1046 – Rot und tot

Doch, Du siehst das richtig! Es sind Tomaten aus den Niederlanden, bei 38 Grad Sommerhitze. Sie liegen faul herum und schwitzen wie Schwerstarbeiter vor dem Hochofen. „Von der Stirne heiss rinnen muss der Schweiss“, so sang schon Schiller im Lied von der Glocke. Aber die Holländer waren nicht gemeint. Das haben sie nie so recht verstanden.

Dem dunkeln Schoß der heilgen Erde
Vertrauen wir der Hände Tat,
Vertraut der Sämann seine Saat
Und hofft, dass sie entkeimen werde
Zum Segen, nach des Himmels Rat.
Noch köstlicheren Samen bergen
Wir trauernd in der Erde Schoß
Und hoffen, dass er aus den Särgen
Erblühen soll zu schönerm Los.

Schiller missverstehend haben sie sich an die Tomatenzucht herangemacht, und ich soll das wieder und wieder ausbaden. Vorgestern lagen 5 dieser Wasserbomben gut präsentiert in unserer Küche, warteten auf mich, und ich muss schon sagen: Wie fehlerfrei gemalt! Ich liess mich verführen und habe eine davon geschlachtet. Das war ein schwerer Fehler. Oder doch nicht? Ich bin nun am Herum-Eiern ….. ahem ….. aha, so gehts:

Wenn ich einen Vanillepudding koche, so wird der wohl oder übel irgendwie nach Vanillin schmecken. Füge ich Sauerkirschen dazu, so schmeckt der Pudding anders. Vielleicht dominiert die Blausäure aus den Kirschkernen, oder so. Aber ich habe Farbe in den hellgelben Pudding gebracht. Und nun könnte ich auch Farbe in meinen Vanillepudding bringen, indem ich 5 niederländische Tomaten fein gewürfelt hinein rühre. Was habe ich dann? Einen Vanillepudding mit unverfälschtem Geschmack, aber mit Farbe drin.

Jesus, ich rede geschwollen daher! Vielleicht sind die Stechmücken daran schuld; die neueste Sorte davon macht Beulen, die jucken und die mehrere Tage durchhalten. Wie? Nein, die Holländer sind hier unschuldig. Mit der Klima-Erwärmung zieht auch das subtropische Ungeziefer in nördliche Gefilde, und es kann nicht allzu lange dauern, bis in der Südheide das erste Löwenrudel gesichtet wird. Aber zurück zu den Tomaten. Positiv gedacht:

Es ist den Holländern gelungen, eine Tomatensorte zu züchten, mit der man niemals ein Essen verderben kann. Wenn ich ganz verblödet bin, kann ich meinen Pudding versalzen – aber mit diesen Früchten kann er nur attraktiver werden.

Nebenbei: Ich verstehe nun auch, warum man früher so gerne Politiker mit diesen Tomaten beworfen hat. Sie machen Flecken ins Hemd und schmecken nach nichts – eine der Höchststrafen der APO für Leute wie F. J. Strauss und seinen gierigen Anhang. Hatte man aus Versehen die sonnengereiften San Marzano-Tomaten eingekauft, musste man sie selbst essen und hat ersatzweise mit Schotter vom Bahndamm geworfen.

Sisch gnu-eg. Frag‘ mich bloss nicht nach meinem Lieblingsgemüse. Dann schreib‘ ich glatt weiter. Und ja, das ist eine Drohung!

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