Alltag in Kanada’s Wäldern

Dieses Foto zeigt anschaulich, wie man eine Axt auf dem Küchentisch präsentieren kann. Es sind 5 Positionen angeboten. Verfügbar sind jedoch 10 Positionen, da man in jeder Stellung die Axt umdrehen, also auf die andere Seite legen kann. In der Familie eines Lumberjacks sind derartige Fachkenntnisse selbstverständlich. So auch bei Trudy und Francis.

Francis erlaubte sich neulich, gegenüber Trudy den Holzfäller raushängen zu lassen, und Trudy griff nach der Axt auf dem Tisch. Ein Wort gab das andere, wie das so läuft, in einer Ehe.

Am Ende des Konflikts stand es 1:0 für Trudy. Sie entfernte die Axt aus dem Schädelspalt, murmelte etwas von einem Unfall, und schaute neugierig nach Francisens Schädeldecke und dem Riesenloch im Knochen. Zuerst stellte sie fest, dass eine Spaltaxt besser gewirkt hätte als eine normale Forstaxt. Dann fragte sie, warum Francis jetzt tot war. Unter der Schädeldecke fand nämlich sich kein Hirn; der halbe Liter Wasser war ausgelaufen, und nun herrschte unter dem Axtloch Leere und Trockenheit. Trudy begann zu verstehen, warum Francis immer davon redete, nach Bauchgefühl zu entscheiden und zu handeln.

Wochen später, vor Gericht meinte sie, es wäre gescheiter gewesen, auf einen leeren Wassereimer loszugehen. Richter und Staatsanwalt nickten, weise und wissend.

Ein Auge redet

Gewiss, ein Auge.
Keine Technik. Alles Biomasse.
Dennoch hervorragende Optik.
Ein Objektiv, mehr nicht.
Der Speicher ist anderswo.
Weiter hinten, weiter oben.
Camera obscura, das Komplettsystem.
Hochintelligent!
Weiss, wo die Vergangenheit liegt
und sieht die Gegenwart
mit ihren 12 Monkeys.
Und das innere Auge,
es existiert, schaut in die Zukunft –
Re-set, re-set!
So viele, so viele Leben!
Tränen, viele Tränen
lassen das Auge erblinden.
Die neue Wirklichkeit verschwindet
im salzigen Fluss.
Und das innere Auge schaltet um,
auf schöne Bilder,
auf Hoffnung,
auf Illusionnen.
Schützt den Menschen,
schützt seine Seele.
Alles zu seiner Zeit.
Ich will zurück
in die Zukunft!

Das Ding

„Tja, dat Dingen da das is’n Ding!“
Das meinte ein IT-Experte, und ich hatte keine Wahl, musste zustimmen. Ich zog mich zurück. Projizierte das Ding erneut auf meinen Monitor, diesmal 300-fach gezoomt.
Prima vista war der Erkenntniswert gleich Null. Also riskierte ich einen zweiten Blick.Toll, dachte ich mir dabei. Ich weiss nicht, was es ist, wozu man es benutzen könnte, wo es herkommt, was es bei mir, oder von mir will ….. es ist ….. es ist ein Joke oder so etwas.
Oder es ist Fake, und man will mich am Hintern kriegen, weil ich mich als Besserwisser unbeliebt mache.

Nun ist es so weit. Mich hat soeben eine Wut-Welle erfasst und mich weit weggetragen. Ich sehe das Ding distanziert. Denke still in mich hinein und glaube plötzlich, dass ich ein Rätsel zu lösen habe; böse Absicht ist nicht erkennbar, vielleicht soll es einfach Spass bringen! Ich schaue ein drittes Mal auf das Ding. Mir scheint, es ist aus Teilen zusammengebaut und wird in Kugelform präsentiert. Und der Schlüssel zur Lösung sind die Farben!
Oben die Sonne, und ihr Feuer.
Darunter das Reich der Menschen in der Dämmerung, es folgt der begrünte Teil der Erde, dann der unbewachsene, wüste Teil,
und schliesslich das Wasser.

Ich habe das kugelige Gebilde in seine Einzelteile zerlegt, und dann das vor mir liegende Puzzle zusammengefügt. Dieses Bild der Erde kannte ich nicht. Und ich will es auch nicht kennenlernen. Die Warnung habe ich wohl verstanden. Leider bin ich der falsche Adressat.

Apokalypse und Folgen

Jetzt wird’s böse. Schliesslich haben wir hier die apokalyptischen Reiter zu fassen.
Sie kündigen die Apokalypse an, also das Jüngste Gericht, die Endabrechnung für Leute wie mich, die Atheisten, Häretiker und anderes Gelichter.

