Einfach krass (Nichts für zart Besaitete)

Rita war wieder ma l – so ganz ihrem Wesen entsprechend – guter Dinge. Gut gelaunt betrat sie nach einem langen Spaziergang ihre Wohnung, wichte sich im Flur ihre Laufschuhe von den Füssen und lief behende zur Küche. Sie schaffte es noch, einen Fuss durch die Tür zu schieben, dann stockte sie und blieb wie angewurzelt stehen. Schliesslich sass an ihrem Küchentisch ein ihr völlig unbekannter alter Mann. Rasch blickte sie hinter sich; der Weg zur Wohnungstür war frei. Nun bemerkte sie den Gehstock des Alten, der auf dem Tisch lag, und sie hörte, wie der Mann anmerkte, Flucht sei unsinnig.
Rita fasste sich und brachte sich in ihre „So nicht!“-Position. Wer sind Sie und was wollen Sie hier? Sie legte alle Autorität an den Tag, zu der sie fähig war, und das war nicht gerade wenig. Der Alte blieb gelassen, sagte mit ruhiger Stimme, er sei gekommen, um sie abzuholen, und für einen Moment verwandelte sich sein Gesicht in einen Totenschädel. Rita war nicht irritiert. Wie es schien, hatte sie sich sogar auf eine Begegnung mit dem Tod vorbereitet. Ach so! Sagte dies, und setzte sich zu dem Alten an den Tisch. Er erklärte nun, sie hätten modernisiert, und er sei heilfroh, diese verfluchte Sense nicht mehr mitschleppen zu müssen …..

Nun erzählt der Autor über sich weiter:


Es war 14:45 Uhr, als ich über dem Tippen einschlief. Das ist krankhaft, nennt sich Schlafapnoe. Und ich träumte. Hing in meinem Bürostuhl und träumte, ich müsse mal pinkeln. Ich ging in eine mir unbekannte Toilette. Ungelogen, dort stand der Urin 3 cm hoch. Ich latschte durch, um eine trockene Ecke zu finden, spüre, wie ich nasse Füsse kriege, und stehe in einer trockenen, weiss gefliesten Ecke, die sich in einem unbeschreiblichen Zustand befand. Dort sah es aus, als hätten 20 kanadische Holzfäller hingekackt, und ich bin in einen Haufen reingetreten, wischte meinen rechten Schuh an einem Sandhaufen ab ….. den Geruch habe ich jetzt, in wachem Zustand immer noch in der Nase. Immerhin bin ich damit erwacht.

Ich habe mich umorganisiert. Rita ist mir egal. Der Tod auch. Ein Dialog zwischen beiden findet nicht statt. Was interessiert mich nun noch seine Sense! Ich will von diesem Quatsch nichts mehr hören, sehen, riechen. Ich rieche immer noch Scheisse, und werde nun zu meinem Eau de toilette greifen. Iceberg stinkt auch, aber auf angenehmere Weise.

Ach ja. So etwas erfindet man nicht. Ich bin nicht pervers. Jedes Wort im roten Absatz ist wahr. Und ich bin wieder mal von der Rolle. Bedeutet das nun Glück, oder das Gegenteil? Wer kennt sich mit Träumen aus? Oder brauche ich eine Psychoanalyse?

Genau genommen ist mein Traum ein echter Brüller. Endlich weiss ich, was ich unter einem Mittagsschläfchen zu verstehen habe. Ich hoffe, man kann da etwas steuern. Dann träume ich demnächst von einer Grillhaxe aus dem Münchner Augustinerkeller.

Geistig beschränkt

Ich weiss nicht, wie die wirtschaftliche Situation meiner Eltern im Jahr 1939 zu beschreiben wäre. Besonders gut kann sie nicht gewesen sein. Eines ihrer Resultate bin ich. Man hat mich in diesem Jahr gezeugt, und ich habe mich nicht zu einem Universalgenie entwickeln können. Diese Tatsache beeinträchtigt mich auf vielerlei Weise, und ist ständige Ursache für Unwohlsein und Unzufriedenheit. Anders: Irgendwie werde ich allzu oft in meine Grenzen verwiesen.

Ja, ja und ja. Das geht jedem so. Auch dem Universalgenie. Ich könnte auch gut mit dieser Beschränkung leben, aber ….. ich will sie nicht andauernd spüren ! Das ist Quälerei, und ich möchte dem entgehen. Aber was passiert? Ist man beschränkt, ist man ideenlos. Ist man ohne Idee, kommen ganz ganz dumme Gedanken auf. Plötzlich brüllt das Hirn förmlich „Absinth!“ Und der Dämpfer kommt gleich hinterher. Bertschi und Reckeweitz schreiben in ihrem Büchlein von Absinth bis Zabaione: „Es scheint, als sei die gesamte europäische Elite der Literatur und der bildenden Künste im Absinthrausch durch das ausgehende 19. und beginnende 20. Jahrhundert getorkelt.“ Wie man weiss, war sogar das Ohrenabschneiden in Mode gekommen.
Anscheinend ist Bewusstseinserweiterung per Absinth nicht der Königsweg.

Nun weiss jeder gediegene Alkoholiker, dass es im Prozess der Alk-Verarbeitung im menschlichen Körper einen Punkt gibt, an dem man glaubt, nicht betrunken zu sein, aber hellwach. Ich kenne das. Es ist ein Gefühl von Freiheit, die sogar mich glauben lässt, nun könne ich einen Roman von 600 Seiten schreiben, solange ich gemässigt Riesling nachfülle. Natürlich fülle ich nicht nach, denn schon das vierte Glas verursacht mir Unwohlsein an den drei folgenden Tagen.

Es ist ebenso falsch wie grosskotzig, aber es berauscht mich nicht so sehr der Riesling, sondern diese kleine Phase aus einer Pulle Riesling, die Schranken aufhebt, das Denken erleichtert, Kreativität mitbringt, und absolute Gedankenfreiheit. Dieser Zustand erlischt leider sehr plötzlich, weicht einer Phase dumpfen Brütens, die mich in die Wirklichkeit zurück holt. „Jetzt was essen, und dann ins Bett!“ Das ist alles, was nachbleibt. Toll, gell?

So macht man sich zum Kringel!

Heute bin ich ein freier Mensch, und das seit einem Vierteljahrhundert. Vor 50 Jahren war ich noch ein Sklave und habe auf deutschen Geschäftsfeldern „Baumwolle gepflückt“.

Es war Freitag, die Uhr zeigte 9:30 Uhr an, und ich hatte keine Lust mehr auf Büro. Was macht ein Sklave in dieser Situation? Nein, er holt sich keine Prügel bei seinem Chef ab – er flüchtet. So habe ich mich vom Hof geschlichen, bin nach Hause gefahren und hängte nun meinerseits den Chef raus. Ich zu meiner Frau: Packen, wir fahren nach Amsterdam! Sie: Aber unsere Tochter ist doch in der Schule ….. Ich: Ich hole sie da raus!

Gewiss, die Lehrerin war ein wenig geschockt: Herr Risch, ist was passiert? Kann ich irgendwie helfen? Ich: Nein, es ist nichts Schlimmes, aber sie wird dringend zu Hause gebraucht, das geht leider nicht anders, und am Dienstag ist sie wieder hier in der Klasse! Ich schnappte unsere Kleine, 8 Jahre alt, und machte mich auf und davon.
Zu Hause stieg meine Frau ins Auto, ich schmiss die 2 Koffer hinten rein, und weg waren wir. Es folgten Nächte in Leeuwarden, Den Haag und Amsterdam.

Der schiefe Turm von Leeuwarden, der Oldehove war schon sehenswert. In Den Haag rettete uns mein Koffer. Es regnete abends, und wir suchten Zimmer. Im Hotel Babylon Nähe Bahnhof standen wir patschnass, missmutig und abgerissen in der Lobby. Die drei Mädels am Empfang musterten uns abschätzend und leicht verschnupft, weil wir Penner es wagten, nach einem Zimmer zu fragen – bis ihr Blick auf meinen teuren Samsonite-Koffer fiel. Es dauerte einen Moment, bis eine der drei Damen korrekt schaltete. Zur Sicherheit verlangte sie einen Ausweis und eine Kreditkarte, dann kriegten wir das letzte freie Zimmer; die Tochter durfte kostenlos im Doppelbett mitschlafen, und das Frühstück war für uns auch kostenlos. Was wir nicht ahnten: Die Städte waren voller Niederländer, weil Königin Juliane ihren 70. Geburtstag feierte.

Am Folgetag erreichten wir Amsterdam und stellten fest, dass die gesamte Innenstadt ein einziger, riesiger Flohmarkt war. Und mich hats erwischt. Findet meine Tochter doch einen Pferdekopp aus Gips in natürlicher Grösse, und ich musste das verfluchte Ding einen Nachmittag lang unter den Arm geklemmt durch die Altstadt schleppen. An diesem Sonntagnachmittag habe ich mich selbst verflucht, und meine Idee, nach Holland abzuhauen. Zum Ausgleich, und um neue Kräfte zu sammeln, habe ich mich bei einem Matjesverkäufer festgebissen. Der verkaufte Matjesfilets aus einem Fass und ohne Brot. Da kommt so ein Eingeborener, kauft zwei Filets, und würgt sie runter wie ein Kormoran! Siehe Foto. Ich habe das dann auch so gemacht. „Roooland, Du erstickst!“ Vind je dat lollig?


Ich habe den Fisch schon halb unten, beisse den Schwanz ab und werfe ihn in die Herengracht. Bester Matjes ever! Und kaufe nach. Aber Papa! Lass das ….und ich: Wer schleppt hier das Pferd durch die ganze Stadt? Du oder ich? Naja, mit 3 Doppelfilets hat man genug Fisch gehabt. Zum Frühstück am Montag habe ich dann kompensiert. Statt Fisch gabs Brötchen, Butter, und Schokostreusel obendrauf. Eekhoorntjesbrood. Auch nicht übel.

Dann kam der Keukenhof. Die Bilder mit Tulpen reichten mir bis ins nächste Jahrtausend, und wenn ich in unserem Garten eine Tulpe sehe, juckt mir mein rechter Fuss. Er will nichts als drauftreten! Nichts gegen Blumen. Aber ich brauchte volle 2 1/2 Stunden, um vom Parkplatz auf eine öffentliche Strasse zu kommen. In diesem Chaos hätte ich jede sich anbietende Strasse genommen, wäre auch Richtig Madrid oder Tromsö gefahren.
Am Spätnachmittag beschlossen wir, sofort und ohne Stop nach Hause zu fahren;
am Folgetag sollte die Lütte ja wieder in der Schule erscheinen, aber ja nicht erzählen, was sie so alles erlebt hatte.

Der weisse Gipskopp vom Pferd hing dann eine Weile im Giebel unserer Hütte, bis einer der Nachbarn fragte, was dieser Scheiss da oben wohl sollte. Plötzlich war er weg, und ich weiss heute noch nicht, wo dieses verfluchte Ding, das ich in Amsterdam mit mir rumschleppen musste, abgeblieben ist.
Irgendwann war es mir auch egal. Hauptsache weg. Ganz weg.

Drum prüfe !

Prüfsituationen haben mich nicht sonderlich beeindruckt.
Ich habe stets alles geschafft, aber niemals mit Glanz.
Aber es gab zwei Ausnahmen.

Die erste: Bei IBM hatte man mich auf Brauchbarkeit für die Computerei getestet.
Ich bin von Pauken und Trompeten begleitet untergegangen wie ein Stein im Rhein.
Einige Jahre später bin ich dann in die IT eingestiegen und habe dort 35 Jahre lang mein Brot verdient. Gewiss würde ich auch heute noch den IBM-Test nicht bestehen.
Soweit mein einziger Misserfolg.

