Leben 21

Übung / Schrottiges

Es ist meine feste Überzeugung, dass man über alles schreiben kann. Gut, auch hier sind Grenzen gesetzt. Mal gibt ein Thema viel her, mal wenig. Mal ist man gut drauf und hat den Kopf frei, mal ist man wie verbrettert und es kommt nicht viel zustande – egal. Irgendwas geht immer.

So war ich tatsächlich versucht, über Toiletten zu schreiben. Ich war beruflich wie privat viel auf Reisen und habe dabei viel Erfahrung gesammelt.

Es hält sich bis heute das Gefühl, alle Varianten kennengelernt zu haben. Schliesslich habe ich das Vorhaben aus meiner To do-Liste gestrichen.

Würde ich bei der Königsklasse, die mit den vergoldeten Armaturen beginnen und beim Scheisshaus (Verzeihung!) einer chinesischen Landkommune angekommen sein – meine Leserschaft hätte längst das Weite gesucht. Aber ich könnte!

Es bleibt dabei. Man kann über alles schreiben. Klar, dass ich dazu einen Beweis liefern muss. Und ich mache es mir nicht einfach. Nein, ich schreibe nun ….. über einen Papierfetzen.  Noch habe ich keine Ahnung, was mir dazu einfällt. Aber ich bin stur. Ich will das. Also leg mal los, Roland!

Da liegt das Stück Papier auf der Strasse. Leicht zerknüllt, und so kann der Wind drunterfassen und das Teil einige Meter weiterschieben.

Das geht, solange es nicht regnet. Ich schaue dem Spiel des Winds gelassen zu und frage mich derweil, wo dieser Fetzen herkommt. Er sieht aus, als wäre er in einem früheren Leben Teil einer Brötchen-Tüte gewesen. Zur Sicherheit laufe ich hin und nehme den Zettel hoch, glätte ihn und sehe ….. nichts.Ich gebe ihm seine Knitterform zurück, und dem Wind sein Spielzeug. Und ich ernte missbilligende Blicke vorbeihuschender Passanten. Wie sähe die Stadt aus, wenn das jeder macht? Schmeiss doch gleich noch Deine Kippe hinterher, Du Ferkel!

Egal. Schliesslich habe ich eine Mission. Mein Papierfetzen verucht, mir zu entkommen. Aber ich bleibe dran. Dumm nur, es hat nun zu regnen begonnen. Ein heftiges Gewitter bringt viel Wasser auf die Strasse. Mein Zettel fliegt nicht mehr. Nun schwimmt er. Ich weiss, das ist garnicht gut. Sehe den Gully, und wie mein Zettel darin verschwindet. Aus die Maus.

Du merkst schon, ich habe das Thema abgekürzt. Schriebe ich so weiter, es käme gewiss kein Pep in die Sache, es sei denn, ich würde es als Intro für einen Krimi benutzen. Dann wäre es halt kein Stück Tüte, sondern eine halbe Banknote, und die dürfte nicht im Gully verschwinden.

Wie auch immer: Nun mache ich etwas mit Sinn und Verstand.

Küchendienst!

ps: Der Zettel war in Wirklichkeit ein Kassenbeleg von ALDI !

Leben 20

Digitalisierung

Ein kleiner Spass dazu: 1111 1111  lesen wir als 11 mio. 111 tausend 111.  Der Computer rechnet und spuckt aus, es sei der Wert 255.

Das ist unerhört, denn beides ist richtig. Wir rechnen dezimal, der Computer dual, auch binär genannt. Wie das geht, erspare ich uns.

Wer gelernt hat, mit dem Abakus zu rechnen, hat das Prinzip schon drauf.

Nun hat mich aber das Thema Digitalisierung angefasst. Um den Stand der Diskussion dazu zu erfassen, musste ich eine Menge lesen und hören. Ich kämpfe nun mit dem Bestreben, mich kurz zu fassen. Wie sag ich’s meinem Kinde? Etwa so:

Ich habe knapp 3 Stunden lang gelesen, um irgendwo einen Fachmann zu finden, der die Auswirkung der Digitalisierung auf die Arbeitswelt offen und logisch begründet beschreibt. Gefunden habe ich nur Geschwurbel. Aufgegeben habe ich mit dem Verdacht, dass keiner wagt, konkret zu werden, weil man es einfach nicht kann. Warum darf ich das so kategorisch behaupten? Nun, ich darf das, weil ich 35 Jahre lang mit Digitalisierung beschäftigt war, also mit der Installation von Computersystemen in betriebliche Prozesse. Lediglich zur Robotik in  Produktionsabläufen bin ich inkompetent.

