Zu Hause

Wenn ich dreimal hinfalle, liege ich hier im Gras, bleibe am Boden und greife mir einen Apfel. Wenn mich dann der Bauer erwischt, habe ich ziemlichen Zoff. Sollte ich dort herumliegen, ohne zu kauen, so kann der Bauer auch sagen: Bevor Du gehst, stopf Dir mal die Taschen voll!

So ist das im Alten Land bei Hamburg. Hier werden auf 10.500 Hektar Land rund 300.000 Tonnen Äpfel geerntet – jedes Jahr. In Kiew / Ukraine habe ich Äpfel aus dem Alten Land gekauft.

Auf weiteren 1100 Hektar stehen Kirschbäume. Der Rest aus dem Obstkorb ist Hobby.
Sonst wächst hier nichts, oder sagen wir mal nicht viel. Aber 10 km nach Süden, und Du stehst auf einem Kartoffelacker. Über die Elbe, in Dithmarschen wird Kohl geerntet, und Schwein gibts bei ALDI. Hungertod? Findet nicht statt.

Wenn man aber Kulinarisches sucht, um den Gaumen mal richtig zu verwöhnen, muss man nach Hamburg. Im Alten Land sind nur zwei Gerichte bemerkenswert:
Die Hochzeitssuppe, eine gebundene Suppe mit Wurzelgemüse, Klösschen, Eierstich und einem Berg bestes Rindfleisch, die so dick sein mussw, dass der Löffel drin stehen bleibt, delikat gewürzt mit Muskat und Ingwer.
Und Stint satt. Stint ist ein Salmonide, also ein Lachsfisch. Die wahren Riesen dieser Rasse messen so viel wie mein Mittelfinger der rechten Hand, sind aber nicht so rund, sondern schlank. Es gibt sie im Frühjahr, wenn sie in Schwärmen die Flussläufe hochwandern, um irgendwo oben zu laichen. Man fängt sie in Ufernähe mit Netz, lässt die kleinen, wie sie aus dem Wasser kommen, und nur die grossen werden ausgenommen. Nun wälzt man sie in Mehl und wirft sie in heisses Fett. Wenn sie schön goldgeln gebraten/frittiert sind, gibt man sie auf Teller und schiebt sie den Gästen hin.
Die fallen drüber her, und wenn der Teller leer ist, wird er wider aufgefüllt. Das macht man so lange, bis der Teller wieder leer ist, und der Gast aufgefüllt. Natürlich hat man ihm zwischendurch reichlich Bier serviert, und man schliesst das Mahl ab mit einem ordentlichen Aquavit, oder ähnlichem.

Wie gesagt, den Rest der Kulinarik hier kann man getrost vergessen – ein einziger Hotelier hat noch eine attraktive Speisekarte. Wem es da zu teuer ist: Ich kenne eine Currywurstbude. Und Fahrradfahren ist eh gesünder als Schlemmern. Das Radnetz ist sehr ordentlich.

Was haben wir sonst noch? Schiffe gucken an der Elbe. Das Hauptfahrwasser steuerbords liegt ziemlich dicht beim Ufer. Wenn dann so ein 60.000-Tonner längs kommt, kann das schon beeindrucken.

Touristik-Werbung? Ich lächle müde. Wenn hier in meinem Schrieb 6 Leute vorbei kommen, ist der Werbeeffekt natürlich phänomenal!

Ratlos

Es gibt immerhin zwei Möglichkeiten, mit diesem Bild umzugehen:
Wegwerfen, oder etwas dazu schreiben.

Wegwerfen – möchte ich nicht. Vielleicht wird seine fiese Visage irgendwann benötigt. Dieser Mann könnte aus einem Filmset abgehauen sein – typisch bösartig, korrekt gekleidet, wohlhabend, fährt einen Chevrolet Suburban – aha! Cosa nostra!
Consigliere des Paten Matthew Madonna, Lucchese family! Alles klar. Dann wäre das hier Joseph DiNapoli? Der sieht aber garnicht wie ein Italiener aus, eher wie ein Ire!

Aber was, wenn er auf der anderen Seite steht? Staatsanwalt ist? Hat er dann noch irgendeinen Wert für mich? Ich müsste ihn dennoch als Gangster verkaufen – ist das alles fair? Es kann ja auch sein, wir haben hier den liebsten Opa von Marylou, 6 Jahre alt am Wickel, der früher bei HEINZ die Tomatensosse rührte …..

