553 – 552

Ich hatte den Fernseher ausgeschaltet, auf eine leere Seite die 552 – gemalt und mich gefragt: Was jetzt? Nuscht. Keine Idee.Naja, dachte ich, denk halt ein bisschen vor Dich hin, vielleicht kommt etwas hoch, woher auch immer ….. dann kam der erste Satz hoch: Der Narr sitzt auf dem Thron und lacht.

Das geht nicht weg. Das ist so albern wie ein Fleck von Roter Bete auf dem Hemd. Und genauso penetrant. Naja, denke ich, es geht ihm halt gut dort oben, hat alles, was ihm Freude macht …..

Und dann geht es weiter. Ich spinne eine Fabel zusammen, die man Kindern verkaufen könnte, und quäle mich. Gereimtes ist nicht so mein Fall. Sprachliche Feinheit ist mir fremd. Ich bin ein Waldschrat und war mit Holzfällern unterwegs. Derbe Redekultur, Bier, Brot und Käse – das ist eine Brotzeit, die Spass bringt. Hinterher riecht der ganze Buchenwald nach Limburger Käse, und manche Bäume fallen von selbst um.

All das geht mir beim Reimen duch den Kopf, und ich weiss, dass selbst Heinrich Zille um Klassen besser geschrieben hat.

Ich schreibe weiter, und in meinem Inneren bildet sich die Gewissheit, dass ich etwas für das Puppentheater schreibe. Und diese Erkenntnis stiehlt mir die Motivation, weiter zu machen.

Ich reime weiter, wie blöd. Finde das Loch zum Ausstieg nicht. Reime weiter. Weiss, es ist Zeit, aufzuhören, finde kein Ende – und höre doch auf. Rasch eine Schaufel Sand drauf, und hoffen, dass keiner den Pfusch bemerkt.

Und so liegt er vor mir, der Kretin. Ich pflücke ihm liebevoll meine Fehler aus dem Fellext. und es fällt mir dazu ein Witz ein:

Frau mit Baby im Bus, dazu einige Männer. Einer sagt zu der Frau:“Mein Gott, ist das Kleine häßlich!“ Der Sitznachbar:“Mann, bist Du ein grober Holzklotz! Das sagt man doch nicht!“ Die Frau ist betroffen, will aussteigen. Sagt: „Ich gehe zum Fahrer und frage ihn etwas.“Und der verständnisvolle Sitznachbar: “ Lassen Sie den kleinen Schimpansen ruhig hier! Ich werde auf ihn achten.“

552 – Königsein

Ein Narr sitzt auf dem Thron und lacht.
Hat alles, was ihn fröhlich macht.
Es lebt sich wirklich gut dort oben,
ganz anders als im Schweinekoben,
den er nun nicht mehr kennen mag
mit all dem Üblen Tag für Tag.
Er schaut sich um , alles ist gut.
Es wachsen Zuversicht und Mut.
Sieht großen Reichtum überall
vom Turm bis hin zum Pferdestall.
Viel weiter reicht er nicht, er blickt
dorthin, wo eine Uhr nun tickt,
die wohl sein letztes Stündlein zeigt.
Er weiss es nicht, und hats vergeigt.
Des Volkes Stimme lässt es krachen.
Die Strasse hört’s, und Bürger lachen
und zählen den Idioten aus,
denn der verlässt das Hohe Haus
in Stücken, die durch Fenster fliegen,
der Bürger glaubt, er könne siegen!
Beseelt wandert er durch viele Säle
und sieht sie nicht, die Generäle,
ahnt nichts von den infamen Plänen,
von Terror, Leid und vielen Tränen,
die ihn von Stund an fast erdrücken.
Ein Leben gibt es nur in Stücken,
gekauft, bezahlt und weggelebt.
Die Junta bleibt wie festgeklebt,
erwartet ihren Crash gelassen.
Und wenn’s geschieht, dann hoch die Tassen!
Kein Streit bricht aus, kein Füssescharren.
Man wartet auf den neuen Narren.
Man wird schon sehn. Man wird es seh’n,
wer kommt, der wird auch wieder gehn.
Bis dahin gelten Etiketten.
So wienert man die Epauletten,
dass Sonnenglanz die Gäste blendet
und eine Botschaft an sie sendet:
„Wie wunderbar ist doch das Leben!
Nehmen ist schöner als das Geben!“
Dazu tönt stets Gitarrenklang,
und jämmerlicher Hofgesang
des Narren, der sich Künstler nennt
und seinen Untergang verpennt.
Der Zyklus endet, wenn es kracht.
Parole: Rasch, hole Dir die Macht!
Das Rad der Zeit dreht sich, und dreht –
der Mensch kommt an, erlebt – und geht.

Gott ja! Wie ’ne Kartoffel! Is ja jut!


	

551 – Herberge!

Vor Jahren machte ich mit meiner Frau eine kleine Rundreise durch das Elsass. Es ist jener Teil Frankreichs, dessen Menschen mir näher sind als anderswo en France. An die nördliche Kante des Elsass schliesst sich die Pfalz an, wo ich aufgewachsen bin.
Die Beziehungen zwischen Elsässern und Pfälzern scheinen diffus zu sein , wie ungeklärt. Man erzählt sich eine Geschichte, in welcher ein wild laufendes Hausschwein von Franzosen und Deutschen gejagt und in gemeinsamer Arbeit eingefangen werden konnte. Es könnte 1870 passiert sein, oder im WK 1. Jedenfalls hatten in einem Stellungskrieg die Helden beider Seiten ihre Schützengräben verlassen, und nach der Jagd ein gemeinsames Spiessbraten-Essen organisiert. Nach dem gemütlichen Abend kehrten beide Parteien in ihre Schützengräben zurück und haben wieder aufeinander geschossen. Möglich, dass einige wochenlang nichts mehr getroffen haben.

Diese Geschichte soll wahr sein. Ich glaube sie, weil sie nett ist, weils möglich ist, dass so etwas geschieht, weil ich es glauben will, und weil mir das Elsass nahe steht.

Mit einer Ausnahme: L‘ Auberge de L’Ill, ein 3 Sterne-Restaurant in Illhaeusern, direkt an der Ill gelegen, einem kleinen Nebenfluss des Rheins.

