Schnodder

„Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz.“

Mache Leute kennen diesen Spruch, und Leute wie ich benutzen ihn mit Vergnügen – man darf auch gelegentlich ordinär werden, solange man damit wenigstens Halbbildung andeutet. Ich habe hier Martin Luther zitiert, der diese Weisheit irgendwann im 16. Jahrhundert ind die Welt setzte. Zugegeben, es war seine Welt, nicht die unsere.

Der Kulturwandel seit Luther hat auch unsere Sprache verändert. Was damls salonfähig war, gilt heute als obszön. Es ist also ratsam, auch die Sprache in ihrem Zeitraum zu belassen. Es ist heutzutage anrüchig, wenn ein Arzt das Dieselverbot in seiner Stadt mit einem Luther-Zitat kommentiert:

„Warum rülpset und furzet Ihr nicht …… hat es Euch nicht geschmecket“?

Das Zitat stammt angeblich aus einer Tischrede des Reformators Martin Luther.

Dann müsste vom Verwaltungsgericht auf ausgewählten Straßenabschnitten auch das Rauchen (CO, FEINSTAUB, RUSSPARTIKEL), der Flatus (SO2, SO, NO2) und das Aufstoßen (CO2) im Öffentlichen Raum verboten und Zuwiderhandlungen bestraft werden.

Dieser Mediziner mag ein guter Polemiker sein, aber er redt dummes Zeug. Ein Dieselauto kann ich auf dem Schrottplatz entsorgen; aber ist es oppurtun, einen Menschen auf den Friedhof zu bringen, um ihn dort zu shreddern? Apfel mit Birne zu vergleichen war nur selten erfolgreich.

Aber da ist noch etwas Ungenanntes und Umstrittenes drin. Es macht einfach Vergnügen, Luther’s deftige Rede zu zitieren. Warum, das? Nun, weil wir heute in dieser Sache ein wenig verbogen sind. Man stelle sich vor, 300 Jahre nach Luther meinte Goethe:

„Was du ererbt von deinen Vätern hast,
Erwirb es, um es zu besitzen.“

Verwende dieses Zitat vor einer Abiturklasse, und Du wirst als endgültig durchgeknallte gesehen und nicht mehr respektiert.

Ich sehe einen Trend, der mich erschrecken würde – wäre ich nicht 83, sondern 23 Jahre alt.

Quo vadis, humanus?

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