Weitere Kopfschmerzen

Ich bemerke schon seit Monaten, dass politische Themen nicht so populär sind. Alles, was schön ist, und schön kurz formuliert, ist gerne gesehen. Die hässliche Seite unserer Welt – so wichtig sie auch sein mag – ist eher geeignet, die Laune zu verderben, den Tag zu versauen, statt Spass zu verbreiten oder in Poesie versinken zu lassen.

Ich verstehe, und ich akzeptiere einen solchen Standpunkt. Man muss meinen Kram ja nicht lesen, und/oder nicht mögen. Wenn ich trotzdem polemisiere, dann aus Eigennutz. Es ist für mich wie Zähne putzen, also eine Hygiene-Massnahme.

Dennoch habe ich Grund zur Klage. Ich wünschte, es würde endlich jemand aufstehen, auf den Tisch hauen und einen Kommentar schreiben wie: „Risch, es reicht, halt endlich Deine verdammte Klappe!“

Das wäre mein Sahnehäubchen auf dem verfluchten Brexit-Thema! Aber was kriege ich? Labberige Magermilch!

Bekenntnis

Ja, ich bekenne: Ich kann nicht kochen.
Schlimmer.
Ich will auch nicht kochen.
Und ganz garstig: Ich muss es dennoch tun.
Rohkost ist nämlich nicht mein Ding.

Natürlich habe ich nach dem Tod meiner Frau damit begonnen, Ausweichmanöver zu fahren. Jeder kennt sie. TK-Kost, Suppen in Blechkübeln, Pasta bis alles pappt, Obst usw.

Diese Fluchten in die Unterklasse des Küchenwesens gelingen auf unbestimmte Dauer, bis dann ….. ja, bis dann ein unwiderstehlicher Wunsch nach einem saftigen Schweinebraten
mit Rotkohl, Semmelknödeln und einer leckeren Sosse Oberhand gewinnt – und schon liegt ein Kilo Schweineschulter auf dem Küchentisch, und die kochende Null versucht sich zu erinnern, wie das mit dem Schmoren geht und, aufgemerkt, wie man eine erstklassige Sosse hinkriegt. Eine normale Sosse ist nicht gefragt. Es muss, ja, es muss dann eine erstklassige werden.

Das trifft sich gut. Wenn ich in der Küche etwas kann, dann sind es neben dem Abwasch die Sossen. Wenn dabei aus einer dunklen Bratensosse eine helle Spargelcremesuppe geworden ist – macht nix. Hauptsache gut.

Es kann auch anders kommen. Ein Doktorand der Medizin hatte seine kleine Küche renoviert und sich dann zur Feier des Erfolgs eine Dose Ravioli heiss gemacht – ohne die Dose zu öffnen. Nach Abschalten seines Herds begann er damit, seine kleine Küche erneut zu renovieren. Seine Mahlzeit nannte er „Ravioli dappertutto“, also Ravioli überall, und Tomatensosse mied er nun wie der Teufel das Weihwasser.

Seltsam, wie hinterhältig das Leben so zuschlagen kann, nicht wahr?

Metamorph, oder was?

Es ist schon ein Glücksfall, wenn man zuschauen kann, wie aus einem Kokon ein bunter Schmetterling schlüpft. Wie alle metamorphen Vorgänge in der Natur ist seine Verwandlung vom Kriech- zum Flugtier ein wunderbarer Schöpfungsakt. Und es keimen Gedanken auf wie „ ….. wenn wir Menschen die gleiche Fähigkeit …..“ – man nennt das dann wohl reines Wunschdenken. Nein, die Krone der Schöpfung altert ohne Metabolie still vor sich hin. Nur gelegentlich, und aus besonderem Anlass entwickelt sich beim Menschen eine – wenngleich sehr spezielle – Umgestaltung. Dabei sind Körper und Geist gefordert. Unzählige Menschen sind betroffen, spüren die Dramatik, und benennen den Prozess salopp mit einer allfälligen Floskel: „Ich werd‘ halt alt.“

Ich werde konkreter. Eben noch voll im Saft und einigermassen selbstbewusst, haut es Dir die Beine weg. Du nimmst die Hilfe dankbar an, und schliesslich stellt man Dich wieder auf die Füsse.

