Nur Salat

Mir scheint, es geht selten gut, wenn ich beginne zu denken. Heute hatte ich den Beweis einer solchen Schwäche just „auf dem Teller“. Es war Kartoffelsalat.

Es begann mit dem schlau erdachten Plan, einen solchen Salat herzustellen. Ich setzte so um 15 Kartoffeln auf, und unser Kochfeld belohnte mich mit Pellkartoffeln. Aber während die Knollen garten, passierte es. Ich fing wieder an zu denken. Wie zum Teufel kriegt man das weg? Meine Mutter würde nun in ihrer liebevollen Art sagen, das ginge mit einer Axt aufs Hirn. Ich bin da weniger sensibel und ersetze die Axt mit einem naßkalten Waschlappen, nur – es nützt nicht. Da war eine andere Kraft am Wirken, nämlich mein Ordnungssinn. Ich suchte alles zusammen, was man mit ein wenig gutem Willen in den Salat geben könnte. Tisch und Stühle habe ich ausgelassen, aber den Rest klein geschnippelt, und die größte Schüssel damit befüllt. Für die Kartoffeln war nicht mehr genug Platz, aber für einen knappen Liter Vinaigrette. Dann kam W. zum Probieren und stellte fest, da wären zu wenig Kartoffeln drin. Ja, dachte ich, da hat sie recht, denn „keine“ ist zu wenig. Ich klebte fix ein neues Etikett auf das Projekt. Es wurde ein „bunter“ Salat. Da passen auch einige Kartoffelscheiben rein. Und die Schrankfächer sind nun weitgehend entrümpelt.

Nun hatte ich während der Kartoffelbearbeitung damit begonnen, meinen bunten Salat aufzuessen. Dabei wurde ich sehr zufrieden, und langsam satt. Und mein Salat hatte Volumen verloren. Ich entschied, dass die Mischung lecker war. Alle Zutaten hatten ihr natürliches Aroma noch nicht eingebüßt. Sogar die Pilze schmeckten nach Pilzen. Dumm nur, dass sich nun wieder mein Kopf meldete. „Mach Kartoffelsalat!“ Reflexartig setzte ich einen zweiten Topf Kartoffeln auf den Herd. Rechnete grob, dass, sofern ich das „Bunte“ weiter reduziere und die Kartoffelmenge verdopple, der Erstplan doch noch realisiert werden könne. Und genauso kam es.

Nun hatte ich allerdings ein neus Problem. Meine Pilze waren schon etwas älter, und die Lamellen sonderten Farbe ab. Sah aus wie fossile Mooreiche, das ist dunkelbraun, knapp vor Schwarz.
Dies hatte zur Folge, dass meine Vinaigrette aussah wie Schweinegülle. Und ich hatte viel davon in meiner Salatschüssel.
Nun erneuerte ich die Brühe, goß die Gülle ab und ….. hatte neue Gülle im Salat. W. guckte nur angewidert, obschon ich mit dem Nachfüllen der zweiten Kartoffelfuhre meine Schüssel wieder voll gemacht hatte. Beim Verkosten stellte ich fest, nun ist der Lack ab, ich habe schon Besseres abgeliefert. Allerdings stellte ich auch fest, dass die Würfelchen von zwei Äpfeln so geworden sind, wie ich mir das dachte. Leider reichte das nicht für ein ordentliches Prädikat.

Ok, dachte ich, wenn ein Rohrschlosser einen Salat macht, muss nichts Perfektes entstehen. Durchschnitt muss auch mal reichen. Ja. Dumm nur, dass ich kein Rohrschlosser bin, sondern handwerklich ein Pfuscher mit Qualitätsansprüchen für die Arbeit anderer Menschen. Und das färbt rückwärts ab. Ich starrte in meine Schüssel und ersann eine Problemlösung. Mach Mayo dran! Mach Mayo dran! Und der Kühlschrank antwortete: Mayo ist aus! Mayo ist aus.

Wieder war Grübeln angesagt. Erstens mag ich Mayo nicht. Zweitens kann ich Mayo nicht. Und drittens kann das kein Hinderungsgrund sein. Also habe ich eine Mayo gerührt. Essen mochte ich sie nicht. Salzig! Unmöglich. Säure und Süsse im Spiel putzen Salz beiseite. Probier es! Probier es!

Es hat funktioniert. Zu Mittag gabs für mich echten Kartoffelsalat von guter Qualität, mit Mayo verfeinert, und die Vinaigrette hatte die Farbe von Hellschwarz in Dunkelweiss gewechselt.

Und was habe ich gelernt?
„Warum einfach, wenns auch kompliziert geht!“

Fussball? Niederlande gegen Ecuador. Hochinteressant. Ich habe mir heute mal die Köpfe der Spieler angesehen. Exquisit. Sehr stylish, diese Frisuren. Daher die hohen Einkommen. Gegen die sehe ich aus wie ein Penner. Darum nur eine kleine Rente.
Aber ich kann jetzt Mayo, und die nicht.
Vielmehr: Ich muss das können, die nicht.
Sozialneid breitet sich aus wie eine Giftgaswolke.
Ich schäme mich.
Deshalb habe ich nach Vorstellung der Frisuren abgeschaltet.
Langweilen kann ich mich auch ohne Stromverbrauch.

%d Bloggern gefällt das: