1079 – BILD?

Cezanne

Ja, ich erinnere mich wieder.
Da war die Sache mit dem Bild
in einer Ausstellung. Zeitgenössisch.
Bunt und psychedelisch.
Ich gestehe:
Nicht mein Geschmack.
Regenbogen schätze ich am Himmel,
nicht auf Leinwand.
Auch nicht, wenn der Bogen
in einem Farbenchaos endet.
Das ist exaltiert –
nicht extraordinär.
So sehe ich das.
Als einziger?
Andere Besucher urteilen anders?
Positiv?
Warum nicht!
So geht Kunst!
Beim Maler entsteht ein Bild,
das Auge des Betrachters
macht es zur Kunst.
Das war schon immer so.
Ich gehe 5 oder 6 Schritte,
stehe vor einem anderen Bild.
Ich schaue lange hin.
Blau und grün dominieren.
Erinnern an den See von Annecy,
an Cezanne in seiner Phase,
als seine Bilder nicht Leichtigkeit,
sondern Kraft ausstrahlten.
Blau und Grün in Abstraktion,
ich bin ein wenig ratlos.
Aber irgendwas zwingt mich,
näher zu kommen.
Ich starre das Bild an,
als wäre es ein Weltwunder.
Und eine innere Stimme flüstert:
Kommm, komm näher!
Ich spüre, man zwingt mich,
näher zu kommen
und auf irgendeine Weise
eins zu werden mit dem Bild,
und ich erkenne Ungeahntes,
es sind Figuren und Leben
in Harmonie mit Natur,
wie ich sie mir wünsche.
Als ich beginne,
die Szene zu geniessen,
legt sich plötzlich eine Hand
auf meine Schulter,
und eine Stimme mahnt mich,
doch bitte auf Distanz zu bleiben.
Ich verstehe.
Trete zwei Schritte zurück.
Doch der Zauber endet nicht.
Ich habe Kunst erlebt
und trage sie nach Hause –
als Erinnerung,
und als Bestätigung für eine Gewißheit.
Kunst ist vor allem anderen „Kunst“,
ist Versuch einer Seele,
mit mir zu kommunizieren.

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