Falsch etikettiert

Der Mond trägt heute nacht
sein schönstes Gewand;
Gelb wie Butter ziert er einen Himmel
aus dunklem Azur.

Nun aber lasst uns ganz hinübertreten
in die Welt, die monden ist!
So formulierte R.M. Rilke seine Sehnsucht
nach Nähe zum Mond-Zauber.

Ein Pragmatiker war oben und berichtet:
Riesiger, runder Stein, gebirgig,
mit nichts drauf ausser grauem Staub.
Mit sonst nichts! Nicht mal Atemluft!

Schon gut. Herr Rilke wusste auch nicht,
dass ein Mond-Tag 29 Erd-Tage dauert und
dass die örtliche Temperatur zwischen
120° am Tag und -150° in der Nacht wechselt.

Der Mond trägt heute nacht
sein schönstes Gewand.
Aus Sonnenlicht,
der alte Hochstapler!

Klage einer gequälten Seele

Ich wollt‘, ich wär‘ ein Trüffelschwein,
dann zög‘ ich mir ’n Trüffel rein
wie ’n Kinderkopf so gross.
Statt dessen bin ich kurz und klein,
schwimme umher in Chianti-Wein
als Bratenstück mit Soss‘!

Snowball

I made myself a snowball
As perfect as could be,
I thought I’d keep it as a pet
and let it sleep with me.
I made it some pajamas
and a pillow for ist head.
Then last night it ran away,
but first it wet the bed!

(Shel Silverstein)

Ich machte mir einen Schneeball
so perfekt wie nur möglich.
Ich dachte, ich würde ihn als Haustier halten
und mit mir schlafen lassen.
Ich machte einige Schlafanzüge
und ein Kissen für sein Haupt.
Dann, letzte Nacht lief er weg,
aber zuerst machte er das Bett nass.

Bon soir, tristesse!

Wieder so eine Abend.
Fragmente irren durch meine Gedankenwelt.
Finden keinen Platz zum Festmachen.
Ich schliesse die Augen.
Reduziere die Impulse von ausserhalb.
Eine Wohltat. Für den Moment.
Aber ein blinder Abend ist nicht sehr attraktiv.

Ich schalte die Aussenwelt wieder zu.
Spüre, wie die Betriebstemperatur steigt.
Mein Kopf verlangt dringend Kühlung.
Manches wirkt, also plündere ich den Kühlschrank.
Und mit jedem Schluck kühle ich ab.
Das kann nur bedeuten:
Aus der Gedankenflut wird ein Rinnsal.

Das Heute weicht zurück.
Schafft Platz für anderes.
Und Gedankenkontrolle gewinnt an Boden.
Plötzlich ist sie wieder da,
die Erinnerung an meine Begegnung mit dem Tod.
Glasklare Bilder scheinen real, und foltern.
Meine Seele leidet, bäumt sich auf.

Das Jetzt gewinnt seinen Platz zurück .
Gedanken kreisen wieder, aber anders als zuvor.
Sie haben an Gewicht gewonnen.
Sinken ab und bleiben liegen, im Vergessen.
Ich bin nun müde.
Schlafe, und Träume herrschen über mich.
Dennoch: Ich finde meinen Weg zurück in die Spur.

Satire

Hier beweist der Bundesminister für Verkehr
seine herausragende Fähigkeit zur
Lösung des Problems mit dem
verkommenen Strassennetz
in Deutschland.
Er schwimmt!
Auf und davon!
Nichts wie weg.
Aber fix.

Ziemlich verwirrt

Ich will nichts.
Oder ich will alles.
Aber das will ich.
Habe das da nicht gewollt.

Gut, gut.
Ich will nur Glück.
Ein wenig davon.
Aber ein wenig viel.

Zufrieden?
Zu albern.
Zuschauen?
Eine Zumutung.

Was tun?
Täter werden?
Tatenlos zuschauen.
Habe nichts getan!

Man macht.
Macher sind gut!
Machen die nichts,
die an der Macht?

Macht?
Danke!
Sauber bleiben.
Bleibe kleines Licht.

Armselig.
Leutselig.
Unselig.
Selig sind die Dummen.

Macht macht.
Kriegt Krieg.
Finger fingern
mit List und Hinterlist.

Alles für Dich.
Für Euch das Beste.
Kann nichts dafür.
Eher nichts für alle.

Das Beste ansagen,
das Gute nicht sehen.
Alles normal –
schlecht gelaufen.

Hinschauen –
wegsehen.
Heisse Luft
wärmt nur für den Moment.

Ich bin.
Kleine Welt,
meine Welt.
Für Euch: Kein Platz.

Ehrlich gesagt:
Ergötzlich,
und nützlich,
der Götz.

Guter Gedanke
macht froh.
Ihn leben
macht frei.