Nun bin ich tatsächlich versucht, zu checken, ob diese vier Figuren bereits unterwegs sind. Kann ja sein, nicht wahr?

Vorneweg die Pest. Ich sage, in der modernen Variante heisst das Übel Covid-19 B 1.1.7 respektive P 1. Ist unterwegs, also positiv vermerkt.

Der Bengel mit dem grossen Messer ist der Krieg. Darüber muss man nicht nachdenken. Krieg ist immer irgendwo auf dem Globus, denn man macht damit satte Profite. Ist positiv vermerkt.

Der Typ mit der Waage signalisiert Teuerung. Das ist gewiss kein Hit, denn Teuerung findet immer statt. Auguren reden sogar von inflationären Tendenzen – also positiv vermerkt.

Und der letzte Reiter, der auf dem kranken Klepper ist der Tod; wer wollte bestreiten, dass zur Zeit kräftig gestorben wird? Positiv!

Was lernen wir aus dieser Betrachtung? Die kuriosesten Sekten werden recht behalten, das Jüngste Gericht steht bevor. Also: Leute, zieht Euch warm an! Da kommt etwas auf uns zu wie ein Sandsturm in der Wüste. Und sucht Schutz in Euren Kirchen! Dort sitzen die Fachleute!

Bei mich braucht keiner kommen. Ich bin nur ein ungebildeter Bauer und kann mit dem Stoff, den die Theologen aus aller Welt mit dem Begriff „Eschatologie“ zusammengefasst haben, nichts anfangen. Wenn’s hoch kommt, lese ich das 6. Kapitel der Johannes-Offenbarung zur Apokalypse, Weiterführendes ist mir suspekt (Soll heissen, dass ich dafür zu dumm bin).

Und nun mache ich etwas ganz Böses. Ich füge hinzu, was die katholische Kirche zum Thema zu sagen hat:

Recentiores episcoporum synodi

ist ein Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre der römisch-katholischen Kirche vom 17. Mai 1979 zu eschatologischen Frage. In ihm werden wesentliche Aussagen zur Eschatologie getroffen und klargestellt

Im Kern werden folgende Aussagen getroffen:

„1. Die Kirche glaubt an die Auferstehung der Toten (vgl. das Apostolische Glaubensbekenntnis).

  1. Die Kirche versteht diese Auferstehung so, daß sie den ganzen Menschen betrifft; dies ist für die Auserwählten nichts anderes als die Ausweitung der Auferstehung Christi selber auf die Menschen.
  2. Die Kirche hält an der Fortdauer und Subsistenz eines geistigen Elementes nach dem Tode fest, das mit Bewußtsein und Willen ausgestattet ist, so daß das „Ich des Menschen“ weiterbesteht, wobei es freilich in der Zwischenzeit seiner vollen Körperlichkeit entbehrt. Um dieses Element zu bezeichnen, verwendet die Kirche den Ausdruck „Seele“, der durch den Gebrauch in der Heiligen Schrift und in der Tradition sich fest eingebürgert hat. Obwohl sie nicht übersieht, daß dieser Ausdruck in der Heiligen Schrift verschiedene Bedeutungen hat, ist sie doch der Auffassung, daß es keinen stichhaltigen Grund dafür gibt, ihn abzulehnen, zumal ja irgendein sprachlicher Ausdruck zur Stütze des Glaubens der Christen einfach notwendig ist.
  3. Die Kirche lehnt alle Denk- und Sprechweisen ab, durch die ihre Gebete, die Beerdigungsriten und der Totenkult ihren Sinn verlören und unverständlich würden: denn all das stellt in seiner Substanz einen Locus Theologicus dar.
  4. Die Kirche erwartet gemäß der Heiligen Schrift „die Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus in Herrlichkeit“ (Dei Verbum, I, 4), die nach ihrem Glauben jedoch als unterschieden und abgesetzt zu verstehen ist von der Situation des Menschen unmittelbar nach seinem Tod.
  5. Die Kirche schließt in ihrer Lehre über das Schicksal des Menschen nach seinem Tod jede Erklärung aus, die die Bedeutung der Aufnahme Mariens in den Himmel an jenem Punkt auflösen würde, der ihr allein zukommt: daß nämlich die leibliche Verherrlichung der allerseligsten Jungfrau die Vorwegnahme jener Verherrlichung ist, die für alle übrigen Auserwählten bestimmt ist.
  6. Die Kirche glaubt, indem sie am Neuen Testament und an der Überlieferung treu festhält, an die Seligkeit der Gerechten, die einmal bei Christus sein werden. Eben so glaubt sie, daß eine ewige Strafe den Sünder so trifft, daß er der Anschauung Gottes beraubt wird und daß die Auswirkung dieser Strafe das ganze Sein des Sünders erfaßt. Was aber die Auserwählten betrifft, so glaubt sie, daß vor der Anschauung Gottes eine Reinigung stattfinden kann, die jedoch von der Strafe der Verdammten völlig verschieden ist. Das meint die Kirche, wenn sie von Hölle und Fegfeuer spricht.

