ist Wettermachen eine diffizile Angelegenheit, und da der Rest der Menschheit auch noch mitmischt, weiss Petrus am Ende überhaupt nicht mehr, was er an Wetter noch hat, was er wo plazieren soll, nicht darf, oder sonstwas .

Ich kann es nicht ums Verrecken akzeptieren, dass die Bayern immer besseres Wetter haben sollen als wir Norddeutschen. Dort Sonne, hier Regen. Dort 25 Grad Celsius, hier Bodenfrost.

Natürlich sind wir Nordlichter besser für Schlechtwetter gerüstet. Gummistiefel, Friesennerze, Regenschirme, die man quadratmeterweise kauft, überall Schafe für die warmen Pullover, Wathosen bis unter die Achseln, das alles ist Standard im nordischen Haushalt. Wir sind mit dem Blanken Hans vertraut, mit den Orkanen auf Du und Du, und fällt mir eine Frankfurter Pfanne auf den Kopf, dann bringt man mich gewiss nicht ins Krankenhaus, sondern ruft einen Dachdecker, damit der nachsschaut, ob man mit der Dachpfanne noch etwas Vernünftiges anfangen kann. Und die Älpler: Lederhose, Loden-Janker, Seppelhut mit Gamsbart – das würde hier nicht lange standhalten. Sie sind im Schutze der Alpen besser aufgehoben.

Dennoch bleiben Fragen: Ist gutes Wetter katholisches Wetter? Hat der Vatikan seine Finger wieder einmal im Spiel? Und welche Rolle spielte Kardinal Ratzinger ? Und hat die Nordelbische Kirche versagt? Wer vertritt die Interessen der Atheisten?

364 – Seelenheil

Fussballzeit. Bayern München gegen den FC Nantes. Der Fernseher steht in meinem Rücken, wenn ich am PC sitze. Ich habe mir angewöhnt, die Glotze als Radio zu verwenden, das mir von hinten erzählt, was in der Welt, oder auch auf dem Fussballplatz geschieht; wird’s interessant, dann drehe ich mich einfach mal um. Es gab schon Spielfilme, bei denen ich mich nicht ein einziges Mal umgedreht habe. Keine Figur hat ein Gesicht erhalten. Es gibt Werbung, die ich hundertmal gehört, aber nie im Bild wahrgenommen habe. Es könnten Hundeköddel als Akteure für Fischstäbchen werben – der Spass entginge mir über Wochen!

Wie? Schwachsinnig? Genau das ist es. Aber irgendwann kommt die Meldung des Jahres, oder der Kick des Jahrhunderts, und dann vollführe ich eine 180-Grad-Drehung mit meinem Chefsessel und bin voll da.

In meinem Rücken nörgelt der Reporter über ein miserables Fussballspiel. Offensichtlich passiert auf dem Acker nicht viel, hört sich an wie eher nichts, und die Zusachauer pfeifen um die Wette und ihren Eintrittskarten hinterher. Wenn was geschieht, bei dem nichts passiert, fällt mir stets ein Sechszeiler von Marie von Eber-Eschenbach ein. Der geht so:

Ein kleines Lied, wie geht’s nur an,
dass man so lieb es haben kann.
Was liegt darin: Erzähle!

Es liegt darin ein wenig Klang,
ein wenig Wohllaut und Gesang –
und eine ganze Seele!

Na komm schon, lies nochmal! Dann reflektiere! Seelenlose Politik, seelenloser Fussball, seelenlose Musik, statt dessen Taktik, Klischees, Mechanisierung, Automaten, Geldverdienen – sind wir eine Gesellschaft von Zombies geworden? Tut es nicht weh, einen seelenlosen Tag gelebt, ohne gelacht oder geweint zu haben? Oder tut es weh, und wir sind gegen diesen Schmerz unempfindlich geworden und spüren nicht mehr, wie wir kaputt gehen?

Schwere Kost. Ich giesse mir ein letztes Glas Stimmungsaufheller ein.

363 – mailto:

Die eMail-Systeme werden zunehmend interessanter. Man stelle sich vor, es gelänge der Transport von Materie, einem Kaffeebecher vielleicht, über solche Einrichtungen. Man würde einem Kumpel eine Mail schreiben wie:“ Ich habe gerade frischen Kaffee für uns gekocht. Schicke bitte den Becher zusammen mit den fünf anderen zurück, ich will nicht dauernd Kaffeebecher nachkaufen!“

Oder man würde einen Freund in Australien besuchen, indem man 3-D-gepixelt, also in Würfelchen zerlegt, dorthin reist. Korrekt, Reisewege wären Erdkabel und Richtfunk, Satellitenverbindungen, Kommunikationseinrichtungen der Telekom Nigeria, nur mal als Beispiel. Endlich hast Du ein 4-adriges Installationskabel im Haus des Freundes erreicht, bist dort als Datei angelandet. mailto:Charles@sidney.aus You have a new mail!

Jedes Materie-Würfelchen könnte für den Transportweg in Trägerbytes verpackt sein, das Verfahren heisst PAEM (pixelized and embedded matter), und jedes Trägerbyte trüge die Ursprungsadresse des Pixels mit sich (731 first 987 second 1748 third dimension), damit nach der Ankunft jedes Pixel wieder seinen angestammten Platz findet.

Der Reisende käme nicht auf dem Flughafen, sondern auf einer Festplatte an, und wartete dort auf den Start eines Programms, das ihn wieder zusammenbaut. Ausführen: c:\paem\setup.exe.

