1057 – Historie

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Ich muss wohl der Wahrheit die Ehre geben und bekennen, dass ich die Geschichte Deutschlands ab 1900 nur peripher wahrnahm. Heute bin ich gestolpert, lang hingeschlagen und lag unvermittelt in der Weimarer Republik. Es kam, was kommen musste. Auf schwachen Beinen rumpelte ich über diverse Figuren aus dieser Zeit, so also auch über Mathias Erzberger. Er war Reichsfinanzminister und wurde im Jahr 1921 ermordet.

„Die Kugel, die mich treffen soll, ist schon gegossen“, vertraute er seiner Tochter Maria an.Eine Woche später war es dann so weit. Die Killer brauchten allerdings acht Kugeln. Erzberger war einer nationalistischen, antisemitischen Terror-Organisation im Weg. Kennzeichnend für sein Politikverständnis sind die beiden folgenden Zitate aus Erzbergers “ Politik und Völkerleben, 1914:

„Die Politisierung der Massen lässt sich nicht aufhalten; sie ist das ganz natürliche Produkt der neuzeitlichen Verhältnisse. Sie ist an und für sich kein Übel, sondern für Volks- und Staatsleben erwünscht. Stumpfsinnige Bürger und politisch träge Nationen sind den Anforderungen der Gegenwart nicht gewachsen; reges politisches Leben erzeugt Anteilnahme an allen öffentlichen Vorgängen, gibt einer Nation Kraft und Lebensmut, stärkt das Verantwortungsgefühl der Machthaber und Herrschenden, ist eine unentbehrliche Kontrolle über deren Handlungen und Unterlassungen. Militärpflicht und Steuerpflicht zwingen den Bürger zur lebhaften politischen Betätigung in Stadt und Land. Daß diese, im Übermaß betrieben, ihre Nachteile hat, ist selbstverständlich.“

Frage: Wann, zum Teufel, beginnt diese Politisierung? Was muss noch alles versemmelt werden, bis die Bürger erwachen und sich zur Wehr setzen?

„Selbst, wenn scheinbar rein politische Motive oder wirtschaftliche Machtfragen den öffentlichen Markt zu beherrschen scheinen, gar bald und schnell zeigt es sich, daß der Kern der Streitfragen doch ein religiöser ist. Die Religion ist die Königin der Politik und des Völkerlebens; sie ist Leitstern, Wärmequelle, Kraftstrom und Ziel in gleicher Weise. […] Die Religion veredelt und adelt die Politik, die ohne Religion nur zu einem Streit um die besseren Futterplätze herabsinkt.“

Anmerkung: Erzberger meint mit „Religion“, genau diese, keinesfalls die Kirchen, die parasitär das religiöse Empfinden der Menschen zum Gewinn von Geld und Macht mißbrauchen. Er unterstellt ein christlich geprägtes, sozialverträgliches Wertesystem.

Bemerkenswert: Der Mörder Tillessen kriegte erst 1947, also 26 Jahre nach der Tat 15 Jahre Zuchthaus, und wurde nach 5 Jahren entlassen. Dem Mörder Schulz brummte man 12 Jahre Zuchthaus auf, das war im Jar 1950. Auch ihn ließ man 1952 wieder laufen.
Honi soit qui mal y pense!

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