Wenn man über das Geschick des Menschen nach dem Tode spricht, so muß man sich besonders vor Darstellungsweisen hüten, die sich ausschließlich auf willkürliche Phantasievorstellungen stützen; Übertreibungen in dieser Hinsicht sind nämlich ein nicht geringer Grund für die Schwierigkeiten, denen der christliche Glaube häufig begegnet. Jene Bilder hingegen, welche wir in der Heiligen Schrift verwandt finden, verdienen eine besondere Ehrfurcht. Man muß ihren tieferen Sinn verstehen und die Gefahr vermeiden, sie allzu sehr abzuschwächen, weil das oft die Wirklichkeit selbst verflüchtigt, die in diesen Bildern angedeutet wird.“

Ich habe diesen Text gelesen, und ich gestehe allen Ernstes: Es ist Kunst, aus einem Nichts eine solche Erklärung herauszuquetschen. Lies mal Punkt 6; auf solchen Stützen ruht die gesamte Glaubenslehre, und dies ohne jeden Zweifel, auf Seiten der Gläubigen!

Quo vadis? Narra!

Das Feuer der Fackel ist längst erloschen.
Die Freiheit eines grossen Landes versinkt
in einem Meer von Unwissen, Ignoranz,
Dummheit, Grossmachtgehabe und
der verzweifelten Suche nach Identität.
Das Sündenregister aus vergangenen
Jahrzehnten soll ausgeglichen werden,
indem man Religionen einsetzt, und
den einzigen Gott, der greifbar und
begreifbar erscheint: Den Dollar.
Ein Blick von draussen offenbart
die Erbärmlichkeit einer Gesellschaft,
die Besseres zu leisten in der Lage ist,
und die Besseres verdient hat, als
von Soziopathen und Psychopathen angeführt zu werden.

Ich bin Trudy

Mein Name ist Trudy. Ich bin 33, lebe in Dortmund und helfe gelegentlich in Peters Bierkneipe als Servicekraft aus. In letzter Zeit rief man mich nur noch, wenn Peter mit seinen vier Kumpels im Hinterzimmer pokerte.

Heute ist so ein Tag. Der Gastraum ist wegen der Pandemie leer geblieben, ein wahrlich trostloser Anblick. Die Pokerrunde hinten ist wie stets recht munter; man trinkt Stout, und zwischendurch auch mal einen Single Malt der härteren Sorte, den Laphroig.

„Ja, Papa, kommt gleich!“. Den Spieler mit dem Totenschädel habe ich sofort erkannt. Es ist mein Papa, tot seit 3 Jahren. Aber er trägt noch immer das seltsame Tatoo auf der linken Hand. Es ist merkwürdig, dass ich meinen toten alten Herrn hier sitzen und pokern sehe. Die vier anderen Spieler sind auch nicht weiter angefasst. Hosen runter, Jo! So wird Papa zum Aufdecken seines Blatts aufgefordert. Der Totenschädel grinst mich an, und plötzlich hat er ein Gesicht, das mir mehr als vertraut ist. „Hallo Trudy!“ und ich „Hallo Papa!“ – was für ein wunderbarer Moment, und ich lasse mich in die alte Vertrautheit fallen und möchte ein wenig weinen, nur ….. nun zeigen die anderen Pokerspieler ihr wahres Gesicht. Ich blicke in die leeren Augenhöhlen von 4 Totenschädeln, und mir dämmert, was hier abgeht. Ich habe es mit fünf Toten zu tun, die sich mit Pokerspiel die Zeit vertreiben und saufen wie Löcher, ohne betrunken zu werden. Und Peter, der Gastwirt gehört dazu ….. und ich …..

Wettervorhersage

Ostfriesland, im Sommer des Jahres 2151, bevor die Flut kommt

Gedankensplitter zu Dali

Die „Zeit“ ist ein wohldefinierter Teil jenes Phänomens, das als jene unbewegte Konstante existiert, die wir „Ewigkeit“ nennen.

