Das Licht der Sonne

Sonnentage sind sehr unzuverlässige
Begleiter unseres Lebens.
Eben noch spenden die Sonnenstrahlen
Licht und Wärme, dann lassen sie sich
unverhofft von Wolken einfangen und
fallen in Regentropfen zur Erde,
verschwinden rasch in trockener Krume
oder – schlimmer – in den finsteren
Schächten der Menschen, um dort ihren
Glanz, vielmehr ihre Existenz zu
verlieren.
So endet Sonnenlicht als Schmutzwasser,
und  die Menschen warten –
auf neue Sonnentage.

Ein Schwachmatikus erzählt

Wieder einmal befallen mich Zweifel und
lähmen mich in meinem Denken und
Handeln. Ich sitze verzweifelt, oder
sagt man eingezweifelt? Ich sitze also
grübelnd unentschieden vor meinem
Keyboard (heute ist Sonntag, an Werktagen
nenne ich das Gerät eine Tastatur); ich sitze
also an Besagtem und quäle mich mit
Grundlegendem, quasi mit einer, der
humanen Existenz entliehenen Frage:
„Soll ich mir jetzt einen Kaffee kochen, und
falls nein, was geschieht dann mit meinem
Rosinenbrot?“
Ich lebe allein, aber irgendwer muss mir
antworten.
 
Nachtrag: Ich habe unter Missachtung aller
ökonomischen Risiken  eine Kanne Kaffee
maschinell hergestellt. Diese Maschine hat
unentwegt gestöhnt und geröchelt, und
ein schwarz-braunes Ejakulat abgesondert.
Mein Rosinenbrot erwies sich als ein
hinterhältiges Produkt. Eingespeichelt
änderte es seine Konsistenz und wurde
im Mund wieder zum Teig, den man
erneut aufbacken müsste. Aber die Not
macht bekanntlich erfinderisch.
Ich habe mich technisch weiterentwickelt:
Abbeissen, nicht kauen sondern schlucken,
und mit Kaffee nachspülen.
Der weitere, internistische Prozessverlauf
ist automatisiert, und ich reagiere nur
auf akustische Störmeldungen.

Mein Apfelbaum

Das Elbe-Urstromtal, heute die Elbmarschen
genannt, ist an meinem Wohnplatz
ca. 9 km breit, gesäumt von eiszeitlichen
Endmoränen.
 
Irgendein Landwirt hat irgendwann
damit begonnen, hier Obstbäume zu pflanzen.
Man zählt heute zum Beispiel
9 Millionen Apfelbäume.
Und – was soll ich sagen – einer davon
gehört mir. Ein roter Boskop.
 
Mein Baum ist alt. Seine Äpfel, sollte er
überhaupt welche zustande bringen,
sind klein, und nicht mehr rot.
Er ist ein Methusalem seiner  Art,
in Menschenalter gemessen so
um 120 Jahre alt.
 
Ein Obstbauer mahnte, der Baum müsste
gefällt werden, und ein junger koste
nur einige Oiros und so weiter, und die
Familie stimmte uneingeschränkt zu –
aber dieser Baum bleibt. Er gehört zur
Familie. Man mag das gerne wunderlich
nennen, aber er hat gerade
wieder prachtvoll geblüht.
Das war natürlich vergebliche Mühe für
den Alten, denn es fehlen die Bestäuber.
Anders gesagt: Mein Garten ist biologisch
so tot wie ein Klappspaten.
 
Dies feststellen zu müssen ist bitter.
Der Garten hat nie Herbizide, Fungizide
oder Insektizide zu spüren bekommen, und
dennoch ist tierisches Leben nahezu
komplett erloschen.
 
Wann ist wohl der Mensch dran?

Mein Messie-Syndrom

Heptagon. Soeben ist dieses Wort in meinem Gehirn aufgetaucht,
und ich weiss nicht, wieso.
Ich kenne den Begriff, das …..gon weist auf die Geometrie hin, aber
wieviele Ecken hat das Ding nun? Ich lese dazu ein kurzes Wiki,
und bin informiert. Unverzüglich lege ich diese Info beiseite,
denn ich kann sie nicht verwenden. Was sollte ich wohl mit einem
7-eckigen gleichseitigen Polygon anfangen?
 