Dein Aussie-Kumpel setzt sich also an seinen PC und startet den Vorgang, und wenn er zuviel Bier genossen hat, drückt er nicht auf ENTER, sondern auf DELETE – die Folge ist dann ein sauberer Tod, und ein preiswerter dazu, weil’s den Sarg und die Begräbnisstätte erspart. Es bliebe lediglich nur ein zarter Geruch aus Ozon und Schweissfuss zurück, der sich bei rascher Lüftung im Outback verflüchtigt.
Denkste. Auf Deinem PC, also zu Hause liegst Du als Kopie im Ordner Gesendet. Dort heisst Du Backup_HansJürgen.

Hat der Aussie aber die richtige Taste gedrückt, so wirst Du per SETUP zusammengebaut (17 Minuten für 90 kg Lebendgewicht bei einer 1800-Mhz-Taktung des Rechners). Angekommen, machst Du einen kurzen Funktions-Check – liegen die Füsse noch auf der Festplatte, oder sind sie dran – und schaust, ob auch Deine Hose mitgekommen ist, und dann sagst Du erst mal Guten Morgen, Charles! Hast Du den Chianti gesehen, den ich mitbringen wollte, oder hat sich irgendein Webmaster die Buddel wieder mal abgezweigt?

Schau hin – das ist die Zukunft: Ich schicke keine Briefe, sondern komme auf dem Postwege selbst vorbei, um Dir das Neueste zu erzählen und olle Kamellen wieder mal durchzukauen. Das in den Raumschiffen der Enterprise-Klasse praktizierte Beam-Verfahren ist dagegen unsinnige Technik. Per Strahl kannst Du nur in einen Orbit gelangen, aber nicht von Berlin nach Sydney – probiers mit Lineal an einem Globus aus! Der Nachteil des Beamers liegt halt in der Geraden. Er kann einfach nicht krumm. Und es kommt immer eine Schaufel Dreck mit, zur Freude jeder Hausfrau!

Nun aber zurück zur Sache. Eine Warnung an den Laien soll dieses Kapitel beschliessen:

Sprich niemals von eMail. Damit verrät sich der Anfänger.

Sprich nicht von iMeil. Auch nicht als Bayer. Dies provoziert die Frage nach Deiner Lederhose und der damit verbundenen Problematik. Welche? Aber wir wollen doch nicht hier herumferkeln, oder? Weiter:

Sage einfach Mail – das ist lässig, oder Emil – wenn kein Emil in der Nähe ist. Das ist geil.

362 – Klinisch

Zu allen Zeiten, und heute mehr denn je haben sich neue Sprachwelten gebildet, oder bestehende haben sich weiterentwickelt. Man denke dabei nur an die berühmte „Weisse Wolke“, die täglich durch Kliniken schwebt. Ich meine die Arztvisiten, nicht wahr? Diese sechs bis vierzehn Weisskittel-Versorgte, die ihre Stethoskope tragen, wie normale Menschen ihr 475-Gramm- Goldkettchen, verständigen sich nahezu ausschliesslich in einer Fremdsprache. Der Patient hat anwesend zu sein, auch wenn er nicht weiss, warum. Liegt somit in, oder auf seiner high tech-Schlafmulde (durchgelegen sind die Betten immer!) und hört diesen Leuten angespannt zu, begierig darauf, einen kompletten Satz mitzukriegen – und seinen Sinn zu verstehen. Wie kann man sich doch freuen, wenn man einen ganzen Halbsatz verstanden hat, etwa in der Art: „ ….. also ich weiss auch nicht so genau, warum Herr Risch ständig von Flatulenzen geplagt wird ….“, weil man endlich weiss, dass die Weissen auch nicht allwissend sind, nicht mal etwas gegen Blähungen zu unternehmen vermögen, ausser Kümmelsud und Baldriantropfen zu verabreichen, worauf schon meine Grossmutter meinen Grossvater verwiesen hat, wenn der beim Absondern eindeutiger Geräusche auf den Verschleiss seiner Kniegelenke hindeutete.

Hat man während einer Chefarzt-Visite irgendetwas kapiert, so wechselt man umgehend aus dem Lager des Patientenmaterials in das Dasein eines Menschen über, für Minuten zumindest. Unbewusst begreift man, dass diese Augenblicke für den Genesungsprozess so wichtig sind wie die tägliche Ladung Medikamente.
Und schliesslich offenbart sich just in dieser Einsicht der Sinn der Arztvisite. Begriffe wie Bronchialkarzinom, Morbus Crohn und Spinalstenose waren nicht zu vernehmen, und es bleibt somit bei der Erstdiagnose: Offener Splitterbruch des Wadenbeins links.

Wenn sich die weisse Wolke endlich verzogen hat, fragt man sich, wie zum Teufel die es schaffen, sich in der Kantine eine Mahlzeit zu bestellen; haben die Leute an der Essensausgabe alle das grosse Latinum, oder was? Und wie verdammt noch mal heisst eigentlich Erbsensuppe auf klinisch?

Pisum pulmenti sine farciminis, quaeso! Das muss gewusst werden! Oh, ist das gut: Erbsensuppe ohne Wurst, bitte!

361 – Diverses

Wetter ist für manche Menschen, solche wie mich zum Beispiel, eine rechte Plage. Könnte ich wählen, so würde ich den Knopf für KEIN WETTER drücken. Wieso?

