Vorsicht! Unsinn!

In unserer Küche liegt eine halbe Zitrone, mit Zwiebeln und Knoblauch, in einer häßlichen Schale aus Steingut (könnte auch aus Beton sein ), und wartet. Ich weiss nicht, worauf sie wartet. Genau genommen ist sie tot. Sollte sie wieder Leben zeigen, so landet sie im Abfall. So macht man das auch mit einem älteren, angefressenen Spanferkel, das zu zappeln beginnt. Das nur nebenbei.

Eigentlich wollte ich etwas über die halbe Zitrone schreiben. Ja, es gab da einen Zwilling. Den habe ich mit blanker Hand über meinem Curry-Kohl ausgequetscht. Zitronensaft, wohl dosiert, hebt das Aroma eine Stufe höher. Mein händischer Akt zur Gewinnung von Saft verlangte von mir alles, nur war er nicht zu vermeiden. Wir verfügen nicht über eine Zitronenpresse. Für ein solches Ding muss man schliesslich mindestens 3,60 € hinblättern. Kaufe ich so ein Gerät und drücke eine halbe Zitrone aus, so geht das Teil in die Knie, weil das Plastik so dünn ist wie eine Zeitungsseite. Pressen aus Glas und Metall sind astronomisch teuer. 8759,5 Stunden stehen sie nur in der Küche herum, und eine halbe Stunde pro Jahr sind sie in Gebrauch – dafür zahle ich keine 12 €. So muss meine rechte Hand herhalten. Allerdinge müßte ich die Zitrone dafür längs zerschneiden und die freigelegten Saftkammern anritzen; dann wäre die Saftgewinnung ein wenig erleichtert. Das Querzerschneiden wurde wohl für die Pressen erfunden.

Nun liegt in der Küche die halbe Zitrone, quer geschnitten, und zeigt erste Zerfallsschäden. Sie trocknet vor sich hin, und keiner badet sie scheibenweise in eiskaltem Mineralwasser. Man sollte vielleicht einen Glühwein ansetzen, das typische Getränk für die Familie an Heilig Abend. Eisiges Mineralwasser im Dezember – das kommt überhaupt nicht. Der Glühwein ist therapeutisch wichtig. Er hilft über den Ärger weg, der sich wegen der unsinnigen Geldausgabe für unnütze Geschenke breitzumachen droht. Und wer so verwegen ist, die Zimtstangen aus dem Rotwein zu fischen und aufzuessen, den erwartet ein besonderes Vergnügen.

Sie liegt noch immer da, diese halbe Zitrone. Trocknet still vor sich hin. Selbst die Katzen zeigen sich desinteressiert. Vorhin griff ich danach und betrachtete sie von allen Seiten. Aha, dachte ich, eine halbe Zitrone! Weiter bin ich nicht gekommen. Aber ich habe sehr wohl registriert, dass es mir gut geht, und sie sauer ist. So hat alles seine Ordnung. Sagen wir mal, sie liegt in dieser seltsamen Schale sehr dekorativ und gib Zeugnis über die hier ausgeübten Kochkünste. Genau wie die Küchenkräuter am Fenster. Kein Plastik! Alles echt! Und Bio.

Anmerkung:
Zugegeben – für solchen Quatsch muss man einen Dachschaden haben. Zweifellos bin ich nicht ganz dicht. Aber weisst Du was? In diesem Zustand ist man auch frei! Man tippt vor sich hin, und muss nur darauf achten, nicht unter die Gürtellinie zu geraten; dorthin darf man denken, aber nicht schreiben.

Wer bis hierhin gelesen hat, sollte etwas gelernt haben. Nein, nicht über mich und meinen Hang zu Blödsinn. Er sollte nun wissen, dass es Zitronenpressen für 3 oiro 60 zu kaufen gibt.
Der große Rest kann dorthin, wo die halbe Zitrone auch landen wird.

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