1073 – Ragù

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Ich gestehe freimütig: Mir kann man viel erzählen, und ich glaube. Es ist doch so: Wenn man weiß, muss man nicht glauben. Also muss man glauben, was man nicht weiss – oder man glaubt halt nicht. Das ist so geregelt für die Religion, und für die Soße bolognese. Das kannst Du mir glauben!

Spaghetti bolognese war für heute angekündigt, und die Idee hat sich in Luft aufgelöst. Das ist tolerabel. W. und ich gönnen uns den Luxus, auch mal keine Lust zu haben. Und es macht Vergnügen, aus dem Fenster zu starren, denn wir haben momentan seltenes Wetter. Es gibt nicht nur Blitz und Donner, sondern es fällt auch Wasser von oben runter direkt in unseren durstigen Garten. So geschieht, was ich mir auch für die Nazis wünschte. Aus Braun wird Grün!

Zurück zum Glaube. Derzeit glaube ich einem Rezept für das Ragù bolognese, das angeblich aus irgendeiner italienischen Küchen-Akademie stammt. Ich peile unsere Materialbestände an, und was sehen meine entzündeten Augen? Es ist garnicht alles da für dieses Ragù. Keine Möhren. Kein Pancetta, keine Sahne. So sieht es aus. Ich könnte es so machen, wie ich es immer mache. Es wird dann eine Niedersächsische Tomatensosse, auch Altländer rote Mumpe genannt.
Aber ehrlich: Wenn ich mich langweilen will, mache ich keine Sosser, sondern den Fernseher an. Das ist deutlich weniger Arbeit. Und wenn ich einen halben Rosamunde Pilcher-Film gesehen habe, werde ich zum Tier, zur reissenden Bestie und esse das Rinderhack blutig roh aus der hohlen Hand.

Was hierzu das Glauben angeht: Ich weiss es. Es gibt mit Sicherheit mehrere hundert Original-Rezepte, und die Originale von der Ur-Oma wuchern schon durch ganz Deutschland. Ich las sogar ein original Original, nach welchem die Sosse ganz ohne Tomaten angerührt wird. Dazu reiche man keine Nudel, sondern Reis – und man hat, was unter Studenten spöttisch „Reis mit Scheiss“ genannt wird.

Das folgende Rerzept ist für mich interessant wegen der Zutaten-Mengen (bisher galt, rein zu tun, was da ist – 750 g Möhren? Rein damit, ist gesund!) und der mir fremden Zutaten, hier Speck und Sahne.

Bolognese

– Originalrezept der Accademia Italiana della Cucina –
Dauer: 2 Stunden 20 Minuten

Zutaten
300 g grob gehacktes, mageres Rindfleisch
150 g Pancetta (Schweinespeck)
50 g Karotte, fein gewürfelt
50 g Stangensellerie, fein gewürfelt
50 g Zwiebel, fein gewürfelt
300 g geschälte Tomaten
100 ml Rotwein
100 ml Vollmilch
100 ml Gemüsebrühe
Olivenöl oder Butter
Salz, Pfeffer
eventuell ein Schuß Sahne

Schwitzen Sie den fein gewürfelten Pancetta in einer großen Pfanne an.
3 EL Öl oder 50 Gramm Butter und das fein gehackte Gemüse dazu.
Rinderhackfleisch beimengen, scharf anbraten, rühren.
Mit Rotwein ablöschen und umrühren bis dieser verdunstet.
Geschälten Tomaten und die Gemüsebrühe dazu,ca. 2 Stunden lang abgedeckt köcheln.
Bevor das Ragù fertig ist die Milch hinzu, mit Salz und Pfeffer.
Die Accademia Italiana della Cucina empfiehlt:
„Am Ende gibt man für gewöhnlich etwas Sahne hinzu.“

Ist Dir etwas aufgefallen? K E I N Knobie!!!
Wir tun immer so viel rein, dass beim Kochen die Fliegen tot von der Zimmerdecke fallen.

Dieses Rezept ist bei der Handelkammer als „das Original“ eingetragen.

Photo by Alex Green: Mit’m Löffel?
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