Küchentratsch

Gustus – das ist der Geschmack; ergo:
Gustatorisch – das subjektive Geschmacksempfinden.
Olfaktor – ein Geruchsverstärker; ergo:
Olfaktorisch – das subjektive Geruchsempfinden.

Ja, ich weiß es. Das interessiert keinen normalen Menschen. Man redet vernünftigerweise von Riechen und Schmecken, und jeder versteht’s. Nur – ich bin nicht normal. Die oben zitierten Fremdwörter existieren, und man darf sie benutzen. Hindernis ist nur meine mangelhafte Bildung. Also nehme ich WIKI zur Hand, lese nach, wundere mich und korrigiere Irrtümer, schreibe kackfrech meinen Text – und vergesse die Definitionen umgehend.
Soweit der Alltag.

Neulich habe ich über versalzene Wurst aus Bayern geklagt. Es ist viel Wurst. Mein erster Reflex nahm die Mülltonne ins Visier. Dann aber besann ich mich auf meine besonnene Art: Alter, Du hast eine Schlacht verloren, aber den Krieg wirst Du gewinnen!
So habe ich aus der Brühwurst einen Wurstsalat geformt. In Mayo, Joghurt, Schmand und den üblichen Zutaten für eine Vinaigrette wurden die Würfel aus Brühwurst buchstäblich ertränkt – der Salat ist eßbar! Nein, nicht gut, aber essbar.

Räucherwurst habe ich testweise in Scheib chen geschnitten und kurz gekocht; der Überschuss an Salz ist raus. Ohne was dabei würde ich das ausgelaugte Zeug nicht essen, aber in der Erbsensuppe ist es willkommen. Sieht gut aus und schadet nicht. So werden wir, das sind mein Sohn und ich, morgen eine Erbsensuppe kochen. Angesagt sind 6 Liter, also auf Vorrat.

Meinen Wurstsalat schaffe ich allein nicht. In der Nachbarschaft anbieten geht nicht; das käme als Mordversuch an. Das Salz ist ja nicht weg, sondern nur anderswo, also im Dressing! Und nun kommt das Genie in mir durchgebrochen und ordnet an, Pellkartoffel gescheibelt, aber ungesalzen hineinzuschnippeln. Die Kartoffelstärke bindet Salz ganz gut. So werden sie wie richtige Pellkartoffeln im Salat schmecken, das Dressing wird entlastet, und die Brühwurst ist eh schon ein wenig entsalzt.
Und ich habe einen Plan B. Der Mülltonnendeckel steht schon sperrangelweit offen. Wie? Krieg doch noch verloren? Darauf würde ich politisch antworten, also verschwiemelt, verlogen, von Euphemie triefend:
Hej, wer liegt abgeschrieben in der Mülltonne? Und wer sitzt hier bei einem Glas Wein? Guck nochmal hin, Du Hirrrsch!

Übrigens haben wir noch nie eine Erbsensuppe gekocht. Ich nehme mal an, die Basis dafür sind 6 Liter Wasser oder Gemüsebrühe, und 3 Pfund Schälerbsen,
Suppengrün – und ausgerechnet Salz! Das verfolgt mich bis in den Schlaf!

Und ich giesse Mineralwasser an mich in Mengen, das ist nicht mehr feierlich. So trinkt kein Mensch, sondern so säuft eine Kuh.

Ich wundere mich ob der Tatsache, dass meine Haut keine rötliche Färbung annimmt; schliesslich ist es die Hauptaufgabe von Nitritpökelsalz, Gewege rötlich zu färben. Korrekt gefertigter Pfälzer Leberwurst ist grau, weil ohne Pökelsalz hergestellt.

Darum jubeln die Pfälzer: Weck, Worscht un Woi – das ist gesunde Ernährung!

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