Wir kamen durch Zufall dort vorbei. Ich latschte auf die Bremse, zählte mein Geld und sagte meiner Frau, wir würden jetzt 300 für ein Mittagessen ausgeben. Kurz gesagt, ich bat und diskutierte etwa 10 Minuten, ungewohnt kultiviert, zuletzt mit dem Chef, und bekam keinen Einlass. Gäste waren nicht zu sehen. Offenbar muss man mit Krawatte antreten, um bedient zu werden, und wir kamen im Freizeitdress daher.

Wir zogen also weiter, und schon ein wenig gekränkt. Natürlich kannte ich eine gute Adresse auf der deutschen Rhein-Seite. Der Koch hatte bei Paul Bocuse gelernt, und seine Hechtklösschen in Rieslingsosse sind legendär. So haben wir ein exzellentes Menu der Gattung Fisch gegessen und 200 nicht ausgegeben.

Mit am Tisch sass ein einsamer Franzose. Wir kamen ins Palavern, und ich erzählte meine Geschichte von der Herberge am Ill. Er fluchte französisch; ich habe nur die Hälfte verstanden. Dann setzte in Deutsch fort: Tröste Dich, auch diese arroganten Leute werden noch lernen, wie wichtig Kunde und Renommé sind. Und hier sei die Küche genauso gut wie in der Auberge.

C’est la vie !

550 – Brühe

Wie schon mehrfach erwähnt: Ich verstehe nichts vom Kochen. Mein Dilettantismus erstreckt sich über die gesamte Ausdehnung der Kochkunst. Erst beim Kaffeekochen mit einer Maschine verliert sich dieses Defizit, ich vermute im Kaffeesatz. Gottlob bin ich voll kompetent für alles Trinkbare. Ich kann sogar Milchtüten öffnen. Immerhin!

Wenn ich motiviert bin, lerne ich dazu. Das ist nun wirklich nichts Besonderes, dennoch ….. ich habe ein gutes Gefühl, wenn ich eine Regel entdecke, die sich vor mir immer versteckt gehalten hat.

Da war gestern W. Und da war ein Suppenhuhn, mit Bio-Siegel und um 1400 Gramm schwer. Und ein Berg Gemüse, wie man es aus der Garnitur „Suppengrün“ kennt, hatte sich dazugelegt. Es sollte also eine Hühnerbrühe entstehen. Als W. fertig war, hatten wir einen Kübel Gemüsebrühe. Du bemerkst den kleinen Unterschied? Wir aßen dann eine ausgesprochen leckere Gemüsebrühe auf Hühnerbasis. Aber wir wollten es doch umgedreht! Hühnerbrühe auf Gemüsebasis!

Ich mach’s mal kurz.
Kleines Huhn mit viel Gemüse = Gemüsebrühe.
Grosses Huhn mit wenig Gemüse = Hühnerbrühe.
Einfrieren = nur Brühe, beide Arten, gesiebt
Hühnerfleisch in der Brühe aufgewärmt = nur für den Hausbau verwenden.
Schmeckt wie Zellulose.

Hab‘ ich gelernt. Find ich gut. Und noch eines. Man kann seine Brühe aus chinesischen Schalen essen. Manche, wie W. finden auch das gut. Mit Eßstäbchen? Nimm getrost einen Löffel für das Dicke. Das Dünne trinke aus der Schale, wie die Chinesen das tun.

Wie bitte? Wo Adolph Freiherr Knigge bleibt? Der alte Illuminate aus Bredenbeck bei Hannover hat mit dem Benimm-Ratgeber nichts zu tun. Man hat ihm die Bürde einfach angehängt. Ich nehme sie ihm ab und trinke aus meiner China-Schale meine Suppe – hat sich als äusserst praktisch erwiesen. Ich kann das auch mit einem 10-Liter-Eimer (wenn das Geschirr auf einer Eimer-Kipp-Stütze steht).

Interessant auch: Bei AMAZON heisst eine Stütze für Eimer „Guijiyi Agumx_Outdoor Hase niedliche Tiermütze Plüsch Hut sehr interessant ist, DASS Das Ohr Sich bewegen kann, mit Airbag-Kappe“ und kostet 15,99 0iro. Das nur am Rande bemerkt.

549 -Fertig

Ja, ich bin fertig.
Verwirrt.
Nichts ist normal,
wie es sein sollte.
Da sind Filter im System,
die schützen sollten.
Schützen vor Überforderung.
Sie helfen nicht.
Nicht mehr.
Das überlastet.
Ich weiss nicht, wohin
mit den Info-Strömen.
Nichts wird verarbeitet.
Fast nichts.
Und dann kommt hinzu,
dass ich Eigenes verarbeiten muss,
zwanghaft,
schnell und uneffizient,
so sind meine Gedanken.
Ich spüre,
dass ich mich verliere
im Bild einer seltsamen Welt.
Ich suche Frieden,
bitte helft mir!
Zieht den Stecker
und lasst mich schlafen.
Gewiss, es ist eine Flucht
vor diesem Metaverse,
dieser virtuellen 3-D-Welt,
die mich zu QBits
auf einem Quantenrechner
reduzieren will.
Und ich will nicht hinein,
in irgendeine Matrix.
Lasst von Euch hören!
Und wenn ich darum bitte,
tötet mich.

548 – Sterne-Koch

Es war vorgestern in der Frühe. Ich lag in meinem Bette, als mir eine innere Stimme erklärte, es müsse heute Fleisch auf den Teller. Eine solche Anordnung verwundert mich nicht. Schliesslich bin ich als Carnivore geboren, und es ist meiner Tapferkeit zuzurechnen, dass ich maximal 1 mal pro Woche Fleisch esse.

