Leben 10

Melancholie

In Stein erstarrte Traurigkeit umgibt mich.
Ich gehe über leere Strassen durch Häuserschluchten,
Regen und Wind sind meine Begleiter.
Diese Nacht lenkt meine Schritte hin zum Ufer.

Mein Freund, der Fluss scheint unbeirrt.
Nur die Schwärze seines Wassers
will mich zu mahnen:
Sei bedacht, mein Freund! Leben ist kostbar!

Ich schaue zurück in die Strassen.
Laternen senden Licht ins Nichts.
Die Stadt wird nicht hell,
und auch nicht mein Gemüt.

Doch unversehens wischt Dämmerung
das Dunkel vom Tisch der Zeit,
und ein Vogel ruft nach der Sonne.
Sie wird auch mir mit Zuversicht begegnen.

Hoffnung bestimmt die nächsten Stunden.
Die Stadt erwacht, und Graues wird bunt.
Die Finsternis der Nacht weicht der Hoffnung.
Doch bleibt ein Zweifel, denn neue Nächte folgen.

Leben 9

Dieser, der erste August in 2019 ist ein Tag von jener Art, die ich nicht mag. Und genau dies ist der Grund, weshalb ich ihn in meinem Bild meines Lebens besonders hervorhebe. Dieser Tag ist ein Musterbeispiel. Ein Paradigma, wie man es bildungssprachlich bezeichnet (igitt!), also ein Beispiel für eine Phase Leben, in welcher man viel getan, aber nichts geschaffen hat. Ich verbessere: Gefühlt nichts geschaffen hat. Es sind doch immer wieder die kleinen, täglichen Pflichten, die das Bild verderben und das Gefühl vermitteln, man habe an diesem Tag umsonst gelebt.

Diese Formulierung ist natürlich eine Übertreibung. Ich habe durchaus Ergebnisse erzielt. Nur sind sie nicht ansehnlich. Sie kommen daher in Mimikry – grau in grau, motivieren nicht, repräsentieren den 1. August nicht, kurz: sie sehen aus, als hätte es sie nie gegeben, oder positiver gesagt, sie haben wenigstens keinen Schaden angerichtet.

Nun könnte man mir vorhalten, ich hätte keinen Grund zum Meckern, nur weil ich mal einen halben Tag mit Belanglosem verbracht habe.

Ich würde allerdings mit eindringlicher Schärfe entgegenhalten: Ja, das ist richtig. Dann sagt mir das Gegenüber: Und morgen ist auch noch ein Tag, und den kannst Du doch nach Gusto gestalten! Und ich antworte: Auch das ist richtig. Aber morgen ist nicht der 1., sondern der 2. August, und ob ich morgen in der Frühe wieder aufwache, ist auch noch nicht sicher, und ich habe gelernt, ich sollte in meinem fortgeschrittenen Alter jeden Tag so leben, als wäre es der letzte!

Ich triumphiere. Der sagt nun nichts mehr, sondern starrt mich nur noch an. Ich starre zurück und erschrecke. Habe garnicht bemerkt, dass ich vor meinem grossen Spiegel stehe. Ich grinse, und der Kerl gegenüber grinst zurück – mit Recht. Der weiss genau, was für heute abend angesagt ist. ich schildere das nun mit Vergnügen: Ich schiebe zwei Brötchen in den Backofen und serviere sie mir mit ein wenig Krabbensalat, einigen Shrimps in Knobi-Öl und einem Stück Meraner Weinkäse, und dazu trinke ich einen gut gekühlten Rosé. Endlich, gegen 8 Uhr kommt mein Fernseher zum Einsatz. Ich werde das Bildungsprogramm des ZDF mit Genuss wegschalten, einen Krimi im Ersten anschauen wegen guter Kritik, auf diese Weise auf Panorama warten und dann Daphne de Luxe geniessen, ein bissiger, aber dennoch freundlicher Kubikmeter der Comedie-Branche. Dann, wenn nichts mehr geht, und ich habe noch einen Schluck Rosé in der Flasche, werde ich meine aufgestaute Aggression abbauen, indem ich meinen Konto-Auszug des Monats Juli nach Fehlbuchungen durchsuche. Danach bin ich mit der Welt im Reinen und werde friedliche 4 Stunden in den 2. August hineinschlafen. Dann bin ich in der Lage, die Folgen meiner Prokrastination zu beseitigen. So hoffe ich. Ich hab da so ein paar Leichen im Keller, über die ich nicht reden mag. Schreiben schon garnicht.