So gesehen sollte ich ihn löschen. Schliesslich möchte man keine Persönlichkeitsrechte verletzen. Also hau wech den Mann, der ist nicht brauchbar! Aber wie hört sich das denn an? Etwa besser?

So geht es auch nicht. Ich mache einen Kompromiss. Lasse das Bild, wo es ist, und schreibe garnichts dazu. Ich bin gross genug, um kleine Brötchen zu backen. Ich schreibe also nichts zu dieser Figur, und damit fange ich sofort an. Beschlossen und verkündet.

An angel has fallen

Wie sagt man?
„Runter kommen sie immer!“
Gilt das auch für Engel?
Wenn sie ganz oben in Ungnade gefallen sind?
Lässt der Alte sie wirklich abstürzen?

Ich schaue mir diese Figur an.
Sie ist gesichtslos.
Wir Irdischen sollen wohl nicht erfahren,
wen es oben hart erwischt hat.
Grosses Minus!
Der Gezeigte ist gebaut wie ein Vogel.
Hat keine Flügel,
sondern Händel.
Grosses Minus.
Er hat keine Hände,
keinen Mund,
keinen Schnabel – essen Engel nie?
Trinken sie nicht? Sind sie physiologisch
besser gebaut als Menschen?
Herr, lass es mich wissen!
Grosses Minus.
Was soll diese Witzfigur auf Erden?
Wenn die ein Flammenschwert halten soll,
wird sie abstürzen!
Na, wenigstens hast Du ihm Füsse mitgegeben.
So kann er davonlaufen,
wenn er mit den Flügelspitzen
eine Halbe Wies’nbier stemmt.
Ich will garnicht wissen,
wo er diesen Nektar
in sich hineingiesst.
Vielleicht hat er sich auch nur
eine Herrensocke über den Kopf gezogen.
Grosses Minus.

Herr, weisst Du was?
Was Du hier treibst,
hat mit meiner Religion nichts zu tun!
Mir reicht’s.
Macht doch Euren Scheiss ohne mich!

Alu-Hut tut gut!

Es drängt mich, als hätte ich Durchfall, und es muss raus:

Die Corona-Pandemie deckt vieles auf, das bisher nur im Verborgenen blühte. Um zu erklären, was ich meine, muss ich etwas tun, was mir im Innersten zuwider ist. Ich gebe nun die Nummer einer arroganten Sau.

Bis vor 8 Monaten war ich der Meinung, dass die geistig minderbemittelten Bürger mit etwa 30% zu beziffern seien. Nun bin ich eines Besseren belehrt. Es sind ziemlich genau 50%, und bei diesem Quantum m,uss ich zugestehen, dass der Grad der Unfähigkeit über diese 50% von „ein wenig dämlich“ bis zum „völlig verblödeten Untermenschen“ reicht. Den harten, gefährlichen Kern dieser Gruppe sehen ich bei um die 15%, der Rest besteht aus Dumpfbacken und Mitläufern, die jedes Risiko scheuen, wenn sie massiv rangenommen werden.

Erschreckender finde ich, dass ca. 80% der Deutschen tatsächlich glauben, in einer Demokratie zu leben. Diesen Glauben leiten sie von dem Umstand ab, dass sie alle 4 Jahre ein Kreuzchen machen dürfen. Wenn sie damit einem Direktmandat zustimmen, das von einer Partei mit einem korrupten Ferkel besetzt wird, so ist ihnen das wohl gleichgültig. Sie haben nie im Leben je kapiert, dass man bei der Teilhabe an einem demokratischen Prozess ein gerüttelt Mass an Verantwortung trägt, die mit einer Haxe und 5 Halben Lagerbier nicht abgegolten sein kann.

Die BRD leidet an derselben Krankheit wie das UK. Man missbraucht das Wort Demokratie bis an die Kotz-Grenze, und praktiziert einen Absolutismus. Der Ex-Kanzler Kohl hat dies bis zur Perfektion praktiziert.