Wie auch immer: Ich holte zwei Koteletts aus dem Eis, taute sie auf und machte sie in Eisen-Geschirr geniessbar. Dazu gönnte ich mir einen Beutel TK-Gemüse, es waren Bohnen und Möhren. Bis dahin war die Welt in Ordnung. Dann kam jedoch die Sosse dazu. Ich hatte ein Rezept dafür. Balsamico + Honig + Rotwein + Gemüsebrühe + Kochsahne – das machte mich neugierig – und mein Mittagessen fast ungeniessbar. Du glaubst es nicht, was auf meinem Teller los war. Diese süss-saure Mumpe, die sich „Sosse“ nennen ließ, passte ziemlich gut zum Schwein. Aber nein – es war nicht chinesisch ….. ich weiss auch nicht. Es war eher ein Unfall. Die Farbe der Sosse – Flieder, mit Schwarz untergerührt! Kein Maler würde Zeug das essen, geschweige denn auf eine Leinwand auftragen. Und das Gemüse? Nun, die Möhren hatten kapituliert und ihren Eigengeschmack verloren. Schlimmer waren die grünen Bohnen dran; ich erspare mir, das zu beschreiben, was die erlebt haben.

Ich bin als Widerständler geboren. Menschen, die mir nicht geneigt sind, mögen mich auch einen Widerling nennen. Aber als Widerständler ist man hart im Nehmen, darum „Schwamm drüber!“. Und ich habe längst erkennt: Es wäre klug gewesen, Terrorist zu lernen. Wie auch immer – der Terror richtete sich diesmal gegen den Terroristen, als Widerling war ich praktisch gezwungen, nicht klein beizugeben, und habe meinen Teller gut gefüllt und leergegessen. Alles ins Klo zu giessen wäre für mich die Höchst-Strafe gewesen.

Meiner Tochter W. sei gedankt, sie hat mein Kochgeschirr abgewaschen. Sie erzählte, die kalte Sosse konnte sie nur mit Hammer und Meissel aus dem Töpfchen entfernen.
Ich schwöre jeden Eid ….. ich hatte keinen Zement eingerührt ….. es sei denn, mein Sohn hat sich mit unserer Mondamin-Tüte einen Scherz erlaubt. Ich muss das jetzt checken. Falls statt Maisstärke ein Heidelberger Zement gefunden wird, habe ich mir vorgestern den Dünndarm zugemauert. Ok, ich sollte wirklich keinen Teufel an die Wand malen.

In toto ist mein Küchenerlebnis eher positiv zu werten. Übel waren nur „Sosse + Schnippelbohnen“, alles andere gute Hausmannskost. Ich habe dazugelernt, und lasse künftig die Finger von Rezepten der Klasse Extravaganz. Ich habe da ein Problem mit meiner mangelhaften Disziplin. Fummelei ist so bei mir so etwas wie eine Leidenschaft, und an Sossen kann ich stundenlang herumschrauben, bis ich erkenne: So geht’s. Aber dann ist meine Sosse auch richtig lecker.

Ich kann nicht kochen. Und ich koche nicht gerne. Muss es aber tun, weil ich auf warme Mahlzeiten ungern verzichte. Nun kann es geschehen, dass ich wegen der Kocherei eine Buddel Wein öffnen muss – das führt zu einem bemerkenswerten Klimawandel in der Küche. 100 ml für die Sosse, und 600 ml für den Koch. Das macht viel Sinn. Die linke Hand rührt, und die rechte hält das Weinglas – und schon herrscht tiefer Frieden in meiner Küchenwelt!

547 – Bagel

Es ist schon eine ganze Weile her, seit sich der Bagel mit den Menschen anfreundete (oder umgekehrt). Genauer gesagt findet sich der erste historische Nachweis im Krakau des Jahres 1610, es hatten jiddische Bürger ihre Hände im Spiel, und das Backwerk hiess „bejgl“.

Anscheinend wird der Kringel erst gekocht, und dann gebacken.

Vorhin kam W. vom Einkauf zurück und legte mir zur Bewunderung eine Tüte voller Bejgl vor die Nase. Ich korrigiere: Sesam-Bagel. Ich griff natürlich zu. Bagel mit nichts drauf. So begann ich zu essen, und spürte plötzlich, wie das Zeug in meinem Mund immer mehr wurde, obwohl ich versuchte, dieses Brot mit einer Konsistenz von Polyurethan-Schaum runterzuwürgen.

In meinem Mund bildeten sich Klumpen. Beim Einspeicheln und Kauen entwickelt sich das Produkt zurück in seine Urform – Teig! Die Teigklößchen kriegte ich erst mit einem kräftigen Schluck Mineralwasser aufgelöst, und ich schaffte den Bagel auf diese Weise – es sollte meine Mittagsmahlzeit sein! War’s dann auch. Mir reicht’s. Bis zurück in die Steinzeit.

Und ich frage mich allen Ernstes, warum die Leute eine solche Abscheulichkeit kaufen. Ich fragte W. und blieb ohen plausible Erklärung dumm sitzen. Plötzlich kam mir die Antwort hoch: Vergiss Butter, Salatblatt und Wurst. In heissen Kakao stippen bringt den Genuss!

Doch dessen ungeachtet fasse ich diese Dinger nicht mehr an. Da lobe ich mir eine frisch gebackene bayrische Laugenbrezel! Eine Halbe dazu, und ein Stück Käse, aus dem Laib geschnitten – das ist eine rechte, deutsche Vesper-Variante mit Klasse!

Bagel – dass ich nicht lache! Das ist etwas für Amerikaner und für Pferde, für die Rösser aber nur, wenn sie Durchfall haben! Man möchte ihnen doch keine Kolik verschaffen!

544 – Turm

Ich nannte ihn ein Monster. Und er hat mich nicht magisch angezogen. Ich betrat diesen Turm, dessen oberes Ende stets in den Wolken verschwunden schien, aus reiner Neugierde. Dieses Ungetüm steht mitten in der Stadt und stört deren Gesamtbild , wie es der Kühlturm eines AKW vermocht hätte. Aber in der Stadt sagt man, der Turm sei schon immer dagewesen, aus Rotsandstein erbaut, und man liebe ihn. Gut, dachte ich, wenn es so sein muss – was geht es mich an? Aber irgendwann musste ich hinein und hinauf, um die einzige Attraktion dieser Stadt zu erleben.

Heute war es so weit. Rustikal, dachte ich beim Betreten, nicht mal eine Tür hat man ihm gegönnt. So hatte sich im Laufe der Zeit hinter dem Eingang reichlich angesammelt, was Wind und Wetter hinterlassen. Unrat.