Die zweite: Ich war aus dem Job ausgestiegen, hatte Zeit und Muse, und wollte nun ein wenig Motorrad fahren. Dafür musste ich a. den Autoführerschein erneut machen und b. den für Motorrad oben drauf. Ich fand das garnicht toll, denn es roch nach Arbeit. Das wars dann auch. Aber irgendwann sass ich mit 23 anderen Aspiranten über den Prüfungsbögen „für Theorie“. Ich schaute mich im Saal um und erkannte: Dort hatte ich nichts verloren. Um mich herum nur junges Gemüse, und ich der einzige mit weissem Haar, und in den jungen Gesichtern stand die Frage geschrieben, was der alte Sack hier will. Der Mann vom TÜV hatte das Gleiche wahrgenommen und klärte auf. Er ging nach vorne an seinen Tisch und brüllte in den Saal: „Herr Risch, die Prüfungsbögen für Motorrad bringe ich Ihnen, wenn sie mit Auto fertig sind!“ Ich schaute mich um. Etliche Gesichter hatten nun auf Mitleid umgeschaltet. Die meisten auf neugierig. „Ob der Alte das schafft?“

Nun legte der Alte los, und winkte irgendwann mit den Prüfbögen Richtung Prüfer.
Der: „Herr Risch, fertig? Ich bring jetzt Motorrad!“ Während er meine Fehler raussuchte, hatte ich die neuen Bögen rasch durchgearbeitet und rief wieder nach dem TÜV. Der schnappte sich mein Machwerk und suchte erneut nach Fehlern.

Ich dachte so für mich: Alter, jetzt wirds peinlich! Das Junggemüse hockt immer noch über Auto und verzweifelt an den Vorfahrtsregeln – als der Prüfer vorne wieder losbrüllte:
„Herr Risch, null Fehler! Sie können gehen!“ Ich sagte rasch „Tschüss!“ und wandte mich zur Tür. Schaute kurz über die 23 verbliebenen Prüflinge, die nun mit Dackelblick geschlagen waren, und bevor Mitleid in mir hoch kam, war ich schon weg.

Ich sass in meinem Auto, hatte meinen Heiligenschein beiseite gelegt, und fragte mich, was man mit dieser Jugend so anstellen könnte, in einer Zeit, wo man für die Stadtreinigung schon das Abi braucht. So denkt nur ein Idiot. Prüfungsdruck ist von besonderer Art, denn er trägt den Keim des Versagens in sich. Und wenn ich diesen Druck nicht spüre, so bin ich wohl nicht ganz dicht. Ernüchtert bin ich dann nach Hause gefahren, und meinen Heiligenschein steckte ich in die Restmülltonne. Des Nachts leuchtet sie immer noch ein wenig – eine Mahnung:

Es kommt im ganzen Leben nur darauf an, sich selbst an die zweite Stelle zu setzen.

Iwan Sergejewitsch Turgenjew (1818 – 1883), russischer Erzähler und Dramatiker

Dazwischen geschoben (Intermedium)

Räucherlachs, mild gesalzen, dazu Toast oder Semmeln und – unbedingt – eine Flasche Weisswein, das war über Jahre als Abendmahlzeit das Grösste. Und heute? Passée.
Erst wenn ich den Lachs weglasse, durch Greyerzer Käse ersetze, und statt weissen einen roten Wein auf dem Tisch habe, wird wieder ein Paar Schuhe draus.

Und nun ersetze ich den Käse durch Covid-19, den Brexit, die USA, UK total, oder durch deutsche, oder europäische „Politik“, und mein Abend ist restlos versaut. Aber inzwischen bin ich gestählt und brüniert. Ich lasse diesen Mist nicht mehr an mich ran. Ausnahmen sind selten, ich bin um konsequente Haltung sehr bemüht.

Mein Tag hat 16 Stunden und endet in der Nacht um zwei Uhr. Was treibt nun ein alter Krüppel wie ich über diese lange Zeit? Nun, er arbeitet daran, keine Langeweile aufkommen zu lassen. Was sonst? Neben dem Unvermeidbaren gibt es viel Fernsehn, Youtube hilft weiter, wie auch eine Mediathek deutscher Sender, und ich schreibe.

Mein Leben lang habe ich mich als Bücherfetischist verkauft. Ich war das wohl auch. Hier sind Bücher, wo auch immer ich hinschaue. Aber: Seit ich schreibe, lese ich nicht mehr. Und das finde ich seltsam. Hinter mir liegen noch 23 ungelesene Bücher, und ich fasse sie nicht an. Es kann doch nicht angehen, dass die Schreiberei von Trash das Lesen guter Literatur ausschliesst, oder? Ich bin ehrlich irritiert.

Schliesslich habe ich mehrfach meinen Ehrgeiz abgefragt. Da war nie viel. Ich habe eine Website mit 60 guten Seiten weggeschmissen. Dann einen Blog mit knapp 500 Beiträgen. Den Blog, in den ich gerade reinschreibe, gibt es nur noch, weil ich den Knopf zum Wegwerfen nicht gefunden habe. 128 Texte habe ich noch mit der Hand am Arm gelöscht, aber 1100 Stück zu löschen war mir einfach zu viel Arbeit.

Dann las ich mal die Tipps zur Frage, wie man mehr Leser erreichen könnte. Mag sein, das geht zu machen – nur nicht für mich. In diese Ecke lasse ich mich nicht drängen. Ich schreibe aus Spass an der Sache, und wenn ich richtigen Mist zusammengeschrieben habe, schiebe ich ihn mit Vergnügen rüber zu WP.

Nun habe ich eine Datei mit rund 1200 Fotos für WP-Beiträge zur Hand. Alles ist irgendwo verwurstet, viele davon mehrfach. Wenn’s passt! So habe ich neulich ein Projekt auf Kiel gelegt. Bilder, die mir nichts sagen, schicke ich in den Orkus. Und über solche, die mit mir schnacken, schreibe ich eine Kleinigkeit. Die Vorgehensweise: Eins nach dem anderen, immer schön in der Reihenfolge, die Windows mir vorgibt.

Ich habe bisher wahllos in die Datei gegriffen, nun begann ich von vorne. So wäre heute der Abacus dran. Irgendwas muss mir dazu einfallen, auch wenns Blödsinn wird.
Wenn ich dann mit „Z“ durch bin, habe ich an die 1200 Miniaturen geschrieben.

Nun könnte jemand glauben, ich hätte einen Schatten. Ich würde dem zustimmen müssen. Es könnte geschehen, dass ich bei „F“ die Lust verliere. Ok, dann mache ich halt bei „Y“ weiter. Oder garnicht. Oder ich werde bei „H“ dement! Gebe bei „S“ den Löffel für immer ab! Aber: Zur Zeit habe ich einen Plan, und das zählt.

So läuft das mit Rentnern, die nichts zu tun haben.

Die Toscana – ist jede Erinnerung wert

Siena – Piazza del Campo und Torre del Mangia

mailto: maurizio@raiuno.com

Ich wollt´, ich wär´ein Trüffelschwein,
dann zög´ich mir ´n Trüffel rein
wie´n Kinderkopf so gross.
Statt dessen bin ich klein, und fein,
schwimme umher in Chianti-Wein
als Bratenstück mit Soss´.

Buon giorno, Mauro, Du alter Florentiner!

Dieser dämliche Vers ist mir gestern Nacht im Bett eingefallen. Nach der Soss´ bin ich direkt hinübergeglitten – in Morpheus´ Arme. Und heute morgen war er wieder da, der Vers (nicht der Morpheus). Ich glaube, das hat etwas zu bedeuten. Vermutlich ist es schon wieder viel zu lange her, seit wir die Toscana besuchten. Du erinnerst Dich an Montaione, ja? Was für ein Nest! Und was für ein grandioser Lebensmittelhändler, der keine zwei Eier verkaufen kann, ohne dazu eine halbe Arie aus einer Verdi-Oper zu singen!

Ich weiss, dass Du Dein Land liebst, mein Freund. Ich bewundere Dein unbeirrbares Bemühen, bella Italia in harmonischen Bildern zu schildern. Mussolini, ach den vergiss mal, lass uns doch über Macchiavelli diskutieren, der ist interessant, immer noch modern, ein Leitbild der Staatslenkung – was redest Du über den Bossi, den Idioten! Hast Du Baudolino von Umberto Eco gelesen? Na, was sagst Du dazu? Grandios, nicht wahr, und die Mafia, die Mafia … mama mia, was soll man damit? Die sind doch schon alle im Gefängnis, und der Rest bringt sich selbst um – ja, Berlusconi, da hast Du recht. Unschön zwar, aber der beseitigt sich selbst, Du wirst sehen! Wann kommst Du wieder nach Florenz?

Mauro, Mauro! Du Meister der Ausflüchte und der Simplifizierung, natürlich werde ich wieder mal in die Toskana reisen, und diesmal alle Orte auslassen, die mein Reiseführer anpreist, oder ich werde San Gimignano zu später Stunde besuchen, wenn alle anderen Touristen müde in ihren Bussen Richtung Hotel in San Irgendwo abgedüst sind.
Ich möchte dort mit Dir einen Sassicaia trinken, wenn er dekantiert serviert wird, oder an dem alten Travertin-Brunnen sitzend eine riesige Portion Gelato aus der Hand des Meisters von gegenüber geniessen, und schliesslich bei Einbruch der Dämmerung einen der Türme besteigen und die Landschaft in einem Rausch von Pastellfarben eintauchen zu sehen, darauf zu warten, wie die untergegangene Sonne neue Stimmungsbilder gestaltet – und dass der Abend schliesslich das Licht ausknipst. Das bringts.
Cu, nächstes Jahr, aber nicht in Jerusalem, eher in Firenze!
Cari saluti!
Roland

„Keine anderer Ort öffnet Dir sein Herz so wie die Stadt Siena!“

So eine Inschrift an der Porta di Camollia, einem Tor zur Altsatdt von Siena.

Und keine andere Kirche hat mich je so willkommen geheissen wie der Dom von Siena, dessen Baumeister mit den Farben des Marmor verschwenderisch, und doch in vollendeter Harmonie ein Wunder errichtet haben – man kann sagen ein doppeltes Wunder, denn diese Kirche ist nicht nur einmalig, schön im eigentlichen Sinne, nein, sie fasziniert auf eine nie erlebte Weise, hält den Besucher gefangen, indem sie ihm das Gefühl vermittelt, hier zu Hause zu sein. So jedenfalls habe ich den Dom von Siena erlebt.
Eigentlich unfassbar – für einen Atheisten. Man soll eben nie nie sagen.

Kalter Krieg im Büro

Super!milch

das Fütterprogramm für die glückliche Kuh !
Die Version 3.1 ist da! Jetzt updaten für nur 39,95 Euro!
Downloads unter http://www.Supermilch.com

Ha, ha! Scheiss-Internet! Offensichtlich kann dort jeder überall seinen Dreck abladen. Gestern solltest Du noch online Roulette spielen, und heute eine Kuh kaufen. Wie gut, dass Du beim Fernsehn gelernt hast, Werbung wegzuzappen. Also wirst Du das auch am PC hinkriegen. Musst Dich halt erst an den Gedanken gewöhnen, dass nach Briefkasten, Tageszeitung, und TV nun auch Dein Computer mit Werbung versorgt wird. Es mag tröstlich erscheinen, dass irgendwo ein Software-Bastler sitzt und an einem Programm schreibt, das den Werbemüll zuverlässig herausfiltert, bevor er Dich ärgern kann.
Nun bin ich wieder bei Dir, Computermuffel! Das alles bleibt Dir erspart, nicht wahr? Das hat auch was, muss ich schon zugestehen. Klug, es dabei zu belassen.


Weißt Du, es gibt nach meiner Beobachtung drei Hauptgruppen von Computerbenutzern.

Die erste bilden jene Leute, die den Kram beruflich benutzen müssen. Dazu habe ich auch einmal gehört. Man schleppt so einen Tragbaren im Aktenkoffer mit sich herum, und wenn etwas nicht funktioniert, hat man seine Experten für die Reparatur. Wir alle sind für die Gruppe 3 vorkonditioniert, kämen aber normalerweise nicht auf die Idee, neben dem beruflich genutzten auch noch einen privaten PC zu verwenden.