Und dann kommt so eine Dumpfbacke mit Alu-Hut und klebt sich auf seine Mütze, die Demokratie sei bedroht. Diese Kopfbedeckung hat man übrigens bei den Amis abgekupfert. Kreativ – das können sie nicht mal schreiben.

Bleibt die Frage, wieso diese Kinder der Finsternis überhaupt wählen dürfen. Sachlich betrachtet ist das nämlich ein Unding. Politisch gesehen schaut es anders aus; nimmt man ihnen das Wahlrecht, so haben jene, die eine absolute Macht haben wollen, ausgespielt.

Besagte Hälfte Unmündiger verteilt sich natürlich auf das gesamte Parteienspektrum, wie die „gute“ Hälfte auch. Nur gilt: Je weiter rechts eine Partei steht, desto grösser ist ihr Anteil an politischem Ausschuss. Und genau der beschafft Mehrheiten!

Und nun versuche ich, wieder normal zu werden. Wie macht man sich eigentlich einen Alu-Hut? Geht ein Fussball als Kopfmodell? Oder ist da ein Stahlhelm drunter? Kann man damit Auto fahren, oder kippt sowas vorne runter über die Augen? Ist der Pinökel obendrauf eine Nachahmung à la Pickelhaube? Und was ist mit TÜV? Muss ich etwa alles neu erfinden, oder gibt die in Hutgrösse 56 zu kaufen? Verdammt! Was ist nur im Netz los? Nix mehr?

Totholz

Der Wald und seine Bäume – was wird nicht alles über ihn gesagt, geschrieben und gesungen! Man mystifiziert, glorifiziert, man klagt, leidet oder ist euphorisch, grad wie es so passt. Da kommt so ein Pragmatiker wie ich gerade recht. Praxis vor Theorie, Satire vor Poesie! Hier halten wir mal inne. Dieses Gedicht ist wirklich schön:

Unter Bäumen

Mein Baum –
leise spielt der Wind
in den Zweigen
flüstert mir zu
alte Geschichten
seltsame Erinnerungen
ich lege meine Hand
sachte auf die Rinde
unter meiner Haut
atmet er Zärtlichkeit

© Anke Maggauer-Kirsche (*1948), Lyrikerin

Aber da ist auch die Wirklichkeit. Man stelle einen Baum, einen Rehbock und einen Menschen mauf einen Wiese. Was sehen wir dann? Nichts weiter als drei Lebenwesen. Eines so wertvoll wie das andere. Jedes Wesen lebt, hat seinen Stoffwechsel, seine Bedürfnisse usw. Alles wäre schön, gäbe es da nicht die Bestie, dieser Mensch. Er feuert auf den Rehbock und legt den Baum flach, um Brennmaterial zu haben, damit er den Rehbock gebraten bekommt. Bis dahin sieht das Szenarium nicht gut aus. Wenn der Mensch sich dann noch an seinem Rehbock totfrisst, haben wir wieder eine runde Sache zu fassen, das wäre dann akzeptabel.

Das ist nun aber garstig geschrieben! Aber die gleiche Denkweise, Bäume betreffend, hat ein wahrlich Grosser gefälliger, aber hinreichend präzise formuliert:

„Habt Ehrfurcht vor dem Baum. Er ist ein einziges großes Wunder, und euren Vorfahren war er heilig. Die Feindschaft gegen den Baum ist ein Zeichen der Minderwertigkeit eines Volkes und von niedriger Gesinnung des einzelnen.“

So Alexander von Humboldt (1769 – 1859), Naturforscher

Drum prüfe !

Prüfsituationen haben mich nicht sonderlich beeindruckt.
Ich habe stets alles geschafft, aber niemals mit Glanz.
Aber es gab zwei Ausnahmen.

Die erste: Bei IBM hatte man mich auf Brauchbarkeit für die Computerei getestet.
Ich bin von Pauken und Trompeten begleitet untergegangen wie ein Stein im Rhein.
Einige Jahre später bin ich dann in die IT eingestiegen und habe dort 35 Jahre lang mein Brot verdient. Gewiss würde ich auch heute noch den IBM-Test nicht bestehen.
Soweit mein einziger Misserfolg.