Nun, man watet durch diesen Müll, es sind nur 4 Schritte bis zur Treppe. Es ist eine Wendeltreppe. Ich blickte nach oben und erschrak. Endlos, dachte ich, es ist Unfug, dort hinauf zu wollen! Das ist nicht zu schaffen ….. und schon erschien dieses Licht an der Wand, wanderte ein Stück nach oben und verharrte. Ich verstand die Botschaft. „Komm schon, Mensch!“ Nun war mir unheimlich zumute. Aber ich folgte dem Licht, das weiterzog, und ich folgte und folgte wie in Trance, und als das Licht erlosch, stand ich im Freien, war vermutlich oben angekommen.

Ich schloss die Augen und wartete, bis meine Verwirrung der Neugierde gewichen war, dann schaute ich mich um. Dann verlor ich die Fassung und weinte; ich sah einen Sternenhimmel, wie man ihn sich nicht prächtiger vorstellen könnte. Ich schien in unserem Universum angekommen zu sein, einem endlosen dunklen Raum mit einer Million Sonnen, glühende und erloschene, die ihr letztes Licht als Gruss ins All geschickt haben, ich begann zu begreifen, was ein Lichtjahr ist, gewann eine Vorstellung von unserer Galaxie, und wo an deren Rand ich zu Hause bin – diese Momente waren ergreifend schön.

Ich weiss nicht, wie lange ich oben war, und ich weiss auch nicht, wie ich die Niederung des Irdischen erreichte. Jedenfalls stand ich irgendwann in einem Haufen Unrat und schaute mich um. Ich sah Strasse, Häuser, hie und da ein Auto – von einem riesigen Turm keine Spur. Es gab ihn nicht mehr. Oder es hat ihn nicht gegeben.

Nun packte mich das dringende Bedürfnis, mich zu verkriechen. Mein Hotelzimmer war dafür ein geeigneter Ort. Ich orderte eine Flasche Pinot grigio, setzte mich in einen Sessel und kaute das Erlebte durch, um es zu verdauen. Der Erfolg dieser Massnahme hielt sich in Grenzen. Ich weiss bis heute nicht, ob es Traum oder Wirklichkeit war. Eine Antwort auf diese Frage werde ich wohl nie erhalten, sie ist mir auch nicht wichtig.

542 – Gedanke

Es ist das Durcheinander,
das mich fesselt.
Scheinbar pausenlos flattern sie,
Schmetterlingen gleich
durch mein Bewusstsein,
Worte, rudimentäre Sätze,
Erinnerungen und Phantasien –
was sage ich, jeder kennt das doch!
Es ist selten, doch es geschieht,
dass ein guter Gedanke geboren ist,
der im Gedächtnis festmacht.
Man greift ihn auf, analysiert,
formuliert, erfindet Szenarien,
und wer dann über ihn schreibt,
hat gewonnen
und kann ihn nicht mehr verlieren.
Vielleicht ist es ein Gedanke,
der nicht nur gedacht werden soll,
sondern auch ausgesprochen?
Es wäre Lohn für Duldsamkeit,
die das Chaos abverlangt.
So die Pflicht.
Schliesslich war es ein Gott
mit Namen „Chaos“,
der aus dieser wirren Materie
die Welt erschuf.
Und so haben zu allen Zeiten
denkende Menschen an jener Welt mitgebaut,
die wir heute erleben.
Sie alle sind Kinder des Chaos.

541 – Gift

„Alle Dinge sind Gift,
und nichts ist ohne Gift;
allein die Dosis machts,
dass ein Ding kein Gift sei. “

(Lehrsatz des Paracelsus)

Alle Dinge sind Gift?
Aha.
Also auch das Geld.
Das erklärt vieles.

21,8 Milliarden US-Dollars –
ein hochklassisches Giftdepot.
Eigentum eines der übelsten Drecksäcke
Rupert Murdoch,
der den irren Trump
zur Spaltung der USA einsetzt
und fördert.
Sein Ziel:
Abschaffung der Demokratie.
Und –
Murdoch ist nicht allein.
Man liebt die Oligarchie
und hasst die Bürgerrechte.

Dieses Gesindel wird gewinnen.
Und wann sind wir fällig?

540 – div.

Heute früh gegen acht Uhr hatte ich mich vor meinen PC gesetzt, um einmal in den Tag hineinzuphantasieren; ich hatte Vorstellungen zur Frage entwickelt, was mir so ein Freitag wie dieser hier bringen mag.

Inzwischen ist es 14 Uhr, und ich hatte dazu noch kein Wort zustande gebracht. Es ist so, und ich weiss es aus Erfahrung in betrieblicher Praxis bei Projekten: Bert Brecht hat recht. ER reimte

Ja, mach nur einen Plan
und sei ein großes Licht!
Dann mach noch ’n zweiten Plan –
gehn tun sie beide nicht.

Ich bin mit einem Pott Kaffee gestartet, wie es sich gehört. Dafür nehme ich mir viel Zeit. Genußsüchtige sind so drauf. Mit dem letzten Schluck bat die Fußpflegerin um Einlass. Sie machte ihren Job mit dem Ergebnis, dass meine Füsse genauso häßlich sind wie vorher. Aber noch während ich nach irgeneinem Nutzen der Aktion suchte, erschien eine Schwester Doris vom Pflegedienst, um ihren Job zu erledigen. Danach zog ich mich zurück, suchte Schutz in meiner kleinen Butze, auch, um ein wenig Obst zu verdrücken. Am Apfel bin ich dabei gescheitert. Da liegen 4 Stück in meiner Obstschale, die sind essbar, aber ungenießbar. Nein, das ist kein Widerspruch! Und so musste ich mich mit Clementinen begnügen. Und aus Frust hae ich mir 2 Koteletts aus dem Eis geholt, die tauen immer noch still vor sich hin. Sobald ich sie trennen kann, bin ich in der Küche, dann gibt es irgendwann Leckeres. Ich plane Mischgemüse, Koteletts nature und eine Balsamico-Honig-Sosse (mit Gemüsebrühe und Rotwein aufgemotzt). Das Fleisch steht seit Stunden auf meinem Schreibtisch und taut langsam auf. Und ich sitze dabei und wehre die Angriffe von 3 Katzen ab.

