466 – Kartoffelsalat

Die letzte Fuhre war mir so gut gelungen, dass ich mit meiner Leistung zufrieden sein konnte. Ich habe das auch deutlich gespürt. Zu gut und zu wenig – das harmoniert nicht. Deshalb habe ich mich für eine zweite Ladung entschieden. Allerdings fährt das Projekt schon gegen die Wand, obwohl es noch nicht gestartet wurde. Es sind einfach nicht genügend Kartoffeln da.

Statt dessen habe ich einen Nudelbestand, der locker über den 3. Weltkrieg hinaus reicht. Nur das Salz ist wieder knappes Gut; ich wäre gezwungen, in Nordsee zu kochen.

Nich zu fassen ist die Tatsache, dass ich inmitten von 9 Millionen Apfelbäumen lebe, und in meiner Obstschale findet sich 1 Apfel (in Worten: einer).

Wenige km entfernt leben 200.000 Legehennen täglich ein Ei. Und was habe ich? Zwei Stück, und die sind so klein, dass sie unmöglich vom Huhn kommen können. Wahrscheinlich hat man sie einer Fasanenhenne unter dem Hintern weggeklaut.

Ich könnte so weiter erzählen, bis ein Leser ermüdet oder weggestorben ist – das lasse ich lieber bleiben. Aber ich möchte noch ein wenig die Rezeptsammlung im Netz kritisieren; der Kartoffelsalat kommt mir gerade recht. Da sind vielleicht 550 Rezepte, und alle gleichen sich. Anscheinend gibt es nur eine Art dieses Salats, und man variiert kunstvoll durch Hinzufügen von Mayo, Tomate oder Gurke, aber ohne Originelles. Und alle Rezepte stammen von Oma, was sich andeutet mit dem Titel „Omas bester K -….“ usw. Leider ist selbst Oma nichts Aussergewöhnliches eingefallen, und so muss heute der Smutje selbst kreativ werden. Sollte er, tut er aber nicht. Ich habe keinerlei Spuren von Kreativität entdeckt, und weiss bis heute nicht, wie Kartoffelsalat schmeckt, wenn man Omas beste Lavendelseife reinschnippelt. Oder eine Ladung von Opas bestem Kautabak. Gut, das ist extrem. Es geht auch auf sanfte Art: Etwa 500 g Quinoa auf 100 g Kartoffeln, oder Scheibchen von der Sachertorte als Deko oben drauf usw.
Und hast Du Schmedrzen, so kannst Du sogar Ibuprofen untermischen. Also trau‘ Dich! Nur: Ohne Kartoffeln geht nichts.

465 – Schwurbler

Das kann doch nicht wahr sein: Italien macht etwas besser als Deutschland? In Mailand, Rom oder Neapel herrscht ungläubiges Staunen. Außer beim Fußball, wo die Italiener immer sicher sind, Deutschland zu schlagen, hat man südlich der Alpen eine gehörige Achtung vor der „deutschen“ Fähigkeit, Probleme schnell zu bewältigen. In der vierten Welle jedoch zeigt sich ein anderes Bild.

Auch Paola Concia, eine ehemalige Abgeordnete des italienischen Parlaments, die seit einiger Zeit in Frankfurt am Main lebt, fasst es nicht: „Das stellt alles auf den Kopf. Eigentlich war doch Italien immer das instabile Land, das die Regeln nicht einhält. Als Italienerin, die in Deutschland lebt, bin ich erschüttert. Das Land hat sich einer kleinen Minderheit von ‚NoVax‘ (Impfgegner) in die Hand gegeben.“

Die frühere italienische Abgeordnete ist baff, wie viele Italiener. Dass ausgerechnet dieses Land sich sehenden Auges den Impfgegnern unterwirft, entspricht nicht ihrem Deutschland-Bild. „Meinen Freunden in Italien musste ich ein neues deutsches Wort erklären: Schwurbeln.“ (richtungslos, unproduktiv und unstrukturiert herum-eiern)

Dieser Text gehört n-tv.

Italien ist übrigens auch als Föderation organisiert, und alle Regionalfürsten sind es gewöhnt, ihr Territorium mit Klauen und Zähnen zu verteidigen. Aber sie haben z. B. keine STIKO, also keine ständige Impfkommission, die Entscheidungen um Wochen verzögert. Aber es gibt in Rom eine Expertenkommission, die schnell und hart entscheidet. Selbst die Lega Nord hat angesichts dieser geballten Fackkunde ihren Widerstand aufgegeben.