Regnet es, dann bin selbstverständlich ich dafür verantwortlich, und schlechte Laune macht Zanke am heimischen Herd. Ich stehe mit dem Rücken an der Wand, Kugeln schlagen links und rechts ein, und um aus der Falle zu kommen, schlug ich dann manchmal einen Spaziergang vor – irgendein Opfer muss man in solcher Situation bringen, und Spaziergang ist für meinen Geschmack als Opfer gross genug, denn ich hasse Spazierengehen, und sollte ein solches Angebot doch nicht ausreichen, konnte ich noch eine Thüringer Bratwurst hinzuopfern, die ich immerhin nicht selbst essen muss; Du kennst diese knorpeligen Teile, die nur nach Senf schmecken und mit einem kleinen, pappigen weissen Etwas gegessen werden, das der Verkäufer euphemistisch als Brot bezeichnet, an warmen Tagen nach 24stündiger Lufttrocknung gar als Toast, dann ganz und gar unklebrig, und an Regentagen wird der Kunde das helle Teil mit „das war mal ein Stückchen Weissbrot, bevor Du den Scheuerlappen draufgelegt hast“ definieren, und dabei auf ein Tuch schielen, mit dem ein Bauer seine Miststiefel gesäubert zu haben scheint – Du kennst das? Auch die gehässigen Versuche, damit Vögel zu töten nach der Formel Vier Brocken = eine Leiche? Dies wäre dann meines Opfers zweiter Teil gewesen. Spätestens jetzt bemerkst Du, dass ich ein hinterhältiges Aas bin, manchmal zumindest, oft, meinte meine Madame, und zwar bin ich immer dann ungeniessbar, wenn ich zu sehr unter Beschuss gerate, mit dem Rücken an der Wand stehe und mir ums Verrecken keine Argumente einfallen wollen, die ich den fliegenden Messern, die sich links und rechts von meinem Kopf in die Wand bohren, entgegensetzen könnte.

Und überhaupt: Spazierengehen ist für Zielorientierte wie ich eine ziemliche Zumutung. Kurz gesagt: Du gehst los, und dein Ziel ist genau der Ausgangspunkt. Warum um alles in der Welt soll ich diesen Ort verlassen, wenn ich ihn erreichen will?

Oberschlaue meinen ja, dabei sei der Weg das Ziel. Das ist eine Geschmacksfrage, nicht wahr? Für meinen Geschmack gilt: Wenn es nichts weiter als Weg gibt, dann nichts wie weg! Und ist ein Schinkenbrot im Dorfkrug das Ziel, dann mache ich mich gerne auf den Weg, und lasse unter Zwang sogar das Auto stehen.

Ich erzähle das, damit Du weißt, mit wem Du es zu tun hast – falsch. ,Ich muss ja nicht mehr, weil ich nicht kann. Was da in meinem Kopf herumklödert, sind nur Erinnerungen. Es gibt alkso keinen Grund, mich zu bedauern.

360 – Gebabbel

De Blagaade-Babber:
Beim Blagaade-Babbe hot de Becker-Babbe immer Blagaade-Babb am Bagge babbe.

✌😉🤞

Gewiss – Mundart kann sich wie eine Fremdsprache anhören. Aber hier haben wir ein Beispiel dafür, wier schlicht der Pfälzer Dialekt sein kann, wenn man die verwirrenden Fremdeinflüsse wie Alt-Bayrisch und Französisch ausschliesst.

Was will uns der obige Spruch vermitteln?
Nun, genau das, was da steht:

Der Plakate-Kleber. (Papa Becker)
Beim Plakate kleben (Blagaade babbe) hat der Papa eines gewissen Herrn Becker (de Babbe) immmer Plakat-Klebstoff (Blagaade-Bapp) an den Backen (an de Bagge) kleben.

Ich bin stolz, Pfälzer zu sein und mit diesem semantischen Minimalismus immer noch zurecht zu kommen. Allerdings musste ich feststellen, dass meine Jahrzehnte andauernde Abwesenheit zu Deformationen meiner sprachlichen Ausrichtung führte. Die ständige Herausforderung durch die Hochsprache Deutsch, durch Nordfriesisch, Hessisch und Niederrheinisch, ein wenig Englisch, und viel Russisch, gemischt mit Ukrainisch hat unangenehme Spuren hinterlassen. Französisch ist – warum auch immer – eh schon drin, wenngleich auf etwas seltsame Art, wie le Parapluie = der Regenschirm = pfälzisch de Baablee.

Naja, alles bloss Gebabbel (Gerede)!

Halt Disch an Weck, an Worscht un Woi! Laafts annerscht, loss es äääfach soi!

359 – Schatten

(alter Hut, Langtext, aber ich mag ihn)

Erster Eindruck: Unmöglich, das Erlebte zu verstehen. Mein Vorstellungsvermögen war ziemlich überfordert. Auch heute noch, mit einigem Abstand fällt es mir schwer, das Geschehnis zu begreifen und es gar niederzuschreiben. Ich versuche es dennoch, weil es abartig und zugleich faszinierend ist – mysteriös, fantastisch, und überaus spannend. Ich möchte, wenn die Geschichte ihr Ende gefunden hat, so lange ich will, und so oft es notwendig ist, wieder einsteigen, versuchen, zu verstehen, ja, das ist es. Einfach kapieren.

Den Seinen gibt´s der Herr im Schlaf, sagt man. Ich, Zweifler über die Massen, durfte erleben, wie sich diese Phrase plötzlich konkretisierte, quasi mit Inhalt füllte, mich erst an meinem Verstand zweifeln liess und schliesslich meine Sinne erweiterte, sie schärfte, und mich für eine neue Sicht auf das vordergründig Irreale vorbereitete.

Pathos ist hier fehl am Platz. Kurz gesagt: Ich bin eines Nachts, so gegen 0 Uhr 30 zu Bett gegangen, und am Morgen gegen 8 Uhr 30 aufgewacht. Es ist mir zur lieben Gewohnheit geworden, nach dem Aufwachen eine Viertelstunde liegen zu bleiben, die Wärme meines Betts zu geniessen, den neuen Tag zu überdenken und dabei ganz allmählich ein Interesse am Kommenden zu entwickeln. An besagtem Morgen genoss ich nichts von alledem. Ich hatte anderes zu tun.