Nach den Clementinen wollte ich mit dem Schreiben endlich beginnen, als W. erschien. Meine Tochter hatte einen Anruf und erzählte mir nun, dass sie – vielmehr mein Auto im Vorweihnachtsrummel auf einem Parkplatz einen Kontakt mit einem anderen Auto hatte. Beim Ausparken beider Fahrzeuge haben sie sich in der Mitte der Fahrspur getroffen. Es entstand folgender Schaden: Keiner am Lack, keiner am Blech.
Beide Fahrer haben verzweifelt nach Beschädigung gesucht und nichts gefunden.
Nun, 14 Tage danach kommt der Unfallgegner mit einem Kostnvoranschlag einer Werkstatt über 1500 Oiro. Angeblich sei das Spaltmass zwischen Karosserie und Stossstange vergrössert und eine innen liegender Sensorleiste defekt.

Sensoren für Parkhilfe usw. gehen regelmässig kaputt. Der Tausch kostet zwischen 85 und 220 Oiro, je nach Mannstunden-Aufwand. Den Sensor selbst kaufe ich für 20 Oiro. Ich habe also einen Fall von Versicherungsbetrug der Werkstatt an der Backe.
Schliesslich war eine Recherche erforderlich, weil der andere Fahrer falsche Daten angab. Ausser seiner Handynummer stimmte nichts.

Beim Abschluss meines Kfz-Versicherungsvertrag hatte ich gottlob einen lichten Moment und dabei Rabattschutz vereinbart. Damit habe ich einen Unfall pro Jahr frei. Das bedeutet, ich werde nicht von SF-Klasse 30 auf 15 runtergestuft, was mich einige Hunderter kosten würde. Man sieht, es gibt auch immer wieder Positives zu entdecken! Musstu nur gucken!

539 – Spökenkieker

„Kennst du die Blassen im Heideland,
mit blonden, flächsenen Haaren?
Mit Augen so klar, wie an Weihers Rand.
Die Blitze der Welle fahren?
Oh, sprich ein Gebet, inbrünstig echt,
für die Seher der Nacht, das gequälte Geschlecht.“

(Annette von Droste-Hülshoff, 1797–1848)

Unsere Annette hatte die Spökenkieker im Sinn, Menschen mit dem „2. Gesicht“, das angeblich in die Zukunft schauen konnte. Solche Leute waren überwiegend Schäfer.

Es gibt sie heute noch, diese Gilde. Man ernennt sich selbst zu dieser magischen Figur und redet, redet, redet. Ein solcher Mensch hat nun vorausgesagt, das Jahr 2022 werde ein schlechtes Jahr sein. Unglaublich, dass die Presse darüber berichtet! Seriöse Spökenkieker halten den Mund, wenn sie nicht gerade Nostradamus heissen.

Wissenschaftler gehören üblicherweise nicht in diese Gattung Mensch. Aber manchmal reitet sie der Teufel, wie man das derzeit in Deutschland erlebt. Da gibt es Vulkanologen, die sagen einen Vulkanausbruch in der Eifel voraus. Dort, in der Nähe des Laacher Sees soll sich nahe der Erdoberfläche eine Lavakammer entwickelt haben, die sich langsam füllt. Lava dringe nach oben, also nach draussen. Man ist vor Ort aufgeregt. Wenn über der Kammer ein Kartoffelacker liegt, so kann der Bauer vielleicht Pellkartoffeln ernten. Spass beiseite. Man spricht davon, dass ein Vulkanausbruch mit 100%-iger Wahrscheinlichkeit kommen wird, man wisse nur nicht wann.

Mann, es wäre klug gewesen, die Klappe zu halten und weiter zu beobachten. Wenn man etwas als 100%-ig wahrscheinlich bezeichnet, hat man sich ein Contradictio in adiecto geleistet, das ist so etwas wie ein schwarzer Schimmel (Pferd, nicht Pilz).

Am Laacher See liegt auch eine riesige Benediktiner ….. wie nennt man das ….Abtei oder Kloster. Oder beides? Egal. Ich denke, dass man dort ein Wörtchen mitreden wird, wenn es um die Frage geht, ob die Erde aufbrechen und Feuer spucken soll.

Es gab schon andere Spökenkieker, die vorhersagten, dass uns die halbe Eifel um die Ohren fliegen wird und bei Andernach das Tal des Rheins zuschüttet. Die Politik würde lange brauchen, um erst mal zu verstehen, dass irgendwas am Dampfen ist. Und während dort endlich der Groschen fällt, läuft die gesamte oberrheinische Tiefebene, also von Wiesbaden bis Basel erst mal voll.

Vorhin habe ich mir ein wenig Topografie gegönnt, mir also die Eifel mal genauer angesehen – dank Google Earth kann ich das. Und ich war ein wenig geplättet. Der Laacher Seer liegt am nördlichen Rand einer relativ grossen Caldera! Ich habe 3 x 4 km gemessen. Wenn die hochgeht, wirds in DE finster und kalt.

Klingt alles ein wenig wie aus einem Schundroman aus den USA, wo man einen etwas lockeren Umgang mit Katastrophen zu pflegen gewohnt ist.

538 – 8skt

Da ist sie wieder, die Situation. Ich schreibe die laufende Nummer eines neuen Beitrags, und weiss nicht weiter. Es ist kein Pfeil im Köcher. Aber ich habe noch drei Stunden mit irgendwas zu füllen, bis meine Zeit zum Abhorchen meiner Matratze gekommen ist. Ja, insoweit lebe ich nach Plan, und dies mit Absicht, da aus Notwendigkeit.

Ich schaue mich um. Es ist still. Nur mein Sauerstoff-Erzeuger brummt und pustet vor sich hin. Das tut er an 7 Tagen wirklich 24 Stunden lang, und zwar in jeder der 52 Wochen pro Jahr – störungsfrei. Man könnte glauben, er atmet ….. für mich.