Italien war anfangs ein Sorgenkind und steht heute nahezu erstklassig da. Und ein Mann wie Draghi ordnet mit fester Hand, was politisch zu ordnen ist. In Rom hat man offenbar Köpfe auf dem Hals sitzen. In Berlin sind Heissluftballons.

Man soll nicht immer das Negative so demonstrativ in die Sonne halten. Es gibt auch Köpfe in der BRD. So haben zwei schlaue Schweizer mit Hilfe einer Bayerin minderwertiges Schutzmaterial zu Wucherpreisen an die Bundesländer verkauft (Einkauf 2,14, Verkauf 9,90, Gewinnspanne somit 3%). Grosskunden waren die Bundesländer Bayern und NRW. Die Schadenssumme liegt angeblich bei 200 Mio. Die bayrische Lady hat eine Provision von ca. 45 Mio. Oiro kassiert. Und die schweizerischen Jungs dürften so an die 100 Mio. eingesackt haben.

Man sieht: Es geht doch etwas in der BRD. Anderswo. Nicht in Berlin. Auch nicht bei Laschet und Söder.

Da steht eine grosse, schwere Kuh im Stall. Sie heisst Corona und will täglich gemolken werden. Und da gibt es Melker, die mit heisser Hand aus der Kuh rausholen, was geht.

Es reicht. Ich höre auf.

464 – Contradictio in Adjecto

Das ist kein Gericht aus italienischen Küchen. Nein, es ist komplizierter. Dumme Sache – vorhin bin ich über dieses Wort-Ungtüm gestolpert, ohne zu wissen, was es bedeutet. Geschieht so etwas, so reagiere ich zwanghaft: Nicht-Wissen gibt’s nicht.
Also, liebe Wiki, her mit einer Übersetzung vom Latein ins Deutsche!

Wiki meint, es handle sich um einen Widerspruch im Nebeneinander, wenn man ein Substantiv mit einem Adjektiv zu einem Syntagma verbindet und beide sich gegenseitig ausschliessen, wobei mit Syntagma eine Wortgruppe gemeint ist. Hä?`

Irgendwo folgen erklärende Beispiele, und endlich fällt der Groschen.
Ein Contradictio in Adjecto liegt vor, wenn man aus dem Deutschen Bundestag berichtet, Frau Merkel sässe auf der Regierungsbank, langweile sich fast zu Tode über dem Thema „Corona“ und versuche dabei erfolglos, runde Quadrate in ihr Notizbuch zu malen.

Bis dahin habe ich verstanden, aber es geht weiter. Ein „stummer Protest“ sei nur ein Schein-Widerspruch, da hier eine neue Bedeutungseinheit vorläge, während ein quadratischer Kreis, oder ein rundes Quadrat irreal seien, irgendwie höherer Blödsinn. Und wenn ein er „Jein“ sagt? Das ist wieder etwas anderes, nämlich eine Kontamination. Und schon sitze ich wieder in der Tinte. Das meint nun wieder eine Vermischung von Wörtern, wie beim „Gartenverzwergung“.

Schon ok. Ich habe es nur gut gemeint, wollte diese Neuigkeiten einfach weitergeben. Ist natürlich eher was für Masochisten; das wiederum sind Menschen, die …….

463 – Liebe

Vom Tisch gefallen und wieder aufgesammelt:

Es wird kaum gelingen, eine tief empfundene Liebe durch Pragmatismus zu entzaubern. Zwischen Vernunft und Emotion liegen ganze Welten, die nicht zu überbrücken sind.

Man sagt, die gelinde Form von Wahnsinn, die wir Liebe nennen, brauche Zeit, um verhandelbar zu werden. Fachleute reden von 2 bis 3 Jahren Toleranz, bevor eine „gesunde“ Normalität entsteht.

Wer allerdings als Kind keine Liebe erfahren hat, wird zeitlebens keine tiefe Liebe empfinden und geben können. Solche Menschen lieben auf ihre eigene Art, und diese ist nicht bedingungslos, sondern durch pragmatische Züge geprägt.