Offenbar hat man die Datentechnik neu entdeckt und daraus einen Ballon konstruiert, der schön bunt am Himmel steht und doch nur heisse Luft enthält. Schliesslich lässt sich auf diese Weise gutes Geld verdienen.

Natürlich schreitet die Digitalisierung in den Unternehmen voran. Schliesslich erwartet man daraus einen Nutzen. Senken der Personalkosten, Verbesserung der Produktqualität, Verbesserung der Unternehmensführung durch hohe Transparenz, Sicherheit im Produktionsprozess und anderes – alles gute Ziele für den Unternehmer. Die Realisierung ist jedoch teuer und mühsam. Projektmanagement, Wirtschaftlichkeitsrechnungen, Nutzwertanalysen, Netzplantechnik – alles schick, alles fein! Und doch fliegt Dir Dein Projekt sowas von um die Ohren, dass Dir Hören und Sehen vergeht. Irgendwann ist man nur noch mit Krisenmanagement beschäftigt, und von oben gibt es nur noch einen Satz warme Ohren. So, Leute, so habe ich „digitalisiert“. und dabei auch noch das Mitleid von Kollegen erfahren. Von den arroganten Typen aus dem Vorstandsflur gibt es nicht mal ein Dankeschön, wenn Du „Fertig!“ meldest.

Nun sind da auch die Robotik-Leute. Sie haben meine ungeteilte Hochachtung. Zwar haben sie den Vorteil, dass sie es nicht mit Menschen zu tun kriegen, aber wenn in einer Autofabrik ein Roboter sich eine Karosserie schnappt und sie präzise aufs Chassis  tüdelt, und sein Blechkumpel nebenan umgehend damit beginnt, alles was lose ist zusammenzulöten, und das mit einer Toleranz von einen Viertel-Millimeter, so erstarre ich in Ehrfurcht und sage im Stillen: Hut ab, Leute! Klasse gemacht, Leute!

Ja, das beeindruckt. Und die Automatisierung wird vorangetrieben. Sie wird Arbeitsplätze vernichten. Das war bereits in den 60er Jahren so.

Der Spalt zwischen Arm und Wohlhabend wird grösser und grösser. Aber vermutlich haben uns zwei Weltfinanzkrisen 2 x arm gemacht, bevor die Digitalisierung das Ausmass einer Katastrophe gewinnen konnte.

Und nebenbei bemerkt: 0001+0010 ist nicht 11, sondern dezimal 3.

Besinnliches

Dunkelheit und Einsamkeit –
welch enge Beziehung!
Die Dunkelheit verdeckt
gleich einer riesigen Camouflage
vielerlei kosmische Fähigkeiten,
die auch das irdische Leben berühren.

Der Mensch, als hochentwickeltes Wesen
mit starken Sensoren ausgestattet,
die vieles aufspüren und bereit stellen,
empfindet, geniesst oder leidet.
Da ist die Einsamkeit.
Ein Meisterstück der Nacht.

Der Mond, ein Baum, ein Mensch –
eine Metapher ohne Worte.
Der Mond, allein in seinem Orbit,
der Baum, leblos im Winterschlaf,
und der Mensch, am falschen Ort Leben suchend.
Sie warten. Warten auf Wunder.

Wunder geschehen.
Der Mond erlebt den irdischen Tag,
der Baum erwacht mit grünem Zauber
und der Mensch erkennt:
Alles ist Realität
und zugleich Illusion.

Leben 19

Vor  Minuten redete im TV ein Polizist von Katzenstreu. Meine angeborene Neugierde war umgehend aktiviert worden. Der Grund ist simpel. Ich habe nie eine Katze besessen, habe nie Katzen gestreut. Ich weiss beim besten Willen nicht, wieviele Katzen gebraucht werden, um damit zu streuen, und mir fehlt die Phantasie zur Vermutung, wozu man mit Katzen streuen sollte. Völlig unklar ist auch, ob die Katzen tot oder lebend gestreut werden sollen.