Leben 8

Thema: Ein typischer Nachmittag.

Plötzlich sagt die blecherne Uhr, es sei nun Mittagszeit und die innere, virtuelle meint dazu, jetzt wäre Futter ranzuschaffen. Nun bin ich unbestritten ein gehorsamer Diener meiner versteckten Leidenschaften. Deshalb schiebe ich gleich eine Pizza ins Rohr. Das  Besondere: Sie gehört nicht zur Familie derer von Oetker. Man hat sie nämlich mit Piquanté-Frucht belegt, und ich habe das scharfe Früchtchen noch nicht kennengelernt. Also freue ich mich auf die Première  von „Pizza extra scharf“.

Solange meine Mahlzeit noch vor sich hin gart, nutze ich die Zeit, um aus meinem Bürofenster in den Garten zu schauen. Ich tue das mit Genugtuung. Während ich hier in meinem Sessel klebe wie ein sitzen gebliebener Hefeteig-Klops, tobt draussen das Leben. Zwei Jahre fast nichts tun hat es zurückgebracht.

Nun ist mir klar, dass ich mit meiner Grundhaltung zum natürlichen Gelände, das mal mein Garten war und viele tausend DM und oiro verschluckt hat, nicht die Welt rette. Wenn ich zur Wahl gehe und mein Kreuzchen irgendwo hinmale, breche ich auch nicht die Macht des Kapitals.

Im ersten Fall flüchte ich mich in das Kostüm des Naturfreunds, im zweiten in das des Demokraten. Doch beide Rollen sind die von Narren. Zur Rechtfertigug meiner Narrenrolle in Sachen Natur: Ich schaffe Lebensraum für einige tausend Kreaturen. Manche denken für Ungeziefer.

So, diese Pizza ist gegessen, und – nomen est omen – die Piquanté-Frucht hat sich als pikant erwiesen, leicht süss, leicht scharf, und in Verbindung mit Chorizo-Scheiben tatsächlich gut. Ich darf hier urteilen, weil ich kein Pizzafreund bin.

…………………………………. tz tz tz

Nun bin ich doch wieder aufgewacht. Der heutige Nachnittag hat mich 3 Stunden Schlaf gekostet. Das sind 3 Stunden mit ohne alles. Und so läuft es nahezu jeden Tag, Verlust an Lebenszeit! Wenn das so weitergeht, und danach sieht es aus, führe ich Buch und lasse mir dereinst die Summe von der Ewigkeit abziehen, als bereits geleistete Jahre.

Leben 7

„Südafrika, Krüger-Nationalpark. Antilopen nähern sich einer Gruppe von Akazien. Die Tiere rupfen an den Blättern eines Baumes und genießen den saftigen Geschmack. Nach einer Weile traben die Tiere zum nächsten Baum – doch der schmeckt bitter. Die Blätter der Nachbarn ebenso. Der ganze Wald ist plötzlich ungenießbar geworden. Hungrig ziehen die Antilopen weiter.“ (Zitat Deutschlandfunk)

„Die Quelle so mancher Wunder ist die Ahnungslosigkeit der Menschen.“ (Zitat Roland)

Mysteriös? Das nein. Neu? Kann sein, dass wir nicht wissen, ob Pflanzen reden können. Die Wissenschaft hat längst nachgewiesen, dass Pflanzen kommunizieren, auf artspezifische, für uns völlig fremdartige Weise. Bleiben wir einen Moment im Krüger-Nationalpark. Dort wird eine Akazie von einer Tierherde angefressen. Sie stellt ihren Stoffwechsel um, und aus süss wird bitter. Erstaunlich, nicht wahr? Aber diese Akazie tut mehr.

Sie sendet einen Botenstoff, ein gasförmiges Molekül über die Luft an benachbarte Akazien, die stellen sofort um auf „ungeniessbar“, und geben die Info. weiter, bis alle Bescheid wissen. Die Antilopen ziehen weiter. Die Luft ist wieder rein. Wir haben hier ein Beispiel für Planze zu Pflanze-Kommunikation.

Ein zweites Beispiel, aus dem Labor von Biochemikern. Die Details habe ich leider längst vergessen, aber das Wesentliche blieb an mir kleben.

