Gemecker

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Der preußische Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt besuchte im August des Jahres 1789 das revolutionäre Paris. In seinen Notizen dazu fand sich folgende Anmerkung:

„Alle Laster entspringen beinah aus dem Mißverhältnis der Armut gegen den Reichtum. In einem Lande, worin durchaus ein allgemeiner Wohlstand herrschte, würde es wenig oder gar keine Verbrechen geben. Darum ist kein Teil der Staatsverwaltung so wichtig als der, welcher für die physischen Bedürfnisse der Untertanen sorgt.“

Mag sein, dass man mit diesem Konzept soziale Verwerfungen verhindern könnte. Bereits in der vorchristlichen Zeit hat die herrschende Klasse Roms mit „panem et circensis“ für Ruhe gesorgt; dumm nur, dass dies nicht bei den Reichen wirkt. Schliesslich hat der Kaiser Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus später mit eigener Hand die Stadt abgefackelt. Mein Erinnerugsvermögen lässt mich im Stich, aber ich glaube, das war im Jahr 68 nach Chr., also vor 1954 Jahren.

Knapp 2.000 Jahre, ein recht langer Zeitraum, und genügend Platz für Veränderungen. Sie haben auch stattgefunden. Besonders der soziale Bereich wurde ein wenig bearbeitet. Das Ergebnis: Nichts ist besser, aber vieles ist schlechter geworden.Warum zum Teufel ist das so? Warum müssen 800 Millionen Menschen hungern?

These:

Wir haben einen Bildungsnotstand. Die Bildung in ihrer Gesamtheit gehört in den Mittelpunkt des ploitischen Handelns, nicht an dessen Rand. Das ist auch schon alles.

Bildung ist das Wissen über unser Weltbild, aber nicht wie wir es sehen, sondern wie es real ist. Nun war die Welt vor 2.000 Jahren relativ schlicht entwickelt, und man verlor den Überblick wegen fehlender Kommunikationsmittel. Infos wurden durch Reisende geliefert. Und das reichte wohl. Die Welt wurde verstanden. Nun hat sich das Weltbild gravierend verändert, und es ist heute extrem kompliziert und kaum beherrschbar. Wir müssen Bildung strukturieren und Teilbereiche erforschen, um Verbesserungen zu erzielen. Wir müssen die Teile wieder zusammenfügen und harmonisieren, also Kompromisse einbauen. Wir sollen dabei effektiv und effizient arbeiten. Und wir stellen fest, was das Erdachte alles kostet, und dass Vermögen und Einkommen des Staats bei weitem zu gering sind, um das Gemeinwesen zu finanzieren. Klar, dass man Ziele streicht. Und man tut es dort, wo der Widerstand am geringsten ist. Ganz vorne auf der Streichliste steht die soziale Bildung mit ihrem System. 85.000.000 Bürger sind relativ harmlos im Vergleich mit 3.200 Lobbyisten in Berlin. Für die Allianz Berlins zur Industrie gibt es sicherlich zählbare Gründe – sei’s drum. Zurück in meine These.
Das Bildungssystem hat die Wege zur heutigen Gesellschaftsstruktur und zu ihrem Handeln einfach nicht mitgemacht. Selbst heute sind Bildungspolitiker solche, die in diesem Metier ihr Brot verdienen, aber mehr nicht. Kastrierte, aber das zu Recht. Bildung als Staatsaufgabe sollte Experten überlassen werden, nicht einem Anwalt, der nicht mal als Strafverteidiger taugt und dennoch Bundesminister ist. Solche schlaffen Säcke sind stolz und kriegen sich nicht mehr ein, wenn es ihnen gelungen ist, die Sütterlin-Schrift endgültig abzuschaffen.

Stop! Ich falle. Mitten in die Polemik. Zenzen dame! (jap.: garnicht gut!)
Ich kann auch noch „Domo arigato“. (Vielen Dank).
Warum nun dieser Ausfluig nach Fernost? Nachdenken!
Ich muss nicht mehr bekennen, kein Wort Japanisch zu sprechen. Hier der Beweis, ich kenne vier! Und damit bin ich für den Bildungspolitiker qualifiziert!

Nu is awer genuch!

Mein Resumé: Bildung ist fundamental für die Gesellschaft. Wer hier Entwicklung betreibt, aber die Bildung vernachlässigt, baut auf Sand. Wir wissen, was mit solchen Bauwerken geschieht. Die Entwicklung schreitet weiter voran, und die Belastung für das Fundament wächst. Auf Sand Gebautes zerfällt irgendwann, und auf irgendeine Weise.

Bleibt die Frage, wie wir in diese Falle geraten sind. Mal so gesehen: Mangel an Magnesium verursacht Muskelkrämpfe; das vegetative Nervensystem dreht durch. Mangel an Intelligenz in der Politik verursacht auch Krämpfe; das Hirn arbeitet nicht mehr richtig. Darum wurde über 2.000 Jahre die Bildung falsch definiert. Sie bringt nicht nur die Persönlichkeit des Individuums in eine ansprechende Form nein, sie könnte auch eine ganze Gesellschaft, einen Staat, mit Innenwirkung zur Sozialisation in all ihren Ausprägungen formen.

Aber ich fürchte, man will das nicht. Eine gespaltete Gesellschaft ist eine schwache Gesellschaft. Und eine schwache Gesellschaft ist leichter zu handhaben als eine auf Einigkeit gestimmte.

Zweifel? Na gut, warum nicht! Dann überlege mal, welchen Einfluss ein auf humanistische Bildung ausgerichteter Staatskörper auf das Militär ausüben würde. Nun leg‘ mal los!

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