Die zweite: Ich war aus dem Job ausgestiegen, hatte Zeit und Muse, und wollte nun ein wenig Motorrad fahren. Dafür musste ich a. den Autoführerschein erneut machen und b. den für Motorrad oben drauf. Ich fand das garnicht toll, denn es roch nach Arbeit. Das wars dann auch. Aber irgendwann sass ich mit 23 anderen Aspiranten über den Prüfungsbögen „für Theorie“. Ich schaute mich im Saal um und erkannte: Dort hatte ich nichts verloren. Um mich herum nur junges Gemüse, und ich der einzige mit weissem Haar, und in den jungen Gesichtern stand die Frage geschrieben, was der alte Sack hier will. Der Mann vom TÜV hatte das Gleiche wahrgenommen und klärte auf. Er ging nach vorne an seinen Tisch und brüllte in den Saal: „Herr Risch, die Prüfungsbögen für Motorrad bringe ich Ihnen, wenn sie mit Auto fertig sind!“ Ich schaute mich um. Etliche Gesichter hatten nun auf Mitleid umgeschaltet. Die meisten auf neugierig. „Ob der Alte das schafft?“

Nun legte der Alte los, und winkte irgendwann mit den Prüfbögen Richtung Prüfer.
Der: „Herr Risch, fertig? Ich bring jetzt Motorrad!“ Während er meine Fehler raussuchte, hatte ich die neuen Bögen rasch durchgearbeitet und rief wieder nach dem TÜV. Der schnappte sich mein Machwerk und suchte erneut nach Fehlern.

Ich dachte so für mich: Alter, jetzt wirds peinlich! Das Junggemüse hockt immer noch über Auto und verzweifelt an den Vorfahrtsregeln – als der Prüfer vorne wieder losbrüllte:
„Herr Risch, null Fehler! Sie können gehen!“ Ich sagte rasch „Tschüss!“ und wandte mich zur Tür. Schaute kurz über die 23 verbliebenen Prüflinge, die nun mit Dackelblick geschlagen waren, und bevor Mitleid in mir hoch kam, war ich schon weg.

Ich sass in meinem Auto, hatte meinen Heiligenschein beiseite gelegt, und fragte mich, was man mit dieser Jugend so anstellen könnte, in einer Zeit, wo man für die Stadtreinigung schon das Abi braucht. So denkt nur ein Idiot. Prüfungsdruck ist von besonderer Art, denn er trägt den Keim des Versagens in sich. Und wenn ich diesen Druck nicht spüre, so bin ich wohl nicht ganz dicht. Ernüchtert bin ich dann nach Hause gefahren, und meinen Heiligenschein steckte ich in die Restmülltonne. Des Nachts leuchtet sie immer noch ein wenig – eine Mahnung:

Es kommt im ganzen Leben nur darauf an, sich selbst an die zweite Stelle zu setzen.

Iwan Sergejewitsch Turgenjew (1818 – 1883), russischer Erzähler und Dramatiker

Gute Technik

Es gibt sicherlich Deutsche, die beim Anblick dieses „Souvenirs“ aus Weltkrieg II ein wenig trauern. Schliesslich ist hier ein Rosinenbomber verunglückt, möglicherweise einer aus jener US-Luftflotte, die während der Berlin-Blockade der Russen in 1948 bis 1949 als Luftbrücke die Versorgung Westberlins mit Lebensnotwendigem sicherstellten. Es waren die Douglas C-47 Skytrain, die DC-3er, die tausende von Tonnen an Gütern des Alltags heranschleppten.

Da liegt sie nun an einem isländischen Strand, und niemand weiss, wie sie dorthin gekommen ist. Aber alle Ineressierten erinnern sich, wie sie mal aussah, mit ihren Doppelsternmotoren bei 2 x 1200 PS:

Es wird berichtet, dass heute noch solche Maschinen unterwegs sind, nachdem man ihnen Turboprop-Motoren eingebaut hatte; sie sind mittlerweile 80 Jahre alt.

Weltweit sind 16.000 Maschinn dieses Typs unter verschiedenen Namen geflogen; in UK hiessen sie „Dakotas“.

Class differences

Ich habe hier nur einige Beispiele von Aristokraten zusammengetragen. Aristokratie definiert sich selbst – man ist dabei recht grosszügig. Und man ist keinesfalls auf einer einzigen Linie. Konflikte sind deshalb vorprogrammiert.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin stolzes Mitglied – des Proletariats.

eine Leuchte seiner Art, der Menschenaffen

nahe Verwandter, also britischer Adel

nahe Verwandte aus Deutschland

katholischer Adel aus Polen

Conte Alberto Corleone, Sicilia, Italien

M. Hitashi, Mitglied des Kazoku, ehem. Samurai

Charles, Duc de Brie, Frankreich

Aristokrat aus Spanien

Mitglied des Geldadels in den USA
er nennt sich Mozart, Edler von Salzburg / Österreich

Jack Daniels, Count of Barrels, Tennessee / USA

Alexius III, Patriarch von Moskau (im Exil)

Barry aus Leduc / Canada auf Bärenjagd

Schiet ! Wird immer langweiliger ! War keine gute Idee – aber es steckt halt Arbeit drin …..

Heisse Luft

Da steht er am Himmel, bunt und dickbäuchig, aufgeblasen und durchdrungen von seiner Rolle als Träger und Bewahrer von etwas Gutem, und ein verstecktes Feuer lässt ihn über dem Rest seiner Welt schweben!

Man sollte ihn einen Parvenu nennen, aufgestiegen und doch nirgendwo angekommen. Er ist nicht imstande, sein Dilemma zu erkennen. Wenn sein Brennstoff zu Ende geht, wird er absteigen müssen, keinen festen Boden unter den Füssen vorfinden, und im Meer der Bedeutungslosigkeit ertrinken. Niemand wird ihm eine rettende Hand reichen.
Und er wird dann erst verstehen: So sind nun mal die Regeln. Wer hoch steigt, kann tief fallen.

Eine Liebeserklärung

Dies ist meine Stadt.
Unbewegt liegt sie am Fluss,
ein Häusermeer,
wie aus dem Fels geschlagen.
Ein Tag geht zu Ende.
Regen und Sturm herrschten.
Fegten die Strassen leer,
trieben die Menschenströme an,
ihr Zuhause aufzusuchen.
Meine Stadt, sie atmet auf,
findet den Weg durch die Dämmerung
in eine friedvolle Nacht.
Und tausend falsche Sonnen
tauchen alte Mauern in ihr Licht,
und die Gassen strahlen
wie in Gold getaucht.
Sie ist immer noch da,
die Magie des Alltags,
und meine Liebe – zu Florenz.

Rechenhelfer

Vor mehr als 4.500 Jahren hat ein kluger Kopf den Abakus erfunden. Dieses Gerät braucht keinen Strom und kein Diesel. Es funktioniert beim Einsatz von Hirn und flinken Fingern.

Die hier gezeigte chinesische Variante kann addieren, subtrahieren, dividieren und multiplizieren, ferner Quadratwurzel und Kubikwurzel rechnen. Prinzip:

0+4 – rechte Kugelreihe = Einser-Strelle = 4 Kugeln nach oben schieben.
+1 = 5, indem unten die letzte Kugel geschoben wird. Um unten weiter rechnen zu können, schiebt man die 5 wieder zurück auf Null, und schiebt oben eine vion beiden hoch, zeigt Wert 5 an. Nun könnte ich unten 4 dazu addieren, ich schiebe 4 Kugeln, die oben zeigt 5, macht neun. Nun will ich 2 addieren. Ich schiebe die 5. unten, macht 5, schiebe alles auf Null und benutze oben die 2. Fünfer. So habe ich noch eine 1 zu addieren, und oben 2 Fünfer-Kugeln = 10.Dann schiebe ich die fehelende 1 hoch, habe oben 10 stehen, macht 11. Aber die zwei Fünfer brauche ich später, ich schiebe sie auf Null-Position und gehe in die 2. Senkrechte, die Zehner-Reihe, und schiebe dort eine von 5 Kugeln So habe ich in der Einser eine 1 und in der Zehner ebenfalls. Wunder über Wunder – ich sehe die 11!

Es ist ein wenig wie binäres Rechnen
Ich habe diesen Abakus in Osteiuropa auf Märkten gesehen. Marktfrauen addieren Kundeneinkäufe mit affenartiger Geschwindigkeit. Für sie ist ein Taschenrechner Teufelswerk.
Aber ich musste mich bei meinen Versuchen ziemlich quälen. Ein heftiger Stoss gegen den Abakus, und die Kugeln rutschen von ihrem zugewiesenen Platz. Man beginnt dann von vorne.

Was siehst Du?

Minimal: Teenager telefoniert.

Maximal: Ein junger Mensch mit Handy in einer Beton-Landschaft. Symbol für eine seelenlose Gesellschaft, für soziale Kälte, für Vereinsamen und Diskreditieren der heranwachsenden Generationen, für Negieren jeder Werteordnung ….. usw., für jeden Verdacht, vom Fakt bis zum Klischee.

So ist das mit der Bildbetrachtung.

Der Alltag – ein Ungeheuer?

Nein, das ist er nicht. Dies pauschal zu behaupten wäre nicht zielführend; und Ziel ist doch wohl, ihn zu beherrschen, also nicht von ihm beherrscht zu werden!

Dessen ungeachtet kann er sich zu einem Ungeheuer entwickeln. Das ist dann der Fall, wenn Probleme riesige Dimension annehmen. Dann ist man entweder zu schwach zur Bewältigung, oder die Probleme sind zu riesig.

So steht der Mensch im Regen und verzweifelt. Er ist womöglich mit der Aufgabe, sein Problem zu lösen, übefordert; schliesslich wird ihm viel abverlangt:

. Druck aushalten
. Problem komplett erfassen
. Analysieren
. Lösungsalternativen suchen
. Alternativen bewerten
. Lösung entscheiden
. Boden aufbereiten und
.handeln.

Dies ist der völlig normale, natürliche Ablauf, wenn ein Problem richtig bearbeitet wird. Richtig meint fehlerfrei. Der Trick ist die Verteilung der grossen Aufgabe in sieben Phasen, von denen jede weniger ängstigt, leichter zu bewältigen ist, und das grosse Ganze ausgeblendet bleiben kann. So weit der Oberlehrer Lämmle.

Wenn ich 7 Schritte zu gehen habe, dann mache ich diese 7 Schritte, und versuche mich nicht im Weitsprung. Das ist auch schon alles. Planvolles Vorgehen kostet nur ein wenig Ordnung im Hirn.

Der Mensch und seine Blase

Der Mensch besitzt die Fähigkeit, zeitweise oder auch ständig in Blasen abgeschottet zu leben. Ich spreche von mentaler Isolation. Er gibt sich ihr hin, und die Gründe können in der Erziehung, in der Erfahrung oder auchin schwachem Intellekt zu finden sein. Beispiel: „Carsten ist ein prima Kumpel, aber ein fanatischer Rassist!“ Das bedeutet, dass Carsten in seiner Bubble verschwindet, sobald auch nur der Verdacht auf Fremdes entsteht.
Ein Autist dagegen kann ausserhalb seiner Bubble nicht zurecht kommen und leidet.mMan erkennt, dass die Bubble eine Schutzfunktion hat. Doch sie hat – wie alles, was schützt – auch eine hemmende Wirkung. Sie schränkt die geistige Freiheit ein, und dies unter Umständen mit exzessiver Wirkung.

Es ist nicht sonderlich schwierig zu verstehen, wie leicht eine gedeihliche Kommunikation zwischen Menschen durch ein Bubble-Dasein gestört werden kann.
Ist sie wünschenswert oder gar notwendig, so muss man möglichst rasch erkennen, ob der Gegenüber in einer Blase hockt, oder ob er sich draussen frei bewegt. Für die Weggeschalteten ist eine spezielle Vorgehensweise erforderlich. Und wehe, ein Freier huscht während eines wichtigen Geprächs in eine seiner Bubbles, und man bemerkt dies nicht. Der Ofen ist schneller kalt, als man reagieren kann.

Alles ok

Im Kosmos herrscht Verwirrung.
Auf dem Planeten herrscht Chaos.
Seine Sonne hat sich abgewandt.
Leben vergeht wie im Flug.
Doch im Universum
hat alles seine Ordnung.
Es ist wie an jedem Tag
eines jeden Planeten,
Ereignisse im Sekundentakt,
unbedeutend
und doch schicksalhaft.
Im Grunde gilt,
dass Tod und Wiedergeburt
das Universum bewegt.