Wer die tief empfundene Liebe, diese aussergewöhnliche Emotion nicht erleben kann, leidet nicht darunter. Was er nicht kennt, das vermisst er nicht. Und was er bei anderen Menschen sieht, das versteht er nicht. Mit Gefühlskälte hat das nichts zu tun.
Auch er geht so grosszügig mit seinen Gefühlen um, wie es ihm möglich ist. Aber er ist daran gehindert, seine Ratio zu ignorieren.

Gefühlskalt sind Menschen, denen Werte wie Empathie, Toleranz und Liebe gänzlich fehlen. Eigenliebe ist keine Liebe im Wortsinn, sondern eine exaltierte Ausprägung des Egoismus – siehe Narzissmus.


Ich rede gerade mit mir. Warum schreibe ich das? Korrekte Antwort: Ich habe keine Ahnung. Ich hätte genauso gut über „Pizza infernale“ schreiben können. Ist mir nur nicht eingefallen. STOP! Es gab doch einen Anlass dazu: Cari saluti, Natalia!

462 – Wetter

Aufgepasst! Mittlerweile haben mich 3 Meldungen erreicht, die unisono aussagen, es wären Zugvögel unterwegs – jetzt kommts – n a c h N o r d e n ! Und das Mitte November, der Winter hat noch nicht richtig begonnen!

Anno Tobak war dieses Vogelverhalten in Frühjahr ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Winter vorbei war. Das Federvieh ist irgendwie von der Rolle und hat die Orientierung verloren. Wenn’s dann im Januar tiefgefroren auf dem Acker liegt, gibt es preiswert Graugans auf Apfelrotkohl. Das freut so manchen Spaziergänger.

Überhaupt, die Tage im November gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Der Blick aus dem Fenster offeriert immer wieder Langeweile; wer gescheit ist, lässt die Jalousien runter und macht sich 3 kg Kartoffelsalat. Damit ist man richtig gut beschäftigt, und es ist ein richtig gutes Ende zu erwarten.

Ich schaue nochmal aus dem Fenster. Alles wie gestern. Inzwischen glaube ich, dass wir heute immer noch Gestern haben, oder Vorgestern. Ich schlafe ja viel, und weiss deshalb nicht, was in den Phasen meiner Abwesenheit alles geschieht, beziehungsweise nicht geschieht.

Ich kann gut damit leben, dass Vogelschwärme am Himmel Chaos verbreiten. Aber es gibt Anzeichen dafür, dass uns das Chaos auch auf der Erde erreicht. Das Thermometer zeigt 10° plus, statt 1° minus. In unserem Vorgarten blühen zur Zeit Stockrosen und Löwenmäulchen. Und die Igel weigern sich, in den Winterschlaf zu gehen. So etwas geht mir ziemlich auf den Senkel. Die Natur sagt mir, ich sei wohl von vorgestern, also nicht mehr auf dem Laufenden, und ich solle mich gefälligst updaten. Noch so ein bisschen, und ich fange damit an, das Vaterunser zu beten! Verlass‘ Dich drauf – ich kann das und ich mache das!

461 – Reiten

Fast hätte ich es vergessen. Da ist ja noch die Sache mit Freddy offen. Er hatte es geschafft und war nun in der Lage, sich einen Gaul zu kaufen und das Tier auch so zu halten, wie es sich gehört.

Ich versuche, mich kurz zu halten. Man erzählt gerne Geschichten aus der Reithalle, somit auch zu Freddy’s Start.
Der kletterte links auf den Gaul, rutschte über den Sattel und fiel rechts runter.
Am Folgetag sass Freddy im Sattel, und der rutsche dem Gaul runter auf den Bauch, da zu locker befestigt. Freddy war wieder abgestürzt. Bei einem Stockmass von 150 cm tut ein Sturz schon ein wenig weh. Zuschauer waren begeistert.

Das Ross heisst „Simon“, wird aber in English ausgesprochen, also mit „Saimen“. Das Tier erwies sich als extrem geduldig. Freddy bestieg seinen Simon mehrere Male, fand sogar die Steigbügel, verletzte sich nicht am Sattelhorn, und wollte in der Halle Runden drehen. Simon wollte das nicht. Das Pferde machte 2 Schritte und erstarrte.
Freddy oben drauf ebenso. Man nennt das vielleicht „ein Reiterdenkmal“. Vier Versuche misslangen auf diese Weise. Freddy begann darüber nachzudenken, wo er einen Pferdeschlachter finden könne, wenn dieses verdammte Vieh nicht endlich zu laufen beginnt.

Vor Versuch Nr. 5 stellte sich Freddy vor seinen Gaul und redete auf das Tier ein mit Engelszungen. Dann streichelte er Simon über die Nüstern – und selbiger legte seinen Kopf auf Freddy’s Schulter. Der Reitersmann wischte sich zwei Tränchen aus den Augen und machte sich an den Aufstieg. Er weiss bis heute nicht, wie er auf das Pferd gekommen ist; plötzlich sass er korrekt oben und hatte die Zügel in der Hand. Simon trabte los und begann, seine Hallenrunden zu drehen. Simon beachtete jedes Kommando, und es herrschte ungewohnte Eintracht zwischen Pferd und Reiter.

Irgendwann liess Freddy sich aus dem Sattel gleiten und bedankte sich bei seinem Pferd angemessen. Simon kam ganz nahe an ihn heran und bekundete auf seine Weise Sympathie. Und Freddy? Ihn packte plötzlich eine Gefühlswelle von stattlichem Ausmass. Vermutlich begann er in diesem Moment, seinen Simon zu lieben.

Ein Stallbursche hatte die Szene beobachtet und brüllte nun quer durch die Reithalle „Jetzt hat’s geknallt!“

Stunden später weckte er Freddy, der bei seinem Pferd in der Box eingeschlafen war. „Fellpflege, Freddy!“ Und der griff gehorsam nach der neuen Bürste und stellte Simon auf seine vier Hufe.

460 – Aphorismus

Nun habe ich mir 12 von diesen Dingern ausgedacht und bin richtig stolz, denn endlich konnte ich 12 kürzeste Texte posten (sagt man das so?). Das Ergebnis meiner Mühe erschüttert mich bis hinein in meine Grundmauern: Kein Mensch liest sie!

Im Ernst: Sind derartige Sprüche nützlich?

Ich sage dazu unmissverständlich und festen Glaubens: JEIN! Mal ist man wie weggetreten, guckt drüber und fragt sich, was der Mist eigentlich soll. Ein anderes Mal ist man auf Empfang geschaltet, liest, und bildet sich ein Urteil. Und im dritten Fall geht man sogar ein Stück mit. Ich mache das gelegentlich, indem ich zitiere, den roten Faden aufgreife und ein kleines Stück Länge dazuspinne. So verwendet machen Aphorismen für mich Sinn. Warum? Nun, ich habe ein bisschen darüber nachgedacht, was der Autor uns nahe bringen will / wollte. Nutzlos? Ich meine, bei weitem nicht. Es gehört zu meinen nahezu religiösen Überzeugungen, dass ich auch damit das Süppchen unter meinem Schädeldach am Köcheln halten kann. Dort ist noch ein wenig Leben, und das soll mir erhalten bleiben!

Ich kämpfe nun mit dem Schlaf. Es ist tägliche Routine und sie hat einen festen Platz in meinem Zeitraster: 11 bis 12:30 Uhr! Danach bin ich wieder komplett anwesend. Vielleichtg schreibe ich dann die nächsten 12 Aphorismen! (Keine Sorge, ist nur eine leere Drohung). Obwohl – es ist ein bisschen wie Pilze sammeln.

459 – Aphorismus

Wer der Bequemlichkeit halber Gleise benutzt,
um sicher durch sein Leben zu gehen,
der sollte nicht vergessen,
dass ihm nicht jede Weiche wohlgesonnen ist.

456 – Aphorismus

Es gibt Menschen, die rennen tagelang über Gleise,
um Kosten für ein Bahnticket zu vermeiden.

455 – Aphorismus

Die Fähigkeit zum Denken ist sicherlich geheimnisvoll,
aber wie jedes produktive System liefert sie
Brauchbares, Ausschuss und Abfall.

454 – Aphorismus

Wer in einer Gemeinschaft seine Einmaligkeit auslebt,
verliert sich schliesslich in der Einsamkeit.

452 – Aphorismus

Es fällt dem Menschen unglaublich schwer,
von sich selbst ein richtiges und
umfassendes Bild zu zeichnen.
Seltsam ist, dass er problemlos
andere Menschen be- und verurteilen kann.

