Auf Schleichfahrt ins Chaos

Alles beginnt mit dem Wort.
Wir erfinden es, wir denken es.
Wir sprechen es aus, und hören das gesprochene Wort.
Wir schreiben es, und wir vergessen es.
Selbst der Tod kann das Wort nicht auslöschen.
Es lebt weiter in unseren Nachkommen,
in der menschlichen Gemeinschaft.

Jedes Wort hat im Hintergrund eine eigene Geschichte.
Benutzt man ein Wort, so benutzt man seine Historie,
wie auch seinen gegenwärtigen Sinn.
Wir tun es bewusst und gekonnt.
Unbewusst und unwissend – eine Quelle für Konflikte.

Wort und Kontext sind eine untrennbare Entität.
Im Idealfall verschmelzen Ball+Fuss+Fussball
zu einer neuen Entität,
über die man gemeinsam konfliktfrei reden kann.

Man nimmt Wort mitsamt ihrem Kontext
und fügt sie zusammen.
So entstehen Gedanken. Ideen.
Jede Art von Schöpfungen.
Ja, auch Menschenbilder.
Damit werden die Prozesse extrem komplex.
Überforderung bei uns und bei anderen sind die Folge.
Sie liegen dicken Steinen gleich
auf dem Weg durch das Leben,
und wir stolpern darüber, verursachen Schaden.

Intuitiv versuchen wir, Schäden zu vermeiden.
Dazu werden Kontexte ignoriert oder gefälscht.
Das Vokabular wird reduziert.
So wird der Gedanke unpräzise,
und des gesprochene Wort verbreitet nur noch Nebel.
Die Lebenswirklichkeit wird in eine Lüge umgearbeitet.

Wer so weit gekommen ist, nutzt als letztes Mittel
für die Camouflage die Rhetorik.
Sprache und Rhythmik können
als Mittel der Täuschung wirksam sein.
Kulturen, die in dieser Notlage verharren,
stehen am Ende ihres Daseins.
Ausgehöhlt, verbrannt, blutleer.
Ein unbeliebtes Wort wird populär:
Kulturwandel.
Und ein populäres Wort verschwindet aus dem Vokabular:
Versagen.

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