Nun stellst Du fest, dass Dich Deine Beine nicht mehr tragen mögen. Rasch machst Du eine ideelle Anleihe bei den Seeleuten, die „Eine Hand für den Mann, eine Hand fürs Schiff!“ auswendig gelernt und in die alltägliche Praxis umgesetzt haben. Nur: Schiff ist nicht. Aber jede Menge andere Objekte zum Festhalten. Und so bewegst Du Dich greisenhaft in Deinem kleinen Reich, jedoch nur, wenns unbedingt sein muss. Ein Schreibtischsessel ist ein sicherer Hafen.

Plötzlich kommt ein Ereignis über Dich, das die Metamorphose, welche längst unbemerkt begann, endlich abschliesst. Es sind drei triviale Gegenstände, die Dir den Rest geben. Es sind Rollator, langstielige Greifzange und Hausnotruf. Ich kriege diese drei Sachen heute angeliefert, und bin damit auch mental umgestellt auf „gebrechlicher alter Mann“. Der adulte Schmetterling flattert davon und sorgt für die Erhaltung seiner Art. Ich dagegen greife zum Rollator, und ich weiss: Vorne, auf der Sitzfläche hockt Gevatter Tod und rollt mit – so lange es ihm gefällt. Irgendwann löscht er die Lichter, und um die Ecke, im Nirwana wartet man schon auf mich. Zumindest Ben, unser Berner Sennhund. Und der kann sich freuen – das muss man gesehen haben!

Back again

Armageddon

Es ist Samstag, oder wie man auch sagt, Sonnabend. Ich blicke aus dem Fenster und stelle fest: Nix versäumt. Das Wetter ist schlicht miserabel, und passt so garnicht zu meiner Stimmung. Die ist relativ gut. Ok. Relativ zu was? Relativ zu einem Ergebnis, wofür ich eine Woche aufgewandt habe – einen Klinikaufenthalt. Der war mal wieder fällig. Resultat: Diagnose = Armageddon, Therapie = Ziel nicht erreicht. Also zurück in die eingefahrenen Geleise der 23 Jahre alten Routine = kein Beinbruch.

Aber es gibt auch Positives aus dem Klinikaufenthalt. Zum einen ist das Personal wesentlich freundlicher als noch vor Jahren, und zum anderen hat man dort wohl einen neuen Koch installiert, denn das Essen ist um eine Klasse besser geworden. Die Klinik hat also einen Fortschritt zu verzeichnen. Ich nicht. Egoistisch, wie ich sein kann, wäre es mir umgedreht lieber gewesen. Wie stets muss ich mich bescheiden mit der Feststellung, dass man nicht alles haben kann.

Nun musste ich zu allem Unglück zur Kenntnis nehmen, dass irdgendwer in mein Haus eingedrungen war, um meinen Kühlschrank zu plündern. Als ich ging, war er voll, und die Mülltonne leer. Jetzt herrscht in der Kühlbox die gefürchtete gähnende Leere, und die Mülltonne ist voll. Das verflixte „haltbar bis …..“, eine Irreführung der Konsumenten! Wir sollen wegwerfen und neu kaufen, was sonst?

Nach der Besichtigung des Vakuums in der Eiskiste kam mir meine Mutter in den Sinn, wenn sie verbittert auf ihren einzigen Sohn herab blickte und murmelte: Hast Du Kinder, hast Du Sorgen! Wie kann man nur mit leichter Hand mein Pesto genovese in die Mülltonne werfen?

Über Kreativität

Man sollte eine stabile Definition finden, bevor man sich – wie hier angesagt – mit einer unbekannten Materie beschäftigt. Schenkt man sich die Mühe der Recherche, so verliert man sich im täglichen Sprachgebrauch. Man sieht die Kreativen in der Kunst, in der Werbung und im Geschäft der Designer, mögen sie nun ein Haus kreieren oder eine Männerunterhose.

Für meine Auffassung zur Kreativität benötige ich weder meine Lexika noch WIKI, denn ich weiss, dass jeder Mensch kreativ veranlagt ist. Diese Eigenschaft spielt er nahezu täglich aus. Sie bestimmt sein Denken und Handeln. Sie tritt dann zu Tage, wenn er etwas anders macht als gewohnt. Wenn er probiert. Wenn er beim Nachdenken zu für ihn neuen Erkenntnissen gelangt – ja, auch wenn er das Rad neu erfindet. Kreativität ist einfach alltäglich.

Das ist natürlich zu einfach gedacht. Man muss die Qualität der kreativen Leistungen bedenken. Masstab dazu ist stets der Nutzen. Dessen Fragwürdigkeit zeigt sich bei dem vergleichenden Beispiel zwischen Büroklammer und der  molekularen Küche.

Zeit für einen Blick in den Spiegel! Bin ich ein Kreativer? Ich sage eindeutig: Ja, bin ich. Begründung: Heute habe ich zu Mittag Pellkartoffeln in ihrer Schale mit Flocken von französischer, gesalzener Butter gegessen und ein dänisches Bier dazu getrunken – ein Fall von Alltagskreativität.

Sonst noch etwas? Ach ja, die Bloggerei …. sage ich kreativ, so nennt man mich arrogant, und sage ich nicht kreativ, so unterstellt man mir Koketterie! Ich bleibe bei der Wahrheit: Ich weiss nicht, ob ich mehr als Alltag abliefere, und es ist mir auch nicht wichtig.

Wetterbericht

Vor wenigen Minuten bin ich nach Hause gekommen, war mit dem Auto unterwegs – heute ein gefährliches Unterfangen. Braune Kerle randalierten, tobten über die Strasse, um schliesslich mit offener Klappe irgenwo liegenzubleiben – keine Migranten, sondern Mülltonnen.

Regen gab es satt, ein banniger Sturm bewegte die Kübel durch die Landschaft und durch die Gemüter der Passanten; erst gestern konnte man noch bei reichlich Sonne und angenehmer Wärme an den kalendermässigen goldenen Oktober glauben, und heute befindet man sich in erstklassig organisiertem Sauwetter, das nach Lage der Dinge für die nächsten fünf bis sechs Monate anhalten könnte. Eine Übertreibung? Dies unterstellt nur, wer nicht an der Elbe wohnt. Der Eingeborene bestreitet zwar vehement, aber doch nur pro forma die endlose Wetter-Misère – wenn auch anders als der Rest der Welt. Er wird ausführen, es sei im Prinzip ja wahr, dass sich Hamburg und Dauerregen seit Jahrzehnten und auf ewig verbündet hätten, aber nicht so, wie die Zugezogenen es immer darstellen, es sei dann doch alles ganz anders, da wäre zum Beispiel der März 1956 gewesen, sonntags hätte man auf der Terrasse von Sagebiel´s Fährhaus sage und schreibe vier Paare beim Nachmittagskaffee beobachtet! Und es waren dieselben Leute, die dann ihre gummistiefel-bewehrten Füsse verschämt unter dem Tisch versteckten, und die nie zugeben würden, dass sie mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen zur Welt gekommen sind.

Tröstlich, dass anderswo noch soviel Sonne scheint, damit ein vernünftiger Rotwein erzeugt werden kann, welchselbiger schliesslich im nassen und dunklen Teil der Republik als Seelentröster so dringend benötigt wird.

Revision

In 9 ½ Monaten 643 Beiträge geschrieben
geschätzt 10% mit Zitaten, also fremden Gedanken
Themen willkürlich verarbeitet, ohne System
dennoch Kategorien zuzuordnen
Qualität: ausreichend
Stil: verdorben durch den Job; besser wäre,
Bedienungsanleitungen für IKEA zu schreiben
Zweck: erfüllt
Resonanz: erfrischend kalte Dusche (mehr Performance
= mehr Arbeit – lehne ich ab)
Spassig: Angler-Effekt. Website wird nur besucht,
wenn ich anfüttere (mit neuem Text)
Motivation: nachlassend bis zu „normal“
Tot: 643 Texte, Makulatur auf teurem Speicherplatz bei WP
gesichert als WORD file: alles, ohne pics
Weitermachen: Warum nicht? Aber mit mehr Sorgfalt.

Soweit meine Bilanz nach einem Dreivierteljahr.