Schau mal: Wenn unsere Dorfstrasse 15.000 Quadratmeter gross ist, und ich pro qm 4 x 4, also 16 Katzen brauche, so müsste ich 240.000 Katzen auftreiben, um eine einzige Strasse abstreuen zu können. Nun schätzt man den Bestand an Katzen in Deutschland auf 8,2 Millionen. Die reichen für 512.500 Quadratmeter, das sind 102,5 km gestreut. Irgendwie riecht das nach einer gigantischen Versorgungslücke.

Nun kann ich in Unkenntnis der Fakten auch in Erwägung ziehen, dass man nicht Katzen streut, sondern „für Katzen streut“, wie man das vom Vogelkäfig kennt, weil der Wellensittich ungeniert von der Stange runterpullert. Das nur nebenbei. Zurück zur Sache. Man kann nun nicht den Bedarf an Katzenstreu auf die Kilometer des Strassennetzes der BRD beziehen. Bezugsgrösse ist natürlich der Katzenbestand. Wenn man nun unterstellt, dass jede Katze an jedem 3. Tag unterstreut werden muss, so sind das 120 Tage im Jahr für 8,2 Mio. Katzen, das sind somit 984 Mio. Streuungen per annum. Bei 100 g Materialeinsatz pro Streuung ergibt sich ein Bedarf an Streugut von 98.400 Tonnen pro Jahr nur für Deutschland. Das entspricht 103 Millionen Euro Umsatz, sofern der Grundstoff Bentonit ist, ein Mineral vulkanischen Ursprungs.

So wandert das Bentonit, der wertvollste Bestandteil des Pannonischen Beckens Tonne für Tonne auf den Müllkippen Deutschlands.

Mit Katzen streuen wäre ökonomisch ungleich günstiger. Katzen sind so etwas wie erneuerbares Streumittel.

Ja, Du hast recht. Mit Katzen streuen ist nicht mal schwarzer Humor, sondern rücksichtslos und unverschämt. Katzenfreunde sind zu Recht betroffen und angewidert. Der Autor scheint eine sadistische Ader zu haben. Ich dementiere. Bin kein Sadist, sondern ein wahrer Katzenliebhaber.

Ich mag dieses arrogante Pack, das Dich eben noch links liegen lässt und Dir in der nächsten Minute schnurrend um die Beine trudelt.

Warum schreibe ich dann so garstig über Katzen? Na weil mir zu „Katzenstreu“ nichts Besseres eingefallen ist!

Leben 18

Manchmal packen mich Zweifel an meinem Geisteszustand. Dann vermute ich so etwas wie eine Zwangsneurose. Ich definiere selbst: Es ist ein psychisch bedingter Zwang, auf reale oder eingebildete Situationen emotional zu reagieren.

Genau dies ist mir soeben wieder einmal bewusst geworden. Habe ich doch in einem Anfall von Souveränität den Fernseher ausgeschaltet ( das war ein Trigger), und schon beschäftigt mich die Qualität des Fernsehprogramms wieder einmal, und ich beginne zu analysieren. Gesund ist das nicht!

Egal. Das Hirn ist gut angewärmt, also auf Betriebstemperatur. Somit kann ich los werden, was mir durch den Kopf geht.

Zunächst schliesse ich aus, dass die TV-Macher ihr Publikum manipulieren. Die dabei benutzten Verfahren möchte ich hier nicht aufzählen. Es reicht die Feststellung einer massiven Schweinerei, die man den Öffentlich-Rechtlichen nicht verzeichen kann. Ich beschränke mich auf die Mischung der Programmbeiträge, die vom Trash bis zum kulturell Wertvollen, von seichten Talkshows bis zu massiver Gesellschaftskritik alles, wenn zwar gewollt dosiert anbietet.

Tatsache ist: Für jeden ist etwas dabei, ob er sich mit der Quantenmechanik herumschlagen mag oder ob ihn die Goldene Hitparade der Volksmusik bauchpinselt. Man könnte mit einigem guten Willen von Ausgewogenheit sprechen, und daran kann nichts kritikwürdig sein.