Also: Man verband 5 transparente Rohrstücke, vielleicht 15 cm lang sternförmig miteinander und setzte an die freien Enden einen Pflanztopf mit Pflanze. Diese 5 Pflanzen gediehen, und ihr Wurzelwerk wuchs in das Röhrensystem hinein.

Schliesslich fügte man 4 Töpfen Insekten bei, die Fressfeind einer Raupe sind, welche ihrerseits Fressfeind der Pflanzen ist. Den 5. Topf übergab man einer dieser Raupen, die sich dann auch ans Fressen machte. Nun sandte die angefressene Pflanze eine Nachricht an die 4 anderen Töpfe. Die Pflanzen wussten, was zu tun ist. Sie schickten ihre Insekten los, um im 5. Topf die Raupe zu töten. Nun beobachteten die Menschen, wie die Killer zu suchen begannen und nach einer Weile Topf 5 als Ziel erkannten. Die Raupe hatte keine Chance. Und dies ist ein Beispiel für die Pflanze zu Tier-Kommunikation.

Nun hat ein Schweizer Forscher nachgewiesen, dass Pflanzen auch akkustische Signale abgeben. Er hat mit aufwendiger Technik Ultraschallsignale aus den Wurzeln junger Getreidepflanzen übersetzt in den Hörbereich der Menschen. Man weiss noch nicht, was es damit auf sich hat. Aber wir machen hier einen halben Schritt in Richtung Pflanzen zu Mensch-Kommunikation.

Zitat Deutschlandfunk:

„Die Rotbeerige Zaunrübe, eine Kletterpflanze, ist so empfindlich, dass sie einen Faden spürt, der weniger als ein Millionstel Gramm wiegt – das übersteigt bei weitem das Empfindungsvermögen der Tiere und des Menschen. Auch UV-Licht registrieren Pflanzen aufs Genaueste. Wenn es ihnen zu viel ist, bilden sie Pigmente, die wie eine Sonnencreme wirken. Stellt eine Pflanze eine Virusinfektion an sich fest, heißt ihre Antwort „Aspirin“. Sie produziert Salicylsäure und stärkt so ihre Abwehrkräfte.

Die Überlebenschance einer Pflanze hängt davon ab, wie präzise sie ihre Umwelt wahrnimmt. Schließlich steht sie fest verwurzelt an einem Ort, kann weder fliehen noch zuschlagen oder zubeißen. Pflanzen warnen sich nicht nur gegenseitig vor Feinden. Sie rufen auch die Feinde ihrer Feinde zu Hilfe und bieten an, was im Tierreich außerordentlich geschätzt wird: Fressen satt auf dem Silbertablett.

Raupenalarm im Maisfeld! In seiner Not produziert der Mais einen Duftstoff. Er lockt damit die Schlupfwespe „Cotesia marginiventris“ herbei. Ihre Larven lieben genau diese Raupenart als Futter. Das gesamte Maisfeld sendet S.O.S. Endlich riechen die kleinen Schlupfwespen die Botschaft und kommen in Scharen. Bald schon werden ihre Larven den Schädling von innen verzehren. Mission erfüllt.

Pflanzen registrieren sehr genau, wer sie verletzt. Ein kleine Beschädigung am Blatt reicht nicht – der chemische S.O.S.-Ruf wird erst versendet, wenn die Pflanze den Angreifer anhand des Speichels identifiziert hat. Ist es die gemeine Spinnmilbe oder etwa die Lindenspinnmilbe? Der „Duftschrei“ der Pflanze erzählt es ihren hungrigen Helfern.

„Es ist ein sehr kompliziertes Netzwerk von Kommunikation zwischen den unterschiedlichsten Organismen. Auf der einen Seite ein Fraßfeind der Pflanzen, auf der andern Seite aber ein Schutzinsekt der Pflanze, insofern es einen Feind von den Insekten wieder angreift und den zu Gunsten der Pflanze tötet.“

Die modernen Kulturpflanzen haben diese Fähigkeiten übrigens verloren. Sie können die Alarmrufe ihrer Artgenossen nicht mehr verstehen und sind selbst nicht in der Lage zu warnen. Sie wurden stumm und taub gezüchtet.“

Du nun?