Nun liegt die Info dort, wo 75.347 andere ungenutzte Info’s einem
tristen Dasein ausgeliefert sind. Wenn ich darüber nachdenke,
erkenne ich: Ich bin ein Messie.
Ich bin kein Deut besser als jene armen Leute, bei denen durch
einen unglücklichen Umstand das mentale Messie-Syndrom
umgeschaltet hat auf materiell, und die demzufolge ihren
Wohnplatz zur Müllhalde umorganisieren.
 
Gottlob lässt sich durch ein effizientes Management meiner
Symptome der Eindruck erwecken, ich sei von
aufgeräumter Natur!

Am Huangpu

Der Huangpu ist ein Fluss und mündet in den Jangtse.
Er fliesst mitten durch Shanghai.
Ich stand mit Herbert (3,5 Zentner / 190 cm)
an einer Ufermauer.
Ich brachte 2,5 Zentner bei 187 cm Höhe auf die Waage.
 
In etwa 30 m Entfernung stoppte eine kleine Gruppe
chinesischer Touristen, 2 Paare mit Kind, gekleidet wie die
Landbevölkerung, also schlicht.
 
Sie begannen ein kurzes Palaver. das rasch endete. Die beiden Frauen
machten sich auf den Weg zu uns dicken Deutschen.
10 m entfernt zauberten sie ein herzliches Lächeln in ihre Gesichter.
Ich sagte noch „Herbert, Finger weg, die sind über 60
und denk an Sigrid!“ Nun standen die beiden Mädels vor uns,
strahlten, und eine der beiden gab zu verstehen, was sie wollten.
Sie sagte „Buddha!“
Ich zu Herbert: „Das hab ich über Dich nicht gewusst!“
Und die beiden Ladies drehten sich um und kuschelten sich
ausgiebig an uns dicke Jungs.
Flugs hatten ihre Männer die Kameras zur Hand,
und so sind Herbert und ich in chinesischen
Familienalben verewigt.
 
Die beiden Frauen machten sich nun auf den Weg zu ihren Familien,
winkten uns noch einmal zu, und die Gruppe zog weiter,
zur nächsten Sehenswürdigkeit dieser grossartigen Stadt.
 
Ein Sinologe: Das glaub ich nicht! Chinesen entwickeln
gegenüber Fremden niemals so etwas wie Empathie!
 
Ich: Doch, das tun sie! Man  muss nur fett genug sein,
und nicht so klapperdürr wie Sie!
 
Und ich zu Herbert: Was fürn Ding. Herbert, das war nun aber
ein echtes Highlight auf unserer Tour!
Weil der Professor natürlich recht hat.
 

Am Mirabeau

Wiki: Cours Mirabeau, Aix-en-Provence

Gelegentlich geschieht es, dass man einem inneren
Bedürfnis nachkommt, einer leisen Sehnsucht nach
etwas, das begraben schien und dann doch, sanft verklärt,
für eine kurze Weile das Denken beherrscht.
Just dies ist mit heute früh widerfahren.
 
Sehnsucht braucht Erinnerung als Nahrung.
Dabei kann es geschehen, dass die Erinnerung
übermächtig wird und zu Selbsttäuschung verleitet.
Und wenn schon, dachte ich, und schloss die Augen.
Meine Büro-Butze war nun ausgeschaltet, und ich sass
in einem Strassencafé auf dem Cours Mirabeau
in Aix-en-Provence, vor mir ein frischer Salat, ein Glas Rosé
aus Bandol und ein wenig Baguette. Über mit ein
Blätterdach der Platanen, und um mich herum
– es war Frühsommer ohne Touristenmassen – nichts weiter
als französischer Alltag.
 
Ich habe mich in dieser Szene so sehr verloren,
dass ich mich selbst vergass, mich in mein Innerstes
vertiefte und als eine Seele wiederfand, die genau dort
erschien, wo sie hingehört, auf dem Cours Mirabeau.
 
Es waren Momente glücklicher Erinnerungen,
aber sie schützen nicht vor der Wirklichkeit eines
regnerischen Sonntags im Alten Land bei Hamburg.
Also  tat ich, was getan werden musste.
Ich habe Aix und den Mirabeau abgehakt,
in meinem Gedächtnis vermerkt, dass es schön war,
wieder einmal dort gewesen zu sein,
und mein Frühstück vorbereitet.
Zugleich, und um auf die Erde zurückzufinden,
habe ich erneut verärgert gebucht, dass die
Franzosen aus der Provence ihren Besten
aus der Gegend um Bandol nicht an Ausländer
verschwenden, sondern selbst trinken.
So sieht‘s aus.

