Wir haben es geschafft!

Vornweg schwimmt heut Herr Kabeljau,
dahinter seine Jungen.
Zum Schlusse paddelt seine Frau.
So ist man vorgedrungen

gen Hamburg, heute meerestief
im Atlantik versunken.
Weils mit dem Klima übel lief.
Auch Bremen ist ertrunken.

Den Kabeljaus ist dies ja schnurz.
Auf angenehme Weise
entschliesst man sich und geht mal kurz
auf Abenteuerreise.

Ein Haus in Harburg ist das Ziel,
das andre schon besucht,
denn was den Nachbarn dort gefiel,
ist auch für uns ´ne Wucht.

So schwimmt Familie Kabeljau
die Schippseestrasse gradeaus,
Am Wall, da muss es sein! Genau!
Hier steht besagtes altes Haus.

Fenster und Türen sind noch ganz.
Nur oben fehlt´ne grosse.
Der Vater wedelt mit dem Schwanz
zeigt mit der Vorderflosse:

Da gehn wir rein, das muss es sein.
Der Nachbar hatte recht!
Das Loch im Fenster ist recht klein.
Fassadenschwimmen ist nicht schlecht.

Die Kinder staunen, wundern sich.
Das alles ist sehr neu.
Und nun hinein! Wie gruselich!
Auch Mutter zeigt nun Scheu.

Der Vater überlegen tut,
spielt nun den Fremdenführer.
Dabei ist ihm jetzt auch nicht gut,
Die Gallenblase spürt er.

Egal, nun sind wir schon mal hier,
und drinnen. Jetzt gehts weiter.
Wo ist der Burschi? Wir sind vier!
Der Bengel war schon weiter

vorangeschwommen, in die Küch`
versteckt hinter der Pfanne.
da steht und amüsiert er sich.
Vater verflucht die Panne

und kommt zu Worte, laut er spricht:
Ein Abstand ist geraten!
So manchen Vorfahrn hats erwischt,
wurde hier drin gebraten.

Beeindruckt ist nun der Verein,
man schwimmt ein Stück zurück.
dreht um und schwimmt ins Bad hinein,
den Fluchtweg stets im Blick,

erstarrt, denn in der Badewanne,
da sitzt ein Mensch! Gerippe zwar,
doch gegen dies war jene Pfanne
ein Heringsschiss! Das ist doch klar!

Und während man sich gruselt, murrt,
man möchte doch hinaus,
dort aus dem Klo ein Knurrhahn knurrt:
Nun macht Euch mal nix draus!

Es gibt hier keinen Grund zum Rennen.
Der Platz ist sicher wie ne Klippe.
Wer will, kann wunderbar hier pennen.
auch Du, mit Deiner ganzen Sippe!

Ihr nehmt die Stube, ich das Bad,
ich denke, so wird es heiter!
Und haben wir uns einmal satt,
dann zieht Ihr einfach weiter,

ins nächste Haus, ’ne andre Stadt,
ein neues Paradies!
Wer mutig ist und Dusel hat,
der findet Besseres als dies!

Schaut einfach mal zur Elbchaussee,
nach diesen alten Villen!
Dort sass dereinst die Hautevolee
auf goldenen Klobrillen!

So kams, dass Kabeljaus dort blieben,
wo Knurrhahns wohnen, sagten: Ja!
Die Menschen hat das Meer vertrieben –
Doch neue Bürger sind längst da.

Träumerei

Ich wünschte, ich könnte fliegen,
dann würde ich mich
aus dem Schweinekoben erheben
und den ganzen Mist hinter mir lassen,
Ich würde weder den Schlachter
noch seine Wurst fürchten,
meine Gülle dem Wind überlassen,
vogelisch reden lernen,
die Flugsicherung verunsichern,
bräunen ohne zu braten,
im Fluge aus den Kronen der Apfelbäume
Früchte pflücken,
im Süden Trüffeln schnüffeln
und sie dann selber müffeln,
gegen meinen Bauern Luftattacken fliegen,
durch offene Fenster ein- und ausschweben,
mit Piloten „Alles roger!“ austauschen,
in der Schweinebucht eine Landung versuchen,
einen Tierarzt suchen, der spritzen kann,
mit Zeppelinen um die Wette fliegen,
Blütennektar trinken wie ein Kolibri,
mich in einen italienischen Keiler verlieben,
und in einem Eichenhain abferkeln,
Schweinfurt besuchen,
auf Borneo mit den Schweinsaffen
Kokosnüsse pflücken,
meine Hufe lila lackieren,
auf dem Rücken fliegend  „I´m flying“ singen,
nur noch Saumässiges fressen,
frei sein und gut riechen,
täglich die Kolumne „Neues von der Flugsau“ lesen,
mit Miss Piggy einen Film drehen und
von Robert Redford gekrault werden,
Luftkampftechnik nach Immelmann erlernen,
und segeln, segeln, segeln
auf der Thermik im Hochgebirge
zwischen Drachenfliegern und Paraglidern,
bei Ballonfahrern Obst ergattern,
nur saumässige Landungen hinlegen,
wie es sich gehört
– und einen Fliegertod sterben,
und danach nicht im Rauch abhängen müssen,
fühlen, wie meine Seele weiterfliegt –
wenn ich es mir recht überlege:
Ja, ich wünschte, ich könnte fliegen!

