559 – Haiku

Natsume Soseki (1867-1916),
ein japanischer Dichter
zum Wechsel der Jahreszeiten:(zum Vergleich)

„Die Krähe ist weggeflogen:
Schwankend in der Abendsonne,
Ein blattloser Baum“.

558 – Haiku

Ein Auto rast davon,
Gummi malt schwarze Striche.
Überall droht Eis.

557 – Haiku

Schornsteine rauchen.
Ein Vogel stirbt und fällt tief.
Hitze plagt die Stadt.

556 – Haiku

Wind aus den Bergen,
in Tälern wirbelt der Schnee.
Der Alte trinkt Tee.

555 – Haiku

Lasst Blumen leben,
Symbole für den Frieden!
Es plätschert im Teich.

554 – Schönheitsreparaturen

Es steckt irgendeine Teufelei dahinter, dass ich immer noch Haare auf dem Kopf herumtragen muss, statt mit einer spiegelblanken Platte gesegnet zu sein. Selbst wenn ich die Glatze per Schermaschine herstelle, bin ich im Nachteil. Wie das? Nun, man weiss es, und beachtet es wenig bis garnicht: Wenige Zentimeter tiefer hat man eine Futterluke. Dort schaufelt man Kartoffeln mit Sosse rein, und oben wächst es wieder.

Ich habe Lebenserfahrung, und deshalb weiss ich auch, dass es für die Wolle auf dem Schädel Friseure gibt. Falsch. Gegen die Wolle. Ich habe mir also vor dem Opfergang dorthin die Haare gewaschen, und wenig später sass ich verhüllt in einem bequemen Sessel und erwartete „meinen“ Türken. Aber statt seiner ersdchien eine hübsche junge Frau, eröffnete mir, sie würde nun meine Haare waschen. Ich sagte an, das sei erledigt, aber sie erklärte, sie müsse das tun. Naja, dachte ich, vielleicht ist es angenehm, wenn mir das Mädel um den Kopf geht – aber nein, sie ging einen Schritt weiter. Beugte sich über mich und gönnte mir tiefe Einblicke in ihr Dekolleté.

Im ersten Moment dachte ich, hier wird jetzt ein Porno gedreht. Aber es stellte sich heraus, dass doch eine Haarwäsche stattfand, und die tiefen Einblicke waren eine kostenlose Zugabe. Ich rief alle meine Sinne zusammen und stellte die Ordnung wieder her – und gut war’s.

Anschliessend kam dann „mein“ Türke mit seinem Geschirr und schor mir den Schädel, die Schur war erfolgreich und nicht viel anders als Schafscheren. (Beachte das Wortspiel! Bringe das erst mal einem sudanesischen Asylanten bei!)

Ich habe mir dann eine Schermaschine gekauft, und W. hat den Haarschnitt übernommen. Aber ich habe gleichzeitig das Rasieren eingestellt. Die Folge war ein Vollbart, der sowohl vom Kinn aus nach unten und unter den Ohren nach der Seite wuchs. Das ganze Gestrüpp war grau meliert, wie es sich für mein Alter gehört, und es fehlte nur der Heiligenschein. Mit diesem wäre ich als Gottvater durchgegangen. Alles war schön, bis ….. ja, bis ich mir Spaghetti mit Sosse Bolognese auf einen Teller geladen hatte. Das war für mich die Stunde der Wahrheit. Ich habe die Spaghettistücke nicht entfernt, die Tomatensosse nicht rausgewaschen. Ich holte meine Schermaschine und schnitt das ganze Gewölle weg. Ein Gesicht mit 7-Tage-Bart blieb übrig, Blut ist nicht geflossen. Dann erst kam die Beseitigung verbliebener Essensreste aus 3 Wochen Küchenpraxis.

Hinterher der Kommentar von W. : Jetzt siehst Du aus wie ein Penner.


