1024 – Essen

Meinem Alter entsprechend stehe ich kurz vor der Mumifizierung. Glaubst Du nicht? Ich schon. Was gut ist, hält ewig. Das ist wie bei Manchester-Hosen. Nur – es ist nicht mein Ziel, im Moor konserviert und aufbewahrt zu werden. Ich habe ein Testament geschrieben, um dem Spieltrieb meiner Nachkommen zu entgehen.

Was hat das nun mit dem Essen zu tun? Ehrlich gesagt: Nichts. Ich habe diue Kurve nicht erwischt und bin geradeaus gefahren. Ein Restart ist nötig.

Ich wollte nur mal erzählen, wie sich meine Ernährungsgewohnheiten geändert haben. Dies ist vermutlich eine Folge des Alterns. So gesehen ist dieser Text als Warnung gedacht. Also:

Wenn hier etwas mumifiziert, dann sind es Kartoffeln. Ich habe vergessen, wie Salzkartoffeln schmecken.
Ähnliches geschieht mit Brot, wenn es keinen Schimmel ansetzen mag.Nudeln, etwa Spaghetti bolognese hängen mir zum Halse heraus (nicht wörtlich nehmen bitte). Seelachs von IGLO? Wenn ich den zum Quadrat zurechtgesägten Fisch sehe, packt mich die kalte Wut. Um Wurst mache ich einen großen Bogen, ausgenommen ein Pärchen grobe Bratwurst auf Kraut. Fleisch? Maximal alle 4 Wochen, dann aber viel davon.Ein Kotelett esse ich nicht, wenn es nicht zwei sind. Beim Käse bin ich extrem anspruchsvoll, und das ist teuer. Obst?Um mich herum stehen 9 Millionen Apfelbäume, und in meiner Obstschale sind null Äpfel – weil man mir im Hofladen altes Obst aus dem Vorjahr andreht. Das Angebot im Supermarkt deckt meinen Bedarf vollkommen – auch ohne einheimische Äpfel. Und da sind dann noch die Suppen. Wir kaufen nur ausgesuchte Sorten, oder kochen sie selbst. Vorgestern hatte ich testweise eine Dose Soljanka gegessen. Die Suppe schmeckte wie Abwaschwasser mit Spülmittel. Die Plörren von ERASCO, BASSERMANN und anderen kaufen wir natürlich nicht mehr, und manche andere Produkte müssen nachgearbeitet werden, dann aber wird´s etwas. Und die Erbsensuppe von KELLE ist gut. Wenn ich dazu noch zwei Koteletts nature brate und reinschnippele, ist die perfekt.
Frühstück: Zwei grosse Becher schwarzen Kaffee. Mehr gibt es nicht, ich muss sparen.
Abendbrot: Zu teuer. Ist abgeschafft.
Nach Mitternacht: Nun muss aber Futter rangeschafft werden! Zwei Scheiben Toast mit Appenzeller oder mit Hüttenkäse/Kirschkonfiture. Als Schlummertrunk ein Bier, oder, solange Vorrat reicht, einen doppelten Single Malt. Dann verschwinde ich von der Bildfläche, in meinen Kobel.

Ich habe jetzt ein wenig unsortiert geschrieben – aber es ist die Wahrheit. Genauso sind meine Essgewohnheiten – unkontrolliert, konfus, launen-gesteuert, anspruchsvoll, hie und da ein wenig irre, hemmungslos experimentell (meine Toilette weiss darüber einiges, weil sie ausbaden muss, was ich versemmele).

Ich frage mich, was dabei entsteht, wenn ich eine Pfälzer Leberwurst aus der Pelle ziehe und in Fleischbrühe versenke. Oder so sechs rohe Bratwürste, die fein gecuttert waren? Eine Wurstbrühe als Basis für eine Blumenkohlsuppe? Mit feinen Scheibchen aus gekochtem Schweinebauch?
Und einer Handvoll Blutwurstwürfel? Broccoli-Röschen? Möhrenstreifen? Und mit keinen Tomaten?

Ich kriege schon wieder Appetit auf was Gutes!

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