Wenn uns die Zeit entgleitet, wenn sie verrinnt, existiert sie nicht mehr. Man berührt die Ewigkeit, und kann dabei in einen zeitlosen Zustand gelangen, also in die Ewigkeit.

Sicher scheint, dass die Zeit nicht fliesst. Sie existiert nur im menschlichen Bewusstsein.
Es ist der Mensch, der für Unruhe in der Zeit sorgt. Man kennt das Prinzip: Nicht die Strasse bewegt sich, sondern das Automobil.

Waidmanns Heil!

Durch einen glücklichen Zufall ist es Mitarbeitern des Münchner Tierparks Hellabrunn gelungen, zwei Exemplare des CSU-Rudels Mittersendling einzufangen und in einem stabilen Käfig sicher zu verwahren. Ihr winterlicher Habitus lässt es zu, diese Wesen im Freien zu halten, bis in einem festen Haus zwei Zellen freigeworden sind.

Es dauerte einige Tage, bis ihre Wohnhöhle gefunden war. Bei der Besichtigung ihrer Bleibe wurden 800.000 Atemschutzmasken sichergestellt. Bei einer Erstbefragung gaben beide mit Gesten zu verstehen, für den Eigenbedarf gesorgt zu haben.

Die Tierparkleitung betonte, dass man in Hellabrunn nicht das geringste Interesse an der dauerhaften Ausstellung beider Exemplare hat. Man erwägt, sie dem Zoo von Baku / Aserbaidschan gegen eine Tonne Wassermelonen und einen kompletten Samowar anzubieten.

Lakritze ?

Lakritze? Nein, nein!
Das sind Sahneschnitten vom Feinsten!
Wie bitte? Sahne sei weiss?
Ich verstehe.
Aber ich entscheide hier ud heute,
dass Sahne auch schwarz sein darf.
Meine beiden Sahneschnittchen sind schwarz,
das ist nicht zu ändern,
aber sie leben!
Sie sind 16 cm gross
und wiegen 35 Gramm.

Und nun öffne ich den Käfig
und lasse beide frei.
Mal sehen, was passiert.
Es passierte.
Beide richteten sich auf,
berührten sich mit den Händen –
und waren verschwunden.
Auf dem Tisch blieb ein kleines Wort zurück.
In Kyrilliza: „мир!“. MIR – Frieden.

Schon wieder: Schatten

Meine gelegentlichen Begegnungen mit fremden Schatten
verursachen mir stets ein wenig Unbehagen.
Natürlich habe ich längst begriffen,
dass ich sie nicht fürchten musste.
Schliesslich sind sie gesichts- und körperlos.
Sie blieben auf Distanz,
unterhielten sich gedämpft
in einer mir fremden Sprache.
Es ist bis zum heutigen Tag nicht erkennbar,
warum sie sich ausgerechnet mir zeigten.

Heute änderte sich alles.
Ich traf fünf von ihnen,
und sie palaverten in gewohnter Weise.
Plötzlich hatten sie mich in ihre Mitte genommen,
und ich spürte die rauhen Fasern
eines Juteseils um meinen Hals.
Todesangst lähmte alle meine Sinne.
So entging mir ihr Abgang.
Ich habe die Schatten noch nie lachen hören.
Heute hatten sie ihren Spass,
und ich bin gewarnt.
Künftig werde ich ihnen aus dem Weg gehen,
und auf meinen eigenen
in besonderer Weise achten.

Stonehenge

Stonehenge ist enträtselt.
Das Arrangement ist die Darstellung
einer archaischen Hochzeitszeremonie.
Im Vordergrund steht das Brautpaar,
zur Liebe entbrannt.
Rundum stehen jene Zeugen,
die getötet werden,
wenn der Bund zerbricht.

Jakob

Man nannte diesen Raben „Jakob“. Er war als Nestflüchter bei dieser, seiner Menschenfamilie gelandet. Mehlwürmer liessen ihn groß und stark werden.

Es gehörte zu Jakobs Gewohnheiten, seinen Pflegeeltern kleine Geschenke zu bringen.
Deshalb griff er sich auf seinen Streifzügen alles, was er tragen konnte und was blau war. Seine Geschenke an seine Familie.

Eines Tages, als seine Familie auf der Terrasse versammelt war, tauchte Jakob auf und liess einen goldenen Ring auf den Tisch fallen. Dann legte er sich auf eine Seite, seine Nickhaut verschloss die Augen, und der Vogel war tot. Die Familie versank in tiefer Trauer;
der Hausherr steckte verstohlen seinen Ehering an seinen korrekten Platz.

Am Vormittag hatte er im Zustand zügelloser Wut seinen Ring ins Gebüsch gefeuert.
Nun hat deieser verdammte Vogel seinen Plan zunichte gemacht. Er schaute sich erleichtert um.