Es musste sich in der Nacht ereignet haben, woran ich in den folgenden Tagen hart zu arbeiten hatte. Nächtens, und während ich tief und fest schlief, schlich sich eine phantastische Geschichte in meine Erinnerung ein. Um Missverständnissen vorzubeugen: Nicht die Story war phantastisch, sondern das gesamte Ereignis. Am ehesten versteht man die Angelegenheit durch einen Vergleich: Irgendwer hat mir während des Schlafs eine kleine Datei in meinen Speicher geschrieben. Es war ein Hacker an der Arbeit. Zudem ist die Story wahr. Mit diesem Attribut hat man sie mir in meine Erinnerung eingetragen.

Ich hatte bei dieser Infiltration keine Chance. Die Story ist da, und sie ist wahr. So mein Gehirn, und – schlimmm genug – auch mein Verstand. Ein kategorischer Imperativ lässt Zweifel erst garnicht aufkommen. Nun werde damit fertig, Mensch!

Die Frage nach der Herkunft, und auf welchem Wege dieses nie erlebte Abenteuer zu mir gelangte, ist bis zur Stunde unbeantwortet.

Wie bereits gesagt: Die Geschichte hat von mir Besitz ergriffen, sie beschäftigt mich nun unentwegt, und ich musste einen Weg finden, mit der mentalen Okkupation zurechtzukommen, für mich eine recht schwierige Aufgabe. Ein solches Problem hat man schliesslich nicht alle Tage, nicht wahr?

Ich entschied, zu protokollieren, vermutlich als instinktiver Versuch zur Bewältigung einer Krise – es bietet sich dabei zudem die Chance, die neuen Fakten mit anderem Wissen zu verschmelzen, Assoziationen zu entwickeln, Phantasie einfliessen zu lassen und so eine „begründete“ Vermutung zu entwerfen, also einen Zustand zu erreichen, in dem das Ereignis akzeptiert werden kann. Soweit die Hoffnung.

Bis dahin jedoch wurde ich die Empfindung einer Invasion durch Unbekanntes nicht los, wartete auf eine Fortsetzung von Ereignissen, die ich nicht selbst erlebt, und doch als Erinnerung zu dulden habe. Es war belastend, hinter dem Phänomen keinen Zweck erkennen zu können und zugleich fürchten zu müssen, es gäbe in Kürze eine Fortsetzung des scheinbar Sinnlosen, und der Sinn könnte sich unverhofft und auf schmerzhafte Weise offenbaren.

Seit jenem Morgen fürchtete ich den Schlaf, ohne ihn allerdings verhindern zu können. Immerhin schlief ich zunächst nicht mehr des Nachts, sondern zu unmöglichen Zeiten im Verlauf des lichten Tages – als ob damit zu verhindern wäre, was mir längst widerfahren ist.

Nach einigen Tagen begann ich damit, meinen Status neu zu organisieren, eine wie es schien, reine Schutz massnahme. Es zeigte sich, dass dies richtig gehandelt, wenngleich falsch motiviert war. Wie auch immer – die Qualität des Ergebnisses ist in Ordnung.

Mittlerweile ist es mir gelungen, das Geschehen zu strukturieren. Dazu habe ich z. B. den Begriff „Nachricht“ eingeführt. Nach der Bearbeitung einer Nachricht forsche ich nach dem Substantiellen, zergliedere, deute und ergänze, und versuche dann zu verstehen. Wie es sich in der Folge zeigte, war die Verwendung solcher Technik zweckmässig; sie fördert das Verständnis der Nachricht, und sie nimmt ihr jenen Schrecken, den Nr. 1 noch ausge-löst hatte.

Um es vorweg zu nehmen: Mittlerweile gehe ich wieder abends zu Bett, schlafe tief und fest, und freue mich auf das Erwachen – ist eine neue Nachricht angekommen, oder etwa nicht? Freude oder Enttäuschung? Ja, ich gestehe: Ich werde möglicherweise süchtig nach Neuigkeiten aus dem Irgendwo.

Nachricht 1

ist. bei dir weit bei dir nah. univers wie du. sonne wie du. planet dreht. ist. seite weiss heiss. seite schwarz. egal heiss nicht. weit messen keine zeit. ist. heiss mensch hell. sagen Licht. kalt sagen mensch schatten. verstehen. plus.
+++++

Mit meinem Gedächtnis ist es wahrlich nicht zum besten bestellt. Ich vergesse Telefonnummern, PIN´s, meinen Hochzeitstag, Namen und geplante Einkäufe. Aber man kann versichert sein, dass ich diese Nachrichten komplett und korrekt wieder-gebe. Es ist ein Phänomen, über das ich nicht nachdenken möchte. Die Stress-Symptome habe ich mit Erfolg bekämpft, und ich akzeptiere nun eine unheimliche Begegnung der vierten Art.

Um die Sache abzukürzen: Ich habe Nachricht 1 wie folgt gedeutet:

Es ist wahr. Ich bin weit von Dir entfernt, und doch ganz nah. Lebe in einem anderen Universum als Du, in der Nähe einer Sonne wie Deine, unser Planet dreht sich.
Es ist wahr. Eine Seite unseres Planeten ist heiss, und hell. Die andere Seite ist dunkel und kalt. Die Kälte macht mir nichts aus. Die Entfernung zwischen Dir und mir ist nicht in Zeit zu messen.

Es ist wahr. Die Lebewesen auf der hellen Seite unseres Planeten würdest Du „Licht“ nennen. Die auf der dunklen Seite nennst Du „Schatten“.

Ich hoffe, Du hast die Nachricht verstanden. Eine neue folgt.

Unversehens hatte ich den Übermittler personifiziert. Irgendwer, nicht irgendetwas hatte mir eine Botschaft gesandt. Ein „Er“, der auf der dunklen Seite seines Planeten lebt. Er bezeichnet sich als Schatten. Eine unglückliche Wortwahl. Wahrschein-lich ist ihm entgangen, dass Schatten körperlos sind. Unsere zumindest.

Hell und Dunkel – Ebony and Ivory living in perfect harmony …. side by side!

Nun, es wurde mir rasch bewusst, dass eine Fortsetzung folgen musste. Aber was um Himmels willen will er von mir? Er wird sicherlich nicht ohne Grund seine Existenz, und die seiner Welt offenbaren. Und wenn er in der Lage ist, auf die geschilderte Weise von mir Besitz zu ergreifen, dann kennt er die Menschen, weiss von ihren üblen Seiten, und muss sich trotzdem sehr sicher fühlen, in seinem Universum, als Schatten auf der dunklen Seite seines Planeten. Schattenmann – Schatten-frau – Schattenwesen?

Um ehrlich zu bleiben: An dieser Stelle begann ich, an meinem Verstand zu zweifeln, befürchtete nacheinander einige Geisteskrankheiten wie Schizophrenie, Paranoia usw., und dass meine Sinne mir einen Streich spielten, das Ganze sich nur in meiner Phantasie abspielte, und so weiter. Eine solche Reaktion konnte nicht ausbleiben, bis zur

Nachricht 2

ist. mannfrau schatten. ist. Leben muss licht ist. licht nicht schatten nicht licht. ist. 1 ja 2 ja 3 nein. leben ding hinter licht vor. wie du. ist. licht neu schatten. nicht licht. dunkel leben. du licht leben schatten unlicht. verstehen. plus.
+++++

Nun, das war eine harte Nuss. Während mir die Nachricht 1 noch leicht zu entschlüsseln schien, bekam ich hier einige Probleme. Nummer eins liefert nicht genügend Kontext, um Schlüssiges abzuleiten. Einige Versuche und verschiedentliches Variieren ergab das folgende:

Wahr ist. Ich bin ein Schatten und ohne Geschlecht. Ich lebe, weil Licht ist (Licht war).
Licht lebt ohne Schatten, und Schatten ohne Licht (also ohne Bindung an Licht? Wie das?).

Wahr ist, ich bin ein zweidimensionales Wesen.
Ich entstehe, wenn Licht auf einen Gegenstand fällt. Das ist wie auf der Erde.

Aus Licht entstehen Schatten, die aber in der Folge das Licht nicht mehr benötigen. Wir leben auf der dunklen Seite. Der Erdenmensch benötigt das Licht, wir Schattenwesen das Dunkel.

Du verstehst? Neue Nachricht folgt.

So habe ich Nachricht 2 interpretiert. Ein Schatten entsteht dort auf dieselbe Weise wie bei uns, kann sich aber verselbständigen? Ohne Licht existieren? Der Typ nenn sich Schatten, kanns aber nie und nimmer sein, nicht wahr? Schatten ist nicht die Folge von Licht, sondern von Lichtreduzierung, nicht wahr? Man stelle sich vor, mein Schatten entsteht, und macht sich davon. Ich bin ohne, bis ich ins Licht trete. Ich mache mir dann einen neuen Schatten, aber auch der macht sich davon. Irgendwohin ins Dunkel. Eigenartig. Woher habe ich die Gewissheit, dass es auf der Erde nicht genauso ist? Dass die versammelte Schattenmacht immer der Nacht folgt, rund um den Globus? Dort untertaucht, und als zweidimensionale Wesenheit existiert?

Und welchen Sinn hätte eine andauernde Existenz meines Schattens, unfrei – oder nicht an meinen Körper im Licht gebunden?

Allerdings: Dem Schatten fehlt die dritte Dimension. Das hätte zur Folge, dass man eine unendliche Anzahl übereinander stapeln könnte, ohne auch nur den millionsten Teil eines Millimeters an Raum zu belegen! Ich konstatiere, dass meine Denkweise paranormale Züge annimmt, nehme mir vor, sehr darauf zu achten, dass meine Phantasie nicht in einen pathologischen Geisteszustand abgleitet, Wahnvorstellungen erst garnicht entstehen.

Die folgenden beiden Nächte blieben ohne Heimsuchung. Statt dessen stellte sich das Gefühl ein, betrogen zu werden. Man hat mir ein Puzzle gegeben, bei dem die Hälfte der Teile fehlt. Dann endlich, in der dritten Nacht nach Nr. 2, folgte

Nachricht 3

ist. viel gleiches ich. ander viel gleiches sich. ich plus ich plus ich viele. ist. er plus er plus er viele. sie plus sie plus sie viele. er plus sie plus ich nein fehler tut nicht. ist. du denken raum nicht. verstehen. plus.
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Ich hatte mich unverzüglich und gut gelaunt an mein Puzzle begeben – er / sie / es hatte mir neue Teilchen angeliefert, und es hatte sich eine brennende Neugier meiner bemächtigt, ich wollte so rasch wie irgend möglich zu einem befriedigenden Ergebnis gelangen, vielleicht damit auch ein Ende des Spuks herbeiführen. Nummer 3 interpretiere ich folgendermassen:

Wahr ist: Ich bestehe aus vielen gleichen Teilen. Die anderen ebenso.
Meine Teile sind gleichen Ursprungs. So ist es auch bei den anderen. Es gibt keine Vermischung, das wäre falsch.
Es ist wahr, was Du über den Raum denkst, den die Schatten belegen.
Du verstehst? Neue Nachricht folgt.