Gruppe 2 rekrutiert sich aus Menschen, deren Begeisterung für die Kabelkisten keine Grenzen kennt. Sie sind stets mit dem neuesten Equipment ausgestattet, kaufen jährlich neu das grösste, schnellste, schönste Zeug, das der Markt im Verein mit 24 führenden Computermagazinen anpreist. Es sind die Seligen unter den PC-Benutzern, sie fahren quasi einen Neuwagen mit 12 Monaten Garantie, danach wird alles verkloppt und neu gekauft. Null Probleme.

Anders Gruppe 3. Dort sitzen die Knauserer. Ich rechne mich mit Stolz dazu. Man steigt aus dem Berufsleben aus, und gibt seinen Laptop an die Firma zurück. Nach zwei Wochen kommt Panik auf. Die Aussicht, das weitere Leben ohne PC bestreiten zu müssen, wird unerträglich. Kein Rechenprogramm, keine Textverarbeitung, etwa die alte Reiseschreib-maschine vom Dachboden holen, sich dreimal pro Zeile vertippen, TippEx … nichts da. Ein Computer muss her! Nur ein ganz kleiner! Braucht ja nicht viel zu kosten. Nur für den Schriftwechsel.

Ja, denkste. Im Laufe der Zeit wird die Software anspruchsvoller, braucht immer mehr Platz, nur die Hardware wächst nicht mit. Man beginnt aufzuräumen, macht mit Glück nur wenig Schaden, und bewegt sich fortan am Abgrund der Datenverarbeitung; ein Fehltritt, und man stürzt ab – vielmehr das System. Und das genau ist meine Situation. Viel zu oft liegt mein Mini auf der Intensivstation, muss gepflegt werden, damit er am Leben bleibt, und allzu oft beklage ich das bei Leuten, denen nichts weiter einfällt, als: Nun kauf Dir endlich einen ordentlichen Rechner! Tu doch nicht so, als wärst Du der Ärmste von uns allen, oder soll ich für Dich sammeln gehen? Schliesslich gibt man sich einen Ruck und baut die geschenkten Speicherchips ein, verdreifacht den Arbeitsspeicher, was zur Folge hat, dass WINDOWS das sofort bemerkt und sich jetzt erst mal richtig breit macht, sodass für mich kaum was von dem neuen Platz übrigbleibt, und dann folgt – na was wohl?

Natürlich. Es folgt der nächste Absturz. Ich habe sofort mit einem Tritt quittiert. Das Geschepper unter dem Tisch hat mir richtig gut getan, und meine Kiste weiss nun, mit wem sie sich einlässt. Noch so´n Ding, und ich kühle sie mit einem Eimer Wasser ab. Ich hatte ja schon ausgeführt, dass ich ein cholerisches Temperament besitze – ich kann es auch ausleben!


Gewiss, das alles ist ein wenig übertrieben geschildert, nicht wahr? Allzu ernst nehme ich die Computerei gewiss nicht. Das hat gleich zwei Gründe. Zum einen brauche ich den Krempel nicht mehr zum Zwecke des Broterwerbs, zum anderen habe ich gelernt, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Die Erkrankungen eines Hobby-Computers sind Peanuts. Allerhöchstens ärgerlich, und immer mit einem 500-Gramm-Hammer zu beheben.
Allerdings – manchmal ängstigt die vage Vorstellung, es könnte in mir ein Mörder schlummern, der sein Schätzchen kaltblütig in eine laufende Schrottpresse werfen würde …..

Menschen in ihrer Hölle

Man sollte meinen, die folgende Story hätte längst einen guten Abschluss gefunden, müsste aufgearbeitet und ad acta gelegt sein, aber nein. Eine höhere Instanz hat anders entschieden. Der Zeitpunkt für den Schlusstrich wird anderweitig bestimmt. Das Erleben von Menschen in grosser Not beeindruckt sehr nachhaltig.

Man hatte mir ein Urteil verkündet, daraus folgend war die „Umbettung“ aus einer Privatklinik in ein Hamburgisches Krankenhaus entschieden worden. Die befristete Aufbewahrung im Fachbereich Onkologie, zurückhaltend „Lungenabteilung“ genannt, wurde ohne Befragung des Betroffenen eingeleitet.
Der Grund: In der Onkologie wird dauernd gestorben, da passt der Patient hin. (O-Ton 2 Ärzte)

Man stelle sich den Umzug aus einem Hotel der INTERCONTI-Klasse in einen Knast der Santa-Fu-Klasse vor. So jedenfalls habe ich den Klinikwechsel wahrgenommen. Dieser Abstieg in eine kleine Hölle hatte 24 Stunden ungläubiges Schweigen zur Folge. Erst dann war der Schock überstanden, Galgenhumor gewann schliesslich wieder die Oberhand. Neugierde breitete sich aus wie eine Seuche; immerhin war zu klären, wo verdammt noch mal ich angespült worden bin. Die Inventur dauerte einige Tage an. Die Resultate waren beeindruckend.

Ich setze hilfsweise ein Modell an, wenn Sie wollen, nennen Sie es ein Bild: Ich war zu drei Wochen in der Lungen- Abteilung verurteilt. Fragte man mich heute, wo ich hin möchte, dann sagte ich: Drei Wochen Knast sind besser!

Dort sind die Flure sauber und aufgeräumt. In der Klinik dagegen sind die Flure sauber – und Lagerplatz für allerlei Mobiliar, medizinische Gerätschaften sowie volle und leere Kartons; in dieser bizarren Szenerie bewegen sich behende die Weissgewandeten, und träge die Bunten – deren Pyjamas, Jogginganzüge und Bademäntel bringen immerhin Farbe in die Düsternis. Man versteht zunächst nicht, was Farbe an diesem tristen Ort zu suchen hat.

Im Knast hat man sein eigenes Klo in der Zelle. In der Klinik liegt die Gemeinschaftstoilette am Flurende, mit zwei Kabinen, für ca. 35 Patienten, und diese sind stets in einem unbeschreiblichen Zustand.

Immerhin gibt es einen Aufenthaltsraum, sogar mit TV. Resopal und Sperrholz beherrschen das Zimmer, Zeitungsreste und verwelkte Blumensträusse komplet-tieren das Interieur – Benutzer fehlen meist. Man trifft sie dort zuverlässig nur am Samstagabend – der Sportschau wegen. Zu jeder anderen Zeit sitzt man hier etwa so gerne wie etwa auf einem Pappnagel.

Die Krankenzimmer halten keinem Vergleich mit einer Knastzelle stand, hat dort doch der Insasse die Möglichkeit indiviueller Ausgestaltung. Eine Zwei-Personen-Zelle ist mit zwei Personen belegt, und alles hat seine Ordnung. Nicht so in der Klinik. Ein Zwei-Personen-Zimmer ist planmässig mit drei, gelegentlich mit vier Betten ausgestattet. Kompromisse sind vonnöten; der Tisch muss raus (natürlich auf den Flur), die Stühle werden in die Ecken gestellt, die Betten längs an die Wände links und rechts gerückt, und siehe – schon passt´s. Nur mit der Optik hapert es wieder einmal, es sieht halt aus wie in einem Möbellager, in dem sich Jammergestalten unrecht- mässig breitgemacht haben. Immerhin bleibt Platz für die unsäglichen blechernen Beistellschränkchen und 30er Spinde.

Bei der Waschgelegenheit hat man den Charme der zwanziger Jahre über ein Dreiviertel-Jahrhundert in die Gegenwart hinübergerettet. Es gibt ein Waschbecken mit Vorhang, und zwei Handtuchhaken für drei bis vier Patienten.

Spätestens an diesem Punkt fragt man sich, auf welche Weise die Freie und Hansestadt Hamburg einen täglichen Pflegesatz von 486 Mark rechtfertigen würde, könnte man einen Verantwortlichen dazu befragen. Wichtig zu wissen: Der Pflegesatz entspricht dem Preis für die Vollpension in Hotels; medizinische Leistungen jeglicher Art werden gesondert, also zusätzlich abgerechnet.

Natürlich sind die Planstellen für Ärzte und Pflegekräfte zu knapp bemessen. Ein Streik im öffentlichen Dienst verschärft die Situation auf der Station, Nervosität ist ständiger Begleiter der Weisskittel. Die Behandlung der Patienten ist effizient und sachlich – und auf den Krebs gerichtet. Was sich um das Karzinom herum befindet, bleibt so lange Nebensache, bis die Chemo ihre verheerende Wirkung auf den Rest des Körpers auszuüben beginnt – man nennt das dann Nebenwirkungen.
Die seelische Not bleibt des Kranken Privatange-legenheit, ist störend und überfluessig. „Lassen Sie sich nicht so hängen! Sooo werden Sie nie gesund!“.

Das Küchenpersonal bietet, was Ärzte und Pflege-personal vermissen lassen, nämlich Warmherzigkeit und Fürsorge. So geraten die Mahlzeiten zu wirklichen Highlights des Tages.

Merkwürdigkeit:

Fraglos ist das Rauchen verboten. Aber es wird ausserhalb des Gebäudes geduldet. So vereinen sich die Karzinome mit den Tuberkulosen und den Verpilzten zu einem Tabak-Kolloquium – die Atem- masken abgelegt – und nötigen dem Neuling Staunen ab über die Kaltschnäuzigkeit, mit der die Eigentümer erkrankter Lungen ihre Organe soliden Härtetests unterziehen.

Zusammengefasst:

Das also ist das Umfeld, in dem man gesund werden, oder sterben soll. Man – das sind mehrheitlich die Lungenkrebse, die offenen Tuberkulosen und Lungenmykosen. Und das bin ich, ein Unikat. Wie selbstverständlich werde ich in die Gruppe der Krebskranken integriert, es wird meine Kranken-geschichte abgefragt, mit Aha und Achso kommentiert. Beinahe peinlich, bekennen zu müssen, dass kein Krebs vorliegt, keine OP, keine Chemo- oder Strahlentherapie ansteht. Frage: „Ja sach man! Was machst Du dann hier?“ Antwort: „Mal sehen. Vielleicht sterben, vielleicht leben.“ Man will ja auch ein bisschen prahlen ….. dann der Ruck: „Wieder auf die Füsse kommen!“
Kommentar eines Lungenkrebses: „Tja!“

Statistik: Bronchialkarzinom – Letalitaet 90 % in den ersten 5 Jahren.

Die Patienten:

Sie treffen sich auf der Krebsstation und ordnen sich in der Regel problemlos in eine Gruppe ein, die herkömmliche Schranken ignoriert, ohne andere zu entwickeln. Der Krebs verbindet – und es interessiert nicht mehr, woher man kommt, und welche Automarke man fährt. In Notgemeinschaften gelten bessere Regeln als in der Überfluss-Gesellschaft draussen – vor allem anderen ist jeder ein Mit-Leidender, der Respekt und Zuwendung verdient. Und es wird stillschweigend vorausgesetzt, dass man mitfühlt. Alte Bekannte werden zur dritten Chemo so herzlich begrüsst, dass es anrührt. Derbe Witze über den erbärmlichen Zustand des gerade Angekommenen verdecken Erschrecken und das Aufkommen von Angst. Überdies wird stets Zuversicht zur Schau getragen. Durch Versachlichung des Sterbens wird die Drohung auf Distanz gehalten. Es braucht seine Zeit, bis man den Zweck der Methode begreift: Sie lässt es immerhin zu, den Rest der Lebenszeit in Würde leben zu können.