Ode an die Sau

Allgegenwärtig ist das Schwein
in unserm Menschenleben,
ohne von uns geliebt zu sein.
Es hat so viel zu geben .

Zuvörderst dient es uns bei Tisch
als Schinken, Schnitzel und Kotlett,
und Lendchen, rosa, zart und frisch,
Grillrippchen mit und ohne Fett …..

Gesülzt, gekocht oder gebraten
geniesst der Mensch, der nicht Muslim,
das Schwein zu Sossen, Kraut, Salaten
bei Blumenschmuck, und mit Benimm.

Wir sollten doch an solchen Tagen,
nach einem wirklich guten Essen
gemeinsam herzlich Danke sagen:
„Dank, liebes Schwein, sei unvergessen!“

Der Schweinefreund hat auch bedacht
dass Schweine stets geduldig bleiben,
wenn man sie mal zum Buhmann macht,
um sich mit anderen zu reiben.

Du blöde Sau! Du dummes Schwein!
Du Drecksau, Sülzkopp, wilde Sau!
In heilgem Zorn wird man gemein,
Die Knoechel weiss, Gesichter blau!

Ganz bayrisch wirds, wenn ohne Faxen
der Loisl durch die Kneipe brüllt:
Geh schleich´Di, schwing die krumma Haxn!
und Haxnduft den Gastraum fuellt.

So mancher Mensch ist sehr geknickt,
mit Liebe sich zum Schweine wendet,
weils Pumperl ihn ganz böse zwickt
und´s Schwein Aortenklappen spendet.

Und nicht zuletzt der Bauernstand
Profit verspricht die Ferkelei.
Es grunzt munter im Bauernland,
noch immer gilt: Landluft macht frei!

Mag sein, dass es die Stadtluft war,
die einst den Menschen frei gemacht.
Dem Schwein stellt es sich anders dar:
Freiheit ist für´s Wildschwein gedacht,

so lang, bis dann im Morgenrot
die Büchse knallt; ein letzter Schmerz,
der Jäger bruellt dann los: Sau tot!
Ein Blattschuss, mitten durch das Herz!

Nun, auch noch dies. Es spricht sich rum
im Koben und in Schweinekreisen.
Das Hausschwein ist ja nun nicht dumm
kann die Behauptung schon beweisen,

dass man nur noch als Hausschwein sicher.
Und sterben muss nunmal ein jeder.
Der Bauer auch! (Hinten Gekicher!)
Der ist dann hin – ich Schweineleder!

Reinkarnation – auf Schweine-Art
ist nicht nach jedermanns Geschmack.
Der Mensch arbeitet lieber hart.
Arbeit macht frei!, schrieb Menschenpack.

Der Tod und ich

Nichts zwickt heute.
Ich hänge ab.
Vergesse die Meute.
Vergesse den Trab.

Mein Sessel ruht,
und ich darin.
Es geht mir gut,
geht’s durch den Sinn.

Die Beine hoch,
die Augen zu.
Ich grüble noch,
bin weg im Nu.

Nichts stört den Schlaf,
der Träume Land.
So wirksam traf
des Männchens Sand!

Es findet sich
ein kleiner Traum,
schon sitze ich
im Apfelbaum.

Wünsche entstehn,
Gedanken sind
gedacht, verwehn
im Sommerwind.

Und nebenan
im Sack der Tod.
S´ ist rasch getan,
zu End die Not.

Er blickt zu mir.
Endlich befreit –
ich danke Dir,
vergiss die Zeit!

Und willst Du gehn,
Dein Ruf genüge,
und Du wirst sehn
wie ich es füge.

Schrecken durchzuckt.
Angst im Gesicht.
Mein Ast: Der ruckt,
biegt sich und bricht.

Ein garstiges Geschick!
Ich falle tief, ich Tropf,
und brech´ mir das Genick.
Der Tod schüttelt den Kopf.

Ich bin erwacht,
erhebe mich,
die Sonne lacht
vergnügt. Und ich …

Der Sessel lag
und ich daneben.
Was für ein Tag!
Fühle mein Leben.

Der Tod im Apfelbaum
befreit durch meine Hand!
Gottlob, es war ein Traum
just aus des Männchens Sand.

Der Tod zieht über Land,
sein Schädel grinst, ist hohl.
Und ich total entspannt
fühl mich unendlich wohl!

Licht und Schatten

Ich bin so dumm wie Bohnenstroh
So sehn wir mich schon immer.
Und dennoch gut gelaunt und froh.
Wieso? Hab keinen Schimmer!

Mal tue ich dies, mal tue ich das!
Ganz wie der Zufall will.
Ich fühl mich wie ein leeres Fass
und mein Verstand steht still.

Nur ab und an geht es mir schlecht,
die Tage werden licht!
Ich rede, habe immer recht –
und mein Verstand erbricht.