Wollen wir ein wenig über diese Infos nachdeken? Über das, was wir zu tun gewohnt sind, wenn wir mit Werkzeug in den Garten gehen? Nein! Wir müssen nicht in den Wald gehen, um Bäume zu umarmen. Wir müssen nicht mit unserem Kaktus reden. Fürs erste reicht es völlig aus, wenn wir wissen, was wir tun. Dann regelt sich das Weitere von selbst.

Leben 6

Das Leben endet …… Quatsch! Der Tag endet in genau 28 Minuten.Meine Reminiszenz:  Der Vormittag war mit einer Diskussion über das Leben, Leben und Krankheit, somatisch, psychosomatisch oder psychisch und Verwandtes belegt, und ich fühlte  mich wie Theseus im Labyrinth, nur durch den Ariadnefaden gesichert, den meine Tochter installierte. Ich denke, ich habe mich tapfer geschlagen, und dennoch eine knappe Niederlage erlitten. Und ich habe erneut erfahren: Kämpfe nie mit Meinungen gegen Fachwissen. Aber halte die Lauscher offen, denn Du kannst dazulernen“ Nun mag man mir entgegen halten, dass ich mit solchem Wissen ja nichts Vernünftiges tun könnte. Ja, sage ich, ich bekenne, es scheint brotlose Kunst. Aber (ich liebe das „aber“ wirklich), darum nochmal: Aber ich habe mein Hirn über mehr als 3 Stunden auf Trab gehalten, und das ist wirklicher Nutzen. Und ich habe wieder einmal ein kleines Stückchen Souveränität gewonnen. Ich meine Souveränität im Sinne der Aufklärung. Und nun ists genug davon!

Wenn ich nun einen Blick auf den Nachmittag werfe, scheint die Suppe dünn zu sein. Ich habe keinen Bock auf neue Trumpheiten, oder auf den britischen Exitus (so nannte man früher den soeben eingetretene Tod eines Menschen). Vielleicht erzähle ich ein anderes Mal über das Kalkül von Trump und Johnson bei der Hetze gegen Farbige und Brexit-Gegner. Im Moment habe ich einfach den Rüssel voll von diesem Bockmist.

Und ich habe  selbst Mist gebaut. Und das geht so:

Ein Rotwein mit vollem Körper soll mit einer Trinktemperatur von 16 bis 18 Grad Celsius serviert werden.

Ich habe ihn heute abend mit mindestens 22° C getrunken – einen wirklich guter Tropfen. Schmeckt wie Hund hinten – so ewswn wir Pfälzer. Zu faul zum Kühlen!

Aber da vorne steht ewswn! Ich glaubte, „reden“ getippt zu haben. Ich habe bei einem Wort mit 5 Buchstaben 4 x daneben gegriffen. Leute, das ist ein Rekord und würdig für das Guinessbuch! Ich werde den Teufel tun und dieses in seiner Schlichtheit schöne Kunstwerk einfach löschen! EWSWN – und nun lies bitte laut vor.

Leben 5

Die letzte Nacht war kurz. Aber 4 Stunden Schlaf reichten aus, mein Gerippe so zu schädigen, dass ich über den Flur ging, wie es nur einem 80-jährigen zusteht. Für den Missbrauch körperlicher Gebrechen müßte ich mich entschuldigen, wüßte ich nur, wo. Ich bin nun mal nicht 80, sondern 79 1/2, und ich vertrage manches nicht, was die Doktoren anordnen. Da sagte einer, ich soll das Kopfteil ein wenig hoch stellen, ein anderer weist an, das Fussteil zu liften Nun bin ich auch noch Seiten-Schläfer, und so liege ich in meinem Bett wie eine missratene Blutwurst, und meine morgentliche erste Pflicht ist, meine Wirbel zu sortieren und so einzurichten, dass sie nur noch zwiebeln, wenn mich ein Pferd tritt. (Natürlich lasse ich niemals ein Pferd in mein Haus.)

Mein Arbeitszettel ordnet 3 Arbeiten an, wovon 2 innerhalb einer halben Stunde erledigt wurden. Der dritte Job hat es in sich: Online-Einkauf der Lebensmittel! Du fragst, was daran so schwierig sein soll? Probiere es! Wecke Deine Neugierde auf und fülle den Warenkorb – ohne Produktkenntnisse kaufst Du so um 15% Ware, die Du – korrekt justiert – in die Mülltonne wirfst und erbittert  irgendwas von „Dreck nicht fressen“ murmelst. Wie auch immer, ich plane weitere 90 Minuten für diesen Job ein.