Soeben ging ich ca. 40 Meter, um mir eine Flasche Wein zu besorgen. Ich erlaube mir dies nach 5 trockenen Tagen. Doch die 40 Meter ohne Geh-Hilfe haben mich erst mal geschafft. Ich verfluche den Tag, an dem Euer Gott die Bandscheibe erfunden hat. Er hat sich eine Pfuscharbeit geleistet. Aber wen wundert’s? Wir alle haben erlebt, wie lange der Bau des Flughafens in Berlin gedauert hat. Lassen wir es dabei. Es ist, wie es ist.

Inzwischen ist achtern wieder Ruhe. Die Lordosenstütze hat es wieder gerichtet. Und so habe ich nun Zeit und Muse, darüber nachzudenken, wie ich mit meinem Leben zurecht komme. Es könnte sein, dass ich unbewusst zu viele negative Gedanken einbringe, das Positive also nicht mehr richtig wahrnehme. Wenn das so ist, dann muss ich mich mit einer 8skt-Krise auseinandersetzen. Das ist wahrlich ein unangenehmer Gedanke. Übrigens ist 8skt ein Kürzel für Achtsamkeit. Ich habe das Kürzel soeben erfunden, werde damit aber nicht den Weg in den Duden schaffen. Dies ist auch nicht mein Thema.

Man kennt die Maslow’sche Bedürfnispyramide. Sie stellt den Weg des Menschen durch seine Bedürfnis-Welt dar, beginnend bei den Grundbedürfnissen, und endend bei der Selbstverwirklichung. Wir alle gehen diesen Weg nach oben, in Stufen, wir gehen ihn unbewusst, in unterschiedlichen Tempi, und unterschiedlich weit. Aber eines ist gemeinsames Verhalten: Ist ein Ziel erreicht, so richtet sich die Aufmerksamkeit auf die nächste Stufe. Alle bis dahin erzielten Erfolge werden als Selbstverständlichkeit nicht mehr wertgeschätzt.

Warum ist das so? Wir haben ein 8skt-Problem, eine gestörte Wahrnehmung im Prozess des persönlichen Fortschritts.
Wenn es nicht weiter nach oben geht, besinnen wir uns auf das Erreichte. Es tröstet, hilft bei der Vermeidung eines Absturzes. Aber solange der Weg nach oben offen ist, vergessen wir, was zurück bleibt ….. manchmal sogar die eigene Familie.

8skt leben? Es ist nicht leicht. Wir sind anderes gewöhnt. Achtsam leben bringt uns wahrscheinlich nicht in einen Chefsessel, aber es kann uns in unseren verschiedenen Rollen wertvoll machen.

Möglicherweise werden wir, sofern uns eine Wahl bleibt, den Chefsessel nehmen, oder?

537 – Matratze

Heute packe ich ein Thema an, das die meisten Menschen hochinteressant finden, oder auch weniger, bis garnicht. Ist mir gleichgültig. Es geht um mein Bett, genauer gesagt meine Matratze. Für dieses Ding hatte ich relativ viel Geld hinzublättern und dafür Wohlbefinden erwartet. Ersteres wurde realisiert, und statt Wohlbefinden ernte ich Kreuzschmerzen. Natürlich kann ich dies der Matratze nicht anlasten, denn Ursache sind kaputte Bandscheiben. Aber sie versagt mir so etwas wie Support, und das nehme ich übel.

Nun hatte mir mit mühsamem Schlaf eine Kuhle in den Schaumstoff geschlummert, und Eingekuhlt brachte mir einen Teilerfolg, quasi die halbe Miete. Dumm nur, dass diese Kuhle in der linken Hälfte entstand. Das ist mir zu nahe an der vorderen Bettkante. Und wenn ich aus dem Bett falle, gibts einen Schaden am Laminat des Fussbodens.

Intelligent, wie ich nun mal bin, fand ich eine Problemlösung. Zumindest glaubte ich das. Ich drehte die Matratze wie auf einem Teller um 180 Grad. Nun ist die gekuhlte Kante nicht mehr vorne, sondern hinten. Eine Überprüfung ergab, dass zugleich die hintere, ungekuhlte Kante nun vorne liegt. Ok, das ist jetzt ein wenig viel Technik. Aber es gibt Ergebnisse. Auf der harten, flachen Kante schlafen macht Kreuzschmerzen, und ich kann leichter aus dem Bett fallen. Logisch, dass ich nun nicht auf der linken, sondern auf der rechten Matratzenhälfte schlafen müsste, dann aber mit dem Kopf zum Fussende des Betts mit dem Risiko, hinten aus dem Bett zu fallen.

Nun ist guter Rat teuer. Vielleicht sollte ich auf dem Fussboden schlafen? Aber wie sollte ich ohne Kranwagen auf die Beine kommen? Dann müsste ich konsequent da unten leben. Mit einem Staubtuch, das für 4 Quadratmeter Fussboden reicht. Gäste müssten auch runterkommen, damit man sich auf Augenhöhe unterhalten kann; andernfalls müsste ich wie ein Dackel ständig nach oben schauen. Abgesehen von der Tatsache, dass ich dann wie ein Wurm leben würde …..

Warum erzähle ich dies hier, es ist doch nur Schmonzes! Gewiss, gewiss, das ist Schmonzes. Aber es ist auch ein Stück meines Lebens, nämlich die Zeit vom Aufstehen bis zum ersten Pott Kaffee. Diese Spanne findet statt, und sie ist schmerzensreich, also von besonderer Bedeutung! Wenn ich dann gestorben bin, womit ich im Jahr 2034 rechne, soll in einer Grabrede irgendwer sagen können: “ Hier, in dieser Urne ruhen nun die Bandscheiben von Roland, mitsamt seiner Matratze, die mit ihm zu verbrennen war, wie er es in seinem Testament unmissverständlich bestimmt hatte …..“

Überhaupt – ich und tot, das geht immer noch nicht zusammen. Oftmals plagt mich die Frage, ob ich wirklich noch lebe, oder einfach nicht tot bin. Sorry, dies so abzufragen ist meinem Alter geschuldet! Ich werde demnächst 82 und bin somit prädestiniert (Google: befähigt u. a.) für die Anlage einer soliden Altersdemenz, nicht wahr? Ob ich noch lebe? Dem äusseren Anschein nach ja. Und nein, nicht tot bin ich auch nicht. Oder doch? Nun gestehe ich, sprachlich ist hier meine Sprachform unglücklich. Es sieht wie eine doppelte Verneinung aus, die bekanntlich in Summe ein Ja ergibt, das ist von hinten durch die Brust ins Auge geschossen, also für Freunde einer schlichteren Sprachkultur eher ungeniessbar.