Sponti-Sprüche

Eine Blume geht über die Wiese,
sieht einen wunderschönen Menschen,
und reißt ihm den Kopf ab.
 
Die Bundesregierung wird ab sofort sparen.
Jeweils 5 Minister müssen sich 1 Gehirn teilen.
 
Viele Menschen entwickeln sich, bis sie 12 sind.
Ab dann werden sie nur noch größer.
 
Es gibt Menschen, die nur in aufgeblasenem Zustand sichtbar werden.
 
Hülsenfrucht zum Abendbrot, morgens sind die Fliegen tot.
 
Lieber einen Urahn im Iran als Uran im Urin.
 
Männer sind wie Zwiebeln: Man pellt Schale für Schale ab
und was übrigbleibt ist zum Heulen.
 
Seitdem er verkalkt ist, hält er sich für ein Denkmal.
 
Wenn Wahlen in diesem Land etwas nützen würden,
wären sie sicher schon verboten.
 
Mein Dorf ist nur halb so groß
wie der kleinste Friedhof von New York,
aber doppelt so tot.
 

Ein wenig Ringelnatz


In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee,
Da taten ihnen die Beinchen weh,
Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Teil der Reise.

Prophylaxe bei akutem Klima

Gedränge auf Höhe Bad Harzburg

Bevor der Moloch Hamburg das Grundwasser weggesoffen hat, werden wir auch Meerwasser in grossem Stil entsalzen können; die Elbe wird ein Wadi sein, täglich zweimal  durch die Flut mit Nordsee aufgefüllt, und ich gehe sonntags  trockenen Fusses rüber nach Blankenese.
 
Aber die Katastrophe schreitet fort.
 
Schliesslich wird sich die Erdatmosphäre so sehr erwärmt haben, dass die Pole abgetaut sind, die Meere überlaufen, die Elbe samt Umland absäuft, und Finkenwerder Elbfischer in unserem Garten Hering fangen, genauer: Über unserem Garten.
 
Landunter! So kanns kommen. Die Hanseaten als Flüchtlinge in Bayern – was für eine Vorstellung.
 
Wos wuist? A Essen? Bist narrisch? Schleich´Di, Du Depp, oder mechst raffa, ha? Du Rucksack-Deitscha, Du ….. Du ….. Du Wirschtl! Geh zruck zu die Fisch !
 
Ob man so viel sprachliche Eleganz auf die Dauer verträgt, oder nicht doch Pickel am Hintern davonträgt, muss man abwarten.  Vorsicht! Das ist kein Rassis-mus! Ich darf das, denn ich bin als Bayer geboren. Damit das klar ist.
 
Wenns soweit ist: Rennt nicht alle in die Heide, zum Wilseder Berg! Der ist zwar  knapp 170 m hoch, hat aber wirklich nur Platz für 120 Menschen, zur Not 125, und 30 Kommiss-Brote.
 
Leute, keine Hektik. Dieses, und nächstes Jahr sind wir noch sicher.
 
Fangt aber schon mal damit an, Sandsäcke zu füllen. Noch gibt es Säcke und Sand – leider vorläufig voneinander getrennt. Eine kleine Hilfe: Wenn Deine Hütte 20 m lang und 10 m breit ist, und Du rechnest 100 Sandsäcke auf einen Meter, dann macht das 200×138=27.600 Sandsäcke, und Du kriegst damit einen Wall gesetzt von 100 cm Höhe und 120 cm Dicke an der Basis, und 30 cm on the top. Damit kannst Du ein weiteres Jahr trocken liegen. Für das besondere Problem mit den Abflüssen muss Dir etwas einfallen. Wenn Du die nicht druckfest verschliessen kannst, läuft Dir die Bude von innen voll, und ich sage Dir, ich habe das mal bei Hochwasser erlebt, Du kannst Dir nicht vorstellen, was alles aus den Kloschüsseln in Deine gute Stube gespült wird – ganz extraordinär! Wie das? Na die Kanalisation läuft als erstes voll und transportiert wegen unsinniger Druck-verhältnisse im Röhrensystem quasi rückwärts.
 
Schliesslich solltest Du für alle Fälle ein Schlauchboot von mindestens vier Meter Länge zur Hand haben, drei Paddel pro Insasse für den Notfall, und einen 20 PS-Aussenborder mit Sprit für 300 km Schleichfahrt, sowie ein Drachenanker für die Ruhepausen. Wasserfeste Kleidung, Esbit-Kocher, Fackeln, Signalpistole Munition (nicht an Silvester verbraten), wasserfeste Kekse und Konserven für zirka eine Woche. Keine Frage, dass alle wichtigen Papiere in Plastik einzuschweissen sind, parat liegen für den Exodus. Medikamente gegen Scorbut sind ebenso unentbehrlich wie Unterwäsche aus Angora-Wolle. Ein Kompass muss zuverlässig SÜD zeigen, sonst gehts schief. Hoffe nicht auf Seekarten – für die Strecke von Buxtehude nach Göttingen gibts noch keine. Und – das ist besonders wichtig – Pressluft zum Aufblasen Deines Boots! Schwimmwesten, Leinen, kleines Segel wäre auch praktisch, spart Sprit, warme Sachen zum Wechseln, Deine Stereo-Anlage, vergiss das Auto! Damit kommst Du nicht weit! Alle wollen mit dem Auto abhauen. Du aber wartest gelassen auf das Wasser, belädst Deine luftgefüllte Arche und tuckerst in aller Seelenruhe los.
 
Aber mach unterwegs  kein Loch ins Boot. Für diesen Fall muss Dir auch etwas einfallen. Das Marine-Handbuch? Stichwort: Leck (niemals Loch), und abdichten (niemals zukleben). man kann auch kalfatern mit Werg und Holzteer.
 
Merke: Wer AHOI ruft, wird ins Wasser geschmissen!

Nie wieder alt ! ?

Der Mensch altert. Es laufen unaufhaltsam physiologische und psychologische Prozesse ab, in denen er gleichsam rücksichtsvoll auf seine finale Rolle als Erblasser vorbereitet wird. Dabei sind individuelle Parameter wirksam – deshalb altern wir nicht alle auf dieselbe Weise. Und darum hat es der eine in den Knien, und der andere im Kopf, und der dritte am Kehlsack, an den Knien und im Kopf.
Die Parameter sind teils fix, teils variabel; das meint: Wenn meine Stammzellen sagen, mit 65 geht die Pankreas in Rente, dann bin ich ab 65 Diabetiker Typ II. daran ist nicht zu rütteln. Und wenn mein Phlegma mir sagt, Sport sei Mord, dann wäre schon dran zu ruckeln, theoretisch. Iss nicht so viel. Theoretisch machbar. Statt Bauch nur noch Bauchlappen wie beim Kaninchen (lecker mit Zwiebelfüllung!), lässt sich wegschneiden. Das wäre auch mit dem Kehlsack machbar; aber wie sieht das dann  aus? Überleg mal:
Ein altes Gesicht über einem jungen Hals, und ganz oben das strahlende Nichts, wo mal Haare gewachsen sind, der Hintern in der weissen Mai-Büx, die ich vor 53 Jahren gekauft und nie getragen habe, und am neu gestylten Hals vielleicht eine Goldkette, etwa 400 g schwer, den Rolex-Nachbau aus Hongkong am rechten Handgelenk – sehr eigen, das Bild. Und im Kopf den Iwan und die Schlacht um Stalingrad.

Ich bin eh für´s Gründliche, wenn also etwas gemacht werden soll, dann richtig, und das hiesse: Krampfader links raus, rechtes Bein ab, Hinterteil geliftet, Brust- und Kopftoupet, Perlweiss auf die Zähne, Sonnenbank in den Keller, Gesicht zum Dauer-Smiley geliftet, die Goldkrone im Mund von hinten nach vorne versetzt, den Schnauzbart blondiert und alle Mitesser raus, Peeling drüber und Wimpern re-implantiert, das Fettabsaugen von den Hüften nicht vergessen! Und mit Winston Churchill argumentieren: „No sports!“ Gut, gut, jetzt ist der Gaul mit mir durchgegangen, back to normal!

Meine konservative Gesinnung verlangt von mir einen altersgerechten Habitus, eine altersgerechte Lebensweise. Aber: Was zum Teufel ist das eigentlich?
Sagen wir es mal so: Ich bin in einer verfressenen Gesellschaft aufgewachsen. Darum habe ich verinnerlicht, es müsse für alles ein Rezept geben. Eben auch für das Älterwerden. Bestimmt habe ich mal eines gefunden, (Dale Carnegie oder so),  es hat nicht funktioniert, und deshalb habe ich es wieder vergessen. Letztendlich stehe ich da mit allen Zutaten, aber ohne Kochanleitung, und es wird nichts Rechtes. Kennst Du das auch?