Und der Rest des Tages? Von 17 Stunden sind zwei belegt, der Rest ist Dolce farniente. Aber wie das Leben so spielt! Ich habe noch nicht das schmutzige Geschirr in der Küche gesehen, da klingelt das Telefon. Meine Tochter bittet, „schon mal den Kaffee zu kochen“. Wir werden zusammen frühstücken, und sie bringt die Brötchen mit. Ich freute mich. Ein Lichtstrahl traf meine Seele und erhellte mein Inneres. Ich wusste, der Vormittag hat sich erledigt. Wenn meine Tochter und ich zusammentreffen, sind die folgenden Stunden mit Gespräch angefüllt.

Dabei ziehe ich regelmässig den Kürzeren. Ich werde an die Wand geredet, bis ich daran kleben bleibe, und nach dem Ablösen von der Tapete einen Fettfleck hinterlasse. Weniger hinderlich ist die Tatsache, dass meine Tochter deutlich intelligenter ist als ich. Es ergibt sich ein Kuriosum. Ich lerne von ihr. Nicht umgekehrt. Aber das ist völlig ok. Man lernt nie aus, weil sich auf unserem Planeten allzu viele Räder drehen.

Nun ist’s 17 Uhr, und ich habe heute noch 7 bis 8 Stunden vor der Nase. Keine Ahnung, womit ist diese Zeit füllen werde. Ich weiss: Wenn ich erst mal damit beginne, darüber nachzudenken, dann füllt sich mein Arbeitszettel, wird toxisch und fängt an zu schmerzen.

Ausserdem gibt es auch für mich ein mañana. Ich bin in der Disziplin Prokrastination ein Meister. Prokrastination – ein herrliches Wort für ein triviales Verhalten: Alle Arbeit auf morgen zu verschieben. Stimmts, oder habe ich recht?

Ach ja, meine Tippfehler! Wenn da welche sind, und es sind fast immer welche da, dann entschuldigt das bitte. Ich habe einfach keine Zeit zum Korrekturlesen.

Leben 4

Ich muss das mal loswerden. Es ist nur eine Keinigkeit. Versprochen. Aber es muss raus, und wenn es sein muss, mit Krawall und Shitstorm. Es ist nämlich so: Ich hasse Spaghetti und Fettuccine.Dabei liebe ich Pasta, und weiss auch nicht, wie man richtig hasst. Aber bei Spaghetti und Fettuccine habe ich es gründlich erlernt. Das wars schon. Du musst nicht weiterlesen.

Der Rest des Texts ist nur gleichartig Betroffenen, Medizinern, Nudel-Designern, Trigema-Leuten und Sossenköchen gewidmet. Wie formuliere ich jetzt kurz und knackig? Ich versuche es:

Bei dicken Männern wölbt sich die Wampe nach vorne, weil nach hinten kein Platz ist.

Die Nudeln sind lang und dünn. also wickelt man sie auf die Gabel.

Nun ist sie aber mit Sosse benetzt, und das Nudelende löst sich, schwingt wie weiland Tarzan an der Liane, und ein Tröpfchen Sosse macht sich auf den Weg, trifft das Trigema-Leibchen. Das wiederum nimmt die Sosse erfreut entgegen und spendiert zum Dank einen Fleck.

Hast Du ….. habe ich zu Ende gegessen, so sieht mein Leibchen aus, als hätte ich damit den Tisch abgewischt. Der hat nämlich auch sein Fett abgekriegt.

Wenn nun auch noch Kinder am Tisch sitzen, oder noch ein Dicker – nein, ich mag nicht mehr. Muss alles überdenken.

Leben 3

Dr. Norbert Röttgen ist Jurist, hat nie ein Unternehmen von innen gesehen, und ist nun Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestags. Als aufrechter Bürger der BRD ist er gelegentlich damit beschäftigt, sich seine rechtswidrig gezahlte Zulage zu verdienen, indem er Statements in die Öffentlichkeit entfleuchen lässt. (Gewiss, dieser Satz ist hundsgemein. Aber er bleibt.)