Begegnungen, eine Auswahl:

Merkwuerdig, dass ausgerechnet Herr M. – gestraft mit Alters-Demenz – auf eindrucksvolle Weise Würde demonstrierte. Nach seiner Ankunft hatte man ihn in einen gestreiften Pyjama gesteckt. Er hat täglich Ausbruchsversuche inszeniert, indem er sich ankleidete, nicht ohne seine Krawatte mit einem korrekten Windsor-Knoten zu binden, seinen Koffer ordentlich zu packen, den Stockschirm unter den Koffergurt zu schieben, um dann mit der Erklärung, seit heute sei Krieg und er müsse nach Deutschland zurück, Richtung Taxistand beim Krankenhauspförtner zu verschwinden. Am dritten Tag war er für immer weg; er ist krebskrank in einer Psychiatrie gelandet. Man hat einem Menschen seine Würde gewaltsam genommen, ihm verweigert, sein eigenes, skurriles Leben bis zum nahen Ende weiterzuleben. Die Welt, in der er lebt(e?), ist uns fremd. Das schafft Akzeptanzprobleme. Denkwürdig: Auch bei den weissbekittelten Medizin-Robotern. Es scheint, die Medizin dient nicht dem Patienten, sondern der Patient ist für die Medizin da. Jeder Fall ist interessant, bringt die Schulmedizin voran. Nur: Von Dementen ist nichts zu holen.

Zur selben Zeit stirbt nebenan ein Türke, Herr G. Familie und Freunde versammelten sich in jener Nacht, um Herrn G. das letzte Stückchen Weges zu begleiten. Es war zu vermuten, dass er nicht mehr in der Lage war, die Anwesenheit seiner Familie wahrzunehmen. Am frühen Morgen waren Herr G. tot und seine Familie gegangen. Über den Vormittag hinweg herrschte auf dem Flur betroffenes Schweigen.

Kurz vor dem Mittagessen erschien krakeelend Herr S. Er schleppte seinen durch Metastasen gepeinigten Körper anhand zweier Gehhilfen, Krücken genannt, über den Flur zum hinteren Fenster, dem „Kommunikationszentrum“ der Abteilung. „Ich hole mir nun die 4. Chemo ab!“, verkündete er, und legte eine Zuversicht an den Tag, die in totalem Gegensatz zu seiner körperlichen Verfassung stand. Offenkundig war er ein Platzhirsch, wurde als solcher respektiert, und hatte einen Stammplatz direkt am Fenster. Ein Vieraugen-Gespräch liess erkennen, wie fragil die zur Schau getragene Fassade doch war. Herr S. hatte sein Leben „abgehakt“, er wartete auf das Ende.

Herrn A., einem Türken, verengt ein Karzinom jene Aorta, die den Kopf versorgt. Die Onkologen schienen ratlos, der Mann verlor täglich ein kleines Stückchen Leben. Der Mann war mein Bettnachbar.
Ein grosser Esser vor dem Herrn, verdrückte er seine Klinik-Ration und zusätzlich Berge von Essen, die seine Frau ihm kochte – türkische Küche natürlich. Frau A. schien gänzlich in ihrer muslimisch empfundenen Rolle als Frau gefangen zu sein. Nur einmal hat sie mir in die Augen gesehen, als sie eine Essensration brachte und ihren Mann nicht in seinem Bett vorfand. Mit Panik schaute sie mich an und fragte leise: „Wo Mann?“.

Seltsam, dass diese Szene so sehr betroffen machte. Wie auch jene, als Herrn A.´s Sohn mit seinen Kindern erschien, um seinen Papa mit Enkeln und mit Mama zu fotografieren. Zu mir gewandt bemerkte der junge Mann, es wäre schon komisch, dass er ins Krankenhaus gehen müsste , um seinen Papa zu fotografieren, anstatt die Familie zu Hause abzulichten. Ich kann sein lachendes Gesicht mit den traurigen Augen nicht vergessen …..

Herr A. berichtete zuverlässig, wer ihn gerade besucht hatte. Es schienen alle Mitglieder seiner Familie, seine Verwandten und seine Freunde und Arbeitskollegen gekommen zu sein. Gewiss nahmen sie Abschied; zuvor hatte man ein Gespräch mit den Ärzten geführt und erfahren, dass man nichts mehr tun könne.

Da war auch Herr R., ein Hamburger Rentner, der nach einer harten Chemo den Kern seines Karzinoms nicht losgeworden ist. Noch während das Ärztekollegium über eine erweiterte Chemo, einen Crossover beriet, entdeckte man auf der anderen Lungenseite eine Metastase. Seine Ehefrau sass, während er zu einer Untersuchung abkommandiert war, in meiner Nähe und weinte, fragte ausgerechnet mich, was sie nun tun sollte. Mir war danach zumute, mitzuweinen. Ich habe den Tag verflucht, an dem man mich in diese Abteilung gesteckt hatte.

Wenige Tage später traf man auf dem Flur auf einen weinenden jungen Mann, der gerade angekommen war und sich weigerte, seine Strassenkleidung abzulegen. Bei einer Routine-Untersuchung hatte man einen Krebs auf der Lunge entdeckt. Er schien nicht zu begreifen, warum er hier war, warum ihm dieses Übel widerfahren ist, und warum seine Frau noch nicht gekommen war. Tage zuvor war er zum ersten Mal Vater geworden. Meine Versuche, ihn zu trösten, ihm Mut zu machen, ihm zu erklären, blieben erfolglos.

Man beginnt, den Krebs zu hassen, wie man seinen schlimmsten Feind hasst – ein Alarmsignal: Zu geringe Distanz, so kann man die restliche Zeit nicht ohne Schaden überstehen.

Das Schicksal ist gnädig – es schickte auch Herrn S. Nummer zwo. Gediegener Hamburger, im Rentenalter, leidenschaftlicher Schlepper-Kapitän und Optimist der Spitzenklasse. „Een Lungenfleugel is rut! Nu ward das allns gaut!“ Seine OP hatte er weggesteckt wie´n Schnöf, und nun war wieder leben angesagt. Als ich ihm meine Affinität zur Schiffahrt offenbarte, hat er mir einen – wie mir schien ziemlich kompletten – Lehrgang zur Antriebstechnik für Hafenschlepper verpasst, interessant dargestellt, und vergnüglich obendrein. Wo immer er sein möge: Danke für alles, Kaptein!

Irgendwann – die Uhr dreht sich halt unaufhaltsam – war meine Zeit um. Ich wechselte in ein anderes Universum. Der ersten Freude folgte Verwunderung, dann Wiedererkennen: Oh!. Die gibt es ja auch noch, die Welt draussen. Nichts vom Sommer mitgekriegt, aber es wird sicher einen neuen geben, nächstes Jahr! Aber halt nicht für jeden ….. von uns ….. Scheisse!

Polemik:

Möchtest Du erfahren, welchen Wert ein Menschenleben hat? Dann sprich mit Todkranken über Leben, Krankheit und den Tod, höre genau zu, und achte auch auf das Ungesagte. Höre aber nie auf Leute, die ein „sozialverträgliches Ableben“ Kranker als Teil einer Reform des Gesundheitswesens empfehlen; ehrlich formuliert lautet ihre Botschaft nämlich:

Lasst sie sterben, das spart!

Asoziales Verhalten ist weniger bei den Berbern auf der Platte zu entdecken, aber man findet es weitverbreitet in den Chef-Etagen. Auch bei der Bundesärztekammer. Dort ist anscheinend der Hippokratische Eid zur Beliebigkeit degeneriert.

Alles nicht wahr? Ich bin nur ein kleiner, dummer Patient? Einer von den Nörglern, die alles wissen, schlimmer, die verstehen wollen? Korrekt, Herr Professor. Das bin ich. Gott sei Dank.

Noch ein Blick nach innen

Das Leben ist wie ….. tja, wie was? Gängiges Klischee einsetzen? Wäre Blödsinn, dann versteht keiner, was gemeint ist. Ich erzähle eh nicht, wie das Leben ist. Kenne ohnehin nur mein eigenes. Es gibt Hauptsachen, Nebensachen, Ursachen. So Sachen halt. Ich denke, also lebe ich. Das wäre eine Hauptsache. Wortspiele – Nebensache. Ich sitze auf einer Parkbank – Hauptsache. Nebenan knötet ein Hund – Ursache. Es riecht nicht gut – Nebensache.

Ich blicke. Das langt nicht hin. Ich blicke sinnig. Blöde wäre erst noch zu definieren. Ist was für die anderen. Ich kann das jetzt nicht. Keine Zeit. Bin zu sehr mir nichts beschäftigt.

Da gibt es das durchaus vergleichbare Riesenproblem der Definition für „normal“. Ja, ich weiss auch, was normal ist, und was nicht. Jeder weiss das, hat es mit der Muttermilch eingesogen. Nur Milupa-Kinder können da nicht mithalten. Schweres Leben, wenn Mama keine Milch hatte.

Empirisch betrachtet ist für Normale das Blöde unnormal, das Normale wiederum ist für Blöde unnormal, während sie das Blöde als normal bezeichnen, und Normale finden tatsächlich das Normale als normal, und das Blöde für blöd. Die Frage nach dem anormal könnte ich hier reinfriggeln, lasse ich jedoch offen wegen Handgranaten-Effekt.

Ordnungssysteme dieser Art lassen sich für jedes andere Gegensatzpaar rein subjektiver Klassifizierung durchdeklinieren, siehe Sinn und Unsinn, moralisch und amoralisch beispielsweise. Normal – anormal – paranormal – ja, ich werde den Begriff paranormal an die Stelle von blöde setzen. Das ist zwar definitiv falsch, aber es hört sich gut an, und kaum einer weiss, was paranormal wirklich meint.

Überträgt man das Prinzip ins Gegenständliche, so lässt sich der Blödsinn steigern: Definiere Kraut und Unkraut! Oder noch eins drauf: Definiere Kosten und Unkosten! Oder gar Fug und Unfug!

Jawohl, es bringt mir Freude, Sprache wie ein Gummiband zu benutzen, Verzerrungen zu produzieren, dann wieder loszulassen, zu hören, wie es patscht, wenn ernsthafte Linguisten sich erregen, den Missbrauch eines hohen Kulturguts beklagen, Unernstes mit Ernstem verwechseln und die Verballhornung durch Computer-Kauderwelsch gleichsetzen mit dem berühmten AKÜFI (tut mir leid, meint Abkürzungsfimmel), dem Durchseuchen des Deutschen mit Anglizismen, der sprachlichen Präferenz neo-linguistischer Parvenues für extraordinäre Expressionen, Himmel nein, ich meine hierbei keineswegs dieses Register am Harmonium, das für echtes Tröten sorgen soll, jedermann kennt die Registerknöpfe, oder hat wenigstens ihre Wirkung schon vernommen.

Da haben wirs. Schon wieder fällt mir Georg Kreisler ein: Gehn mer Tauben vergiften im Park! Fällt mir immer ein, wenn ich auf einer Parkbank herumsitze und nicht weiss, was ich mir hier ansehen soll. Habe schon alles gesehen und vieles ausprobiert. Da wäre beispielsweise der Panorama-Blick. Verständlich ausgedrückt: Breitwand, alles rein ins Bild. Zwei kurze Blicke, einen halblinks, einen halbrechts, beide sinnvoll zu einem Ganzen zusammengefügt, dies und ein durchschnittliches Kurzzeitgedächtnis genügen für diese Sicht in CineMaxx-Format. Dann die Prüfung des Erfassten. Kontrollblicke. Alles drin? Gibt’s schon wieder Veränderungen? Sind solche von Bedeutung? Will ich überhaupt dran herumbasteln? Alles fertig? Dann:

Ist es schön? Ist´s interessant? Romantisch? Englisch, oder wenigstens katholisch? Natürlich ist es nichts davon, es ist eigentlich nur ….. wie immer.

Ich habe drei weitere Wochen benötigt, um eine neue Idee zu entwickeln. Habe sie ausprobiert, im Spot-Format geguckt. Ein Hund auf dem Weg. Nicht mehr. Computerwissen angewandt; markieren, ausschneiden, Zwischenablage, löschen. Ein Viertel Ententeich, mal mit, mal ohne Ente. Mal alter Mann mit Taube, dann Taube ohne alten Mann, dem geht es hoffentlich gut, sah krank aus – sofort bemerke ich die Entgleisung, ein unzulässiger Gedanke, ist ein Kontext zum Taubenbild, nichts, was ich sehen könnte, Gedachtes wird aus dem Tagesprotokoll gestrichen, nur Gegucktes ist relevant.

