1059 – Hühner-Philosophie

Zugegeben, ich habe es unterschätzt. Aber es ist eine simple Tatsache: Mit jedem Beitrag, den ich rauslasse, gebe ich ein Stück meiner Persönlichkeit preis. Es ist, als ob ich stückweise mein Hemd hoch hebe und/oder die Hose runterlasse. Ich bin nicht sicher, ob ich das wirklich will. Einen Schritt weiter, und ich stecke fest im Exhibitionismus.

Gut. So schlimm ist es wieder nicht. Aber ich habe nun mehr als 1.000 Beiträge draussen. Würde ein Psychologe alles lesen, so hätte er ein deutlicheres Bild von mir als ich selbst. Eigenbilder sind in der Regel falsch. Es ist wie beim Trompeter auf dem Königssee bei Berchtesgaden. Was er spielt, ist völlig uninteressent; die Gäste warten auf das Echo!

Ich könnte an Stelle des Sammelsuriums Sachaufsätze schreiben. zum Beispiel über Informationstechnologie und deren Entstehungsgeschichte. Warum tue ich das nicht? Ha! Weils Arbeit ist. Als Generalist weiss ich von vielem nur wenig. Besseres als das, was ich abliefere, geht also garnicht. Nicht ohne Maloche. Das möchte ich keinesfalls. Wenn ich also meiner Schreiblust fröne, dann muss ich mich selbst ausstellen wie eine Nutte auf St. Pauli in der Herbertstrasse.

Weisst Du was? Ich möchte kein Spezialist sein, der von wenigem sehr viel weiss. Sein Volumen an Wissen geht weit in die Tiefe. Das meinige geht weit in die Breite, und das ist genau richtig für einen wie mich, der auch als Hedoniker durchgeht. Ich bin wie ein Hu8hn, scharre auf der Oberfläche und bin zufriedenm, wenn ich ein Körnchen finde (nicht trinke!).

Nun verbreitet man Lebensweisheiten wie die zu „Menge“; wenig, aber gut statt viel und schwach. Ja, ich stehe voll dahinter, aber nur bedingt. Was für das Essen gilt, akzeptiere ich noch lange nicht für meine Freizeitbeschäftigung. Ich mache alles, was meine Eudaimonie fördert. Und wenn ich mir dafür mit einem Hammer 10x auf den linken Daumen hauen muss.

(Apropos Eudaimonie ….. ich habe bis eben nicht gewusst, was das ist. Was ich dazu las, stellte mich nicht zufrieden. Ich habe den Besserwisser raushängen lassen: In Eudaimonie lebt, wer auf der Basis seines Wertesystems ein ausgeglichenes Leben führt, eine Voraussetzung für das Glücklichsein.)

Lebe ich in Eudaimonia? Gewiss nicht. Zu viele Brüche, zu viele Trümmer. Ich bin wie Schillers Gußform für eine Glocke, „festgemauert in der Erden steht ….. “ und könnte glauben, dass mir das Schicksal im Alter für alle meine Sünden Bußen auferlegt hat. Mann, das wäre was! Das funktioniert nämlich nur bei Lebenden. Dann ist das Schicksal noch lange nicht fertig mit mir, und ich lebe noch weitere 28 Jahre – immerzu! Ich bin einverstanden, ready for take off! Völlig d’accord!

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