Zäh wie ein Kommiss-Stiefel im Eintopf

Georg Friedrich Wilhelm Hegel lebte vor 200 Jahren und war ein namhafter Philosoph. Dieser Mann hat doch tatsächlich folgendes geschrieben:

„Die Weltgeschichte geht von Osten nach Westen, denn Europa ist schlechthin
das Ende der Weltgeschichte, Asien der Anfang.“

Bei idealistischer Sichtweise erkennt man, wie weitsichtig Hegel gedacht hat. Europa hat einen Kulminationspunkt erreicht, und Asien entwickelt sich rasch und kommt immer näher.

Aber: Zu kurz gesprungen, Herr Hegel!
Europa ist nicht das Ende der Weltgeschichte.
Sein Entwicklungsprozess ist nicht aufzuhalten.
Und Sie wussten, was geschieht, wenn der Höhepunkt überschritten ist.
Wir erleben es Tag für Tag.

Hegel hat die Übel als Durchgangsposten auf dem Weg zur Verwirklichung
des Ideellen gesehen. Doch wir kennen ihre zerstörerische Wirkung.
Hegels Philosophie des absoluten Idealismus hat sich nicht durchgesetzt.

Wissen behindert

Vorhin, vor ziemlich genau 30 Minuten
ist einem Tsunami gleich eine
Erkenntnis über mich gekommen,
an deren Wirkung ich noch lange zu
beissen haben werde.
Ich hätte mein Leben um so Vieles
besser gestalten können, hätte ich
diese wunderbar einfache Regel beachtet:
„Wer nichts lernt, kann nichts vergessen.“
 
 Dann ist es einfach, irgendeiner
Ideologie zu folgen. Wissen behindert!

Wissen und Intelligenz – das reine Gift
für das Volk. Provoziert sogar Suizide!

Brot und Spiele – Wohlfahrt für den Plebs.
Und alles fliesst. Vor allem das Geld.

Unendlich ist die Schar der Toren

Francesco Petrarca, ital. Humanist und Dichter (14. Jahrhundert)

Der US-Präsident Donald Trump hatte zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli 2019 eine 60 Minuten-Rede vorbereiten lassen, die ihm auf einem Teleprompter zum Ablesen angeboten wurde. Wie berichtet wird, hatte er mit seltener Disziplin den Text vorgetragen, und die Macher im Hintergrund waren hellauf begeistert: Diesmal klappt’s! Dachten sie.

Dumm war, allzuviel Patriotismus und präsidiales Eigenlob einzubauen. Der Präsident war schliesslich ergriffen von seiner eigenen Grösse und seiner geistigen Potenz. Es kam, wie es kommen musste. Er verlor den Kontakt zum Teleprompter und wurde kreativ mit einem Lob für die US Army: „Die Armee war in der Luft, sie rannte gegen Befestigungsanlagen an, sie erkämpfte Flughäfen, sie machte alles, was zu machen war!“ Seine Zuhörer waren vor Begeisterung aus dem Häuschen, und es dauerte sehr lange, bis dem einen oder anderen schwante, dass es im Juni 1775 weder Flugzeuge noch Flughäfen gab, da die Gebrüder Wright erst in 1903 das erste motorisierte Fluggerät bauten.

Die Summe der Fehlleistungen und kriminellen Handlungen der Trump family lässt sogar die Deutschen erschrecken – sie sind selbst keine Waisenknaben, wenn gelogen und betrogen werden muss.

Warum zum Teufel gilt die Wiederwahl Trumps in 2020 als so gut wie sicher? Ich sehe zwei Gründe. Zum einen ist er ein begabter Demagoge, der es versteht, den Underdogs Traumbilder zu verkaufen. Und zum anderen ist er manipulierbar, also für die Oberschicht und andere Interessengruppen wie die Rassisten nützlich.

Ich glaube, dass nirgendwo in einer Verfassung festgeschrieben wurde, öffentliche Ämter dürften nur an Gesunde vergeben werden.

Und wenn schon! Verfassungsbrüche leistet man sich ohne Skrupel, wenns nicht anders geht. Wer aufmerksam verfolgt, wie Politik geht, lernt  automatisch dazu, zum Beispiel dass Bertolt Brecht recht hatte, als er kommentierte: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral!“

Modernisiert klingt  das ein wenig rigoroser: „Erst kommt der Profit, und dann kommt nichts mehr.“

Haben wir Bürger nun einen Grund zum Jammern? Erst Scheisse bauen, und dann klagen? Wie blöd ist das denn! Dank unserer Inkompetenz und Bequemlichkeit hat sich aus der kleinen Raupe Nimmersatt ein gewaltiges Ungeheuer entwickelt, das uns irgendwann einen neuen Schwarzen Freitag bringen wird und uns nach dem Zusammenbruch unserer Existenz dazu zwingt, wieder bei Null zu beginnen. Es gilt aber auch, was der Multi-Milliardär Warren Buffett in 2006 ungeniert verkündete:

„Es herrscht Klassenkrieg, richtig! Aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“

Leute wie ihn macht eine Staatskrise noch reicher. Aber auch Buffett und Soros  haben ein Problem: Es ist das Altern. Irgendwann liegen sie in einer Holzkiste und können nichts mitnehmen ausser ihrem eigenen Hintern. Mich tröstet dieser Gedanke.

Aber – um der Wahrheit die Ehre zu geben – beide sind nun 88 Jahre alt und geben schon zu Lebzeiten einen wesentliche Teil ihres Milliardenvermögens in Form von Stiftungen und Spenden der Gesellschaft zurück.

Ein guter Rat

Marc Aurel war im 2. Jahrhundert n. Chr. ein römischer Kaiser, und ein Philosoph:

„Die Kunst, die du gelernt hast, behalte lieb, und bei ihr suche deine Ruhe. Den Rest deines Lebens durchwandere wie einer, der alles den Göttern überlassen hat, keines Menschen Herr, keines Menschen Sklave.“

Was redete dieser Mann da? Er stellte seine eigene Existenz als Herrscher über das römische Reich in Frage? Mitnichten. Die Ansage galt wohl nur seiner Entourage. Aber in einer aufgeklärten Gesellschaft erlangen die Worte Marc Aurels Allgemeingültigkeit. Es ist der Rat an jedermann, sich von Zwängen zu befreien, frei zu sein im Denken und dem folgend im  Handeln.

Wenn wir den idealistischen Touch entfernen, bleibt übrig, was seit Kant die Aufklärer predigen: „Lasse Dir nichts vom Pferd erzählen! Benutze Deinen Verstand! Du brauchst keine Vordenker, dennDu hast selbst ein Hirn! Der Betrug hat viele Gesichter. Vertraue nur Deinem eigenen Bild! Erlebe Dein Leben im Original! Und erlebe das Glück als Empfindung Deiner Seele, und nicht als Konserve aus einer Pille.“

Gedanken unter einem Apfelbaum

Wir wissen ein wenig über die  grossen Kulturen der Vergangenheit, weil sie deutliche Spuren hinterlassen haben. Ein gefrässiges Raubtier, die Dekadenz hatte sie vernichtet, die Kultur der Etrusker, das antike Griechenland, das  römische Reich, das der Inkas und der Pharaonen und ja, auch das der Teutonen, das 1000jährige Reich unseres durchgeknallten Führers Adolf Schicklgruber, der sich Hitler nannte – sie alle sind Geschichte.

Ich sehe einen Apfel. Sein Baum erlebte – funktionell auf Null reduziert – einen Winter. Das wäre die kulturelle Katharsis. Es folgen Frühling und Sommer, die Aufbauphasen mit reifen Früchten, also hat man den kulturellen Höhepunkt erreicht. Nun beginnt der Abstieg

in eine neue Katharsis. Früchte und Blätter fallen, und der Apfelbaum scheint wieder tot. Es herrscht erneut der Winter.

Warum dieses Gleichnis? Es benutzt einen natürlichen Vorgang, um einen natürlichen Zyklus zu erklären. Ersetze den Apfelbaum mit dem römischen Reich der Caesaren. Es passt, nicht wahr? Aufbau, Blütezeit, Höhepunkt, Zerfall und Auslöschung. Ersetze Rom durch irgendeine andere Kultur, und es passt. Also ersetze ich den Apfelbaum durch Kultur, und es passt immer noch.

Nun schaue ich hin, wo wir in diesen Tagen stehen, und es drängt sich mir die Einsicht auf, dass wir die Phase des Zerfalls erleben. Das ist nichts, was mir Angst machen könnte. Der Apfelbaum lehrt mich, dass der Niedergang einer Kultur Phase in einem notwendigen Zyklus ist, an dessen Ende ein neuer Zyklus beginnen wird, also eine kulturelle Wiedergeburt.

Wenn es gelingt, unseren Egoismus für einen Moment zu unterdrücken, könnten wir solche Gedanken geniessen – sie sind mehr als nur utopisch. Und ich füge gegen allzu viel Optimismus hinzu: Die Menschen der Gegenwart sind nicht besser als die der antiken Welt.

Sie sind nur anders. Der unermessliche Fortschritt aus den letzten Jahrhunderten hat den Menschen nicht zum Guten verändert.

Ein modernes Übel: Das Elternhaus

„Die Tugend der Eltern ist eine kostbare Mitgift.“

So Horaz, ein römischer Dichter (65 bis 8 v. Chr.). Er hat dies sicherlich nicht ohne Grund gesagt.