Nun hat sich Röttgen – es war wohl am 28.7.2019 – besorgt um die Strasse von Hormus geäussert. Was war? Irgendeine Gruppe aus den Revolutionsgarden des Iran kaperte mit Bedacht ein britisches Schiff, legte es an die Kette und nahmen die Besatzung in Haft. Das sollte wohl in den Augen arabischer Halb- und Vollidioten ein Zeichen der Stärke vermitteln. Die gleichermassen unbegabte Truppe der westlichen Welt reagierte mit wütenden Verbalattacken ….. gegen das Mullah-Regime des Iran. Und schon hängt das Bild schief.

Es ist nicht bekannt, wer die Attacke angeordnet hat. Aber es war ein kluger Kopf. Die durch das Brexit-Desaster geschwächten Briten mit ihrem ramponierten Ansehen in der Welt haben nicht die Kraft für militärische Interventionen, aber das Geld, um den Dampfer auszulösen. Aber sie fordern zu Recht Sicherheit für die Schiffahrt im Hormus. Die Welt hört erst mal weg. Und nun kommt unser Dr. Röttgen und fordert vor laufender Kamera Unterstützung für unsere britischen Freunde. Wen zum Teufel habe ich in GB als Freund zu haben?

Wer in GB verdient Sympathie der Deutschen? Das kann nicht London sein. Dort hocken die Kräfte, die den Beitritt zur EU forderten, um Vorteile für die Wirtschaft abzugreifen ohne gegenzurechnen, dass der Staatshaushalt den Nettozahler empfindlich belasten würde. Und es musste erst die Schreckschraube Thatcher auftauchen, um das miese Business öffentlich zu machen mit ihrem „I want my money back!“. Sie hatte Erfolg. Die Hure Europa hat zurückerstattet. Nun versucht man, aus dem Brexit einen höheren Nutzen zu ziehen, da die Schäden des Ausstiegs nicht zu vertuschen sind, indem man neue >Verhandlungen verlangt. Und wenn die Kompensation nicht gelingt, sind – wie stets – die Deutschen schuld. Unser aller Freund Boris hat das bereits angedeutet. Röttgen? Der hat den Schuss nicht gehört, und sich gründlich vergaloppiert. Er denkt, sein ulkiges Statement sei ihm, dem Staatsmann geschuldet. So kann Eitelkeit in die Irre führen!

Leben 2

Nun ist ein zweiter Falter aufgetaucht. und ein lebendes Pünktchen. Ich befürchte eine Invasion und beschliesse prophylaktische Massnahmen zur Verteidigung meines Terrains. Kurz: Ich schliesse das Fenster. Leider habe ich keine Kenntnisse zu dem Flatterviehzeug, weiss aber um die Kleidermotte. Darum kann ich ausschliessen, dass die kleinen Falter aus meinem Hosenbein aufgestiegen sind. Sie kommen – vom Licht des Monitors gelockt – von draussen. Dort, auf unserer Wildwiese dominieren sie die Insektenwelt, wie die Garteninspektorin berichtet.

Und ich habe vor vielen, vielen Jahren eine Lektion erlernt, als ich dem preussischen König ein Buch reichen sollte, an das er ohne Leiter nicht rankam. Ich sagte ihm, er solle mich machen lassen, ich sei schliesslich grösser als er. Und der Alte Fritz lächelte milde und sagte; „Länger, nicht grösser.“ Dennoch habe ich ihm sein Buch herausgesucht – mit Königen streitet man nicht! Und ich bin dankbar, wenn man meine Breite ignoriert.

Apropos „breit“. Die USA haben einen Präsidenten, der sich als astreiner Rassist erweist. Nun sollte man vermuten, dass er dieses Defizit so gut wie nur möglich verbirgt. Schliesslich ist der Anteil der Weissen bei 60%, und demnach sind 40% irgendwie colored. Da  hält man das ungewaschene Maul und schluckt einiges runter. Nicht so diese Karikatur von einem Präsidenten. Der ist so unsensibel, direkt und gewissenlos, so ehrlich wie ein 3-jähriges Kind. Gut! Er ist wie ein Apfel, den man  direkt nach der Blüte gepflückt hat. Aber er darf ja nun mit Bauklötzchen spielen. Er darf seine Mauer gegen Mexiko bauen, und wir dürfen gespannt sein um die Frage, wie sie finanziert werden soll.