Progress trotz immer noch

Schön, dass Du da bist!
Wir haben erneut gemeinsam einen Tag geschafft und unser Gestern um weitere 24 Stunden verlängert – toll, wie das flutscht. Aber es geht schon wieder los mit den Irritationen. Gestern hatte man mir versprochen, dass es heute regnen würde. Und heute muss ich feststellen, dass kein Wasser aus dem Himmel fliesst und statt dessen ohne weitere Ansage der Meteorologen die Sonne wieder einmal nervt. Die Klimakatastrophe hat wohl endlich einen Umfang angenommen, den man nicht geahnt hatte. Nicht dass mich das berühren würde. Ich lebe wie eine Kellerassel. Aber was machen die vielen Menschen, die nun mit Regenzeug unterwegs sind?

Ausserdem musste ich heute früh feststellen, dass jene Leute Recht haben, die mich einen Hornochsen nennen. Ich habe einen Test erfolgreich beendet, indem ich heute nacht nicht liegend, sondern halb sitzend geschlafen habe – keine Kreuzschmerzen! Wie dumm ist das denn, wenn einer den Test um Monate verspätet durchführt und dabei leidet wie ein Hund?

Risch, setzen! Sechs!

Dieser Spruch ist nun 70 Jahre alt, also fast antik, und doch brandaktuell
Shame on you, old man!

Was soll ich machen?
Vielleicht folge ich dem Gedanken, dass ich mit zunehmendem Alter nach dem Prinzip „Just in time“ leben sollte.
Rational statt emotional?
Eine Supply chain für das Leben?
Modern! Klingt aber nach „scheintot“.

Melancholie

picasso 1955

Heute, das ist ein Samstag im Oktober, habe ich wieder einmal Grund, unzufrieden zu sein. Das ist idiotisch. Immer wieder lasse ich mich beeindrucken von Banalitäten. Dazu zählt insbesondere, dass neben allen guten Seiten meines Lebens Schlechtes entsteht und beeinflusst.

Da fand ich gestern am Morgen in meinem Badezimmer eine tote Stubenfliege. Liegt das Tier auf dem Rücken und starrt mit toten Augen hinauf zur Klopapierrolle. Spontan entschied ich mich für „Tod durch Verhungern“. Und ebenso spontan und mit Urgewalt folgte noch vor dem Zähneputzen eine Bestellung von Lebensmitteln beim Lieferservice – ich konnte das nicht verhindern. Bedingter Reflex, panische Reaktion – weiss der Teufel, was mich so umtreibt. Jedenfalls hatte ich heute 2 Stunden Arbeit, um alles fachgerecht zu lagern, und keinen Appetit.

Nahrung bunkern ist für mich eine harte Arbeit, und ich brauche Arbeitspausen. So auch heute beim Nahrung bunkern. Ich sass arglos und schwer schnaufend an meinem Schreibtisch, da überfällt mich 2,5 Stunden nach dem Aufstehen ein Schlaf. Für 15 Minuten war ich wieder weggetreten. Ich wurde wach, und ohne menschliches Zutun fällt mir ein: ICD-Code G47 – Narkolepsie! Was sonst? Solcher Art Wegklappen habe ich nahezu täglich, weshalb ich nicht mehr Auto fahre. Wie auch immer: Hurra, ich hab wieder was Neues! Mein Doc wird sich freuen. War schon langweilig mit mir. Und von Neurologie hat er keine Ahnung. Mal schauen, wie lange er braucht zur Feststellung, dass man nix machen kann. Natürlich habe ich keine Narkolepsie, die geht anders. Aber ich habe eine Antwort parat, wenn er fragt, wie es mir geht: G47!

Und überhaupt: In einer Arbeitspause heute früh überfällt mich eine Erkenntnis der tragischen Art (womit ich wieder bei dem Negativen des Tagesablaufs bin). Was war? Na, das hier:

„Ich habe so viele Antworten, aber keiner fragt mich!“

Das ist jetzt sehr grundsätzlich, dennoch bin ich selbstkritisch genug zu fragen, ob da nicht ein kleiner Donald in mir steckt, der irgendwann raus will, um mit dem grossen Donald zusammen den Weltfrieden zu gefährden. Ok, der würde mich noch nicht mal in der Rolle des Sancho Panza akzeptieren, bestenfalls als dessen Esel, aber er ist auch kein Hidalgo, kein Don Quijote von der Mancha. Oder hat irgendwer Adliges an diesem Mann entdeckt? Vielleicht die Schuhe ? Und dessen Pferd Rozinante wäre vor Don ald geflohen bis nach Schneizlreuth! Mitsamt der Dame Dulcinea von Toboso!