Eine andere Welt

Sieht aus wie eine Sau.
Ist schmutzig wie eine Sau.
Ist eine Sau.
Eine wilde.
Blickt freundlich.
Offenbar friedlich.
Und selbstbewusst.
Man bade sie,
rasiere sie,
setze ihr einen Hut auf
und sie sieht aus
wie ein Bürgermeister.
Ist korrupt
wie ein Bürgermeister,
nimmt keine Scheine,
wohl aber Karotten.
So verschieden sind sie, die Bürger.
Der eine raucht,
der andere trinkt,
und der dritte frisst Gemüse.
Bleibt gesund,
wird rund,
und stirbt
an vernickeltem Schrotblei.
Zum Abschied bläst ein Jäger
feierlich „Sau tot“.
Nicht so beim Metzger
an der Ecke.
Der brummt
„Tradition tot“,
raucht eine Zigarre
und trinkt Bier um Bier.
So geht’s auch.

Buntes Leben

Der alte Mann hatte sich in seinem Schuppen einen Rahmen gebaut, diesen einfach an die Wand gehängt und leere Farbdosen hineingelegt. Dann setzte er sich vor seine Blechsammlung und begann, Dosen herauszunehmen und anderswo wieder einzufügen. Selbstvergessen baute er um und um. Seine Tabakspfeife war längst erkaltet, und die grauen Borsten auf seinem Kopf schienen vor Anspannung aufrecht zu stehen. Es schien, als würde er mit jeder Änderung ein neues Bild sehen und zu bewundern, was sein „Kaleidoskop“ ihm zu bieten hatte.

Ich schaute ihm eine Weile zu, bemerkte zunehmend, dass ich gerne mitgespielt hätte.
Die Szene brachte mich zum Nachdenken über Farbe und Buntheit. Es könnte sein, dass wir zu bestimmten Farben und zu ihrer Kombination eine Affinität entwickeln, oder gar eine Ablehnung. Es könnte sein, dass wir die Buntheit unserer Natur nicht mehr wahrnehmen, oder einfach nicht wertschätzen. Aber mit Sicherheit kann man sein Leben bunt nennen, wenn die Seele in Farben schwelgt und diesen Zustand nach aussen zu tragen vermag – mit Kunst im weitesten Sinne, ob bildend, musikalisch oder literarisch.

Kunst ist produktive Kreativität. Eine Seele in Farben lässt aber auch den Konsumenten teilhaben ….. nein, sie fordert ihn zur Teilnahme, sei es durch emotionale Reaktionen, sei es auch nur in der Form des Verstehens.

Das ging mir durch den Kopf, während ich dem Alten bei seinem Dosenspiel zusah. Ich hatte vergessen, dass man über der Beschäftigung mit Farben die Zeit vergessen kann.
Nach einer halben Ewigkeit wandte ich mich ab. Auf dem Weg zu meinem Hotel fühlte ich mich wohl wie lange nicht mehr, und ich wusste, dass ich heute einen wirklich gute Tag erwischt hatte.

Besuch bei Pavianen

Aus den USA kommt selten etwas Gutes. Das gezeigte Sportgerät gehört zu den US-Übeln.
Ein Teil der deutschen Jugend gefällt sich in der Rolle von Hütern unserer Kultur, und liebt es, mit Baseballschlägern zu dritt einen 75-jährigen Passanten niederzuknüppeln und sich danach biersaufend als Helden zu feiern. (Was für ein Klischée!)

Gib das Sportgerät dem Chef einer Pavian-Horde. Er wird darauf herumkauen, feststellen, dass man das Ding nicht essen kann, und es in die Ecke feuern.

Gib diesem Oberaffen einen deutschen Jugendlichen – er wird diesen sofort als Mitglied seiner Horde erkennen, ihm ein paar in die Schnauze hauen und ihm seinen Platz in der Hierarchei erklären. Und dieser Platz liegt ganz weit unten, wo man den Würmern am nächsten ist.

Das wäre übel. Meines Wissens haben Paviane auf freier Wildbahn mit Bier nichts am Hut.
Wasser saufen und das äffische Prekariat Mores lehren – das hat was! Und Kevin die Springerstiefel ausziehen, den Military-Look abgewöhnen, ihn von achtern in die ….. ist ja gut! Träume sind Schäume!