Ein Zauberer

Es war später Nachmittag, als eine Gruppe junger Leute die Wiesen am Badesee verliess und sich zu Fuss auf den Weg in die Stadt machte. Ihr Ziel war offenbar die im Zentrum gelegene Jugendherberge. Es waren acht ….. nein, es waren 9 Jugendliche; der neunte schlich hinter der Gruppe her wie ein Hündchen, das man getreten hatte. Die vorausgehende Gruppe führte sich auf, wie man das von 16-jährigen kennt, sie gaben sich fröhlich, ein wenig wichtigtuerisch und sehr laut. So konnte jedermann mithören, dass man Heinzi, das war offenbar die Nummer 9, aus dem Wasser ziehen musste, um ihn vor dem Ertrinken zu retten, denn es schien, als könne er nicht schwimmen. Man war einhellig der Meinung, dass dieser Umstand nicht akzeptabel sei, und so fand man herbe Kritik an Heinzi’s Eltern. Man fühlte sich aber auch verpflichtet, auf diesen seltsamen Jungen zu achten; schliesslich hatte man ihn eingeladen, zum Baden im See mitzukommen. Darum achtete man ein wenig darauf, dass Heinzi unterwegs nicht verloren ging – bis er plötzlich verschwunden war.

Nun folgte das in Gruppen übliche Palaver, bis einer autoritär entschied, ein Stück zurück zu gehen und die Hausfassaden zu studieren. Heinzi musste in irgendeinem Haus stecken, und man würde ihn schon wiederfinden. So ging man ein kleines Stück zurück und blieb vor einem Laden stehen, wo man wie es schien Musikinstrumente verkaufte. Heinzi sass im Verkaufsraum auf einem Hocker vor einem Steinway-Flügel, schien geistesabwesend, und betrachtete seine Hände. Die Gruppe betrat geschlossen den Laden, und noch vor der ersten Ansage an seine Person begann Heinzi zu spielen.

Nun herrschte Schweigen in der Gruppe. 8 Menschen standen still und erstarrten zusehends.
Nur einer flüsterte: „Verdammt, das sind die Etüden von Chopin! Die in C-Dur!“ Inzwischen schaute man gebannt auf Heinzi’s Hände, die wie Kolibris über die Tasten des Steinway flatterten und den Raum mit Zauber füllten, dem sich keiner der Anwesenden entziehen konnte. Eines der Mädchen begann zu weinen, und der Chopin-Kenner murmelte vor sich hin, so schön habe er die Etüden noch nicht gehört. Heinzi spielte, als würde er in Musik ertrinken ….. nein, er war Musik! Man genoss eine wahre Hommage über Frédéric Chopin.

Irgendwann endete die Vorstellung, und der Pianist – nun war er nicht mehr einfach Heinzi – klappte den Deckel über die Tastatur, stand auf und verliess den Laden wortlos. Die Gruppe folgte ihm, still, und mit Abstand.

Eine Bitte um Hilfe

Es geschieht nicht allzu oft, aber wenn doch, dann ist es schmerzhaft. Ich habe nichts zu tun, nichts im Sinn, keine Mittel zum Leben in greifbarer Nähe – kurz gesagt: Mein Netto ist gleich null und ich im Zustand einer gediegenen Leere. Dies ist jedoch nicht lange aufrecht zu erhalten. Nach einer gefühlten Stunde, wobei meine Uhr, würde ich sie befragen, mir maximal 10 Minuten bestätigen könnte, also nach dieser Phase beginnt mein Hirn zu rebellieren. Die Leere im Kopf füllt sich ohne mein Zutun, und dabei mit immer derselben Frage: Wie ist heute Deine Befindlichkeit? Ich betone: I m m e r !

Es ist einzusehen, dass mir diese Frage mittlerweile zum Hals raushängt. Sie macht mich alle. Ich habe natürlich keine Antwort, da ich nicht einmal weiss, was eine Befindlichkeit ist. Bekannt ist mir nur, wo ich mich befinde, aber nicht wie, was und warum ich befinden sollte.

