Nabelschau

Nun hat ein Leser meine Art zu schreiben als „gelegentlich schnodderig“ bezeichnet. Er liegt damit völlig richtig. Deshalb liegt es mir fern, mich rechtfertigen zu wollen. Wohl aber ist es eine Gelegenheit, zu checken, ob eine Remedur erforderlich ist. Ich gestehe: Ich habe es versucht, und bin ohne Ergebnis geblieben.
Beim Nachdenken wurde der Job immer größer, und nun sieht er aus wie 100 Hektar Ackerland mit dem Spaten in der Hand umgraben.

Schnodderig sein bedeutet provozierend lässig, großsprecherisch, den angebrachten Respekt vermissen lassend. Es ist also ein negatives Adjektiv. Na und? Mein Ackerland ist kompliziert strukturiert, und das macht das Messen der Qualitäten wirklich kompliziert:
Da sind Humor > Ironie > Satire > Sarkasmus > Zynismus als Gefälle vom Positiven zum Negativen zu berücksichtigen. Und der Teufel steckt im Detail! Pass auf. Schlicht formuliert gilt:
Der als positiv deklarierte Humor ist Schönfarberei der Wahrheiten, und somit negativ. Und dem negativen Zynismus sagt man nach, er decke die Wahrheiten auf, dann ist er also positiv!
Diese Sichtweise ist gewiss ziemlich plakativ, aber es steckt Wahrheit drin.

Nun könnte ich jeden meiner Texte zur Hand nehmen und in eines der fünf Fächer sortieren. Dann würde ich zählen und erkennen, ob und in welchem Maß ich ein Gesinnungsschwein, ein Vaterlandsverräter, ein Giftstachel oder sonst was bin.
Ich will jedoch nicht. Muß ich nicht haben. Ich bin ich, und als solcher souverän.

Manchmal denke ich allerdings, ich sei als Satiriker geboren. Sicherlich ist hier der Wunsch Vater das Gedankens. Wenn ich es nicht bin – ich wäre das gerne.

Die Satire beißt, lacht, pfeift und trommelt die große, bunte Landknechtstrommel gegen alles, was stockt und träge ist.


So Kurt Tucholsky (1890 – 1935), und ich stimme ihm ohne Umschweife zu.
Dann könnte ich mir Ausflüge in die Ironie und den billigen Humor erlauben, und meine Trips in den Zynismus als Ausrutscher hinnehmen. Tucholski nennt mein Motiv für die Schnodderigkeit in meinen Texten korrekt beim Namen.

Übrigens nennen wir den Rotz, der aus der Nase fließt auch Schnodder. So viel zur Abrundung des Themas.

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