Bei Familie Lämmergeier

Den Schnabel wetzt Frau Lämmergeier,
hackt auf der Nachbarin herum,
dabei verliert sie Geier-Eier –
für sie läufts heute wirklich dumm!

Der Alte kreischt: Nun halt mich fest!
Die Mulde ist noch immer leer!
Jetzt scher´Dich bloss in unser Nest!
Vier Eier müssen dringend her!

Quak´ bloss nicht rum, es ist zum Lachen!,
die Geierin bleibt richtig cool.
Ich werde rasch vier neue machen,
hab ohnehin schon Kalk im Stuhl! (Uii!)

Ich weiss nicht, ob die Brut gelingt,
bin ständig angemeiert
vom Alten, der mich nicht bespringt,
nach andren Weibern geiert.

Jetzt guck Dich bloss mal richtig um!
Der fiese Alte keift und meckert,
und kommt der Geierin nun dumm:
sie hätte sich mit Schiet bekleckert,

und – das ist auch nicht gerad fein –
sie sei zu träge und zu feist!
Ein dicker Hintern wie ein Schwein,
Der Geier wird jetzt richtig dreist!

Nun wird der Geirin Blick sehr kalt.
Schau Dich nur an, Du Sack!
Der Pürzel schlaff, krumm die Gestalt,
Im Kopf nur Gift! Jetzt pack!

Sprachs, und ein rascher, harter Tritt
trifft ihn nun in die Klüten.
Sie gibt ihm noch vier Eier mit.
Mag er sie selbst bebrüten.

Die Geirin grinst, der kahle Kopf
neigt sich nun übern Rand
des Horstes. Und würgt jetzt aus dem Kropf
was sich dort drinnen fand.

Den Alten treffen Eierschalen,
D e r Schlag hat nun gesessen!
Er leidet endlich Höllenqualen –
sie hat die Brut gefressen!

Vom Nestrand ätzt es nun herab:
Hau ab zu Deinen Hennen!
Die bringen Dich vielleicht auf Trab!
Dort lernst Du Arbeit kennen!

Und haben sie Dich rangenommen
dass Dir die Flügel lahmen,
dann brauchst Du garnicht zu mir kommen,
ich habe genug von Deinen Dramen.

Ich habe meine eigne Sicht:
Ein Pflegefall bist Du.
Man füttert Dich oder auch nicht,
nur: Meine Tür bleibt für Dich zu!

Der Lämmergeier sitzt und grübelt.
Das war nicht gut gelaufen!
Die Alte hat ihm viel verübelt.
Er muss sich erst verschnaufen.

Beschliesst, nun doch nicht wegzugehn.
Die Stimmung wird auch wieder gut.
Setzt sich ins Gras, sie muss ihn sehn,
Blicke von oben machen Mut.

Nun, es hat nicht funktioniert.
Nicht in der Lämmergeier Sippe.
Wer aus der Reihe tanzt, verliert.
Im Gras sitzt nur noch – sein Gerippe.

Wohnungssuche

Ein kleiner, grüner Bücherwurm
macht sich auf eine Reise.
Ihm ists zu kalt in seinem Turm –
verfluchte Heizölpreise!

So ringelt er sich unbemerkt
entlang der Unratkübel.
Hat sich grad noch mit BILD gestärkt,
davon ist ihm jetzt übel.

Mit Müh´ kriecht er die Strasse lang
und sucht nach einer Bleibe.
Der kleine Grüne fragt sich bang,
wohin´s ihn heute treibe.

So kriecht er rasch, er treibt sich an
mit unbekanntem Ziele,
und hofft so intensiv er kann,
dass Hellsicht ihn befiele.

Der Traum von einer Bibliothek
gibt ihm viel Mut und Kraft
für einen langen Wanderweg,
noch ist fast nichts geschafft.