Was für eine Neuigkeit! Ein Schatten als kumuliertes Wesen, alle seine Teile gleichen Ursprungs, aber jedes Teil unterscheidet sich von den bereits vorhandenen – ist es möglich, dass …… nein. Undenkbar, dass Schattenbilder über-einander projiziert in zweidimensionaler Form die Beschaffenheit dreidimensionaler Dinge speichern könnten. Ich bin froh, im 21. Jahrhundert zu leben. Vor einigen hundert Jahren wäre ich wegen solcher Phantasien unweigerlich auf einem Scheiterhaufen gestorben.
Ich frage mich nun doch, was auf jenem Planeten geschehen mag. Wer ist Schattenspender? Beleb-tes, Unbelebtes? Lebendes oder Totes? Berge, Steine, Pflanzen, Tiere und Menschen?

Ich erschrak. Was hatte er nochmal gesagt?
„ist, du denken raum nicht.“
Stimmt, ich benötige keinen Raum. Das hat er mir übermittelt. Und es bedeutet, ER IST HIER. In dieser Sekunde, und in jeder anderen, die noch kommen wird. Ich stehe unter seiner Kontrolle. Seit wann? Schon immer? Seit neulich? Ich musste Panik bekämpfen – was um Himmels willen geschieht mit mir? Ich werde manipuliert, und fühle mich, als hätte man mir Drogen injiziert, eine Wahrheitsdroge wie Scopolamin etwa. Unversehens erinnere ich mich an ein Lied aus meiner Kinderzeit, das meine Mutter oft in ihrer Küche gesungen hat, und dessen Tenor sich nun als grundlegend falsch zu erweisen scheint – zumindest in meinem Falle:
Die Gedanken sind frei,
wer kann sie erraten?
Sie fliegen vorbei
wie nächtliche Schatten
Kein Mensch kann sie wissen
kein Jäger sie schießen.
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei.
Ich denke was ich will
und was mich beglücket
doch alles in der Still‘
und wie es sich schicket
Mein Wunsch und Begehren
kann niemand verwehren
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei.
Bin ich unfrei geworden, oder war ich es gar schon immer?
Zugegeben, ich habe zwölf Stunden lang gelitten, habe gezweifelt, war verzweifelt – und füge mich nun in das Unabänderliche, Was sonst könnte ich tun?
In der darauffolgenden Nacht traf Nachricht Nr. 4 ein. Sie lautet:


ist. denken du. ich viele für eines. ist. ich immer du bist. ich du. kugel halb sand voll wasser. du sand ich wasser. du ich du. verstehen. plus.

+++++
Das entschlüsselte Ergebnis hat mich völlig aus der Fassung gebracht.
Es ist richtig, was Du denkst. Ich bestehe aus vielen Teilen ein und derselben Sache.
Ich war immer bei Dir.
Stelle Dir eine Kugel vor, die halb mit Sand gefüllt ist, und fülle sie vollends mit Wasser. Du bist der Sand, und ich das Wasser. Du bist ich, und ich bin Du. (Wir sind eins.) Verstehst Du? Ich melde mich wieder.
Ich sehe mich heute ausserstande, mich mit der neuen Entwicklung auseinanderzusetzen. Nicht dass meine Neugierde nachliesse. Ich fiebere der nächsten Botschaft entgegen – und bin dennoch nicht mehr in der Verfassung, das von IHM gezeichnete Bild zu verarbeiten. Ich habe mich in eine Opferrolle zurück-gezogen, leide wie ein getretener Hund. Unvermutet stellt sich der Gedanke ein, die Affaire neige sich ihrem Ende zu, und es käme nun zu einem Shutdown. Aber zu welchem? Was hat IHN dazu bewogen, mit mir diesen ganzen Zirkus zu veranstalten? Ich bin 62 Jahre alt – und ER hat 62 Jahre lang stillgehalten. Wenn ER wirklich mein komplementäres Ich ist, dann sollte ich erfahren, wozu es/er existiert. Cui bono?
Heute morgen erhielt ich mit einer neuen Nachricht die ultimative Anwort.


Nachricht 5


ist. du plus ich gleich eins. nennen körper du. nennen seele ich. ist. ich in dich muss. univers mein alle wie ich unzahl. kann geboren wieder. nein oder ja. wir emotion machen. kontrolle auch müssen. ist. kommen du nah zu mich. wissen nicht. muss kommen. heute zeit ende mein dein. muss. muss. muss. verstehen. null.


Ich habe eben diese Nachricht mit grosser Sorgfalt studiert und erkenne, ich halte den Schlüssel zur Wahrheit endlich in der Hand. Ich werde langsam und so genau wie möglich formulieren. Beginne zu glauben, was ich lese und zu verstehen. Nein, alles verstehe ich natürlich nicht. Es bleibt mir zum Beispiel ein Rätsel, warum man mir gestattete, diese Angelegenheit aufzuzeichnen. Mag sein, dass es keinen Unterschied macht. Die Story ist sowohl unglaublich als auch unglaubhaft. Erzählte ich davon, so würde man mich auf meinen Geisteszustand untersuchen wollen. Ich sollte es damit halten wie mit dem anderen grossen und rätselhaften Wunder, der Frau. Nicht ohne Grund sagt man: Der Kenner schweigt, und geniesst.
Es ist wahr. Du und ich sind eins. Du bist der Körper, und ich die Seele. Du brauchst mich, und ich bin in Dir. In meinem Universum sind alle Seelen versammelt. Wir sind nicht zählbar. Wir warten auf eine Wiedergeburt. Unsere Aufgabe ist die Katalyse, wir setzen Eure Gefühle frei. Wir kontrollieren. Ich bin zu Dir gekommen, weil Du mich entdeckt hast, ohne es zu wissen. Ich hatte keine Wahl. Heute endet unsere Zeit. Deine und meine. So lautet das Gesetz. Du verstehst? Es folgt keine neue Nachricht.
Ich bin geschockt. Was ist, wenn Er die Wahrheit sagt? Wenn ich nicht sofort diesen Text sichere, fehlt ihm die Pointe, keiner wird …..

