998 – Gurke

Es ist neun Uhr, und ich bin todmüde. Die Nacht war ok. Dennoch – die Klüsen fallen zu. Ich gerate ins Dösen. Und das kann ich gut. Jedenfalls besser als Schlafen. Auf meinem weissen T-Shirt trage ich derzeit einen Kaffeefleck. So sagt man mir. Damit gehöre ich so lange zu den Aussätzigen, bis ich mir angewidert die Plünne vom Leib reisse. Man ist ja stets um Burgfrieden bemüht. Aber mit Verlaub gesagt: Einen kleinen Kaffeefleck, mit 3 mm Durchmesser eher die Andeutung von sowas als Apfel des Zanks aufzuwerten finde ich lächerlich, zumal es kein Kaffe ist, sondern ein Tröppchen Saft von meinem Gurkensalat. Tatsache! Ich habe die Salatgurke für mich wieder entdeckt!

Neulich hatte ich mir einen solchen Salat aus einer Gurke herausgeschnitzt, so richtig ohne Gedöns, aber gut gekühlt – ich war begeistert. Nun musste neuer her. Aus zwei Gurken. Ich suchte eine Weile und fand ihn, den hölzernen Gurkenhobel. Einmal in Betrieb genommen gibt’s kein Halten. Ich hobelte 2 riesige Gurken und hatte am Ende einen Berg dünnste Scheibchen, durch die man noch die Zeitung lesen könnte. Ich habe jetzt den Verdacht, dass mein Gurkenhobel nicht ein solcher, sondern ein Krauthobel ist. Sei’s drum. Dieser Käse war gegessen. Nun lag vor mir eine überreife Birne der Marke Abate Fetel, die letzte ihrer Art in unserem Haushalt. Also: Verträgt sich Birne mit Gurke? Eindeutig ja, sagt das Netz. Also Birne geschnippelt und rein damit. Dann wurde mir bewusst, dass ich bedim Essenzubereiten wieder mal auf Abwege geraten bin, und das geht selten gut. Birne verträgt sich nämlich gut mit dunklem Balsamico. Aber geht der mit Gurke zusammen? Das wird jetzt probiert! Somit war meine Vinaigrette gezeichnet: Essig, Öl, Salz und Pfeffer plus ein Schlubberchen Balsamico di Modena – meine Gurkenscheibchen reagierten sofort, verfärbten sich grau-braun. Jeschusch, dachte ich, kann man das noch essen? Kostete die Vinaigrette – gar nicht so übel, aber flach im Abgang, und zu wenig Frucht, das repariere ich natürlich mit einem Schluck Zitronensaft. Erneut gekostet – viiiel zu sauer. Wo ist der Zucker? Erneut repariert hatte ich nun, was ich wollte. Die Brühe schmeckte gut, aber sehr intensiv. Vermute, meine Gurken sind dagegen chancenlos. Das war schon wieder falsch gedacht. Gurken bestehen doch zum 90% aus Wasser! Die Körperflüssigkeit der geschredderten Gurken regulierte den Geschmack selbständig runter auf Genuss-Niveau. Das habe ich dann doch mit Wohlgefallen registriert, und dennoch die Lust verloren, weiter zu machen. Die Luft war raus. So nach einer Stunde ist es mir mit Mühe gelungen, noch eine Zwiebel zu würfeln und in meine trostlos dreinschauende Gurken-Mumpe zu rühren. Danach versteckte ich das Zeug rasch im Kühlschrank.

Am Folgetag habe ich meinen Gurkensalat erneut gekostet – einfach lecker.
Alter, denke ich so vor mich hin, blende die Optik aus und geniesse! Genau das habe ich gemacht. Augen geschlossen und Salat geschaufelt. Und so ist dieser kleine Essigfleck auf mein Hemd gekommen. Nur einer, und dann noch ein kleiner – besser geht es fast nicht. Ich bin wieder mal stolz auf mich.

Um ehrlich zu sein: Wenn ein Restaurantbesitzer seinen Gästen meinen Gurkensalat anbieten würde – die Leute würden scharenweise die Flucht ergreifen, weil das Produkt aussieht, als hätte man es aus einer Mülltonne geschöpft. Ich widerstehe der Versuchung, das jetzt im einzelnen zu beschreiben ….. es war wirklich nur Gurke in meiner Vinaigrette!

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