Wortklauberei

mit den Worten

Carnivore
Herbivore
Omnivore
omnivorer Biophag

Dies sind allesamt Begriffe aus der Ernährungslehre. Gott ja, es geht ums Essen! Dieses Thema ist ja nicht ganz unwichtig!

Die ersten drei Begriffe sind uns bekannt. Wir wissen über ihre Bedeutung genug. Nur lief mir gerade Begriff Nr. 4 übern Weg. Zwar weiss ich, was ein Phage ist. Man braucht diese Fresser, weil sie Bakterien verzehren, also auch unliebsame, solche, die krank machen. Aber was ist ein Biophag?

Der Carnivore frisst Fleisch. Genauer gesagt: Seine Hauptnahrung ist Fleisch. Wenn ein Löwe aus Versehen, oder weil ihm der Sinn danach steht, einen Apfel frisst, macht ihn das nicht zu einem Herbie oder einem Omnie.

Der Herbivore frisst Pflanzen. Sitzt auf einer Futterpflanze eine kleine Schnecke, so wird sie mitvertilgt; die schreckliche Milchkuh bleibt jedoch, was sie immer war …. ein Herbie.
Anders das Schwein. Es frisst, was ihm vor die Schnauze kommt, ausgenommen Mähdrescher und Trecker. Aber der Bauer ist schon nicht mehr sicher. So manchen Bauern hat es im Schweinestall erwischt, wenn seine Frau genug von ihm hatte. Das Schwein ist der Musterfall für Omnivoren, und damit auch

der Mensch, der dem Schwein bekanntlich zu 95% ähnelt. Wenn ich mir eine ordentliche Mittagsmahlzeit ansehe, meinetwegen Schmorbraten mit Rotkohl, dann weiss ich, wohin ich gehöre. Nämlich zur großen Familie der Omnivoren.

Hier wäre einzuwenden, dass der Begriff Omnivore nicht ganz eindeutig sagt, was Mensch und Sau wirklich sind. Präziser: Wir sind omnivore Biophagen. Das besagt, dass wir Lebewesen fressen, wenngleich wir, wenn wir auf das Schwein schauen, und einen Umweg über das Schlachten nehmen. Um ein Bild zu benutzen: Das Schwein tötet auf seinem Teller, der Mensch bevorzugt das Töten im Outsourcing, läßt andere töten, was zappelt und schreit. Er selbst tötet dann die Petersilie, bevor er sie auf seine Kartoffeln streut. Im Allgemeinen ist der Mensch – Omni hin oder her – nicht in der Lage, einen lebenden Hummer in kochendem Wasser zu töten, um in aufzuessen. Erst wenn andere dies tun und ihm einen Hummer Thermidor vorsetzen, ist er bei der Sache, erwartet aber, dass das Tier frisch ist, also erst vorhin getötet wurde.

Abschließend weise ich auf die beliebte Dunkelziffer hin, die wir auch beiden Voren und Phagen zu bedenken haben. Beispiel:
An Pfingsten gibt es hier einen Pfingstmarkt. Am Vorabend spießt man einen Ochsen auf und hängt ihn über eine riesige Feuerstelle. Am Folgetag, früh um 5 Uhr stehen die ersten Carnivoren in einer Schlange und warten, bis das Tier genießbar ist. Um 6:30 Uhr ist das Vieh aufgefressen, die omnivoren Biophagen sind auf dem Weg nach Hause, und so mancher findet sich später auf einer Bank in der Kirche – wo er vermutlich verdaut, statt zu beten. Ich nenne sie zur Abgrenzung latent-carnivore Biophagen. Man erkennt sie an den Fettflecken auf dem Chemisette. Ich pfeif drauf. Meine Chemisetten sind aus Papier. Abreissen, wegschmeißen – und ich stehe da wie geleckt. So geht Zivilisatioin – so gedht Kultur. Oder sehe ich aus wie eine Nudel, die auf Hühnerbrühe dahergeschwommen kommt?

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