Neuer Spot: Ein Jogger joggt, was sonst auch. Sabber rinnt ihm über das Kinn, immerhin eine zwar unappetitliche, aber eine neue Variante eines alten Themas, des Sports nämlich. No sports. Aber nicht jeder ist Sir Winston´s Meinung. Der da auch nicht. Hat eine sehr effiziente Methode des Abnehmens entwickelt, verbraucht Kalorien beim Rennen und Flüssigkeit beim Schwitzen und Sabbern. Muss er sich bei den Bordeaux-Doggen abgeschaut haben. To jog – mühsam gehen, zuckeln, trotten – stimmt!

Schon wieder im Kontext. Es geht wohl doch nicht ohne. Nur Computer halten Disziplin. Sind zu paranormal für Individualität. Ein Vorteil, und ein Nachteil zugleich.

Irgendwann fasse ich zusammen. Ohne Spot hätte ich den Sabber beim Jogger nie bemerkt – ein Gewinn. Aber was soll ich mit einer Ente? Mit jener alten Dame, die nicht wie meine Grossmutter aussieht? Mit der Cola-Dose mitten auf dem Weg? Alles paranormal! In diesem Moment stosse ich auf ein sprachliches Dilemma, weil paranormal sein soll, was nicht auf natürliche Weise erklärt werden kann. Es keimt der Verdacht, dass ich mit mir selbst Unfug treibe. Linke gegen rechte Gehirnhälfte, oder was?

Ich konzentriere mich auf diese völlig normale Cola-Dose. Siehe da, es steht Holsten Pils drauf. Registriere Trainingsbedarf für den Spot. Ist wohl wie beim Spagat, oder beim Spaghetti-Essen. Training ist alles. Spargel mag ich nicht. Man riecht hinterher nach tibetanischer Bergziege. Tibet, das wäre was. Muss mal wieder Lamm mit Reisnudeln beim Griechen essen, wenns schon nicht Tibetisch sein kann. Und auf Tee mit Yakbutter kann ich ohnehin verzichten. Schmeckt wahrscheinlich so, wie Spargelpipi riecht.

So sitze ich auf dieser Parkbank und versinke in sprachlichen Übungen, gedanklichen Entgleisungen, lasse mich von Assoziationen verführen, komme mir zwischendurch auch mal kindisch vor, weiss am Ende nicht mehr, ob ich mich im Englischen Garten in München, oder auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg aufhalte. Eine eigentümliche Situation. Man stelle sich vor, man sitzt auf dem Ohlsdorfer Friedhof und kriegt einen grossen Durst auf eine Mass Bier! Da bleibt doch nur der Wasserhahn, wo sonst Witwen ihre Giesskännchen füllen, nicht wahr? Schauderhaft! Und andersrum gedacht: Münchner Witwen gehen mit Giesskannen zum Biergarten, um – nein, das geht zu weit, obschon „eine Kanne Bier“ sicher mal ein gängiges Wirtshaus-Mass gewesen sein mag, als man das Bier noch Met nannte und bevor der Honig durch Hopfen und Malz ersetzt wurde.

Ich sitze noch immer auf der Parkbank. Ein Blick zur Uhr hat mir gesagt, ich müsse eine weitere Stunde aushalten, bis zu Hause die Pellkartoffeln gar sind. Mag Pellkartoffeln. In solcher Stimmung macht mir ein Passant mit Vollglatze einen rechten Appetit. Gross, rund, glatt und gelb. Mehlig? Um Himmels willen, ich kenne den Mann doch gar nicht! Ich versuche anschliessend herauszufinden, wie ein Schnittlauchquark vorbeidefiliert. Vielleicht eine Lady mit weissem Sommerhut, welcher mit Grün drapiert wäre. Hackte man das Grün und streut es es über den Deckel, käme es hin …. schmeckte wahrscheinlich wie unsere Kokosmatte vor der Haustür, aber optisch ginge es an.

Andererseits: Er kann ja nichts dafür, dass in seinem kleinen Kopf ein grosses Hirn keinen Platz findet. Umgekehrt ist es möglich, und darum vielfache Realität. Der Mensch ist eben doch die Krone der Schöpfung, und nicht der Schwan.

Der Jogger kommt zurück. Ich habe noch fünfundzwanzig Minuten bis zu den Pellkartoffeln. Dieser Mensch dort hat nun einen grossen nassen Fleck auf der Brust. Dunkelbeige auf hellbeige. Er muss seine Sabberproduktion gesteigert haben, während er sein Tempo reduzierte. Wo zum Teufel hat er nachgefüllt? Im Englischen Garten in München hätte es Bier sein können, auf dem Ohlsdorfer Friedhof Wasser aus dem Hahn, womöglich sogar aus irgendeinem appetitlichen Giesskännchen einer trauernden Witwe. Jogger eilen, und Witwen weilen, nicht wahr? Jogger sabbern und Witwen labern – wir stanzen uns zwei neue Klischees!
Was für ein Quatsch.

Immer noch 10 Minuten, und ich beginne zu speicheln! Wie man weiss, lassen Jogger einfach laufen. Die dürfen das. Jedermann weiss, dass Hunde über die Zunge schwitzen. Zählt man hilfsweise die Jogger zu dieser Lebensform, macht alles Sinn. Nur die Kleidung scheint dann unzweckmässig, wegen ….. gut, jetzt nicht schlüpfrig werden, vergessen wir den Gedanken, bloss nicht weiterspinnen, obwohl etwas drinsteckt, kunstvoll ausformuliert werden könnte, so ganz im Sinne der Neuen Deutschen Comedy à la Mittermaier, nein, um Himmels Willen, der Michi, nicht die Rosi! Die hat ganz anders gewedelt, nicht wahr? Das ist schon Jahre her.

Fünf Minuten. Jetzt mache ich mich auf den Weg nach Hause. Wenn ich vorne am Kiosk noch ein Bierchen trinke, bin ich zur rechten Zeit am Kartoffeltopf. Nur dass Madame das dann bemerkt und ihre 2-Minuten-Gift-Nummer gibt. Dabei wirkt Bierfahne wie Pfefferminzfahne gleichermassen auslösend, hat somit dieselbe Wirkung. Bist wieder nicht an Edi vorbeigekommen, die ewige Biersauferei, guck Dir Deine Wampe an – die allseits und international beliebte Zwei-Minuten-Bürsten-Massage für den Herrn. Mit einem eiskalten Wasserguss kombiniert härtet das ab. Ist somit gesund. Ohne Wasserguss härtet es auch ab, ist dann aber ungesund.

Ich habe mir den Spass gegönnt, Pefferminz zu lutschen, ohne vorher Bier getrunken zu haben. Das setzt meine Frau direkt ins Unrecht. So habe ich sie ausgetrickst. Sie lässt sich beim Giften zwar nicht aufhalten, aber ich fühle mich dabei richtig überlegen. Und die Pellkartoffeln schmecken doppelt gut. Diese Taktik ist übrigens ein Beweis für den Sieg der Intelligenz über die Emotion. Der Nachteil: Ich habe kein Bierchen gehabt. Jedes Ding hat eben zwei Seiten, und nichts gibt’s umsonst.

Pellkartoffeln mit Schnittlauchquark. Gewiss, dies ist eine eher schlichte Kost. Warum ist Schlichtes schlecht? Nehmen wir den Quark. Die Chinesen sagen, Käse sei schlecht gewordene Milch. Und das ist wahr, das ist Quark nun mal. Und was ist nun an Quark schlecht? Schlechtes muss nicht schlecht sein. Und Wahres muss nicht wahr sein, wenn Käse nichts Schlechtes ist. In beiden Fällen kommt´s auf den Kontext an, auf den wir so wenig Zeit und Mühe verwenden. Dabei kann der Mensch denken, wie die Fliege guckt, nämlich in Facetten. Will er aber nicht. Lieber irren. Selektiv zuhören. Wahrgenommenes verdrängen. Klischee statt Wahrnehmung verwenden. Wäre der Mensch flüssig, dann würde ein auf ihn geworfener Stein Ringe erzeugen, die nicht auseinander streben, sondern ins Zentrum – umgekehrte Richtung einschlagend, um sich über dem Stein zu vereinigen – mitten im Ego!

Käse! Nun bin ich glatt fünf Minuten zu spät dran, und sitze immer noch auf dieser Parkbank. Unbequem, das Ding. Holz auf Beton, aber nicht ergonomisch. Wurde wahrscheinlich in den USA für Vietnam gebaut und vom CIA getestet, als die Amis dort noch Krieg führten. Der Konstrukteur hatte anscheinend die Vision von Vietkong mit Wirbelsäulenschäden jeglicher Art. Die Amis bringen auch das noch. Sind ganz liebe Bushbabies.

Ich komme einfach nicht hoch. Sässe ich im Englischen Garten, dann würde mich Harndrang von der Bank vertreiben. Spaten-Bräu wirkt so. Beim Zustand meiner Prostata wäre ich schon im Gebüsch verschwunden. Nichts dergleichen geschieht.

Fünfzehn Minuten plus. Nun kann ich auch im noch Sturmschritt marschieren. Erst mal hoch. So. Ich stehe schon mal. Und nun wieder hinsetzen. Jesus! Die alten Knochen! Jetzt wieder hoch. Los. Jetzt. Hopp! Hoffentlich sieht niemand her, ich mache da wohl keine gute Figur. Heiligs Blechle!

Ja, hat funktioniert, ich stehe wieder, mache das Kreuz gerade. Ich konzentriere mich auf den ersten Schritt. Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Es geht doch. Erst ein Blick auf den Schwan und seine Weiber, faules Vieh, dümpelt auf dem Teich, ohne eine Schwimmhaut zu bemühen, gründeln ihren Schnittlauch, müssen nicht mal aufs Klo rennen, wenn sie sich überfressen haben, was sie eh nicht können, weil die Natur dafür sorgt, dass sie nur so viel fressen, wie sie brauchen, und warum tut sie das nicht bei mir, die alte Mutter Natur? – aber ich gehe plötzlich. Halte wieder an, werfe ein Pfefferminz-Bonbon ein und gehe weiter. Erst gemessenen Schrittes, wie man so sagt, dann das Tempo langsam steigernd, dabei den ersten Schwung mitnehmend. Ordne an: Heute kein Bierchen bei Edi. Ich bin auf dem Wege.

Eigenlob – Ein persönliches Drama

Es folgt böse Polemik. Meine Springerstiefel habe ich schon angezogen. Ich lasse mir jetzt nur noch eine Glatze scheren, dann lege ich los:

So. Jetzt habe ich den Rüssel voll. Hier stehe ich, und dort steht der Polit-Profi.
Dieser PP kriegt ein sattes Honorar, und ich eine dürftige Rente.
Da sitzt ein Andreas Scheuer, der in einem einzigen Projekt eine halbe Milliarde versenkt hat, unbehelligt in einem Ministersessel. Und ich kaufe mir eine Kiste Wein und sorge mich wegen der lumpigen 120 0iro, und sitze auf einem Küchenstuhl (Übertreibung).
Was, verflucht, unterscheidet mich von Scheuer, Scholz und Seehofer? Sind die was Besseres? Oder nur was anderes?

Ich formuliere mal extra extrem drastisch:

Wenns hoch kommt, haben sie, die Politniks mal während des Studiums gejobt und danach ein oder zwei Jährchen in der Wirtschaft gearbeitet. Dann sind sie in die Politik gewechselt. Dort kriegten sie einen Assi-Job und durften den Kaffee herbeischaffen. Das haben sie gut gemacht, durften bleiben, und sind – was die Arbeitsmoral betrifft – auf dem Kaffeeholer-Niveau stehen geblieben. Dazu gelernt haben sie, wie man redet, lügt, betrügt, wie man Ausreden findet und so weiter. Wenn sie dann reif sind, können sie irgendwo als Minister unterkommen.