Ehrlich, das ist mir gleichgültig. Hauptsache, ich kann meine Futterluke wieder ungehindert benutzen.

553 – 552

Ich hatte den Fernseher ausgeschaltet, auf eine leere Seite die 552 – gemalt und mich gefragt: Was jetzt? Nuscht. Keine Idee.Naja, dachte ich, denk halt ein bisschen vor Dich hin, vielleicht kommt etwas hoch, woher auch immer ….. dann kam der erste Satz hoch: Der Narr sitzt auf dem Thron und lacht.

Das geht nicht weg. Das ist so albern wie ein Fleck von Roter Bete auf dem Hemd. Und genauso penetrant. Naja, denke ich, es geht ihm halt gut dort oben, hat alles, was ihm Freude macht …..

Und dann geht es weiter. Ich spinne eine Fabel zusammen, die man Kindern verkaufen könnte, und quäle mich. Gereimtes ist nicht so mein Fall. Sprachliche Feinheit ist mir fremd. Ich bin ein Waldschrat und war mit Holzfällern unterwegs. Derbe Redekultur, Bier, Brot und Käse – das ist eine Brotzeit, die Spass bringt. Hinterher riecht der ganze Buchenwald nach Limburger Käse, und manche Bäume fallen von selbst um.

All das geht mir beim Reimen duch den Kopf, und ich weiss, dass selbst Heinrich Zille um Klassen besser geschrieben hat.

Ich schreibe weiter, und in meinem Inneren bildet sich die Gewissheit, dass ich etwas für das Puppentheater schreibe. Und diese Erkenntnis stiehlt mir die Motivation, weiter zu machen.

Ich reime weiter, wie blöd. Finde das Loch zum Ausstieg nicht. Reime weiter. Weiss, es ist Zeit, aufzuhören, finde kein Ende – und höre doch auf. Rasch eine Schaufel Sand drauf, und hoffen, dass keiner den Pfusch bemerkt.

Und so liegt er vor mir, der Kretin. Ich pflücke ihm liebevoll meine Fehler aus dem Fellext. und es fällt mir dazu ein Witz ein:

Frau mit Baby im Bus, dazu einige Männer. Einer sagt zu der Frau:“Mein Gott, ist das Kleine häßlich!“ Der Sitznachbar:“Mann, bist Du ein grober Holzklotz! Das sagt man doch nicht!“ Die Frau ist betroffen, will aussteigen. Sagt: „Ich gehe zum Fahrer und frage ihn etwas.“Und der verständnisvolle Sitznachbar: “ Lassen Sie den kleinen Schimpansen ruhig hier! Ich werde auf ihn achten.“

552 – Königsein

Ein Narr sitzt auf dem Thron und lacht.
Hat alles, was ihn fröhlich macht.
Es lebt sich wirklich gut dort oben,
ganz anders als im Schweinekoben,
den er nun nicht mehr kennen mag
mit all dem Üblen Tag für Tag.
Er schaut sich um , alles ist gut.
Es wachsen Zuversicht und Mut.
Sieht großen Reichtum überall
vom Turm bis hin zum Pferdestall.
Viel weiter reicht er nicht, er blickt
dorthin, wo eine Uhr nun tickt,
die wohl sein letztes Stündlein zeigt.
Er weiss es nicht, und hats vergeigt.
Des Volkes Stimme lässt es krachen.
Die Strasse hört’s, und Bürger lachen
und zählen den Idioten aus,
denn der verlässt das Hohe Haus
in Stücken, die durch Fenster fliegen,
der Bürger glaubt, er könne siegen!
Beseelt wandert er durch viele Säle
und sieht sie nicht, die Generäle,
ahnt nichts von den infamen Plänen,
von Terror, Leid und vielen Tränen,
die ihn von Stund an fast erdrücken.
Ein Leben gibt es nur in Stücken,
gekauft, bezahlt und weggelebt.
Die Junta bleibt wie festgeklebt,
erwartet ihren Crash gelassen.
Und wenn’s geschieht, dann hoch die Tassen!
Kein Streit bricht aus, kein Füssescharren.
Man wartet auf den neuen Narren.
Man wird schon sehn. Man wird es seh’n,
wer kommt, der wird auch wieder gehn.
Bis dahin gelten Etiketten.
So wienert man die Epauletten,
dass Sonnenglanz die Gäste blendet
und eine Botschaft an sie sendet:
„Wie wunderbar ist doch das Leben!
Nehmen ist schöner als das Geben!“
Dazu tönt stets Gitarrenklang,
und jämmerlicher Hofgesang
des Narren, der sich Künstler nennt
und seinen Untergang verpennt.
Der Zyklus endet, wenn es kracht.
Parole: Rasch, hole Dir die Macht!
Das Rad der Zeit dreht sich, und dreht –
der Mensch kommt an, erlebt – und geht.

Gott ja! Wie ’ne Kartoffel! Is ja jut!


	

551 – Herberge!

Vor Jahren machte ich mit meiner Frau eine kleine Rundreise durch das Elsass. Es ist jener Teil Frankreichs, dessen Menschen mir näher sind als anderswo en France. An die nördliche Kante des Elsass schliesst sich die Pfalz an, wo ich aufgewachsen bin.
Die Beziehungen zwischen Elsässern und Pfälzern scheinen diffus zu sein , wie ungeklärt. Man erzählt sich eine Geschichte, in welcher ein wild laufendes Hausschwein von Franzosen und Deutschen gejagt und in gemeinsamer Arbeit eingefangen werden konnte. Es könnte 1870 passiert sein, oder im WK 1. Jedenfalls hatten in einem Stellungskrieg die Helden beider Seiten ihre Schützengräben verlassen, und nach der Jagd ein gemeinsames Spiessbraten-Essen organisiert. Nach dem gemütlichen Abend kehrten beide Parteien in ihre Schützengräben zurück und haben wieder aufeinander geschossen. Möglich, dass einige wochenlang nichts mehr getroffen haben.

Diese Geschichte soll wahr sein. Ich glaube sie, weil sie nett ist, weils möglich ist, dass so etwas geschieht, weil ich es glauben will, und weil mir das Elsass nahe steht.

Mit einer Ausnahme: L‘ Auberge de L’Ill, ein 3 Sterne-Restaurant in Illhaeusern, direkt an der Ill gelegen, einem kleinen Nebenfluss des Rheins.

Wir kamen durch Zufall dort vorbei. Ich latschte auf die Bremse, zählte mein Geld und sagte meiner Frau, wir würden jetzt 300 für ein Mittagessen ausgeben. Kurz gesagt, ich bat und diskutierte etwa 10 Minuten, ungewohnt kultiviert, zuletzt mit dem Chef, und bekam keinen Einlass. Gäste waren nicht zu sehen. Offenbar muss man mit Krawatte antreten, um bedient zu werden, und wir kamen im Freizeitdress daher.

Wir zogen also weiter, und schon ein wenig gekränkt. Natürlich kannte ich eine gute Adresse auf der deutschen Rhein-Seite. Der Koch hatte bei Paul Bocuse gelernt, und seine Hechtklösschen in Rieslingsosse sind legendär. So haben wir ein exzellentes Menu der Gattung Fisch gegessen und 200 nicht ausgegeben.

Mit am Tisch sass ein einsamer Franzose. Wir kamen ins Palavern, und ich erzählte meine Geschichte von der Herberge am Ill. Er fluchte französisch; ich habe nur die Hälfte verstanden. Dann setzte in Deutsch fort: Tröste Dich, auch diese arroganten Leute werden noch lernen, wie wichtig Kunde und Renommé sind. Und hier sei die Küche genauso gut wie in der Auberge.

C’est la vie !

550 – Brühe

Wie schon mehrfach erwähnt: Ich verstehe nichts vom Kochen. Mein Dilettantismus erstreckt sich über die gesamte Ausdehnung der Kochkunst. Erst beim Kaffeekochen mit einer Maschine verliert sich dieses Defizit, ich vermute im Kaffeesatz. Gottlob bin ich voll kompetent für alles Trinkbare. Ich kann sogar Milchtüten öffnen. Immerhin!

Wenn ich motiviert bin, lerne ich dazu. Das ist nun wirklich nichts Besonderes, dennoch ….. ich habe ein gutes Gefühl, wenn ich eine Regel entdecke, die sich vor mir immer versteckt gehalten hat.

Da war gestern W. Und da war ein Suppenhuhn, mit Bio-Siegel und um 1400 Gramm schwer. Und ein Berg Gemüse, wie man es aus der Garnitur „Suppengrün“ kennt, hatte sich dazugelegt. Es sollte also eine Hühnerbrühe entstehen. Als W. fertig war, hatten wir einen Kübel Gemüsebrühe. Du bemerkst den kleinen Unterschied? Wir aßen dann eine ausgesprochen leckere Gemüsebrühe auf Hühnerbasis. Aber wir wollten es doch umgedreht! Hühnerbrühe auf Gemüsebasis!

Ich mach’s mal kurz.
Kleines Huhn mit viel Gemüse = Gemüsebrühe.
Grosses Huhn mit wenig Gemüse = Hühnerbrühe.
Einfrieren = nur Brühe, beide Arten, gesiebt
Hühnerfleisch in der Brühe aufgewärmt = nur für den Hausbau verwenden.
Schmeckt wie Zellulose.

Hab‘ ich gelernt. Find ich gut. Und noch eines. Man kann seine Brühe aus chinesischen Schalen essen. Manche, wie W. finden auch das gut. Mit Eßstäbchen? Nimm getrost einen Löffel für das Dicke. Das Dünne trinke aus der Schale, wie die Chinesen das tun.

Wie bitte? Wo Adolph Freiherr Knigge bleibt? Der alte Illuminate aus Bredenbeck bei Hannover hat mit dem Benimm-Ratgeber nichts zu tun. Man hat ihm die Bürde einfach angehängt. Ich nehme sie ihm ab und trinke aus meiner China-Schale meine Suppe – hat sich als äusserst praktisch erwiesen. Ich kann das auch mit einem 10-Liter-Eimer (wenn das Geschirr auf einer Eimer-Kipp-Stütze steht).

Interessant auch: Bei AMAZON heisst eine Stütze für Eimer „Guijiyi Agumx_Outdoor Hase niedliche Tiermütze Plüsch Hut sehr interessant ist, DASS Das Ohr Sich bewegen kann, mit Airbag-Kappe“ und kostet 15,99 0iro. Das nur am Rande bemerkt.

549 -Fertig

Ja, ich bin fertig.
Verwirrt.
Nichts ist normal,
wie es sein sollte.
Da sind Filter im System,
die schützen sollten.
Schützen vor Überforderung.
Sie helfen nicht.
Nicht mehr.
Das überlastet.
Ich weiss nicht, wohin
mit den Info-Strömen.
Nichts wird verarbeitet.
Fast nichts.
Und dann kommt hinzu,
dass ich Eigenes verarbeiten muss,
zwanghaft,
schnell und uneffizient,
so sind meine Gedanken.
Ich spüre,
dass ich mich verliere
im Bild einer seltsamen Welt.
Ich suche Frieden,
bitte helft mir!
Zieht den Stecker
und lasst mich schlafen.
Gewiss, es ist eine Flucht
vor diesem Metaverse,
dieser virtuellen 3-D-Welt,
die mich zu QBits
auf einem Quantenrechner
reduzieren will.
Und ich will nicht hinein,
in irgendeine Matrix.
Lasst von Euch hören!
Und wenn ich darum bitte,
tötet mich.

548 – Sterne-Koch

Es war vorgestern in der Frühe. Ich lag in meinem Bette, als mir eine innere Stimme erklärte, es müsse heute Fleisch auf den Teller. Eine solche Anordnung verwundert mich nicht. Schliesslich bin ich als Carnivore geboren, und es ist meiner Tapferkeit zuzurechnen, dass ich maximal 1 mal pro Woche Fleisch esse.

Wie auch immer: Ich holte zwei Koteletts aus dem Eis, taute sie auf und machte sie in Eisen-Geschirr geniessbar. Dazu gönnte ich mir einen Beutel TK-Gemüse, es waren Bohnen und Möhren. Bis dahin war die Welt in Ordnung. Dann kam jedoch die Sosse dazu. Ich hatte ein Rezept dafür. Balsamico + Honig + Rotwein + Gemüsebrühe + Kochsahne – das machte mich neugierig – und mein Mittagessen fast ungeniessbar. Du glaubst es nicht, was auf meinem Teller los war. Diese süss-saure Mumpe, die sich „Sosse“ nennen ließ, passte ziemlich gut zum Schwein. Aber nein – es war nicht chinesisch ….. ich weiss auch nicht. Es war eher ein Unfall. Die Farbe der Sosse – Flieder, mit Schwarz untergerührt! Kein Maler würde Zeug das essen, geschweige denn auf eine Leinwand auftragen. Und das Gemüse? Nun, die Möhren hatten kapituliert und ihren Eigengeschmack verloren. Schlimmer waren die grünen Bohnen dran; ich erspare mir, das zu beschreiben, was die erlebt haben.

Ich bin als Widerständler geboren. Menschen, die mir nicht geneigt sind, mögen mich auch einen Widerling nennen. Aber als Widerständler ist man hart im Nehmen, darum „Schwamm drüber!“. Und ich habe längst erkennt: Es wäre klug gewesen, Terrorist zu lernen. Wie auch immer – der Terror richtete sich diesmal gegen den Terroristen, als Widerling war ich praktisch gezwungen, nicht klein beizugeben, und habe meinen Teller gut gefüllt und leergegessen. Alles ins Klo zu giessen wäre für mich die Höchst-Strafe gewesen.

Meiner Tochter W. sei gedankt, sie hat mein Kochgeschirr abgewaschen. Sie erzählte, die kalte Sosse konnte sie nur mit Hammer und Meissel aus dem Töpfchen entfernen.
Ich schwöre jeden Eid ….. ich hatte keinen Zement eingerührt ….. es sei denn, mein Sohn hat sich mit unserer Mondamin-Tüte einen Scherz erlaubt. Ich muss das jetzt checken. Falls statt Maisstärke ein Heidelberger Zement gefunden wird, habe ich mir vorgestern den Dünndarm zugemauert. Ok, ich sollte wirklich keinen Teufel an die Wand malen.

In toto ist mein Küchenerlebnis eher positiv zu werten. Übel waren nur „Sosse + Schnippelbohnen“, alles andere gute Hausmannskost. Ich habe dazugelernt, und lasse künftig die Finger von Rezepten der Klasse Extravaganz. Ich habe da ein Problem mit meiner mangelhaften Disziplin. Fummelei ist so bei mir so etwas wie eine Leidenschaft, und an Sossen kann ich stundenlang herumschrauben, bis ich erkenne: So geht’s. Aber dann ist meine Sosse auch richtig lecker.

Ich kann nicht kochen. Und ich koche nicht gerne. Muss es aber tun, weil ich auf warme Mahlzeiten ungern verzichte. Nun kann es geschehen, dass ich wegen der Kocherei eine Buddel Wein öffnen muss – das führt zu einem bemerkenswerten Klimawandel in der Küche. 100 ml für die Sosse, und 600 ml für den Koch. Das macht viel Sinn. Die linke Hand rührt, und die rechte hält das Weinglas – und schon herrscht tiefer Frieden in meiner Küchenwelt!

547 – Bagel

Es ist schon eine ganze Weile her, seit sich der Bagel mit den Menschen anfreundete (oder umgekehrt). Genauer gesagt findet sich der erste historische Nachweis im Krakau des Jahres 1610, es hatten jiddische Bürger ihre Hände im Spiel, und das Backwerk hiess „bejgl“.

Anscheinend wird der Kringel erst gekocht, und dann gebacken.

Vorhin kam W. vom Einkauf zurück und legte mir zur Bewunderung eine Tüte voller Bejgl vor die Nase. Ich korrigiere: Sesam-Bagel. Ich griff natürlich zu. Bagel mit nichts drauf. So begann ich zu essen, und spürte plötzlich, wie das Zeug in meinem Mund immer mehr wurde, obwohl ich versuchte, dieses Brot mit einer Konsistenz von Polyurethan-Schaum runterzuwürgen.

In meinem Mund bildeten sich Klumpen. Beim Einspeicheln und Kauen entwickelt sich das Produkt zurück in seine Urform – Teig! Die Teigklößchen kriegte ich erst mit einem kräftigen Schluck Mineralwasser aufgelöst, und ich schaffte den Bagel auf diese Weise – es sollte meine Mittagsmahlzeit sein! War’s dann auch. Mir reicht’s. Bis zurück in die Steinzeit.

Und ich frage mich allen Ernstes, warum die Leute eine solche Abscheulichkeit kaufen. Ich fragte W. und blieb ohen plausible Erklärung dumm sitzen. Plötzlich kam mir die Antwort hoch: Vergiss Butter, Salatblatt und Wurst. In heissen Kakao stippen bringt den Genuss!

Doch dessen ungeachtet fasse ich diese Dinger nicht mehr an. Da lobe ich mir eine frisch gebackene bayrische Laugenbrezel! Eine Halbe dazu, und ein Stück Käse, aus dem Laib geschnitten – das ist eine rechte, deutsche Vesper-Variante mit Klasse!

Bagel – dass ich nicht lache! Das ist etwas für Amerikaner und für Pferde, für die Rösser aber nur, wenn sie Durchfall haben! Man möchte ihnen doch keine Kolik verschaffen!

546 – Neugierde

Zugegeben, der Gedanke ist abartig.
Aber soeben fragte ich mich selbst,
wie es sich wohl anfühlt,
wenn man mir ein Kochmesser
in den Bauch rammt.

„Luise! Komm doch mal rasch in die Küche!
Und bring 5 Handtücher mit!“

545 – Haiku

Ein Sonnenstrahl glänzt,
und spiegelt sich im Wasser.
Ein Kind geht zum Teich.

544 – Turm

Ich nannte ihn ein Monster. Und er hat mich nicht magisch angezogen. Ich betrat diesen Turm, dessen oberes Ende stets in den Wolken verschwunden schien, aus reiner Neugierde. Dieses Ungetüm steht mitten in der Stadt und stört deren Gesamtbild , wie es der Kühlturm eines AKW vermocht hätte. Aber in der Stadt sagt man, der Turm sei schon immer dagewesen, aus Rotsandstein erbaut, und man liebe ihn. Gut, dachte ich, wenn es so sein muss – was geht es mich an? Aber irgendwann musste ich hinein und hinauf, um die einzige Attraktion dieser Stadt zu erleben.

Heute war es so weit. Rustikal, dachte ich beim Betreten, nicht mal eine Tür hat man ihm gegönnt. So hatte sich im Laufe der Zeit hinter dem Eingang reichlich angesammelt, was Wind und Wetter hinterlassen. Unrat.

Nun, man watet durch diesen Müll, es sind nur 4 Schritte bis zur Treppe. Es ist eine Wendeltreppe. Ich blickte nach oben und erschrak. Endlos, dachte ich, es ist Unfug, dort hinauf zu wollen! Das ist nicht zu schaffen ….. und schon erschien dieses Licht an der Wand, wanderte ein Stück nach oben und verharrte. Ich verstand die Botschaft. „Komm schon, Mensch!“ Nun war mir unheimlich zumute. Aber ich folgte dem Licht, das weiterzog, und ich folgte und folgte wie in Trance, und als das Licht erlosch, stand ich im Freien, war vermutlich oben angekommen.

Ich schloss die Augen und wartete, bis meine Verwirrung der Neugierde gewichen war, dann schaute ich mich um. Dann verlor ich die Fassung und weinte; ich sah einen Sternenhimmel, wie man ihn sich nicht prächtiger vorstellen könnte. Ich schien in unserem Universum angekommen zu sein, einem endlosen dunklen Raum mit einer Million Sonnen, glühende und erloschene, die ihr letztes Licht als Gruss ins All geschickt haben, ich begann zu begreifen, was ein Lichtjahr ist, gewann eine Vorstellung von unserer Galaxie, und wo an deren Rand ich zu Hause bin – diese Momente waren ergreifend schön.

Ich weiss nicht, wie lange ich oben war, und ich weiss auch nicht, wie ich die Niederung des Irdischen erreichte. Jedenfalls stand ich irgendwann in einem Haufen Unrat und schaute mich um. Ich sah Strasse, Häuser, hie und da ein Auto – von einem riesigen Turm keine Spur. Es gab ihn nicht mehr. Oder es hat ihn nicht gegeben.

Nun packte mich das dringende Bedürfnis, mich zu verkriechen. Mein Hotelzimmer war dafür ein geeigneter Ort. Ich orderte eine Flasche Pinot grigio, setzte mich in einen Sessel und kaute das Erlebte durch, um es zu verdauen. Der Erfolg dieser Massnahme hielt sich in Grenzen. Ich weiss bis heute nicht, ob es Traum oder Wirklichkeit war. Eine Antwort auf diese Frage werde ich wohl nie erhalten, sie ist mir auch nicht wichtig.

542 – Gedanke

Es ist das Durcheinander,
das mich fesselt.
Scheinbar pausenlos flattern sie,
Schmetterlingen gleich
durch mein Bewusstsein,
Worte, rudimentäre Sätze,
Erinnerungen und Phantasien –
was sage ich, jeder kennt das doch!
Es ist selten, doch es geschieht,
dass ein guter Gedanke geboren ist,
der im Gedächtnis festmacht.
Man greift ihn auf, analysiert,
formuliert, erfindet Szenarien,
und wer dann über ihn schreibt,
hat gewonnen
und kann ihn nicht mehr verlieren.
Vielleicht ist es ein Gedanke,
der nicht nur gedacht werden soll,
sondern auch ausgesprochen?
Es wäre Lohn für Duldsamkeit,
die das Chaos abverlangt.
So die Pflicht.
Schliesslich war es ein Gott
mit Namen „Chaos“,
der aus dieser wirren Materie
die Welt erschuf.
Und so haben zu allen Zeiten
denkende Menschen an jener Welt mitgebaut,
die wir heute erleben.
Sie alle sind Kinder des Chaos.

541 – Gift

„Alle Dinge sind Gift,
und nichts ist ohne Gift;
allein die Dosis machts,
dass ein Ding kein Gift sei. “

(Lehrsatz des Paracelsus)

Alle Dinge sind Gift?
Aha.
Also auch das Geld.
Das erklärt vieles.

21,8 Milliarden US-Dollars –
ein hochklassisches Giftdepot.
Eigentum eines der übelsten Drecksäcke
Rupert Murdoch,
der den irren Trump
zur Spaltung der USA einsetzt
und fördert.
Sein Ziel:
Abschaffung der Demokratie.
Und –
Murdoch ist nicht allein.
Man liebt die Oligarchie
und hasst die Bürgerrechte.

Dieses Gesindel wird gewinnen.
Und wann sind wir fällig?