Ich möchte nicht weiter auf diesem toten Gaul weiterreiten wollen. Es geht um eine völlig andere Geschichte, die mich mit einer Frage zurückgelassen hat. Folgendes.

Wenn ich mich ausreichend mit Unbekanntem erfolglos auseinander gesetzt habe, pflege ich müde zu werden. Ich esse dann eine Kleinigkeit, trinke dazu einen Schoppen Weisswein und gehe zu Bett. Genauer: Ich packe mich hin, so wie ich bin, ziehe eine Wolldecke ran, und schlafe so um 90 bis 120 Minuten. So war das auch neulich.

Ich hatte eine mächtige Portion Zwiebelkuchen und etwas reichlich Riesling intus, als ich mich meiner Schlafmulde zuwandte.

Zum Zudecken benutze ich stets eine Wolldecke der Schweizer Armee. Die ist pott-häßlich, riesig, und warm. So versorgt habe ich meine nachmittäglichen Pflichtstunden weggeschlafen, und ich erwachte pünktlich und auf dem Bauch liegend. Der Routine folgend wischte ich die Krümel aus meinen Wimpern, setzte meine Brille auf und schaute erst auf meine Uhr, dann in meinen Schlafraum. Alles schien wie immer, aber der zweite Blick liess mich erstarren. Zufrieden war ich wohl über die Tatsache, dass mein Stoffwechsel mit dem Zwiebelkuchen sehr gut fertig geworden ist. In der Magen-Gegend herrschte nunmehr tiefer Frieden. Aber meine Wolldecke hatte sich auf den Weg zur Tür gemacht, ca. 6 m des Weges geschafft und war offenbar beim Versuch, eine Zimmerwand hochzukriechen gescheitert. Ich weiss, dass das Teil keine Beine hat. Also wie kommt’s dorthin? Und die andere Auffälligkeit: Meine weissen Stores an den Fenstern haben eine gelbe Farbe angenommen und sehen nun aus, als hätte ein Tabak-Koloquium pfeife-rauchend ein halbes Jahr hier drinnen gehaust. Ich rede von einem lichten Ocker-gelb ohne den Geruch von Tabakrauch! Und schliesslich dieses – im Raum stand ein Hecht von beachtlicher Größe und unbekannter Konsistenz, der allerdings durch rasches Lüften ins Freie entwischte.

Und hier nun die Frage: Ich bin unverletzt und stehe vor einem Rätsel.

Was ist in diesen zwei Stunden während meines Schlafs geschehen?

Wer weiss etwas?

Von Aristoteles zum Pausenbrot – eine kleine Reise

Von Nach Lysipp – Jastrow (2006), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1359807

Die sittliche Erziehung ist umso wichtiger,
weil der Mensch,
je mehr er bloss intellektuell gebildet ist,
ohne von Tugend etwas zu wissen,
desto eher zum ungerechtesten
und wildesten aller Wesen ausartet,
eben weil ihm sein überlegener Verstand
nunmehr Waffen in die Hand gibt,
anderen zu schaden.

(Aristoteles, 384 bis 322 v. Chr.)

Ich kenne niemand, der dieses Bonmot nicht unterschreiben würde. Doch Ari dachte noch ein Stück weiter. Er stellte fest, dass man ein Leben als „geglückt“ bezeichnen kann, wenn der Mensch die Möglichkeiten, die in ihm stecken, verwirklicht hat. Dabei hatte er wohl vor allem das im Sinn, was man in seiner Zeit unter Tugend verstand. Dazu muss man beachten, dass „Tugend“ von „taugen“ abgeleitet ist. Somit wurden Werte wie Tüchtigkeit und Kraft definiert.
Platon hatte wohl genug von philosophischer Deutung des Begriffs Tugend und formulierte die Kardinaltugenden: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Bescheidenheit.

Erst im Mittelalter drehte man erneut an der Schraube und formulierte um in moralische und christliche Werte. Federführend für die sittliche Vollkommenheitsforderung war wieder mal ein Deutscher, ein Benediktinermönch, Gastarbeiter in der Schweiz, in Sankt Gallen: „Notker III. der Deutsche“ genannt. Er hat im 11. Jahrhundert Aristoteles ins Althochdeutsche übersetzt und dabei die Tugend als Gegensatz zur Sünde formuliert, also sauber christianisiert.

Keiner der Baumeister konnte verhindern, dass der Begriff Tugend inflationäre Züge angenommen hat. Tugendkataloge gibt es in grosser Zahl. Selbst für die Informationstechnologie werden sittliche Normen definiert, wie z. B. der Datenschutz. Die moderne Art des Umgangs mit den Tugenden ist, um sie zu wissen, sie als erstrebenswert zu erkennen und dennoch beliebig damit umzugehen: Wenns zum Nachteil führt, lieber ignorieren! Oder auch: Ein tugendhafter Mensch ist immer ein Trottel. Die Missachtung der Tugenden ist, wie man etwas vulgär im Alt-Irischen sagte, „Cacc for enech!“ For enech meint ins Gesicht, der Rest erklärt sich bei der Aussprache.

Gestern hatte ich zwei Brötchen auf dem Teller, die fühlten sich an wie ein ausgeleierter Spülschwamm. Da kriegste keine Butter drauf, wenn diese aus dem Kühlschrank kommt, und beim Anfassen faltet sich das Semmel-Imitat zusammen wie ein handgeschöpftes Blatt Papier A 6. Wie steht es nun um die Tugenden des Bäckerhandwerks, und die dieses Verbrechers, der sich Bäcker nennt? Hat er im Strassenbau gelernt? Er bot unlängst Erdbeerkuchen an, der war lückenhaft mit dünnen Erdbeerscheibchen belegt. Das bedeutet, dass er 3 Erdbeeren verwendet, um 4 Stücke Kuchen zu belegen. Eine 3/4 Erdbeere pro Kuchenstück. Und nun?

Da kommen Heerscharen von Philosophen, Geistlichen, Politikern und Gesellschaftskritikern und weiss der Teufel wer sonst noch, und die Präsidenten der Bäckerei-Innung angerauscht und schwadronieren über die sittlich-moralische Ausrichting auch des Deutschen Bäckerhandwerks im Bestreben, den Kunden erstklassige Qualität anzubieten, die dann aus üblen polnisch-katholischen Brötchen-Rohlingen herausgequetscht werden soll. Stop!

Ich glaube, ich bin nun ein wenig entgleist. Man muss einfach akzeptieren, dass der Mensch zu allen Zeiten Webfehler hatte, die auch zu Differenzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit führten. Diese Binsenweisheit verführt dazu, das Thema unfertig zu beenden. Sehr bequem, nicht wahr?
Aber nicht mit mir. Wer hat die Aufgabe, einem Kind z. B. Ehrlichkeit beizubringen? Eltern lassen sich von ihren eigenen Kindern bestehlen! Ich weiss das, denn ich habe meinen Eltern auch Geld gestohlen, wenn mein Taschengeld nicht reichte. Und sie haben nichts bemerkt.
Es sind Leute, die, hart befragt, der Meinung sind, dass die Grundwerte durch die Schule vermittelt werden sollen. Lehrer müßten also dafür sorgen, dass ein 13jähriger es unterlässt, seinen Eltern einen 10-oiro-Schein aus dem Portemonnaie zu ziehen. Geht’s noch, Leute?

Nur nebenbei: Die Schule erzieht nicht. Sie vermittelt Wissen und Fähigkeiten. Die erzieherischen Massnahmne an den Schulen sind nur organisatorischer Art und haben die Aufgabe, die Wissensvermittlung im Klassenverband möglich zu machen. Die Sozialisation der Kinder ist Aufgabe der Eltern. Tja, und dafür brauchen wir wieder einen Wertekatalog, nicht wahr? Er würde die Erziehungsziele definieren!

Durch die Zeit

Wieder einmal gehe ich eine Strasse entlang, die sich in vielen flachen und einigen gefährlichen Kurven durch eine bunte Landschaft windet. Sie bietet mir Bilder an, die ich bereits kenne, die Gefühle wecken und sie ist mir deshalb seltsam vertraut. Leichten Schrittes durchwandere ich eine Szenerie, die aus Erinnerungen gebaut sein könnte. Nichts belastet meinen Weg, nichts drängt zur Eile, und ich bin frei. Manche der Bilder verführen dazu, inne zu halten und zu geniessen. Es sind wenige Werke, aber sie sind aussergewöhnlich, grosse Werke eines grossen Künstlers. Schliesslich bemerke ich, dass meine Schritte immer schneller werden. Ich durchwandere nun Bilder, die ich aus eigenem Erleben kenne. Es ist an der Zeit, nachzudenken, was gerade mit mir geschieht. Und ich stelle fest, dass ich Zeit erlebe, und ich weiss nun, dass ich mich in meiner eigenen Vergangenheit bewege. Aber ich weiss nicht, wer oder was mich auf diesen Weg gebracht hat. Noch während ich über dieses Rätsel nachdenke, fesselt mich ein neues Bild. Ich betrachte mich selbst, und es ist ein Blick wie in einen grossen Spiegel. Ohne Zweifel bin ich nun in der Gegenwart angekommen. Wir beide schauen uns an, und ein leichtes Lächeln macht sich in den Gesichtern breit. Ein Instinkt fordert nun einen weiteren Blick auf meine Strasse. Ich weiss, es ist ein Blick in die Zukunft, und ich weiss auch, dass sie sich vor mir verbirgt. Die Strasse verläuft frei von Kurven und ohne Bilder bis zum Horizont, und vermutlich darüber hinaus – öde und nichtssagend. Ich blicke in den „Spiegel“. Auch hier wird mir meine Strasse gezeigt. Anders als in meiner Realität endet sie nicht am Horizont, sondern sehr viel früher. An irgendeinem Punkt in meiner nahen Zukunft wird mein Weg enden, und das Bild sagt mir, dass hinter diesem Ende nichts zu erwarten sei.

Ich habe nun die Gewissheit, dass mir mein Weg über diese Strasse mein Leben gezeigt hat.
Das Leben ist der Künstler, der grossartige Bilder hervorbringt. Dazu zähle ich auch jenes Bild, das ein baldiges Ende meines Wegs durch die Zeit vorhersagt. Man könnte meinen, es sei von existentieller Bedeutung für mich …..

Ein altes Haus

Wieder und wieder schaue ich mir dieses Bild an. Der Grund? Ich weiss es nicht. Ich sehe eine Ruine, zerstörtes Menschenwerk in einem Tal, das sich mit einer Drohung zu füllen scheint, wo sich Nebel und Geister verbünden, um mich zu warnen: Bleibe, wo Du bist! Dieser Ort hier ist längst unser Revier, und wir wünschen Deine Gesellschaft nicht. Heute nicht, und nicht hier!

So könnte es sein. Aber ich glaube nicht an eine Geisterwelt, und Nebel beeindruckt mich wenig, es sei denn, er kommt in einer solch imposanten Form, dass ich meine Schuhspitzen nicht mehr erkennen kann. Ein solches, wahrhaft seltenes Erlebnis fasziniert mich, und ich erwarte dann tatsächlich eine Überraschung, irgendeine aussergewöhnliche Begegnung, aber keinesfalls ein Rendezvous mit einem Geistwesen. Ich wäre mit einem Tier zufrieden, sagen wir, mit einer Kuh, die plötzlich vor mir auftaucht und mich verwundert anstarrt, so wie ich zurückstarre, bis wir beide zu der Erkenntnis kommen, dass eine freundschaftliche Geste die ungeklärte Lage in ein gutes Licht rückt, und wir uns mit Nase an Nase reiben begrüssen und gleichzeitig verabschieden. Ja, das wäre so ganz in meinem Sinne.

Ich schaue wieder auf mein Bild, bin zurück in der Wirklichkeit. Denke so: Was für eine friedliche Welt! Und die Natur macht ihren Job. Sie tut, was ihr aufgetragen ist. Sie zerstört nicht, sondern sie gestaltet. Sie gestaltet um, was der Mensch hinterlassen hat. Sie arbeitet mit Augenmass und achtet dabei auf Harmonie. Sie übernimmt ein zerstörtes Haus und integriert es in eine ihrer Kompositionen auf eine ästhetische Weise und beseitigt die Traurigkeit des Ortes.

Und das Bild vermittelt eine Botschaft der Natur an den Menschen: Bleibe, wo Du bist! Dieser Ort hier ist mein Revier, und ich wünsche Deine Gesellchaft nicht. Heute nicht, und nicht hier!

Gespenstisches

Mein Bett ist bewohnbar, und ich bewohne es tatsächlich täglich während einiger Stunden. Ich weiss, andere Menschen tun ein Gleiches, ohne darüber zu reden. Warum sollte man auch? Man hält sich dann in seiner zweiten Welt auf, in jener finsteren Ecke, wo Verstand und Vernunft nicht gefragt sind, sondern Bewusstlosigkeit die Zeit dominiert. Es ist aber auch jene Ecke, in der ein Speicher-Chip unendlich viele Informationen gespeichert hat, und wo während besagter Bewusstlosigkeit überkochende Emotionen aus dem Unterbewusstsein mit diesen Informationen spielen – der Mensch nennt dies dann „Träumen“.

Das alles ist so alltäglich wie ein Schluck Wasser. Wenn ich mich dennoch darüber auslasse, so aus bestimmtem Grund:

Heute früh zwischen 7:00 Uhr und 8:00 Uhr träumte ich irgendein Kauderwelsch, an das ich mich nicht erinnern kann – mit einer Ausnahme. Das Wort „tagsüberblind“ blieb in meinem Gedächtnis kleben, und ich hatte es nach dem Aufwachen noch immer präsent. Dabei hatte ich es noch nie gehört. Mein seltsames Hirn hat es „erfunden“. Grund genug, zur Sicherheit nachzuschauen, ob ein solches Wort existiert.

Nun, „tagsüberblind“ kennt der Duden nicht. Wohl aber „tagesblind“. Tagesblinde sind tagsüber blind. Genauer gesagt sind sie sehbehindert wegen die Helligkeit des Tags. Ich hatte davon noch nie gehört; die Info ist für mich neu.

Wieso träumte ich dennoch davon?

Ich bin kein Spökenkieker; so nennt man an der Küste die Gespensterseher. Mag sein, dass mir tagesblind irgendwann mal untergekommen ist und dann gänzlich vergessen wurde. Immerhin habe ich – dies vorausgesetzt – im Schlaf aus tagesblind ein neues Wort gebildet, das tagsüberblind. Eine bemerkenswerte Leistung eines alten Hirns!

Genial!

Schmieriges aus der BRD

Na, dann wollen wir mal.

Da ist ein Trigger, nämlich der kleine, schmierige Philip Amthor, und da ist die grosse Welt der Finanzen. Dumme Sache, denn ich sitze davor, sammle die wenigen Fakten, und unversehens geschieht, was fast immer geschieht: Alle Infos suchen sich in meiner Gedankenwelt einen Platz, und ohne jede böse Absicht schaltet sich die Phantasie dazu. Das Hirn köchelt noch 5 Minuten auf kleiner Flamme, und dann erstrahlt plötzlich ein lebendiges Bild, das von Amthor bis zu Larry Fink, dem CEO von BlackRock reicht. Ein kurzer Blick auf die Plausibilität ergibt, das Bild sei stimmig. So kann es gewesen sein!

Nur: So kann es nicht sein. Wieder einmal ist mein Gaul mit mir durchgegangen. Es fehlt jeglicher Beweis für meine Annahmen. Das Bild landet auf dem Müll. Ein wenig Trauer und einige unbestrittene Fakten bleiben zurück. Die Fakten kann man aufschreiben. Aber jeder interessierte Leser muss sich sein eigenes Bild malen.

Fakts:

BlackRock verwaltet Vermögen von insgesamt 7,4 Billionen US-Dollars. Das Unternehmen finanziert sogar Staaten. Entsprechend gross ist der Einfluss.

Friedrich Merz ist Deutschland-Chef von BlackRock. Er wollte dort aussteigen. Ich weiss nicht, ob das mittlerweile geschehen ist.

Merz traf Amthor in Berlin. Thema: ?

Amthor wurde von Augustus Intelligence engagiert, und reich beschenkt. Er ist deren Lobbyist.

Augustus Intelligence wird von zwei Deutschen geführt, einem Verkaufsgenie namens Haupt und einem IT-Mann namens Weinberger. Das Unternehmen sitzt in New Jork, ist aber in Delaware eingetragen. Grund: ?

Der deutsche Freiherr zu Guttenberg sowie der Ex-Verfassungsschutzpräsident Maaßen sind bei Augustus Intelligence engagiert. Ihr Job: ?

Augustus Intelligence hat nach Aussage eines Ex-Mitarbeiters weder Kunden, noch Produkte, noch Umsatz – also fast nichts. Aber der Firmensitz in New Jork ist die 77. Etage im One World Trade Center, also der feinsten, sprich teuersten Adresse in NJ.

Augustus Intelligence hat reichlich Kapital. Es ist bekannt, woher das üppig ausgegebene Geld stammt. Ein US-Milliardär hatte 70 Mio. USD investiert.

Amthor wurde als korrupt geoutet. Seine Partei. die CDU spielt das Vergehen runter auf das Niveau einer verzeihlichen Jugendsünde.

Die Linke fordert den Rausschmiss.

Alle anderen Parteien resp. deren Abgeordnete sind in Deckung gegangen. Warum wohl?

Dann kommt ein Clown, Nico Semsrott, und erstattet Strafanzeige gegen Amthor. Sie wird keinen Erfolg haben, da das deutsche Strafrecht zwar den verfolgt, der schmiert, aber nicht den, der nimmt.

Kritische Geister fordern seit langem eine saubere, gerechte Regelung zum Thema Lobbyismus und Korruption.

Im Europarat gibt es eine Initiative, die sich GRECO nennt und die zum Ziel hat, in der EU bessere Regeln zu installieren. Es ist ein Bündnis von Staaten, und Deutschland ist dort Mitglied.

Deutschland wurde gerügt, weil die neuen Regelungen teils halb, teils garnicht in die Praxis umgesetzt sind. Der Grund: ?

(Stand 17.6.2020)

So, das ist alles, was ich als Wahrheit präsentieren kann. Sieht ein bisschen wie ein Puzzle aus, nicht wahr? Viel Spass beim Zusammensetzen!

Nabelschau

Kein Zweifel, da ist ein Lächeln in meinem Gesicht. Ich spüre es wie einen sachten, warmen Wind an einem kühlen Tag. Nichts sagt mir, womit ich dies verdient habe. Vielleicht sind Gründe für Wohlbefinden nicht erforderlich. Es kann auch sein, dass ich mich heute besonders mag.

Gefangen

Ich blicke auf meine Uhr.
Ein Zeiger läuft – Runde um Runde
und zeigt mir, wer ich bin:
Ein Mensch der Moderne –
gefangen in der Zeit.

Ich habe keine Wahl,
folge Trend um Trend
in eine unbekannte Zukunft
und ersehne die gute alte Zeit –
gefangen in der Vergangenheit.

Ein leeres Haus,
sinnlose Gedanken.
Nichts hilft mir aus dem Vakuum
in meinem tristen Leben –
gefangen in der Einsamkeit.

Unversehens geschieht
was nicht zu erwarten war.
Sie kam, und sah, und siegte.
Ein Zauber liegt über mir –
gefangen in der Liebe.