Und ich? Ich habe gelernt, Arbeitsaufträge meines Arbeitgebers zu sauber erledigen und dafür entlohnt zu werden.

Beim Politiker ist die Prozedur absolut gleich, mit folgenden Änderungen. Er arbeitet nicht für seinen Arbeitgeber, die Bürger, sondern für Wirtschaftsbosse, und dies in einem vertragslosen Verhältnis. Für seine Arbeit wird er doppelt entlohnt, nämlich von den Bürgern, und von der Wirtschaft, und letztere entlohnt üblicherweise mit Geld oder Sachleistungen von geldwertem Vorteil, wie 1 Woche nach Rio in einen Edelpuff und ähnliches.

So nachgedacht macht der Politnik alles richtig – und ich bin ein Depp, der bereits 1962 aus der Politik wieder ausgestiegen ist, weil er von dem Erlebten angewidert war.
Heute würde man wohl sagen: Der Typ hatte keinen Arsch in der Hose! Also ab mit ihm zum Fabrikhof-Fegen bei VW!

Oh, wat deit mi dat Krüz so weih!

Ob es hilft, wenn ich mich hier mal so richtig gehen lasse und vor mich hin weine?
Weil mir der Biss abhanden gekommen ist, den man zum Überleben in einem feindseligen Körper braucht? Keine Ahnung. Aber Versuch macht kluch, sagt man. Schluchz!

Was war?

Mein Körper, dieser ….. dieser krüppelige Balg liess mich heute früh im Stich! Ich wollte aus meiner Schlafmulde hochkommen, und es haut mir die Beine so was von weg, wie ich es nicht kannte. Widrige Umstände verlangten einen dringenden Besuch im Bad, und ich kam nicht auf die Füsse, vielmehr ich kam auf die Füsse und konnte noch gehen – aber nicht wie ein Mensch. Gut. Es gab keine Zuschauer, das milderte die unerfreuliche Situation ein wenig. Allerdings habe ich mich selbst gesehen. Das reicht bei weitem für 12 Stunden miese Laune. Dazu kommen dann noch die Hammer-Kreuzschmerzen.Ein solcher Zustand ist nicht „Flasche leer“, sondern „Pulle voll“.

Ansage: Stell Dich nicht so an! Schluck ein Schmerzmittel! Hast Du Voltaren?

Erstens schlucke ich so etwas nicht. Ich habe schon etliche Male einen Hexenschuss einfach ausgesessen. Und zweitens schlucke ich dieses Teufelszeug, dieses Diclofenac, wenns zu hart kommt, wie heute. Ich bin also in meine medizinische Abteilung gekrochen, und fand zwei Pillen, korrekt 50 mg, vermutlich aus dam Jahr 1976, aber ohne Schimmel drauf, weil unversehrt verblistert.

Nun gibt es drei Möglichkeiten des Fortschritts. Entweder die Pillen wirken noch. Dann ist alles schön. Oder sie wirken nicht mehr. Dann habe ich zwei Placebos geschluckt. Oder aber sie wirken und verursachen Herzrhythmus-Störungen. Dann lande ich in einer Klinik, denn ich stehe im Hausarrest unter strenger Kontrolle, und meine Tochter ist in solchen Situationen skrupel- und kompromisslos.

Sollte des Diclofenac-Rest nicht wirken, so werfe ich eine Paracodin hinterher. Codein dämpft des Schmerz, macht allerdings dösig und süchtig. Bei mir: Nach Riesling.

Jou. Wie sagt man hier so zutreffend? „Hart ist das Leben an der Küste!“

Nachtrag:

Die fossilen Diclofenac-Pillen wirken tatsächlich noch. Ich bin wieder Mensch. Frage:
Wie lange? Zwei Wochen, oder zwei Stunden?

Befremdlich? Nein – heimisch!

Mag sein, ich war 6 oder 7 Jahre alt, als ich meine Sympathie für Spinnen entwickelte.
Diese Zuneigung ging einher mit einem dringenden Verlangen, zu töten.

Vielleicht denkst Du nun, der Junge hatte sicherlich nicht alle Tassen im Schrank. Vielleicht hast Du mit dieser Vermutung sogar recht. Da ich Betroffener bin, steht mir kein Urteil zu. Vielleicht habe ich diese Macke heute noch. Und vielleicht haben alle Menschen irgendwelche grösseren oder kleinere Dachschäden dieser Art. Was weiss ich!

Um voran zu kommen: Ich habe endlos und mit Vergnügen Tiere getötet, und an meine Spinnen verfüttert. Hühner? Mitnichten. Nein, ich habe Fliegen gejagt und per Pinzette an die grossen Spinnen weitergereicht. Das ging einfach zu machen. Man hängt de Fliege ins Spinnennetz, und die Spinne holt sich den Kadaver. Geredet wird da nicht.

Ich war stolz. Meine Spinnen hausten in den Fugen einer grossen Sandsteinmauer, und sie gediehen prächtig. Mein Vater war in russischer Kriegsgefangenschaft, und meine Mutter gruselte sich vor meinen Schätzchen. Also waren die Tiere vor meinem Vater sicher, von meiner Mutter gefürchtet, und von mir hoch geschätzt.

An meinem Standpunkt hat sich bis zur Stunde nichts geändert. Ich meine, man sollte alle Geschöpfe, alles Lebende in unserer Welt achten, und manche darf man auch bewundern oder gar lieben, wie ich etwa meine Spinnen. Als ich im Schwarzwald zwischen zwei Bäumen ein perfekt im Sechseck gewebten Spinnennetz von knapp 120 cm Durchmesser fand, war ich hin und weg. Als Marie auftauchte, ein wirklich fettes Luder, sich für 10 Minuten vor den Fernseher setzte und dann wieder verschwand, war ich noch verwundert. Aber Marie kam stets zur selben Zeit 2 Wochen lang zum Fernsehn. Dazu ist mir nichts mehr eingefallen. Oder nimm einen jungen Weberknecht; Körper so gross wie ein Viertel Stecknadelkopf, also kaum wahrnehmbar, und überlange Stelzen dran, so um die 15 mm – und dieses Wesen lebt, kommt angedackelt durch mein Bürofenster, schaut sich meinen Schreibtisch an, und geht wieder. Die Vorstellung, dass es Menschen gibt, die ein solches Geschöpf einfach zerdrücken, macht mich fassungslos.

Es trifft mich übrigens gleichermassen, wenn man einen 200 Jahre alten Baum umlegt, weil ein rammdösiger Autofahrer geistig benebelt dagegen gefahren ist. Es gilt: Der Baum ist die Gefahr, nicht der Autofahrer!

„Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere.“


So redete schon Arthur Schopenhauer,
ein deutscher Philosoph (1788 bis 1860).
Der wusste, warum.

Büroschlaf – immer gesund?

„Flasche leer!“, wie Trappatoni sagte. Heute bin ich gemeint. Und es ist kein Fussballtrainer, der das feststellt, sondern das bin ich selbst.
Es ist 10:45 Uhr, und ich bin schon wieder müde. Wohlgemerkt: Ich habe nichts gearbeitet. Ich bin nur da, sitze herum, trinke dies und das, schaue den Katzen zu und Peng! Bin dann mal weg. Schmerzfrei und total unkontrolliert schlafe ich ein. Es ist völlig unmöglich, mit einer solchen Schlafsucht noch Auto zu fahren. Tut mir nicht weh; ich mag Auto eh nicht. Auch nicht meins.

Aber ich liefere im Zustand dieser Tran-Dösigkeit auch komische Szenen. Sagen wir mal, ich sitze an meinem Schreibtisch, habe beide Hande auf der Tastatur, und eine Kurzschlaf-Periode kündigt sich an. Das tut sie, indem sie mich in eine völlig andere Szenerie versetzt. Ich hatte einen Nudelauflauf vor mir stehen und eine Gabel in der Hand. Ich nahm eine Gabel mit Nudeln, bewegte diese Last in Richtung meiner Futterklappe, öffnete diese – und erwachte. Mein Mund stand noch offen, wegen der Beladung mit Auflauf, und meine rechte Hand hielt immer noch eine Gabel, eine imaginäre.
Erschreckend ist, dass die geträumte Szene so echt scheint, als wäre sie wirklich.

Auf diese kuriose Weise bin ich auch schon gereist. Strandspaziergang auf Sylt. Kneipenbesuch in der Altstadt von Heidelberg. Ein Viertele Mosel-Riesling irgendwo.
Und immer spielt meine rechte Hand das Theater mit, indem sie z. B. ein nicht vorhandenes Weinglas festhält, bis ich erwache und bemerke, dass ich Luft festhalte.

Frage: Was stimmt mit mir nicht? Ist da eine Geisteskrankheit im Anmarsch? Was soll ich tun, wenn unverhofft meine tote Mutter auftaucht?
Aber auch: Was kann ich tun, um diese Sorte Traum zu verlängern? Wenn ich schon ein Glas Riesling in der Hand habe und zum Mund führe, dann will ich auch trinken! Und eine saftige Grillhaxe würde ich auch nicht ablehnen!

Ich verlange nun das Optimum! Dann wird das Ganze erträglich, und es bringt Ertrag!
Stell Dir doch mal vor, ich esse eine Haxe und muss nicht bezahlen, weil ich erwache, bevor die dralle Kellnerin zum Kassieren kommt! Und so zu essen macht nicht dick! Besser gehts wirklich nicht.

Kurzbesuch in München

Es ist nicht zu verhindern. Meine Erinnerungen erzwingen einen Besuch
im München. Es kann nur eine virtuelle Stippvisite werden, das ist den Umständen geschuldet, aber vielleicht befriedigt und befriedet er meine unaufgeregten, aber immerhin angeregten Sinne.

Ich stehe an einem warmen, sonnigen Frühsommertag wieder in einem Münchener Hochhaus am Fenster der Südseite, und schaue hinüber zu der Bergkette der Alpen. Sie scheint nahegerückt zu sein, und die Sicht ist glasklar.

Eine Stimme hinter mir erklärt:
„Das haben wir nicht jeden Tag! Es ist der Föhn. Morgen wird es regnen.“
Ich weiss, was der Mann in meinem Rücken sagen will: Wenn Du einen Stadtbummel machen willst, dann heute nachmittag. Morgen ist es zu spät.

Ich weiss, was ich will. Ein Stadtbummel ist nicht dabei. Das Pflichtprogramm habe ichbei anderen Besuchen absolviert. Aber was immer geht, und für mein Wohlbefinden sein muss, ist ein Besuch des Viktuakienmarkts. Dort im Biergarten sitzen, zwei oder drei Halbe trinken und einige Kleinigkeiten essen, diese Leberkäse-Semmeln, Brezn und Radi unnd ähnliches, und am Tisch so sieben deftige Münchner, die streitsüchtig verbal auf jeden Preussen einprügeln wollen in der Erwartung, dass man gegen sie mit gleicher Waffe kämpft und es keinen Gewinner gibt – das ist ein kleines Stück urbanes Leben, wie ich es mag. Das ist Harmonie auf Bayrisch.

Ja, das ist ein wenig schön gefärbt geschildert – so läuft das mit Erinnerungen. Aber es ist auch wahr. Ich war dabei.

Ach ja. Am nächsten Tag hat es geschüttet wie aus Kübeln. Es ist der Föhn!

Kritik – muss man wegstecken

ich – in einer Kreativ-Phase – alle bitte wegbleiben !

Die Regel verfolgt mich bis in die Steinzeit. Man hat mir eingetrichtert, man dürfe nichts Geschriebenes mit dem „Ich“ beginnen. Wie man unschwer erkennen kann: ….. habe es heute wieder geschafft.
Ausserdem behaupten Psychologen, es fehle an emotionaler Intelligenz, wenn das Ich-Wort häufig benutzt wird. Muss man dieses anrüchige Wort vermeiden, wenn man als schlau wahrgenommen werden will?
Und was soll verwerflich daran sein, wenn ich mich selbst auf den Arm nehme? Ist die Verwendung von mich und mir, von mein und Ichthyosaurus unanständig? Und, bitte sehr, was ist mit dem Wir?
Gut. Ich komme den Knigge-Jüngern ein Stück entgegen und nenne die schwimmende Bestie Thyosaurus, gehe aber kein Stück weiter in diesem sprachlichen Kastrationsprozess.
Abgehakt.

Meine Tochter ist eine hervorragende Analytikerin. Sie gab mir gestern den Rat, in meinem Blog mehr über mich zu schreiben, und weniger über Themen wie „Zeit“ zu faseln. Und viele meiner Haikus wären Scheiss. Zu den Haikus sage ich, sie sind Scheiss, aber als Jokes geschrieben, also mit Anspruch auf eine Spur Humor! Und das ist ein Hammer! Versuche mal, mit 17 Silben lustig zu werden! Das ist technisch kaum machbar, und jeder Versuch verführt dazu, sich über den Deppen lustig zu machen, der den Quatsch geschrieben hat. Meine Tochter meint, ich sei ein fauler, alter Sack und intellektuell inkontinent, ich würde jeden Scheiss raushauen. (So isses tatsächlich.) Soviel dazu.

Ja, das Thema Zeit und Verwandtes – es gilt auch hier das soeben Festgestellte. Über Leben, Zeit und ähnlich Unbestimmtes kann man sich ausbreiten wie eine Wassersuppe auf der Tischplatte. Und ich denke nicht daran, solchen Stoff zu ignorieren, bin nicht eitel und anspruchslos. Bin wie gesagt faul. Darum habe ich für meinen Schrieb kein Konzept, sondern nehme, was mir gerade in die Finger kommt. Das Resultat ist in jeder Beziehung ein verbaler Trödelmarkt. Soll ich nun etwas über die Verwendung von Trichlorethylen in der Metallindustrie schreiben? Ich kann es. Ich kann es aber auch lassen.

Meine Tochter meinte allerdings, es käme besser, wenn ich mehr über mich schreibe. Ich dachte, ich kriege einen Blutsturz. Das ist ja mal eine blöde Idee.Heute früh stand ich in meinem Schlafraum vor einem Riesenspiegel, so ein Ding für die Ganzkörper-Wiedergabe, schaute mich an und sagte zu mir respektive zu ihm: Ich soll mehr über Dich schreiben! Guck Dich doch mal an, Du Sackgesicht! Red mit mir! Was hast Du zu bieten? Und ich zu ihm: „Halt die Fresse, Du Witzfigur!“

Ok, das ist nicht dramatisch. So rede ich, aber nur mit meinem Spiegelbild. Da ist nichts im Busch. Guit. Ich könnte meine beispiellose Krankengeschichte aufrollen und mit Hilfe des Handworterbuchs für Mediziner, den berühmten „Pschyrembel“ weitere 2.000 Beiträge posten, bis dann ein Leser fordert: „Macht ihn doch endlich tot!“ Hier vermisse ich jetzt doch den Humor!
Sonst ist da nichts. Vielleicht noch 81 Jahre Leben, gepaart mit einem phänomenal schlechten Gedächtnis. Zu Exhibitionismus neige ich eh nicht – obwohl ….. Skimaske auf und Hose runter – ich habe es noch nicht versucht. Vielleicht kann ich ja mitlachen!

About me

im Flughafen Hamburg

Es ist Montag.
Wäre heute Freitag – es würde sich nicht anders anfühlen.
Isch bin schlapp wie e Batschkapp – so der Pfälzer.
In Hamburg würde man vielleicht sagen: Ich häng über’n Zaun wie’n Fusslappen.
Ob nun Lappen oder Kappe – ich bin einfach müde. Die Uhr zeigt 11:22, es ist kurz vor Mittag. Drei Kübel heissen, schwarzen Kaffee bleiben ohne Wirkung.
Ich sollte meine Pasta mit einem Löffel essen: Auf ‚m T-Shirt habe ich einen grossen Fettfleck. Diesmal also keine Tomate. Ich liebe Abwechslung.
Den Fleck hat ein Strassburger Nudelauflauf gemacht. Das ist ein Auflauf der ordinären Art, mit Hack, ein wenig Tomatenmark, viel Thymian und – besonders wichtig – scharf gemacht mit Cayennepfeffer. Gouda obendrauf ist Pflicht. Beim Naschen war auf der zweiten Gabel die vierte Nudel zu viel; sie stürzte ab und blutete auf meinem Hemd aus.
Peinlich. Manchmal bemerke ich so etwas erst, wenn ich im Badezimmer irgendwo Platz genommen habe und singe: „Nun danket alle Gott ….. „

Ich stelle fest, ich werde nun doch sehr privat, rufe mich zur Ordnung. Da wäre noch der Schneebericht für Hamburg und das Alte Land fällig: Null Schnee. Für uns hat es wieder einmal nicht gereicht. Die Quotenregelung zur Verteilung der Schneemassen in der Bundesrepublik muss dringend überprüft werden. Man sollte McKinsey damit beauftragen. Für deutsche Beamte in den Berliner Ministerien ist die Aufgabe zu komplex.
Ich rufe mich erneut zur Ordnung. Meine Batschkapp ist keine Hassmütze.

Gestern kriegte ich von meiner Tochte einen Verweis. Der lautete kurz und knapp: „Papa, Du trinkst zu viel!“ Ich hatte gerade eine Flasche Gerolsteiner Sprudel in der Hand. Teufel, denke ich, ich saufe doch nicht wie eine Kuh! Wenn ich Wasser in mich hineingiesse, dann moderat, und nicht wie ein Diabetiker! Aber es dämmerte, und ich fragte nach: „Alkohol?“
Wieder knappest möglche Antwort: „Ja.“

Ich habe mir umgehend eine Dose Starkbier geöffnet. Das war eine Geste, die mein Selbstbestimmungsrecht bestätigen sollte. (Ich schreibe jetzt mal hin, wie ich denke.)
Frage: Kann es richtig sein, einem 81 Jahre alten Menschen vorzuwerfen, er entwickle sich auf seine alten Tage noch zum Alkoholiker? Und wenn schon – ich bin ein Klappergestell, und meine Tochter hat Kampfsport gelernt – ich könnte im Suff nicht mal die Katzen prügeln! Maximal meine Tastatur!

Tagsüber trinke ich Wasser, Säfte oder Limo. Aber ich liebe es, den Tag mit einer Flasche Wein ausklingen zu lassen, oder besser und teurer mit einem dreifachen, wirklich guten Cognac, oder einem Single Malt. Draussen dunkel, drinnen alle Lichter aus, nur eine fette Kerze brennt, und ich malerisch auf die Couch drapiert mit einem goldenen Gesöff im Glas – das hatte was. Heute habe ich keine Couch, kein Wohnzimmer, keinen Cognac – ich bin total verarmt. Und jetzt soll ich auch noch auf meinen Wein verzichten? Mal ehrlich: Geht man so mit alten Menschen um? Mit einem Menschen, der aus der Pfalz kommt und 70 Jahre Praxis im Umgang mit Wein hat? Der auf harte Sachen verzichtet und abends nur 3 Gläser Wein trinkt, weil ihm ein viertes und ein fünftes nicht gut bekommt, weil er dann zwei Tage lang spürt, was einen ausgewachsenen Kater ausmacht?
Was ist bloss los unter den Göttern? Ist Hebe, der Mundschenk der Götter im Urlaub und wird durch Ares, den Kriegsgott vertreten? Wieso hilft mir keiner dieser Gesellschaft, beim Zeus? Die haben wohl nur noch Uso und Sirtaki im Sinn, und die Bedeutung der Deutschen Weinstrasse und ihren Wahlspruch „In vino veritas“ völlig vergessen, nur weil das Latein ist, und nicht Altgriechisch!

Jetzt rege ich mich auf. So kann auch ich keine Krise bewältigen. Es ist wohl die beste Strategie, von den Göttern nichts zu erwarten, und die Tierwelt zu bemühen. Soll heissen, dass ich auf den Vorwurf, ein Säufer zu sein, wie ein galizischer Maulesel reagieren muss.
Ich suche ihn nicht, ich habe ihn schon gefunden, meinen Weg.

Und nun schnappe ich mir meinen Rolli und hole Getränke aus meinem Wirtschaftsraum; mein Büro-Kühlschrank ist leer! Und es wird für heute abend eine Flasche Rheingauer Riesling dabei sein. Ich bin da ziemlich sicher.

Es ist mir wichtig, zu betonen: Wir beide, meine Tochter und ich sind zu klug, aus solchen Themen Konflikte entstehen zu lassen. Ansagen sind immer erlaubt, meist auch willkommen, und ein Trigger, der das Nachdenken, das Überprüfen auslöst. Es kann auch mal kultiviert um die Sache gestritten werden – schädliche Folgen sind ausgeschlossen.
Wie? Das sei euphemistisch? Gut gedacht. Ja, auch ich speichere Toxisches. Das Depot-Gift liefert mir die Politik. Für anderes habe ich keinen Platz verfügbar. Auch nicht für meine Tochter.

Meine letzten Jahre möchte ich nicht mit Zores verderben, sondern so gut es geht geniessen. Wer was dagegen hat, sollte sich warm anziehen. Alle aus meiner Familie haben eine verdammt scharfe Zunge!

Über Bloggen

Irgendwann in nächster Zeit werde ich mutig sein und mich vor einen Spiegel stellen. Dann habe ich einige Fragen an mich zu richten. Es haben sich einige von essentieller Bedeutung angesammelt. Warum, Alter, läufst Du rum wie ein Penner? Warum läuft der Sekundenzeiger meiner Uhr rückwärts? Bin ich faul, oder dumm? Oder beides?

Ich habe heute keine Lust, alles anzulisten und mich ohne Not unter Druck zu setzen. Das ist eher ein Job für den Buß- und Bettag.Aber ich habe immerhin erkannt, dfass es für jedes Thema einen konkreten Anlass gibt.

Nehmen wir die Frage nach meiner Faulheit. Bislang war ich mit mir sehr zufrieden, wenn mein WordPress-Zähler die Beiträge mitgezählt hat. Da stehen nun 1246 Stück, mal mit wenig, mal mit viel, aber fast immer selbst erdacht und geschrieben.

Nun ist es so: Ich habe keine Ahnung, ob das viel oder wenig ist. Es sind 60 pro Monat, also 2 pro Tag. Anders ausgedrückt: Der Lack ist ab. Es sind noch nicht mal drei. Und schon garnicht vier.

Ich wüsste schon gerne, was der Spiegel dazu sagt.

(Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung!)

Job-Erfahrungen

Mutti jagte mich auf ein Schlachtfeld. Eine ihrer rebellischen Töchter sollte kompatibel zur Konzern-Finanzbuchhaltung gemacht werden, und die Tochter hatte sich tot gestellt. Ich stellte auch. Nämlich fest: Sie leben noch! Also konnte ich mit Hilfe des IT-Chefs meinen Job erledigen. Es passte wie erwartet nichts zusammen, da spezielle Funktionen für die Tochterunverzichtbar sind. Ich sagte Herrn Y, dass wir die Finger davon lassen, und Plan B nutzen werden. Es gilt in allen Zeiten: „Never change a running system!“

Am selben Tag kriegte ich aus dem Vorstandsflur die Einladung zu einer Feier. Der Führungskreis traf sich, um irgendein Jubiläum auf badische Art zu würdigen. Schon zu Zeiten vor Martin Luther nannte man das „Fressen, Saufen und Spass haben“, also wie für mich gemacht.

