Zum Nachdenken

Ich blicke wieder einmal sinnig durch mein Fenster; manche Menschen, die m ich näher kennen, würden von stumpfsinnig reden. Doch das ist gleichgültig. Was hier geschieht, oder nicht geschieht, muss ich mit mir selbst ausmachen. Dabei sieht man nicht gerade gut aus.

Dumme Sache. Gestern um die gleiche Zeit habe ich auch getippt und aus dem Fenster geschaut. Ich vergleiche. Es ist heute das gleiche Bild zu sehen wie gestern. Nur die Vögel bringen ein wenig Unruhe. Der Rest des Gartens befindet sich in Stillstand. Selbst die Grashalme bewegen sich nicht, der pink blühende Strauch zeigt keine Fortschritte, und das Gänseblümchen scheint melancholisch gestimmt nur auf den nächsten Frühling zu warten.

Sicher ist, dass sich der Planet Erde wieder einmal eine Umdrehung gemeistert hat und genau dort steht, wo er gestern schon stand, so um 12 Uhr. Das bedeutet 24 Stunden Drehung und dennoch Stillstand. So vertrödelt man auf nutzlose Weise kostbare Zeit. Lebenszeit? Etwa meine eigene? Der äußere Anschein läßt vermuten, dass ich mich auch im Modus „Stillstand“ befinde, Zeit verliere. Schliesslich bin ich zu einer Immobilie degeneriert, kann nicht mehr hinaus in die Welt. Das wäre unerfreulich, und ein Grund zur Resignation. Nur – Trübsinn löst kein Problem. Das muss wiederum ich machen. Also muss das Naheliegende gelten. Wenn ich nicht in die Welt hinaus gehen kann, muss sie zu mir hereinkommen. Logisch, nicht wahr?

Ich grinse in mich hinein. Es ist eine extrem schwierige Aufgabe, die eigene Lebensweise zu ändern; aber ohne eine neue, angemessene Mentalität ist sie nicht zu bewältigen. Unter Umständen schafft man es, Vernunft und Verstand zu kontrollieren, aber das Unterbewusstsein! Dort gibt es nichts zu lenken.

Zugegeben, ich weiss nichts. Aber ich vermute einen Weg aus dem Dilemma. Schau – vor mir liegt ein Apfel, süß und saftig. Er hat als zarte rosa Blüte begonnen, und sein Weg war lang. Ja, das Bild gefällt mir. Es paßt – für einen Apfel. Der Mensch ist kompliziert. Er muss seinen Weg wie ein Sportler trainieren. Er braucht Achtsamkeit. Er braucht den festen Willen, Negatives abzuwerten und statt dessen alles Positive wahrzunehmen und als solches zu würdigen. So verschafft man sich eine neue Sichtweise, und eine Sucht nach positiven Gefühlen.

Dies ist ein Weg der 1.000 kleinen Schritte – und 1.000 kleinen Erfolgen. Step by step kann die wahrgenommene Welt ein wenig attraktiver werden – ja, auch für mich in meinem kleinen Büro.

Nun runde ich mein Bild rasch ab, nehme mir die Freiheit, mich einzufügen ….. mit der Feststellung, dass mich das alles nur peripher tangiert. Der Grund: Ich bin so geartet wie meine Mutter, ein Phlegmatiker im Grossformat, also ein wenig anders als der Durchschnitt (Vorsicht! Ich schrieb anders, nicht besser). Phlegmatiker kommen auf die Welt, und haben ohne Mühe den Weg zu einem friedvollen Dasein schon halb geschafft.

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