1087 – Ich?

Weiss der Teufel, was mich geritten hat, als ich mir vorhin spontan die Frage stellte, wer ich wohl sei. Habe ich ein Rätsel formuliert? Oder ist es die blödeste Frage, die einem Menschen einfallen kann? Immerhin habe ich knapp 83 Jahre mit mir zusammengelebt. Wenn es einen Menschen gibt, der mich kennt, dann bin ich das ….. oder etwa nicht? Gibt es nicht auch den unbeliebten Unterschied zwischen Fremdbild und Eigenbild? Und den fatalen Hang, Eigenschaften nach Gusto zu bewerten, also nach einem sehr speziellen Wertesystem? Und ist da nicht der Verdrängungsmechanismus, der uns befähigt, Unerquickliches ins Unterbewusstsein zu verdrängen, es also scheinbar verschwinden zu lassen?

Phlegmatiker vereinfachen. Sie biegen indiskrete Fragen schnell und direkt ab, indem sie behaupten, wie alle zu sein. Wie alle ….. ich habe nach einem Wort gesucht, welches genau das korrekt bezeichnet, und keines gefunden. Also erfand ich eines. „Polymorph“. Teil von etwas Vielgestaltigem. Verflixt, dachte ich, das hört sich wirklich gut an, das kann nicht von mir kommen. Eine Überprüfung ergab, das Wort gibt es schon, und zwar in der Biologie und der Philosophie. Wieder nichts erfunden. nur erinnert.
Gottlob bin ich geübt im Einstecken von Niederlagen.

Ich weiss, was ich nicht bin. Ich bin nicht wie alle. Ich bin ich, sonst nichts. Aber ich bin – wenn ich mich psychisch und physisch klassifizieren sollte, zwar ein Unikat, aber in gewisser Weise auch ein polymorphes Wesen. In mir stecken viele Eigenschaften anderer Menschen. Es mag verwegen sein, aber ich gehe bei dieser Feststellung hilfsweise vom Makro zum Mikro.

Muss ich daran erinnern, dass die Physis des Menschen und die des Schweins zu mehr als 90% identisch sind?
Fragte mich jemand, so müßte ich verlegen zugeben, dass ich meine Schlachtreife längst erreicht habe. Schinken, Eisbein, Schäufele – alles da ….. wäre da nicht der Kopf! Der gibt garnichts her.

Ich muss nochmal nachdenken …..

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