Gedankenlos ergreift er jetzt
ein Stück Papier vom Weg.
Er dreht es um, und ist entsetzt:
ein ALDI-Kaufbeleg!

Feindlich gesinnt die Umwelt scheint,
hier liegt ein Dosenetikett,
dort drüben nun ein Kleinkind weint,
der Autoqualm scheint dick und fett.

Nur nichts wie weg von diesem Ort!
Der Grüne hält es nicht mehr aus,
„Marlboro“ – Schachteln hier, und dort ….. !
hinein ins nächste Haus!

Die offne Tür von Nummer acht
lud ein, es zu erkunden,
ob und wie weit es Laune macht,
zu bleiben – ein paar Stunden.

So nudelt er sich denn hinein
in einen düstren Flur.
Die erste Wohnung sei nun mein,
gebärdet er sich stur.

Gesagt, getan, es ist kein Witz,
er plumpst nun aufs Parkett.
Er schaffte den Briefkastenschlitz,
riecht Schreibmaschinen-Fett!

Rasch kombiniert: Wer schreibt, der liest!
Ist dies sein neues Heim?
Beim Bücherleim-Geruch beschliesst
er, erst mal hier zu bleibn.

Das dritte Zimmer linker Hand
versetzt ihn in Exstase!
Ne proppevolle Bücherwand
lädt ein zur Lieblingsphrase:

Hier ist gut sein, hier lässt sichs bleiben
in Belletristik und Poesie!
Sich Sjöwall/Walloe einverleiben!
Die Herr-der-Ringe-Trilogie!

Bei Handke´s Texten wohlig würgen,
über Ulysses einzuduseln,
und leiden mit Herrn Schillers Bürgen,
um gleich zu Eco hinzuwuseln,

ja! Wundervoll ist diese Welt –
Mehr brauchts nicht für ein gutes Leben!
Oh ja, das Sortiment gefällt,
das andre wird sich sicher geben !

Noch während unser Bücherwurm
so träumet und sinniert,
bewegt der „Butt“ sich wie im Sturm,
der Grass wird massakriert!

Und während Goethe Deckung gibt,
Vorsicht scheint angezeigt,
schielt unser Grüner – nun betrübt –
zu dem, was dorten steigt.

Noch ist der Kleine ahnungslos,
und seine Neugier sagt ihm: Bleib!.
Die Augen werden riesengross:
Denn da kommt SIE – ein Weib!

Sein Urinstinkt gebietet Flucht.
So hat er rasch gewendet –
bevor er nun das Weite sucht
scheint er ploetzlich geblendet!

Die hat doch was, da war noch was,
mein Gott! Der güldne Schimmer!
Vielleicht, man könnte ……. dies und das …..
ehmm, ……. und das für immer?

Und so verliess ihn der Verstand,
und schliesslich die Vernunft –
die Folge liegt nun auf der Hand:
Ein Bücherwurm in Brunft!

Ode an das Schwein

Allgegenwärtig ist das Schwein
in unserm Menschenleben,
ohne von uns geliebt zu sein.
Es hat sooo viel zu geben .

Zuvörderst dient es uns bei Tisch
als Schinken, Schnitzel und Kotlett,
und Lendchen, rosa, zart und frisch,
Grillrippchen mit und ohne Fett …..

Gesülzt, gekocht oder gebraten
geniesst der Mensch, der nicht Muslim,
das Schwein zu Sossen, Kraut, Salaten
bei Blumenschmuck, und mit Benimm.

Wir sollten doch an solchen Tagen,
nach einem wirklich guten Essen
gemeinsam herzlich Danke sagen:
„Dank, liebes Schwein, sei unvergessen!“

Der Schweinefreund hat auch bedacht
dass Schweine stets geduldig bleiben,
wenn man sie mal zum Buhmann macht,
um sich mit anderen zu reiben.

Du blöde Sau! Du dummes Schwein!
Du Drecksau, Sülzkopp, wilde Sau!
In heilgem Zorn wird man gemein,
Die Knoechel weiss, Gesichter blau!

Ganz bayrisch wirds, wenn ohne Faxen
der Loisl durch die Kneipe brüllt:
Geh schleich´Di, schwing die krumma Haxn!
und Haxnduft den Gastraum fuellt.

So mancher Mensch ist sehr geknickt,
mit Liebe sich zum Schweine wendet,
weils Pumperl ihn ganz böse zwickt
und´s Schwein Aortenklappen spendet.