Zukunft

Wer das 70. Lebensjahr vollendet, hat das Recht,
seine komplette nicht-materielle Persönlichkeit
kopieren und speichern zu lassen.
Das so gesicherte Material kann
vom Eigentümer oder seinen Nachkommen
nach Belieben verwendet werden.
Lediglich eine Mehrfachverwendung ist untersagt
und durch eine software-technische Massnahme
verhindert.

Ich darf also meine Persönlichkeit
auch auf meinen Hund übertragen
und ihn endlich dazu bringen,
dass er Heringssalat mit Pellkartoffeln frisst.

Die Seele? Sie kann nicht kopiert werden.
Der Grund: Man findet sie nicht.
Man kann sie nicht finden,
weil es sie nicht gibt.

Gäste von auswärts

Dies ist das letzte Bild eines Kaiserpinguin-Paares,
aufgenommen am Grossen Portal des Buckingham Palace.
Vogelschützern war es gelungen,
dem Lord Mountbatten die Jagdflinte wegzunehmen
und die Tiere in Sicherheit zu bringen.

Der männliche Pinguin trägt einen Ring,
der ihn als Mitglied einer Kolonie in der Antarktis ausweist.
So muss man davon ausgehen,
dass die beiden Tiere ca. 100 Tage unterwegs waren,
um die Strecke von der Forschungsstation Neumayer III
bis London zurückzulegen.

Es ist nicht möglich, das Motiv der Vögel
für eine solche weite, gefahrvolle Reise
zu ergründen. Man weiss nicht,
wo die beiden Pinguine geblieben sind
und vermutet sie auf dem Weg nach Hause.

Retrograd – vom Rock zum Barock

pee

Dieses Mahnmal steht
in Leer/ Ostfriesland.
Es erinnert an drei Bürger,
die voll, mit Friesengeist gut abgefüllt,
den Versuch wagten,
auf dem Alten Markt in Jever
als Trio auf Flöten
Händels Wassermusik zu spielen.
Der Versuch misslang.
Der Friesengeist war mit 56% vol. stärker
als Händel mit seiner barocken Musik.
Es fand sich in der JVA Oldenburg
ein vergittertes Zimmerchen,
das den drei Musikanten
fortan als Übungsraum dienen konnte.

Archiv einer deutschen Behörde

Richard Wagner’s Gesamtwerk,
Musik und Libretti,
aufbereitet durch städtische Beamte
in Bayreuth, für die Archivierung
im Museum für Kunst und Geschichte
in Freiburg/Schweiz.

Zwei der drei Museumsangestellten
sind inzwischen wieder bei ihren Familien
und erholen sich. Der dritte hatte sich
in seinen Lachkrämpfen
einen erhebliche Teil der Haare ausgerissen,
und seine lädierte Kopfhaut wird in einer Klinik
immer noch mit Binätsch-Umschlägen behandelt.

Wir wünschen gute Besserung!

Brücken

Brücken verbinden.
Sie lassen Hindenisse vergessen.
Ich habe meine eigene.
Sie ist wie aus Stahl und Beton gebaut.
Also nahezu unzerstörbar.
Sie überbrückt die Strecke
von Geburt bis Tod.
Hilft mir, die Zeit zu überwinden.
Ich nenne meine Brücke „Leben“.

Am Fluss

Beide waren froh, die lästigen Füsse endlich losgeworde zu sein.
Sie waren alt, und ein Grauschimmer kündigte an, ihr Lebenszyklus neige sich dem Ende entgegen. Dennoch waren sie in der vergangenen Nacht bemüht, dieses einsame, schwächliche Grasgewächs möglichst wirksam gegen die Kälte zu schützen; Kinder hatten mit Teelichtern gespielt, und ihre Flämmchen sollten beim Schutz vor Frost behilflich sein.

Die Bugwelle eines tief liegenden Frachtschiffs beendete das Stilleben abrupt. Die drei Teelichter wurden gelöscht, und beide Schuhe vom Strand gespült. Sie gingen unter, und die Strömung im Fahrwasser trug sie fort. Lediglich eines der brennenden Teelichter wurde am anderen Flussufer gesehen, löste in der Abendpresse ein kleines Chaos aus. Und die Graspflanze, eine salztolerante Bimsen-Art steht fest und ist guter Dinge. Sie wird prächtig gedeihen und eine Kolonie ihrer Art gründen.

So ist sie, die Welt der Wahrheiten und der Irrtümer. Ja, auch in der Menschenwelt!