Schwere Zeiten

Stuttgarter Nachrichten: Maine coon-Kater

Ich fürchte, dass ich noch schwere Zeiten durchstehen muss, bevor ich mein Kochgeschirr endgültig abgeben muss.

Ich bin ein Tierfreund, und dies mit ideologischer Untermauerung. Es bedeutet für mich, dass alles Viehzeug, vom Elefanten bis zur Ameise, so leben soll, wie es Mutter Natur vorgegeben hat. Das Dazwischen-Pfuschen des Menschen lehne ich ab. Und als Ausnahme von dieser Regel lasse ich zu, dass man eine Katze, die am Ersaufen ist, aus dem Wasser ziehen darf. In Notfällen hilft man. Damit wird die erste Regel missachtet. Wenn eine Katze so doof ist, in die Elbe zu springen, sollte sie keine Nachkommen haben. Mutter Natur regelt das eigentlich auf ihre Weise. Dennoch würde ich die Katze aus dem Wasser holen.

Wenn ich die Tierwelt respektiere und Freude daran haben will, so schliesst das ein, dass ich zwischen mir und dem Tier eine Distanz schaffe. Das hat auch einen praktischen Grund. Ich möchte keinen 7-kg-Kater auf den Arm nehmen und umher schleppen. Ich lasse das nicht zu, gleichgültig wer anklopft. So denke ich.

Aber dann kommt Olli, der kleine Kater. Er klopft mit der rechten Vorderpfote vorsichtig auf meinen Unterarm, schnurrt wie eine alte Nähmaschine und starrt mich an.Was geschieht?

Ich nehme den Kater hoch, just wie ein Baby. Er dreht sich zurecht, zeigt mir seinen Bauch – und ich beginne, ihm den Bauch zu schrubben. Nach einer Weile beginnt der Kleine, nun meinen Daumen zu putzen. Irgendwann ist er mit dem Daumen fertig, also macht er folgerichtig mit meiner Nasenspitze weiter. Ich bin mittlerweile ein wenig weggetreten, stehe neben meiner Kappe. Dennoch wird mir klar, dass ich diese Putzarie unterbinden sollte.
Das Tier hat einen Zungenbelag wie Schmirgelpapier mit 100er Körnung.
Frauen kennen so etwas, und nennen die Verwendung „Peeling“. Aber der Kater ist erst 13 Wochen alt und wächst und wächst. Seine Zunge wächst mit. Und wenn die ausgewachsen ist, will ich diesen Lappen nicht in meinem Gesicht haben. Wenn es sein muss, kann ich mich auch rasieren.

Inzwischen ist mir klar geworden, dass auch ich mit einer prominenten Schwäche ausgestattet bin, die als Unterschied zwischen Theorie und Praxis endlos nervt.

Eine Antwort zu “Schwere Zeiten”

%d Bloggern gefällt das: