Reminiszenz an das Jahr 2022

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Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass diesen Jahr 2022 noch 58 Stunden bis zu seinem planmäßigen Ende bleiben. Dann gehts den Weg allen Irdischens – ab in die Kiste, wo alles Vergangene mit Hilfe verschiedenster Speichermedien abgelagert wird.

Diese etwas geschwollene Ansage brauche ich heute. Es ist an der Zeit, Bilanz zu ziehen für volle 12 Monate. Wer war ich am 1.1. und wer bin ich am 31.12.? Bin ich noch ich? Das ja. Darüber lasse ich mit mir erst garnicht reden. Wer es versucht, riskiert eine bayrische Antwort: „Mechst raffa, ha?“

Anders die Frage, ob ich noch derselbe wie vor 12 Monaten bin. Sie ist berechtigt, somit erlaubt. Darum bin ich der erste, das dazu eine Antwort sucht. Und findet. Sie lautet schlicht „Nein.“

Nun könnte einer über die Terrasse kommen und von draussen reinschauen – ich sitze vor einem grossen Fenster – und feststellen, ich habe mich nicht verändert. Immer noch die grau melierte Vliess-Jacke, die schwarzen Freizeithose, das dunkelblaue T-Shirt, allles zusammen im Schlabber-Look! Und der voll behaarte graue Kopf wie der von einem Esel ….. stimmt alles. Aber wie’s da drin aussieht, geht niemand was an. Immer nur lächeln, und immer vergnügt ??????? Wie zum Teufel bin ich jetzt bloss in die Operettenwelt geraten? Kehrtwende! Aber plötzlich!

Es ist halt so: Viel Sonne auf die Hirne – man kriegt ’ne weiche Birne!

Himmel, das hört sich auch nicht gut an. Ich komme verbal ins Schleudern! Aber ich schreibe nicht, was mir soeben durch den Kopf geht. Das Böse in mir will raus, aber ich lasse es nicht. Dochr wo kommt es her? Hat man es mir zum Fressen vorgesetzt, oder bin ich von Natur aus böse? Dazu habe ich auch eine Antwort. Sie lautet „mehrdeutig ja“. Nun wird’s kompliziert.

Mal so gesehen: Als ich noch Amoebe war und in einer Ursuppe umher schwamm, galt schon „erst ich – dann lange nichts – und dann du“. Dieser, ein Urinstinkt ist uns geblieben, wir nennen ihn Egoismus. Der Rest an Bösartigkeit stammt nicht von mir. Man hat mich damit geflutet, und vieles ist kleben geblieben.

Nun ist Jahresende. Man erinnert sich an die Ereignisse des Jahres, und wirft sie in einen Topf, denn manches muss noch verarbeitet werden. Man kocht es so lange, bis alles geniessbar ist, giesst die Drecksbrühe in einen Gully und bringt das Dicke an seinen angestammten Platz als Erinnerung, oder in der Tiefkühlbox für später, manches ist frisch gekocht lecker und muss konsumiert werden, meinetwegen mit Humor gewürzt, oder ohne, um Konsumenten zu langweilen, zu bestrafen und so fort. Und wenn man beim Verwenden des Topfinhalts Fehler begeht, macht man sich unter Umständen lächerlich und kann einpacken.

Nun muss ich ein Ende finden. Abbruch! Bin ich der Selbe wir vor 12 Monaten? Nein. Keiner ist so schlicht geraten. Wir alle haben ein Jahr gelebt, uns sind Brocken um die Ohren geflogen, eine objektive Gewinn- und Verlustrechnung gibt es nur in Märchen, und Gewinne wie Verluste verarbeiten wir meist emotional und somit oft falsch, zudem mischt ein alter Herr namens Zufall mit, und weil die Basis noch nicht genug wackelt, arbeitet man mit einem kaputten Fleischwolf; man schiebt ein Kilo Rind rein, und vorne kommt nichts raus. Oder gar Eisenspäne. Naja.

Was sollte nun das ganze Gequatsche auf dieser Seite?

Ha, ha, ha! Es ist ein Verarbeitungsprozess mittels Meditation unter Verwendung schlichtester Rhetorik!
Hauptsache, der Mist ist beiseite geschoben, und ich kann das neue Jahr unbelastet beginnen.
Letztlich schafft man nur Platz für neuen Mist. Wer das nicht kann, wird als mentaler Messie enden, und die geringste aller denkbaren Folgewirkungen ist Überdruss. Unzufriedenheit.
Wenn ich gezwungen werde, den sogenannten Festtagsessen Positives abzugewinnen, das sage ich, es schafft ein gutes Klima für die teils unerfreuliche Arbeit beim Aufräumen. Eine ähnlich positive Funktion hatte übrigens das 2. Frühstück, die „Veschber“ morgens um halb zehn, mit einer Halben (Bier).

Fragt man mich, ob früher alles besser war, so sage ich im Brustton der Überzeugung „JA!“ Warum kann ich das? Nun, ich bin ein lebender Beweis für diese Feststellung. Begründung: Geschenkt. Zu voluminös

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