Siehst Du es? Mein Dilemma? Ich beginne mit Frage und Antwort, und lande in der spanischen Weltliteratur. Frag mich wer ich bin – ich antworte mit „Keine Ahnung, aber ich habe eine Ähnlichkeit mit jenem rostigen Ritter des Miguel de Cervantes Saavedra aus dem 17. Jahrhundert. Nein, das ist Hochstapelei. Ich meine Ähnlichkeit mit dem rostigen Sancho Panza. Klein, dick, und kann mit Eseln umgehen, und vielleicht ein wenig, wie Franz Kafka ihn beschrieb in seiner Erzählung „Die Wahrheit über Sancho Pansa“.

Nebenbei bemerkt: „Don Quichote“ von Cervantes wurde in 2002 von 100 Schriftstellern zum besten Buch der Welt gewählt.
Vielleicht bin ich deshalb hier kleben geblieben …..

Leben 30

Neulich meldete sich WP mit der Ankündigung, ich müsse wieder einmal zahlen. Gut, sagte ich zu mir, das ist schon in Ordnung, und schaun wir mal, was wieviel und so weiter. Zugleich erinnerte mich die Mail. dass ich nun seit einem Jahr „Blogger“ bin. Das ist Grund genug für eine Jahresbilanz. Da war Blog 1 mit etwa 550 Texten, den ich in die Tonne getreten hatte wegen null Bock. Meinen Schrieb hatte ich allerdings gesichert. Dann habe ich nach einem Vierteljahr von vorne begonnen, ca. 250 Texte reaktiviert und 380 neue dazugeschrieben. 300 alte Beiträge sind im Orkus verschwunden. So liegt meine Jahresleistung bei insgesamt 930 Texten.
Das sind dann 2,54 Texte täglich. Mehr nicht. Ich bin nicht beeindruckt.

Angefasst bin ich, wenn ich bei der Durchsicht feststelle. wieviel ich von mir selbst preisgebe. Das war so nicht gedacht. Und das war von mir falsch gedacht. Die Selbstdarstellung ist unvermeidlich, und dies gilt sogar für jene Blogger, die nur Fotos schicken. Allerdings sehe ich, dass das Bild des Schreiberlings sich mit dem Volumen von Text immer deutlicher wird. Der einzige Weg aus der Falle ist dann wohl, anonym zu bleiben, sich als als „Tausendschönlein“ anzumelden. Ich bringe das nicht. Schon der Gedanke macht mir eine Gänsehaut.
Tarnen und Täuschen bringt mir nichts, da ich eh bald tot bin.

Gestern war ich einigermassen amüsiert. Es ist geschehen, was ich bisher noch nicht erlebt hatte: Null Aufrufe bei 633 Beiträgen.
Wollte ich selbstgefertigte Wollsocken verkaufen, so würde das anders aussehen. Leider bin ich bereits beim Lapptopfenstricken gescheitert. Null Aufrufe am Samstag, und (!) null Aufrufe am Sonntag. Das könnte bedeuten, dass ich tot bin und dies noch nicht bemerkt habe. Das ist aber eher unwahrscheinlich, da meine Haushaltskasse eine deutlich andere Sprache spricht. Zudem halte ich mich konsequent an meine persönliche Zielsetzung: Ich mache hier brain calisthenics – also Gehirn-Jogging. Ich kämpfe also gegen Verblödung durch Vergessung, oder so, und wenn ich irgendeinen Quark schreibe, dann leide ich noch lange nicht unter Verquarkung – so lange sich oben die Rädchen drehen lassen, ist mir auch Verquatschung lieb und wert, und Verstümmelung durch Vertippung. Und – nebenbei erwähnt – es bereitet mir stille Freude, wenn ich auf der Tastatur das „A“ finde. So genügsam wird man als betagtes Wesen!

Genug kokettiert. Und man möge mir meine sprachliche Entgleisung verzeihen. Sie ist vermutlich die Folge meiner Vergreisung.
(Es geht schon wieder los!) Dabei geht es mir heute gut! Ich hatte gerade ein Wildschwein-Gulasch auf dem Teller, und zum Nachtisch einen Schokoladenpudding, draussen ein sanfter Nieselregen, und drinnen die wohlige Wärme von 45 gut gefüllten Weinflaschen.
Ja, heute ist ein guter Tag. Ich mag ihn.