Die moderne, also unsere Welt leidet an den gleichen Defiziten wie die römische Gesellschaft zu Zeiten des Horaz. Der Geldadel des 21. Jahrhunderts nennt das dennoch „Fortschritt“.

Ein Mann nennt es „Fortschritt“, wenn er seine 108. Million erwirtschaftet hat. Und er wird in diesem, seinem Leben nicht mehr verstehen, dass er ein armes Würstchen ist. Sein Geld straft ihn, indem es nicht fähig ist, glücklich zu machen. Und sein Leben straft ihn, weil es Nischen hat, in denen Geld nichts bewirkt, wie die folgende.

Zurück zu Horaz: Wenn die Eltern kein tugendhaftes , sondern ein durch Geld verdorbenes Leben führen, so entwickeln sich die Kinder häufig zu asozialem Grobzeug. Es bleibt anderen Menschen überlassen, sie zu bearbeiten, sie also unter Schmerzen auf ein Normalmass zurechtzustutzen.

Zuviel Klischée? Gewiss, Pauschalierungen zu nutzen ist unfein.

Aber leben wir nicht in einer Welt, wo ein einzelner Psychopath den 3. Weltkrieg anzetteln kann? Wo irre, geldgeile alte Männer einen Krieg fordern, um endlich die Waffenarsenale leeren zu können, damit neu gekauft werden kann? Befasst Euch mit den Biografien dieser Leute, und Ihr werdet Klischées bestätigt finden.

Das Vaterland und seine Patrioten

Arthur Schopenhauer und ich ( ! ) sind uns nie begegnet. Er ist zu früh gestorben, nämlich im Jahr 1860, und ich wurde zu spät geboren, und das war so um 1940, glaube ich. Dennoch sind wir in einem Punkt Brüder im Geiste.

Aus seinem Nachlass: „Das deutsche Vaterland hat an mir keinen Patrioten erzogen.“ Sein Nachlass deckt sich vollständig mit meinem gleichlautenden Vorlass. (Ich liebe Kunstworte. Bin ja noch nicht tot.)

Vaterland und Patriotismus sind heutzutage beliebig benutzte Worthülsen mit wasserdünnem Inhalt. Was ist das, ein Vaterland? Das Land meines Vaters? Meiner Väter? Und was ist, wenn einer meiner Vorväter Franzose war? Muss ich dann nicht „Allons enfants de la Patrie“ singen? Nun, bekanntlich machen es sich auch die Patrioten einfach, indem sie verallgemeinern mit „dem Land unserer Väter“.

Und was ist eigentlich ein Patriot? Ein glühender Verehrer des Vaterlands, einer Fiktion? Einer moralischen Größe, die ihren Ursprung in Zeiten der Vielstaaterei hatte? Sollen wir etwa das Hambacher Fest erneut feiern, um die Deutschen auf SchwarzRotGold einzuschwören? Dann wären die Protestler im Hambacher Forst am falschen Ort gewesen, wo es nur um Braunkohle ging,und keinen Pfälzer Wein gibt!

Schon gut. Schluss is. Aber ein wenig polemisieren macht schon Spass. Es ist erlaubt, solange man weiss, was man tut.

Nachbearbeitung eines unbekannten Blogbeitrags

Soeben las ich in einem Blog über Verlangen, Sucht, Wollen und Können und die persönliche Freiheit bei Entscheidungen, hier den Weingenuss betreffend. Ich habe dreimal gelesen, um nachfühlen zu können, was ich verstehen soll. Es ist mir misslungen.

Das Thema „Sucht“ ist zu wichtig, um damit leichtfertig hantieren zu lassen. Jedermann kann damit nach Belieben umgehen, aber nur in seiner Ecke, und nicht im Netz. Das sagt nämlich:

„Sucht ist eine krankhafte Abhängigkeit von einem bestimmten Genuss- oder Rauschmittel o. ä., oder übersteigertes Verlangen nach etwas, einem bestimmten Tun, wie Vergnügen, Genuss usw.“

Die Sucht ist eine psychische Erkrankung mit psychosomatischer Wirkung und verlangt nach Therapie. Es gibt keine Freiheit der Entscheidung zum Konsum von Suchtmitteln. Anderes zu vermuten ist wie Magerquark ohne alles. Süchtige sind extrem unfrei.