Und was hat das nun mit meiner Matratze zu tun? Tja, da ist doch noch die Zukunft! An sie denkt man nicht immer, plappert aber über Nachhaltigkeit. Ich wünsche, und ordne zu Lebzeiten an, dass ich auf dieser Matratze sterben will (in 2034!). Nirgendwo sonst. Schon garnicht im Badezimmer. Ich habe das neulich testweise gemacht, man hat mich brav vom Porzellan geholt und ins Krankenhaus geschafft – aber es war einfach kein Hit.

Ich ……. schon gut. Kein Finale. Genug Schmonzes (jiddisch; Geschwätz).

536 – Gott

Siamo tutti quanti figli dello stesso Dio..
È la menzogna più grande che ci sia .

Dies postet Natalia Castelluccio, ohne weitere Erklärung.

Wir sind alle Kinder des gleichen Gottes.
Es ist die grösste Lüge, die es gibt.

Was will uns Natalia sagen? Logisch gedacht: Es gibt mehrere Götter, oder es gibt keinen Gott. Ich ergänze: Und es mag den Einen Gott geben, der mit verschiedenen Namen belegt wurde.

Polytheismus, Monotheismus, Atheismus – ein weites Feld voller Glatteis. Es taugt nicht für Kühe. Es ist konflikt-geladen. Warum? Na weil dieser Planet Erde vollgestopft ist mit Dummbratzen, die Kirche und Religion nicht auseineander halten können. Verdammt nochmal, nun fühle ich mich tatsächlich genötigt, wieder einmal darauf hinzuweisen: Die Kirche ist eine menschliche Kraft, die Religion eine geistige. Das eine wird von Menschen geformt, das andere formt sich im Menschen. Daraus ergibt sich, dass Religiosität ein Privatissimum des Individuums ist, das weder Priester noch Papa und Mama etwas angeht.

Wer bis zu diesem Punkt gekommen ist, wird feststellen, dass der Gottesbegriff aus der Antike stammt und nicht so recht in unser Zeitalter passt. Pass auf:

„In einem bayrischen Dorf kommt der Viehhändler am Sonntag aus der Kirche und wechselt hinüber ins Wirtshaus, um die Sonntagsandacht runterzuspülen. Dort verkauft er einem Bauern aus dem Nachbardorf endlich seine kranke Kuh für den Marktpreis eines gesunden Tiers.“

Ein Klischée, ganz richtig, aber aus der Wirklichkeit entstanden. Wie auch immer, mir nützt es hier. Frage: Wer in dieser Geschichte ist der wahre Gott? Achte mal drauf, er wurde in der Story garnicht genannt! Der Mammon! Das ist einer der modernen, zusammen mit Fussball, mit Trump, mit Automobil und vielen anderen. Der Alte, der aus der Antike wurde offenbar in die 2. Liga verbannt.

Ich sollte hier schliessen, denn es juckt mich wieder einmal. Bevor ich in das Science fiction-Genre abgleite: Ich weis es nicht, und ich glaube es nicht, dass jeder seinen Gott in sich trägt. Aber es könnte so sein. Und es könnte sein, dass dieses namenlose Wesen kein Gott ist, sondern ein höchstpersönlicher Teufel, oder ein bipolares Etwas, das beides sein kann, womit die Wandlung das Saulus zu Paulus erklärt werden könnte.

Wa aleikum as-Salam!

535 – Gries

Ein gütiger Engel – es war dieser pockennarbige – hat mir heute nacht beigestanden; ich konnte rund 7 Stunden ungestört schlafen. Aber anders als zu erwarten sass ich heute frühauf der Bettkante, war übellaunig und fluchte in mich hinein ….. aufstehen war nicht mein Ding. Nur fragt keiner danach, was mir bekommt. Der Pflegedienst? Heute nicht! Es wird erbarmungslos gepflegt. Zu allem Überfluss erschien auch noch die Sonne, und schlagartig erkannte ich, was mir tatsächlich fehlte: Ein gutes Frühstück mit einem Kübelchen besten Kaffee’s, und den Rest des Vormittags in einem Yacuzzi mit Blick auf das Matterhorn. Und was war wirklich? Kaffee – geht gerade noch so. Frühstück? Alter, bist Du durchgeknallt? Yacuzzi? Mach die Augen zu und denk Dir eines! Und das Matterhorn? Es bleibt für mich unsichtbar, weil ….. da liegen der Harz und der Bayrische Wald dazwischen und versperren uns Norddeutschen die Sicht.

Erstaunlich ist allerdings, dass sich meine Laune irgendwann und unbemerkt deutlich verbessert hat. Wie ich mich kenne, war nun überdeutlich angesagt, dies auszunutzen, und ich habe mich tatsächlich überlistet. Mein Bürostuhl hat nun einen nagelneuen Unterbau, und ich sollte nur noch das Werkzeug wegräumen. Später.

Ich muss es mir eingestehen ….. nun bin ich ein wenig entkräftet. Bürosessel umherzuwuchten habe ich nie trainiert. Ich bin bestens ausgebildet im Drinsitzen.
Damit bin ich stets über die Runden gekommen – bis heute. Hier und jetzt erfahre ich, dass auch ein Kerl mit der Statur eines Grizzly so abgewirtschaftet sein kann wie ein leerer Kartoffelsack. Jaja, gewiss, ich übertreibe ein wenig. Ich weiss schon seit geraumer Zeit, dass meine Kräfte schwinden. Aber es ist einfach ärgerlich, wenn das wieder und wieder bestätigt wird. Die Methode dazu ist infam. „Gehts Dir gut? Fein!“ und rumms. Volltreffer dort, wo Hirn sein soll.