540 – div.

Heute früh gegen acht Uhr hatte ich mich vor meinen PC gesetzt, um einmal in den Tag hineinzuphantasieren; ich hatte Vorstellungen zur Frage entwickelt, was mir so ein Freitag wie dieser hier bringen mag.

Inzwischen ist es 14 Uhr, und ich hatte dazu noch kein Wort zustande gebracht. Es ist so, und ich weiss es aus Erfahrung in betrieblicher Praxis bei Projekten: Bert Brecht hat recht. ER reimte

Ja, mach nur einen Plan
und sei ein großes Licht!
Dann mach noch ’n zweiten Plan –
gehn tun sie beide nicht.

Ich bin mit einem Pott Kaffee gestartet, wie es sich gehört. Dafür nehme ich mir viel Zeit. Genußsüchtige sind so drauf. Mit dem letzten Schluck bat die Fußpflegerin um Einlass. Sie machte ihren Job mit dem Ergebnis, dass meine Füsse genauso häßlich sind wie vorher. Aber noch während ich nach irgeneinem Nutzen der Aktion suchte, erschien eine Schwester Doris vom Pflegedienst, um ihren Job zu erledigen. Danach zog ich mich zurück, suchte Schutz in meiner kleinen Butze, auch, um ein wenig Obst zu verdrücken. Am Apfel bin ich dabei gescheitert. Da liegen 4 Stück in meiner Obstschale, die sind essbar, aber ungenießbar. Nein, das ist kein Widerspruch! Und so musste ich mich mit Clementinen begnügen. Und aus Frust hae ich mir 2 Koteletts aus dem Eis geholt, die tauen immer noch still vor sich hin. Sobald ich sie trennen kann, bin ich in der Küche, dann gibt es irgendwann Leckeres. Ich plane Mischgemüse, Koteletts nature und eine Balsamico-Honig-Sosse (mit Gemüsebrühe und Rotwein aufgemotzt). Das Fleisch steht seit Stunden auf meinem Schreibtisch und taut langsam auf. Und ich sitze dabei und wehre die Angriffe von 3 Katzen ab.

Nach den Clementinen wollte ich mit dem Schreiben endlich beginnen, als W. erschien. Meine Tochter hatte einen Anruf und erzählte mir nun, dass sie – vielmehr mein Auto im Vorweihnachtsrummel auf einem Parkplatz einen Kontakt mit einem anderen Auto hatte. Beim Ausparken beider Fahrzeuge haben sie sich in der Mitte der Fahrspur getroffen. Es entstand folgender Schaden: Keiner am Lack, keiner am Blech.
Beide Fahrer haben verzweifelt nach Beschädigung gesucht und nichts gefunden.
Nun, 14 Tage danach kommt der Unfallgegner mit einem Kostnvoranschlag einer Werkstatt über 1500 Oiro. Angeblich sei das Spaltmass zwischen Karosserie und Stossstange vergrössert und eine innen liegender Sensorleiste defekt.

Sensoren für Parkhilfe usw. gehen regelmässig kaputt. Der Tausch kostet zwischen 85 und 220 Oiro, je nach Mannstunden-Aufwand. Den Sensor selbst kaufe ich für 20 Oiro. Ich habe also einen Fall von Versicherungsbetrug der Werkstatt an der Backe.
Schliesslich war eine Recherche erforderlich, weil der andere Fahrer falsche Daten angab. Ausser seiner Handynummer stimmte nichts.

Beim Abschluss meines Kfz-Versicherungsvertrag hatte ich gottlob einen lichten Moment und dabei Rabattschutz vereinbart. Damit habe ich einen Unfall pro Jahr frei. Das bedeutet, ich werde nicht von SF-Klasse 30 auf 15 runtergestuft, was mich einige Hunderter kosten würde. Man sieht, es gibt auch immer wieder Positives zu entdecken! Musstu nur gucken!

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