451 – Aphorismus

Wer das Glück hat,
seinen Weg ein zweites Mal gehen zu dürfen,
wird ihn ein zweites Mal entdecken müssen.

448 – Aphorismus

Wer sich die Hände schmutzig macht,
sollte bedenken, dass der Schmutz
bis zu seinem Lebensende
sein ständiger Begleiter sein wird.

447 – Erdbeerkuchen

Oder: Wie man auf subtile Weise Kunden aus seinem Verkaufsraum jagt.

W. kommt nach Hause. Sie hatte Futter eingekauft. Nein, nicht für die Tiere. Für sie und mich. Alles Möbel, das kühlt, wurde wieder aufgefüllt. Wenn ich nun die Teewurst brauche, finde ich sie nicht. Ich weiss, sie ist da, aber sie versteckt sich .….. Ausrutscher, ist garnicht mein Thema.

„Ich habe Erdbeerkuchen mitgebracht ! „Und ich: „Toll! Her damit – Kaffee muss nicht!“ Und schon steht der Kuchen vor meiner Nase. Schlimmer, er steht vor meinen Augen.
Was dann folgte, ist typisch für mich.
Ich suchte mir rasch die Mailadresse der Bäckerei und schickte eine Reklamation dorthin, und zwar an den Chef dieser Filialbäckerei X, als Persönlich vertraulich markiert. Sinngemäss stand da:

„Der Boden Ihres Erdbeerkuchens ist leider furz-trocken, also relativ steinalt. Die weisse Creme, die Sie als Klebstoff für die Frucht verwenden, ist dagegen nicht zu beanstanden, denn sie schmeckt nach garnichts. Sehr positiv ist, dass die weisse Mumpe nicht in der Lage ist, den Boden zu befeuchten. Das erspart das Einstreuen von Semmelbröseln. Kommen wir zu der Frucht. Es ist Ihnen anscheinend gelungen, mit 3 1/2 oder 4 Früchten einen 28er Kuchen zu belegen. Die Erdbeerscheiben sind hauchdünn geschnitten und kunstvoll auf Lücke appliziert. Das kann man so nicht schaffen, wenn die Früchte vollreif sind – andererseits ist das Farbenspiel Rot/Grün unter dem Zuckerguss reizvoll, und gewiss selten anzutreffen. Der Geschmack der Frucht kann nicht beurteilt werden, da nicht feststellbar. Und so liegt die gesamte Verantwortung für Ihren Erdbeerkuchen beim farblosen Zuckerguss,. der olfaktorisch dem Zuckerwasser ähnelt, das ich als Kind in den Jahren 1945/1946 als Limonaden-Imitation zu trinken bekam. Zu guter Letzt zahlt man eins-dreissig für ein Stück dieser sehr innovativen Kreation.

Soweit die Tatsachen.

Und nun gehen Sie mal runter und holen Sie sich ein Stück Ihres Erdbeerkuchens, dieser Perle des deutschen Bäckerhandwerks, und geniessen Sie das Teilchen.“

Ich habe hier nicht übertrieben. Wenn ich gallig werde, reagiere ich gelegentlich unbedacht und kriege etwas auf die Mütze, bin allerdings hart im Nehmen. Wer gerne austeilt, muss auch einstecken können. hier lief es jedoch anders.

Was soll ich sagen? Der Bäcker hat geantwortet. Kurz und knapp teilte er mit, er werde sich nun darum kümmern.

Eine Woche später kam W. durch die Tür und meldete, sie hätte Erdbeerkuchen mitgebracht. Ich fragte – leicht erbost -nach, ob sie wieder in der Bäckerei X gekauft hätte.
Hatte sie, und sie packte einen Kuchen aus, der mit halben Früchten dicht belegt war. Ich war natürlich enttäuscht. Das Erlebnis mit dieser Bäckerei hat mich nicht von der Meinung abgebracht, dass es mit dem Handwerk zu Ende geht. Wohl aber muss ich akzeptieren, dass es auch in diesem Wirtschaftszweig Ausnahmen gibt, die nicht zulassen werden, dass eine maschinengefertigte Schwarzwälder Kirschtorte angeboten wird. Ja, ich weiss, man versucht es, aber was dabei entsteht, ist eine Krankheit ….. oder weniger drastisch formuliert so etwas wie eine Notfallmedizin.

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