Aus dem Leben eines ….. pffffft

Ein munteres Lüftchen wehte ihn durch die Haustüre direkt in unsere Küche. Dort fühlte er meinen Puls, hielt eine kurze Rede in der Absicht, zu motivieren, und als W. die Haustüre wieder öffnete, um Katzenvieh rein oder rauszulassen, huschte er davon und ward nicht mehr gesehen.

Japp, das war mein Hausarzt. Er hatte erfahren, dass ich neulich mal umgefallen bin. Erzählt dieser Mann doch, er habe gerade Zeit für seinen Besuch! Ja wo sind wir denn? Der hat keine Zeit zu haben, und ich habe keine Lust, mein Weltbild derart grundlegend zu ändern! In meinem Alter verkraftet man das nicht mehr so einfach.

Nur zur Erinnerung an die Realität: Man fällt um, kugelt sich die Schulter aus und hat deshalb höllische Schmerzen im Sprunggelenk des rechten Fußes. Also ruft man beim Orthopäden an, und bittet um einen Termin. Den bekommt man in der Regel: Was haben wir jetzt? Dezember? Ach ja ….. ich kann Ihnen den 7. Juni anbieten. Die Arzthelferin ignoriert den Schmerz, und man hat das gefälligst auch zu tun. So geht moderne Medizin!

Vermutlich ist mein Hausarzt ein Alien und aus dem Andromeda-Nebel aufgetaucht, um in Hamburg Humanmedizin zu studieren. Zeit hat er ….. wo gibt’s denn sowas?

Nun gab es eine kritische Diskussion zu meinem Verhalten n a c h dem Umfall. Generalvorwurf: Ich verdränge den Ernst der Lage. Ja, gewiss, ich sei Augenzeuge, schliesslich sei ich dabei gewesen, aber die Ursache! Könnte tödlich sein. Ich verstehe nur Bahnhof. Bahnhof ….. Bahnhof …..
Jaaaa, Du bist ein Meister im Verdrängen!, kommt nun. Und ich denke, ohne es auszusprechen, Du, Tochter hast es im Kreuz und verdrängst mit Opioiden. Da ist meine Art doch wesentlich bekömmlicher, insbesondere weil mir nichts weh tut.

Diese Denkweise stimmt mich milde. Das auch, weil ich um eine Erfahrung reicher bin. Das Experiment mit dem selbsständigen Aufstehen ist gescheitert, obschon ich auf die Füße kam. Ich habe in meiner Bude links und rechts Möbel zum Festhalten und Abstützen. Das zählt jedoch nicht. Wäre ich in einer Turnhalle umgefallen – ohne fremde Hilfe ginge garnichts. Und nun? Ich weiss das, werde also Turnhallen meiden, und das Defizit verdrängen. Die Vorstellung, dass ich jedermann darüber informiere, umfallen zu können und 4 Mann als Hilfe zum Aufstehen zu benötigen, finde ich recht albern. Also ab in die Mus-Kiste mit dieser Info. Das Wissen um die Gefahrenlage ist nun überall dort, wo es nützen kann – bis hinein in den Andromeda-Nebel. Ansonsten gilt: 1 mal ist kein mal. Basta. Ein Problem habe ich erst, wenn’s oft passiert. Dann kaufe ich mir einen Elektro-Rollstuhl, komme wieder aus dem Haus raus, könnte zum Einkaufen fahren und an die Elbe, Schiffe gucken und so fort ….. wäre das so schlimm?

Ich habe gerade Grund zur Freude. Das lange vermisste Rotkehlchen pausierte vor meinem Fenster – ein schöner Moment! Und es kommt noch besser. Unsere Katzen – eingesperrt – können nicht hinterher jagen! Dazu ist noch jede Menge Erziehungsarbeit erforderlich. Meinmetwegen können sie gemeinsam den Briefträger ins Haus schleppen, aber nicht den kleinen Vogel.
Nun fällt mir grade ein Liedvers auf die Füsse, den ich als Vorschulkind lernte: Wenn ich ein Vöglein wär‘ ….. endet mit ….. weils aber nicht kann sein, weils aber nicht kann sein, bleib ich halt hier. Ich finde ’s passt.

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