Was auch immer – ich sollte mich nicht beklagen. Meine Restarbeit erfordert nur Papier und Bleistift, ich lasse sie noch einen Tag liegen, gönne mir diese spezielle Art von Faulheit, die man in der Wissenschaft Prokrastination nennt. Ich weiss nicht, ob dies eine Krankheit ist, oder nur ein auffälliges Verhalten, mit dem man Unbeteiligten klar macht, dass man noch immer wichtig ist, oder gar Abwehr von Arbeit (Ich hab genug zu tun, lass mich in Ruhe!). Der prokrastinierte Job kostet mich etwa 5 Minuten Lebenszeit. Das nur nebenbei.

Anderes Thema. Zur Zeit bin ich mit einer Idee schwanger, die mir inzwischen Sorgen bereitet. Ich versuche, mich für das Kochen zu motivieren. Kochen wäre eigentlich attraktiver als Blog schreiben, weil ich am Ende der Kocherei etwas Gutes für mich selbst hergestellt hätte.
Ich müsste halt klein anfangen, so mit Eier hart kochen und ähnlichem, und mich über Monate zu steigern, bis ich perfekte Bratkartoffeln schaffe. Nun hat der Plan einen Haken! Gestern erhielt ich eine unüberhörbare Warnung zugestellt. Ich hatte mir einen Griesbrei zubereitet, und dies in der Annahme, das sei harmlos und auch von Deppen zu bewältigen. Und so kam, was kommen musste. Ich hatte keine Prise Salz zugegeben, wusste nichts von diesem Trick. Der Gries hat langweilig geschmeckt. Nachgesalzen und erneut Zucker dazugegeben – schon war das Zeugs geniessbar, aber ich schmeckte den Pfusch heraus.

Wäre das alles gewesen, ich hätte es einfach weggesteckt. Aber mir ist dieselbe Milch 3 x übergelaufen! In Worten: Drei mal. Sie war kaum zu bändigen! Und dies, obschon ich vor dem Herd stand. Und beim dritten Mal hatte ich Landunter wie die Hallig Hooge bei Sturmflut! Nun, satt geworden bin ich dennoch. Selbst W. kriegte noch eine Portion davon ab. Aber ich habe gearbeitet, als hätte ich Elb-Hochwasser in der Küche gehabt. Es war 1/3 Liter über den Topfrand gekommen. Ich stand da mit dem heissen Pott in der Hand, und es kam immer noch und immer noch weisse Plörre über! Dabei hatte ich vor dem 3. Mal schon 2 x mit Wasser nachgefüllt und war am Gries-Einrühren. Hast Du das Bild? Lustig, gell?

Ich gehe davon aus, dass ich die hier geschilderte Panne eine Laktose-Unverträglichkeit nennen darf und künftig auf Milch verzichten sollte. Und ja, ich bin auch beleidigt. Was im Tetrapack blubbert, ist eh keine Milch, sondern ein Molkerei-Kunstprodukt. Wir Alten und die Milchbauern wissen Bescheid. Letztere kaufen ums Verrecken keine Tetrapacks im Supermarkt!

Dazu fällt mit gerade eine Episode ein. Meine Frau und ich in Old Italy. Ein Spaziergang führte uns an einer Tomatenplantage vorbei, wie man sie besonders aus Spanien kennt. Plastikzelte und so. Oder aus den Niederlanden. Der Weg führte zum Haus des Besitzers, und daran vorbei. Dieser Tomatenbauer hatte einige Tomatensträucher an der Hauswand stehen. Ich schätzte so an die 30 reife Früchte. Ich fragte mich, warum dieser Mann nicht in eines seiner Plastzikzelte ging, wenn er Tomate essen will. Zwanzig Schritte weit, ist doch nichts! Er kam an die Tür, um zu schauen, wer da in seinem Revier herumgeistert. Ich deutete auf seine privaten Sträucher und grinste. Und er hob einen Daumen in die Sommerluft und grinste zurück. Und ich wusste: Was in seinem Gewächshäusern wächst, ist ihm nicht gut genug. Kunstprodukte! Aber ich solls beim ALDI kaufen. Man nennt das Ganze „Business“.

Wie immer hatte das Abenteuer „Gries“ auch eine gute Seite aufzuweisen. Unsere Küchenecke war schon lange nicht mehr so sauber wie nach meiner ausgiebigen Putzaktion.
An diesem Punkt fällt auf, dass meine Idee mit Kochen dann doch wenig zu tun hat.
Mag sein, ich lerne Griesbrei. Aber wer wäscht ab? Ich habe keinen Küchensklaven aus Uganda zur Hand. So bliebe mir nur die Methode 180/15. Nein, das ist kein Tippfehler. Ich meine nicht 08/15. 180/15 meint 180 Minuten Arbeit für 15 Minuten Genuss.

Um ehrlich zu sein: Ich bin einfach ratlos. Wenn ich es richtig angehe, dann beginnt meine Ausbildung damit, dass ich Kartoffelschälen zum Hobby erkläre, und wenn mich dann 30 Pellkartoffeln zu schälen habe, mich freue und rufe „Heissa, was für ein Spass! Ich koche noch 30!“ Herr, lasse bitte Hirn regnen!
Nein, nenne mich eine Memme, einen Feigling, einen faulen Sack, aber das bringe ich nicht!

534 – Erleben

Ein Mensch mit Kamera ist auf Motivsuche.
Er findet eine Szene, die ihn berührt.
Er fotografiert, erzeugt ein Abbild.
Seine Empfindungen dazu werden Erinnerung.
Bild und Emotion bleiben getrennt.

Anders, wenn der Mensch das Motiv erfasst, erlebt
und danach nur noch erinnert.
Künstlerisch begabt fügt er Abbild
und Emotion zusammen und versucht,
das auf diese Weise wieder lebendig gewordene
in Bild, Ton oder Text darzustellen.

Gelingt dies mit der Fotografie,
so darf man auch über diese Ausdrucksform
von Kunst sprechen.

Doch da gibt es eine letzte Instanz.
Kunst ist nur dann erfolgreich,
wenn Betrachter, Zuhörer oder Leser
in gleicher Weise angefasst sind
wie der Künstler im Moment der Motiv-Erfassung.
Es schliesst sich dann ein Kreis.
Eine „runde Sache“ ist entstanden.

(Dies ist nur ein kurzer, vereinfachter Blick in das Erleben der komplexen Welt des Individuums.)

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