358 – Da, da, da!

Ich will nichts.
Oder ich will alles.
Aber das will ich.
Habe das da nicht gewollt.

Gut, gut.
Ich will nur Glück.
Ein wenig davon.
Aber ein wenig viel.

Zufrieden?
Zu albern.
Zuschauen?
Eine Zumutung.

Was tun?
Täter werden?
Tatenlos zuschauen.
Habe nichts getan!

Man macht.
Macher sind gut!
Machen die nichts?
Die an der Macht!

Macht?
Danke!
Sauber bleiben.
Bleibe ein kleines Licht.

Armselig.
Leutselig.
Unselig.
Selig sind die Dummen.

Macht macht.
Kriegt Krieg.
Finger fingern
mit List und Hinterlist.

Alles für Dich.
Für Euch das Beste.
Kann nichts dafür.
Eher nichts für alle.

Das Beste ansagen,
das Gute nicht sehen.
Alles normal –
schlecht gelaufen.

Hinschauen –
wegsehen.
Heisse Luft
wärmt nur für den Moment.

Ich bin.
Kleine Welt,
meine Welt.
Für Euch: Kein Platz.

Ehrlich gesagt:
Ergötzlich,
und nützlich,
der Götz.

Guter Gedanke
macht froh.
Ihn leben
macht freier.

358 – Da, da, da!

Ich will nichts.
Oder ich will alles.
Aber das will ich.
Habe das da nicht gewollt.

Gut, gut.
Ich will nur Glück.
Ein wenig davon.
Aber ein wenig viel.

Zufrieden?
Zu albern.
Zuschauen?
Eine Zumutung.

Was tun?
Täter werden?
Tatenlos zuschauen.
Habe nichts getan!

Man macht.
Macher sind gut!
Machen die nichts?
Die an der Macht!

Macht?
Danke!
Sauber bleiben.
Bleibe ein kleines Licht.

Armselig.
Leutselig.
Unselig.
Selig sind die Dummen.

Macht macht.
Kriegt Krieg.
Finger fingern
mit List und Hinterlist.

Alles für Dich.
Für Euch das Beste.
Kann nichts dafür.
Eher nichts für alle.

Das Beste ansagen,
das Gute nicht sehen.
Alles normal –
schlecht gelaufen.

Hinschauen –
wegsehen.
Heisse Luft
wärmt nur für den Moment.

Ich bin.
Kleine Welt,
meine Welt.
Für Euch: Kein Platz.

Ehrlich gesagt:
Ergötzlich,
und nützlich,
der Götz.

Guter Gedanke
macht froh.
Ihn leben
macht freier.

357 – Schwein

Schweine sind intelligent. Fall-Muster: Das Schwein als Intelligenz-Bestie.
Dem Schwein wird´s allerdings völlig wurscht sein.

Allgegenwärtig ist das Schwein
in unserm Menschenleben,
ohne von uns geliebt zu sein.
Es hat so viel zu geben .

Zuvörderst dient es uns bei Tisch
als Schinken, Schnitzel und Kotlett,
und Lendchen, rosa, zart und frisch,
Grillrippchen mit und ohne Fett …..

Gesülzt, gekocht oder gebraten
geniesst der Mensch, der nicht Muslim,
das Schwein zu Sossen, Kraut, Salaten
bei Blumenschmuck, und viel Benimm.

Wir sollten doch an solchen Tagen,
nach einem wirklich guten Essen
gemeinsam herzlich Danke sagen:
„Dank, liebes Schwein, sei unvergessen!“

Der Schweinefreund hat auch bedacht
dass Schweine stets geduldig bleiben,
wenn man sie mal zum Buhmann macht,
um sich mit anderen zu reiben.

Du blöde Sau! Du dummes Schwein!
Du Drecksau, Sülzkopp, wilde Sau!
In heilgem Zorn wird man gemein,
Die Knoechel weiss, Gesichter blau!

Ganz bayrisch wirds, wenn ohne Faxen
der Loisl durch die Kneipe brüllt:
Geh schleich´Di, schwing die krumma Haxn!
und Haxnduft den Gastraum fuellt.

So mancher Mensch ist sehr geknickt,
mit Liebe sich zum Schweine wendet,
weils Pumperl ihn ganz böse zwickt
und´s Schwein Aortenklappen spendet.

Als Glückssymbol – na, unentbehrlich!
Was täte man nur ohne „Schwein“.
Mensch, sag es einmal wirklich ehrlich:
So´n Ferkelchen kann niedlich sein!

Und nicht zuletzt der Bauernstand
Profit verspricht die Ferkelei.
Es grunzt munter im Bauernland,
noch immer gilt: Landluft macht frei!

Mag sein, dass es die Stadtluft war,
die einst den Menschen frei gemacht.
Dem Schwein stellt es sich anders dar:
Freiheit ist für´s Wildschwein gedacht,

so lang, bis dann im Morgenrot
die Büchse knallt; ein letzter Schmerz,
der Jäger bruellt dann los: Sau tot!
Ein Blattschuss, mitten durch das Herz!