Und nicht zuletzt der Bauernstand
Profit verspricht die Ferkelei.
Es grunzt munter im Bauernland,
noch immer gilt: Landluft macht frei!

Mag sein, dass es die Stadtluft war,
die einst den Menschen frei gemacht.
Dem Schwein stellt es sich anders dar:
Frei ist für Wildschweine gedacht,

so lang, bis dann im Morgenrot
die Büchse knallt; ein letzter Schmerz,
der Jäger bruellt dann los: Sau tot!
Ein Blattschuss, mitten in das Herz!

Aus dem Leben eines Träumers

Ein kleiner schwarzer Hundefloh
steigt ab von seinem Hund.
Es lockt ihn der Geruch im Zoo –
riskant und denkbar ungesund.

Er springt beseelt.
Die Erde bebt.
Kamel verfehlt,
ein Löwe lebt!

Er springt erneut.
Die Mähne lockt.
Landet erfreut,
rasch angedockt.

Die Mähne hat er nicht erreicht.
Die Schnauze hatte er erwischt.
Als Floh ist man ja federleicht,
und Löwenblut ist aufgetischt!

Nun rasch den Rüssel klargemacht,
versenkt in Löwe’s Nase.
Dann saugt er, doch der Leu erwacht.
Der Floh versinkt nun in Ekstase.

Glaubt er doch, Löwenblut macht stark!
Will seinen Hund zerfetzen!
Ein Machtgefühl trifft ihn ins Mark.
Er möchte Hunde hetzen …..

Indes, der Löwe gähnt, und zuckt.
Der Plagegeist saugt mit Bedacht.
Grad hat die Nase noch gejuckt.
Nun: Pranken haben ihn platt gemacht.

Begegnung

Ein Manta-Weibchen – Flügelspannweite um 300 cm – nähert sich einer Gruppe von Tauchern. Sie schaut sich um und sucht gezielt einen Menschen aus. Anscheinend kennt sie ihn, da er an diesem Ort oft schnorchelt. Der Taucher weiss erst mal nicht, was abgeht. Schliesslich zeigt sie ihm ihre Augen. Dort sassen mehrere Angelhaken. Nun war offenkundig: Die Lady erwartete Hilfe von „ihrem“ Menschen. Und der machte sich an die Arbeit, musste allerdings mehrfach nach oben, um Luft zu holen. Schliesslich waren die Haken entfernt, und die Lady drehte grusslos ab und verschwand.

Der Taucher kann aber sicher sein: Er hat nun eine neue Freundin.

Kontrolle ist besser

Im Baum lebt gern der bunte Specht.
Der Hecht im Teich lebt auch nicht schlecht.
Ihr Meeting am Gewässerrand
endete mit einem Wundverband.
 
Das Gespräch war mangelhaft,
den Worten fehlte Sinn und Kraft.
So erlebten es die beiden.
Nur: Treffen liess sich nicht vermeiden.
 
Das Vogel-Diner landet beim Hecht,
die Flossen winken „Dank, nicht schlecht!
Komm her, mein Vöglein, komme trinken!“
Nun muss der Specht einbeinig hinken.

Einsichten

Als Hausschwein ist man immer sicher.
Und sterben muss nunmal ein jeder.
Der Bauer auch! (Hinten Gekicher!)
Der ist dann hin – ich feinstes Leder!
 
Reinkarnation – auf Schweine-Art
ist nicht nach jedermanns Geschmack.
Der Mensch arbeitet lieber hart.
Arbeit macht frei, schrieb Menschenpack.
 
Hat je ein Viech so was geschrieben?
 
Der Misanthrop: Jaaaaaaaawoll! Alles Tiere!
 
Der Tierfreund: Wer einen Menschen
als Vieh bezeichnet,
beleidigt ganze Tiergattungen.
 
Der Humangenetiker: Charakter ist eine ererbte Eigenschaft,  die ihre Ausprägung …….
 
Der Altruist: Dies ist Ausdruck für die Verirrung
einer  menschlichen Seele, quasi ein Hilferuf ….
 
Der Politiker: Das ist zu lange her. Davon weiss ich nichts.
 
Der Priester: Alles geschieht
nach Gottes weisem Ratschluss!
 
Der Beamte: Zu allen Zeiten galten in Deutschland die
Grundsätze, wonach Recht und Ordnung …..
 
Der Neo-Nazi: Ausländer rauuuusss!!
 
Der gute Deutsche: Ich lese jeden Tag die Bildzeitung!
 
Das Hausschwein: Der Mensch ist eine Sau!
Aber anders.