Die Grenze gegen Mexiko ist 3144 km lang. 1143 km sind bereits gesichert. Also müssen 2001 km geschlossen werden. Das Budget von 5,7 Milliarden Dollars wirde nach Bekunden der Fachwelt reichen für 400 km. Die Finanzierungslücke beträgt demnach so um 23 Milliarden.

Und die USA haben derzeit ein gewaltiges Haushaltsdefizit. Es ist unfein, darüber zu reden. Jedenfalls muss das grosse Kleinkind Geld beschaffen. Und so geht einer seiner Versuche: Er verhängt Einfuhrzölle für Importgüter. Die US-Wirtschaft zahlt. Das Ausland verhängt im Gegenzug Einfuhrzölle. Der Absatz von US-Gütern im Ausland fällt. Wieder zahlt der US-Bürger – mit Jobverlust, Kurzarbeit etc.  Langfristig versorgt sich die Welt im Welthandel, allerdings ohne die USA. Dann wird man in Washington als Verräter gebrandmarkt. Wenn ich noch ein Stückchen weiterspekuliere: Die USA verlieren auf breiter Front an Bedeutung für den Rest der Welt. Das Sternenbanner wir vom Fähnlein der 7 Aufrechten hochgehalten, jenem kleinen Teil der Bevölkerung, der als intelligent und aufgeschlossen tapfer gegen die Antagonisten gekämpft, und stets verloren haben, da sie das Schild der Demokratie hochhielten und daran verzweifelt sind.

Tja. Was, wenn nun die Falken aus der US-Administration ihen Krieg gegen den Iran bekommen? Krieg führen kostet. Wer wird zahlen? Die US-Bürger. Und die Welt? „Ihr habt ihn gewählt, also nichts Besseres verdient!“ Und die Politik? „Er ist ziemlich neben der Spur, aber er ist einer von uns!“Deshalb herrscht Stillschweigen in Berlin und anderswo.

Leben 1

Soeben haber ich ein kleines Wunder vollbracht. Es ist spät, und ich durchsuchte diverse Quellen nach sehenswerten Fernsehbeiträgen, fand einen Spielfilm mit Michael Caine, spielte an – und schaltete ab. In den vergangenen Wochen ist mir dies einige Male passiert, ohne dass ich darüber nachdenken musste. Heute nacht ist das anders. Für Desinteresse eines Fernsehsüchtigen muss es Gründe geben. Werde ich endlich weise? Das wäre wirklich wünschenswert! Oder bin ich auf dem Weg in die absolute Einsamkeit, oder gar in die Demenz? Das wäre die negative Entwicklung einer menschlichen Existenz!

Wie sie so sind, die Pragmatiker dieser Welt: Erst warten wir mal ab, suchen nach Indizien, finden welche und sortieren sie hierhin oder dorthin, haben nichts verstanden, aber bewerten und urteilen und blamieren uns vor der Welt, wenn es ihr gelingt, zu uns durchzudringen. Ich weiss, das ist unvermeidlich. Also folge ich dem Drang, mich zur Wehr zu setzen. Ich weiss auch, dass ich selbst mein ärgster Feind bin. Will ich Ordnung schaffen, dann wuss ich wohl oder übel bei mir beginnen. Und dies ist leichter, als ich glaubte.

Ich habe entschieden, dass ich auf dem Weg zur Weisheit bin, und daran lasse ich nicht rütteln. Aber ich mache es mir nicht einfach, suche nach Beweisen. Ich finde mich damit ab, dass ich womöglich niemals weise denken und handeln werde, aber ich begnüge mich mit der Feststellung des Fortschritts. Ich spüre, dass Widerstand signalisiert: Du lebst Dein Leben!  Opportunität ist nur ein taktisches Mittel zur Zielerreichung! Du willst es unbedingt, wenn Du etwas nicht willst! Und wenn Dir das alles zu mächtig und zu schwer erscheint: Denke an den winzigen Falter, der Dir gerade um die Nase flatterte, und frage Dich, welche Kraft es vermochte, einem solch winzigen Wesen so viel Lebenskraft zu schenken, und ob es richtig ist, dass Du als schwergewichtiger Riese so wenig Lebenskraft besitzt, dass Du Dich – um Schutz vor der Welt bemüht – in ein Schneckenhaus zurückziehen möchtest.