Nun, auch noch dies. Es spricht sich rum
im Koben und in Schweinekreisen.
Das Hausschwein ist ja nun nicht dumm
kann die Behauptung schon beweisen,

dass man nur noch als Hausschwein sicher.
Und sterben muss nunmal ein jeder.
Der Bauer auch! (Hinten Gekicher!)
Der ist dann hin – ich Schweineleder!

Reinkarnation – auf Schweine-Art
ist nicht nach jedermanns Geschmack.
Der Mensch arbeitet lieber hart.
Arbeit macht frei!, schrieb Menschenpack.

356 – Tod

Nichts zwickt heute.
Ich hänge ab.
Vergess die Meute.
Vergess den Trab.

Mein Sessel ruht,
und ich darin.
Es geht mir gut,
geht’s durch den Sinn.

Die Beine hoch,
die Augen zu.
Ich grüble noch,
bin weg im Nu.

Nichts stört den Schlaf,
der Träume Land.
So wirksam traf
des Männchens Sand!

Es findet sich
ein kleiner Traum,
schon sitze ich
im Apfelbaum.

Wünsche entstehn,
Gedanken sind
gedacht, verwehn
im Sommerwind.

Und nebenan
im Sack der Tod.
S´ ist rasch getan,
zu End die Not.

Er blickt zu mir.
Endlich befreit –
ich danke Dir,
vergiss die Zeit!

Und willst Du gehn,
Dein Ruf genüge,
und Du wirst sehn
wie ich es füge.

Schrecken durchzuckt.
Angst im Gesicht.
Mein Ast: Der ruckt,
biegt sich und bricht.

Ein garstiges Geschick!
Ich falle tief, ich Tropf,
und brech´ mir das Genick.
Der Tod schüttelt den Kopf.

Ich bin erwacht,
erhebe mich,
die Sonne lacht
vergnügt. Und ich …

Der Sessel lag
und ich daneben.
Was für ein Tag!
Fühle mein Leben.

Der Tod im Apfelbaum
befreit durch meine Hand!
Gottlob, es war ein Traum
Aus nichts als Sand, aus Sand.

Der Tod? Zieht über Land,
sein Schädel grinst, ist hohl.
Und ich? Total entspannt.
fühl mich unendlich wohl!

355 – Joke

Normal sein ist eine undefinierbare Grösse kollektivistischer Werte, kein Normalmass für Menschen, sondern eine subjektive Beurteilung von Sichtweisen. Der Mensch ist ein Idividuum, ein Unikat, mit nichts als sich selbst zu vergleichen.

Wo ist der Unikatsbeweis.
Ein Mathe-Lehrer: Leerer Scheiss!
Nichts weiter als nur Schabernack.
Nur leeres Stroh im Jutesack.
Ist schliesslich auch nicht ernst gemeint,
Mathematik ist eh mein Feind,
beweist mir stets dass ich zu dumm,
bei Zahl und Formel bleib ich stumm.
Doch Z a h l e n ist stets meine Sache –
Es scheint, s´ist meines Weibes Rache!

Risum teneatis amici!

Verkneift Euch das Lachen, Freunde!
(Horatius, de arte poetica)

354 – Joke

Wie ich mich selbst sehe? Mit Verlaub: Dem Vergleich mit Bohnenstroh möchte ich nur ungern standhalten müssen. Ich halte es lieber mit dem Cherubinischen Wandersmann (geistreiche Sinn- und Schlussreime):

Ich bin, ich weiss nicht wer.
Ich komme, ich weiss nicht woher.
Ich gehe, ich weiss nicht wohin.
Mich wundert, dass ich so fröhlich bin!

Ja, ich liebe diesen Spruch von
Angelus Silesius, zu deutsch Schlesischer Bote,
lebte von 1624 bis 1677 in Breslau,
war geistlicher Dichter
und hiess eigentlich
Johannes Scheffler.

353 – Joke

Ich bin so dumm wie Bohnenstroh
So sehn wir mich schon immer.
Und dennoch gut gelaunt und froh –
Wieso? Hab keinen Schimmer!

Mal tu ich dies, mal tu ich das!
Ganz wie der Zufall will.
Ich fühl mich wie ein leeres Fass
und mein Verstand steht still.

Nur ab und an geht es mir schlecht,
Momente werden licht.
Ich sage etwas, habe recht,
und mein Verstand erbricht.

So schrieb ich es an meinem Tisch.
Egal, wie ich es will:
Es ist wie mit gekochtem Fisch –
mal mit, mal ohne Dill.

352 – Joke

Die Pizza bruzzelt still im Ofen,
noch duftet sie so wie sie soll.
Noch tut der Käse goldig loofen,
des Bäckers Stimmung dreht nach moll.

Die Augen zu – er träumt vom Bett,
schon holt ihn sich der Schlummer.
Im Ofen brennt derweil das Fett,
der Pizza-Brand macht Kummer.

Kohle verströmt Salami-Duft.
So schwarz, und doch so lecker!
Der Bäcker aus der Küche ruft:
Er will nun kein Gemecker.

Die Hausfrau sieht: Hilfe tut not,
und schleicht sich leis zum Schrank.
Die Kinder kriegen Butterbrot,
der Bäcker einen Dank!

Hier mehr zu tun bringt garnichts ein,
der Pleite voll bewusst
pfeift sich der Bäcker einen rein,
ertränkt im Schnaps den Frust.

Pizza und Bäcker , wie verreckt
so liegen sie vereint
nun in der Küche hingestreckt –
es war nur gut gemeint!

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