Warum also übt man so viel Kritik an der Programmgestaltung? Man fasse sich an die eigenen Nase! Das Übel ist nicht das Programm, sondern die eigene Unfähigkeit, abzuschalten, wenn ein Beitrag nicht konveniert! Fernsehen ist zum täglichen Ritual verkommen. Einschalten ist ein Muss. Und dann sieht man irgendeinen vermeintlichen Scheiss und wird gallig. Aber die Glotze muss laufen. Schliesslich ist der tägliche Fernsehabend ein krönender Abschluss des Tages, mithin unverzichtbar.

Wenn also die berüchtigte Hitparade der Volksmusik gesendet wird: Mitsingen! Wetten, dass …… dass das Spass macht?

Aus dem Leben eines Träumers

Ein kleiner schwarzer Hundefloh
steigt ab von seinem Hund.
Es lockt ihn der Geruch im Zoo –
riskant und denkbar ungesund.

Er springt beseelt.
Die Erde bebt.
Kamel verfehlt,
ein Löwe lebt!

Er springt erneut.
Die Mähne lockt.
Landet erfreut,
rasch angedockt.

Die Mähne hat er nicht erreicht.
Die Schnauze hatte er erwischt.
Als Floh ist man ja federleicht,
und Löwenblut ist aufgetischt!

Nun rasch den Rüssel klargemacht,
versenkt in Löwe’s Nase.
Dann saugt er, doch der Leu erwacht.
Der Floh versinkt nun in Ekstase.

Glaubt er doch, Löwenblut macht stark!
Will seinen Hund zerfetzen!
Ein Machtgefühl trifft ihn ins Mark.
Er möchte Hunde hetzen …..

Indes, der Löwe gähnt, und zuckt.
Der Plagegeist saugt mit Bedacht.
Grad hat die Nase noch gejuckt.
Nun: Pranken haben ihn platt gemacht.

Leben 17

Es ist nun ein Vierteljahrhundert her, seit mir ein Amtsarzt auf meine Bitte unverblümt erklärte, meine Gesundheit sei so stabil wie ein Sack voller Kochlöffel, und 50% meiner Art stirbt innerhalb der ersten 3 Jahre, und 80% innert 5 Jahren. Und er fügte hinzu, dass wir, also er und ich nun einen Schluck guten Cognac vertragen könnten. Und genau das geschah. Der Gute hatte wirklich einen erlesenen Geschmack, und reichlich Humor und Lebensfreude. Und ich hatte eine vergnügliche Viertelstunde.

Mein Körper hat sich nie erholt. Aber ich gehöre zu jener Gruppe, den 20%ern, die überleben, und ich habe nun zusätzlich die Folgen des Alterns hinzunehmen. Und weil das nicht reicht, starb vor Monaten meine Frau.

Ich darf also feststellen, dass Krankheit, Alter und der Tod mein Leben gründlich verändert haben. Das wurde mir diktiert. Ich konnte mich nicht dagegen wehren. Nun müsste ich trivial, aber richtig anmerken, so sei halt das Leben. Nur ….. so einfach ist das nicht. Abstrahiert stellt sich die Frage, wie der Mensch derartige Veränderungen verarbeitet, und wie er danach zurecht kommt.

Es liegt auf der Hand: Die Reaktion auf Veränderungen des Lebens ist individuell. Der eine zerbricht irgendwann, ein anderer passt sich problemlos an. Man blickt zurück, oder in die Zukunft. Man beklagt das Negative, oder man sucht optimistisch das Positive des neuen Lebens zusammen und pflegt dieses wertvolle Paket.  Und all dies tut jeder auf seine Weise.

Die hier angestellte Betrachtung ist gewiss schlicht bei schlicht. Nix Neues, auf den ersten Blick. Aber es gibt da noch den zweiten Blick, und der ist meist schärfer als der erste. Und der sagt mir, dass viele der Betroffenen in dieser Hinsicht unaufmerksam sind und nahezu paralysiert in die Zeit hineinleben. So verliert man unter Umständen kostbare Lebenszeit,  und Lebensqualität. Es gilt also, bei tiefgreifenden Veränderungen ein neues Bewusstsein zu entwickeln, in welchem das Negative wie das Positive seinen Platz findet.

Alles andere regelt sich dann von selbst.