Unsere sogenannte Wohlstandsgesellschaft hat mehr Süchtige, als man sich träumen lässt. Die Mehrzahl der Betroffenen weiss nichts davon bzw. darüber. Warum ist das so? Der Zustand wird erst mit dem Leiden des Betroffenen pathologisch. Und gottlob erlebt nicht jeder diesen dramatischen Schritt in die Krankheit, auch wenn er nächtens seine Wohnstatt auf den Kopf stellt, um die vermisste Tafel Schoko endlich zu finden, weil verdammt nochmal jetzt unbedingt Schoko mit Traube und Nuss verlangt wird, und gar am Nachtschalter der Tanke gekauft werden muss, weil irgendwer das letzte Pfund Fruchtjoghurt mit Pfirsich/Maracuja weggegessen hat.

Nachgedacht

Was ist los mit Dir, Alter? Dein ganzes Leben lang und bis zum heutigen Tag hast Du Dich als  humorvollen Menschen gesehen, und nun schreibst Du Blogbeiträge mit überwiegend negativem Inhalt? Tag für Tag dieselbe Sch ….. ? Ich beginne eine Diskussion mit mir. Erst mal gilt: „Negativ“ ist negativ gewertet. So also nicht. Ich bestehe auf „kritisch“ über Negatives reden oder schreiben.

Kritisches zu schreiben generiert keine Sympathie. So gewinnt man keine Freunde. Schliesslich giesst man Dreck kübelweise über Menschen aus, die eventuell den kritischen Zustand von irgendwas mit Erfolg verdrängt haben. Na, dann eben nicht! Zwar erlaube ich mir hie und da einen Denkfehler, aber niemals werde ich mein Bild von unserer  Welt so sehr verkleinern, dass der Schmutz in den Falten eines Schrumpfwesens verschwindet und nicht mehr stinkt.

Humorvoll sein heisst nicht doof sein. Heisst nicht, unkritisch durch das Leben zu trudeln. Der Humor ist Medizin, und er hilft dabei, nicht zu verzweifeln. Genau dafür wurde die Unterart gebildet, die wir „Galgenhumor“ nennen.

Jaja, Alter! Das Leben auf dem Planeten Erde hat auch eine positive Seite! Du weisst das! Du könntest doch zum Beispiel ein Kochrezept über heisse Milch mit ohne alles schreiben? Oder deutlich anspuchsvoller über einen „Schokoladenpudding in 2 Minuten“? Oder einfach über „das Leben ist schön“! Und jetzt, genau an dieser Stelle poppt der innere Konflikt auf. Die Lösung ist – ich schreibe das ungern – trivial. Unser  Leben hat wie Janus zwei Gesichter, und man muss beide nicht nur hinnehmen, man muss sie lieben. Und man muss sie als ständige Begleiter akzeptieren. Nur wer das Leben zur Melange verkommen lässt, hat verloren.

Dumm nur, dass die Wirkung beider Gesichter so unterschiedlich scheint. Das Gute wird als alltägliche Selbstverständlichkeit hingenommen und nicht in Hymnen besungen. Anders das Böse. Es wird unentwegt getriggert und ist deshalb aktuell und akut. Es schmerzt, und es helfen keine Pillen. Wir verlangen dringend Kompensation, erfahren die Unwirksamkeit des Guten und greifen zu anderen Mitteln wie Drogen, Alkohol, Pizza und Schokolade. So geraten wir auf Nebengleise und fahren einer Zukunft entgegen, die nichts Gutes verheisst – oder wir steuern rechtzeitig um, indem wir mit Hilfe von Verstand und Vernunft in der geraden Spur weiterfahren.

Gut gebrüllt, Löwe! Aber sag an: Was machst Du auf der geraden Linie mit deinen Gefühlen? Sie beharren auf ihren Mitwirkungsrechten! Unterdrücke sie, und Du wirst zum seelischen Krüppel! Wieder ein Konflikt, und wieder eine triviale  Lösung: Schreibe einen Blog! Und wisse: Was Du durchdacht und geschrieben hast, gilt als verarbeitet. Dadurch wird die Welt nicht besser – aber Du fühlst Dich besser. Nun ja. Eine wirklich kleine Lösung, aber besser als keine Lösung, nicht wahr?

Im Orbit

Ich wünschte, ich hätte im Orbit einen Stuhl zur Verfügung.

So könnte ich mit der nötigen Distanz das grosse Ganze wie auch das Grosse  des Kleinen beobachten, wäre sicherer in meinem Urteil zu  Problemen und damit auch besser befähigt, meine eigenen Probleme, die im Kleinen liegen, zu bearbeiten, und zugleich die Wirkung meines Handelns wahrnehmen.

Anders ausgedrückt: Distanz erweitert den Horizont, sowohl optisch als auch geistig.

Die ganzheitliche wie die Detailsicht sind gleichwertige Werkzeuge. Man muss beide benutzen.

Und was hat der Orbit damit zu zun?

Natürlich nichts. Ist nur eine Metapher.