Ich traf also im besten Haus am Platz ein, und man wies mir meinen Platz am Tisch zu.
Die Sitzordnung war also vorgegeben. Vorne die Crème de la Crème, und hinten, auf dem letzten Platz der Depp von der Hamburger Zentrale. Ich schaute mich um, fühlte mich exmittiert, aber mir fiel sofort ein Lieblingsspruch meiner Mutter ein: „Bei mir kannst Du lange picken, bis Du ans Hirn kommst!“ Und plötzlich sass mir einer der Vorstände gegenüber. Maximal 160 cm gross, ein wenig füllig, ein Gesicht wie ein Mops, und einen Ruf wie der liebe Gott.

Dann ging’s los. Ich: Herr X, warum sitzen sie nicht vorne, wo Sie hingehören?
Er: Ich hock am Arsch der Tafel, weil ich es will. Und Du sitzt hier am Arsch, weil Du musst!
Nun war ich vorgewarnt, was den örtlichen Sprachgebrauch betrifft. Als Pfälzer kann ich mithalten. Ich also: Vielleicht ist das hier garnicht der Arsch!?
Er hat mich sofort verstanden und brüllte los. Ich erschrak beim Verdacht, nun zu weit gegangen zu sein. Doch nur Sekunden später erkannte ich: Herr X lacht! Und das furchterregend. Dann haute er noch mit einer Faust auf den Tisch, sodass alle Anwesenden neugierig schauten: Haben wir schon eine Schlägerei? Er blickte sich um, dann zu mir, und war wieder ein Vorstandsmitglied.
Er: I woiss was’d machscht. Wie siehts aus?
Ich: Gut. Wir lassen die Finger weg von Eurer Software. Ich hab mit Herrn Y einen Plan B erarbeitet, der nicht weh tut.
Er: Un Du kommscht von Hamburg?
Ich: Und ob! Und die Konzernpolitik ist nicht mein Job. Ich habs gerne etwas ruhiger, am besten mit Computern.
Und ich spielte mit meinem leeren Weinglas.
Er: Was drinkscht?
Ich: Gutedel.
Er: Frolleinsche, bringe Se no zwoi! Guuutedele!
So ungefähr begann für mich der Abend. Herr X und ich hatten uns festgesabbelt, wie haben viel gelacht, uns gestritten, die halbe Welt umgekrempelt, und ich wurde so an die 20 mal daran erinnert, wie man einen Wein zu trinken hat – das Zuzzeln habe ich nicht hingekriegt. Ich sei dazu zu blöde, meinte er. Und ich: Stimmt. Aber ich bin Pfälzer und hatte meinen ersten Vollrausch mit 10! Er: Jetzt bin ich aber beeindruckt! Scheisse, denke ich, der kann auch Hochdeutsch!

Ich begann, diesen kleinen Mann aufrichtig zu mögen. Bodenständig, hochintelligent, humorvoll, streitsüchtig, aber immer kontrolliert. Und so konnte ich die Nacht geniessen, am Arsch der Tafel. Herr X hatte wohl auch sein Vergnügen. Er dachte nicht daran, mal seinen Platz zu wechseln.

Es war morgens gegen halb fünf, als er aufstand und anmerkte, mir ganget jetz hoim.
Ich: Ja! Mein Bett in der „Traube“ wartet schon auf mich!
Er: Hoim ist bei mir! Du probiersch jetz meinen Gutedel. Na gut, dachte ich, Du kannst ja ein anderes Mal nach Strassburg rüber, aber dieser Gnom, der Herr X ist ein Erlebnis!
Also rein in seinen Daimler. Unterwegs erklärt er mir, er bewirtschafte eigenhändig einen kleinen Wingert, und mache seinen Gutedel selbst. Alles. Und mit der Hand.

Schliesslich standen wir in seiner Wohnstube und hatten beide ein volles Glas in der Hand.
Er: Probier!
Ich: nehme zwei Schluck, das sind, wie meine Mutter zu sagen pflegt, dann zwei Kuhmäuler voll, und ich spüre, wie ich mich in einen Zombie verwandle. Die Augen werden gross wie Untertassen. Auf dem Rücken wächst irgendwas Unangenehmes, und an den Armen bildet sich eine Gänsehaut. Ich dachte nur noch: Atme! Atme, Du Depp! Du schaffst das! Du bist ein Pfälzer, und die Weissweine von der Oberhaardt haben Dich auch nicht fertiggemacht!
Dann setzte der Verstand wieder ein. Zehn mal schlucken macht zehn mal Schmerzen.
Einmal schlucken macht grossen Schmerz, aber es ist ausgestanden. Also trank ich auf ex.
Vergebens. Als ich wieder Luft kriegte, war mein Glas wieder voll.

Ich schaute Herrn X provozierend an. Ist das jetzt Bosheit, oder Belustigung in diesem Mops-Gesicht? Natürlich wusste ich, der Mann hatte Spass auf meine Kosten; ich musste für die Arroganz der Konzernmutter büssen. Und dies weckte meinen Kampfgeist. Ich trank tapfer das zweite Glas leer, und kriegte ein drittes vorgesetzt. Und siehe da: Nun kam meine Stunde. Das dritte schmeckte mir. Ich musste ihm das nun unter die Nase reiben, die Prozedur ein wenig entschärfen. Aber Herr X entpuppte sich als weiser Alter. Er meinte,
oi Viertele geht no, dann ganget mir ins Bett.

Das vierte Viertele stand auf dem Tisch, und die beiden Flaschen waren leer. Die folgenden Minuten waren ganz dem Wein und seinem Hersteller gewidmet. Diese, die letzte Stunde erbrachte wenig Gespräch, viel Stille. Es sind seltene Momente, und man geniesst sie wie Momente des Glücks. In vino veritas – man ist in sich gekehrt und kann tiefe Zufriedenheit empfinden. Alles ist, wie es sein soll, und das habe ich, ja ….. das habe ich heute nacht geschafft. Es war ein gewiss nicht alltäglicher Genuss, und er ist jede Erinnerung wert.

Am späten Nachmittag traf ich wieder Herrn Y, den Leiter des Rechenzentrums. Na, fragte er, wie fanden Sie den Abend? Ich: Ich habe den Gutedel von Herrn X probiert. Er: Ach Du Scheisse! Wieviele hast Du geschafft? (Plötzlich gehörte ich dazu!) Ich sagte: Vier.
Er: Nochmal Scheisse. Ich habe nur zwei geschafft!

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Ich habe Herrn X nicht wiedergesehen. Einige Monate später ist er gestorben, und ich habe um ihn ein wenig getrauert. Schon wieder Scheisse, dachte ich. Warum nur müssen die Besten immer als Erste gehen?

Mein Hobby

Ich weiss nicht, ob ich das schon mal erzählt habe: Ich sammle. Bin also ein Sammler. Will sagen ein passionierter Sammler.

Nein, ich sammle keine Briefmarken. Die blaue Mauritius würde ich sofort zu Bargeld machen. Ich sammle auch keine Münzen, keine Modellautos und keinen Petrus aus Bordeaux. Ich wette, Du kommst nie drauf, was meine Leidenschaft weckt. ZUm Beispiel liegt der Wert eines meiner Objekte bei 20 bis 25 Cent. Eine Wertsteigerung ist für die nächsten 50 Jahre völlig ausgeschlossen. Dennoch kann ich mich nicht beherrschen; seit ich auf dieser Schiene fahrem, weiss ich, wie sich „Sucht“ anfühlt.

Natürlich! Ich vergass zu erwähnen, was ich sammle. Es sind leere Weinflaschen.

Ich habe das gründlich durchdacht: Es gibt nur Gewinner. Der Winzer hat Umsatz, der Weinhändler hat Umsatz, ich habe keinen Umsatz, aber den Wein, und zugleich ein Sammelobjekt. Sollte ich in ferner Zukunft Platzprobleme kriegen, so mache ich meinen Umsatz mit den Querdenkern. Die brauche immer leere Flaschen, zum Werfen, als Molotow-Cocktail oder ähnliches. Oder ich beliefere jene unglücklichen Trucker, die nach Britannien fahren müssen. Ich stelle ein Set zusammen aus Flasche, Plastik-Trichter und einer Serviette. So ist im LKW gut zu pinkeln, wenn man in Dover im Stau steht.

Na, habe ich Ideen, oder habe ich Ideen?

Kritischer Blick nach innen

Immer nur lächeln und immer vergnügt, immer zufrieden, wie’s immer sich fügt«, singt der Prinz Sou Chong und zeigt auf sein Herz: »Doch wie es da drin aussieht, geht niemand was an.« So geht es zu in den Operetten von Franz Lehár: Der schöne Schein muss gewahrt bleiben – über alle Unglücke hinweg. Da kann man es gut verstehen, wenn die modernen Opernregisseure bei Lehár am liebsten den Hammer zur Hand nehmen, um nachzusehen, was sich im Porzellanherzen des Prinzen Sou Chong denn nun verbirgt.

Sie entdecken nackte Verzweiflung hinter der Hochstimmung, den Geist der Intoleranz in der Leichtlebigkeit und dass es garantiert doppelt so schlimm ist, wenn der Buffo zu trällern beginnt: »’s ist alles halb so schlimm.«

Diese Textpassage habe ich in der „Zeit“ gestohlen; Claus Spahn hat sie in einen Kommentar geschrieben.

Ich hatte ein wenig in meinen Erinnerungen gegraben, weil mir die Frage durch den Kopf geisterte, inwieweit ich der Versuchung zum Selbstbetrug erliege, also wie schief das Bild meiner kleinen Welt geraten ist – da stolpere ich doch über meine eigene Mülltonne, ich meine jene im Gedächtnis, und dort finde ich meinen ersten Operettenbesuch. Es gab „Das Land des Lächelns“ von Lehár, und dort ist besagter Prinz Sou Chong zu Hause. Ich war 10 oder 11 Jahre alt und für die grossen Musikdramen noch nicht gereift. (lieber fidel als Fidelio!)

Wenn ich die 7,2 Milliarden Menschen zu einem virtuellen Wesen zusammenfüge, das ich Prinz Sou Chong nenne, und ich schaue mir diesen „Menschen“ genau an, so werde ich Herrn Spahn wohl zustimmen müssen. Ich, das Individuum habe natürlich einen hochwirksamen Verdrängungsmechanismus, der Schutz vor Beschädigung der Seele bietet. Hier liegt kein Selbstbetrug vor. Ich bin nicht unwissend, sondern ich weiss, und verdränge. Vive la différence!

Ich überlege gerade, ob das „gesund“ ist. ………. doch, es ist gesund. Die Alternative wäre nämlich, nun nach einem Strick zu suchen.

Aber ich stehe nun wieder im Zwielicht. Was ist da? Angst? Lebensangst? Nein, es ist maximal Verunsicherung. Zur Sicherheit lese ich nun lieber bei Joseph von Eichendorff nach:

Dämmrung will die Flügel spreiten,
Schaurig rühren sich die Bäume,
Wolken zieh’n wie schwere Träume –
Was will dieses Grau´n bedeuten?

Hast ein Reh du lieb vor andern,
Laß es nicht alleine grasen,
Jäger zieh’n im Wald’ und blasen,
Stimmen hin und wider wandern.

Hast du einen Freund hienieden,
Trau ihm nicht zu dieser Stunde,
Freundlich wohl mit Aug’ und Munde,
Sinnt er Krieg im tück’schen Frieden.

Was heut müde gehet unter,
Hebt sich morgen neu geboren.
Manches bleibt in Nacht verloren –
Hüte dich, bleib’ wach und munter!

Mit der letzten Strophe seines Gedichts „Zwielicht“ sagt er mir: Alter, mach Dir nicht ins Hemd! Dramatisch ist in Deiner Situation garnichts, aber pass ein bisschen auf Dich auf, und baue auf die Zukunft.
Und meine Absicht, meinen Selbstbetrug zu identifizieren? Meine Interessen daran sind einfach erloschen. Sollen andere suchen. Ich – heute – nicht!