981 – Erinnerungen

„Gibt es keine natürlichen Rechte, die älter und heiliger sind als alle gesellschaftlichen Konventionen? Es könnte dem Menschengeschlecht nur zum Heil gereichen, wenn man den Unterschied zwischen Bürgern und Fremden endlich vergäße und in allen zuerst und vor allem den Menschen sähe.“

So Honoré Gabriel Victor de Riqueti, comte de Mirabeau (1749 bis 1791), ein französischer Intellektueller.

Jahre später ging ein anderer dieser Zunft auf die Barrikaden, als nämlich eine Gruppe antisemitischer Offiziere einen Hauptmann des Generalstabs aufs Schafott schicken wollten, nur weil er Jude und Elsässer war. Emile Zola schrieb einen 34-seitigen Brief an den Regierungschef, in dem er für den Hauptmann Alfred Dreyfus eine Ehrenerklärung abgab; Dreyfus war in der Tat kein prodeutscher Verräter, und man hat ihn rehabilitiert. Zola’s Brief ist heute zu einer Floskel geronnen; man benutzt daraus nur zwei Wörter: „J’accuse“, meint „Ich klage an …..“.

Da ist als dritte Figur noch der Maler Paul Cezanne zu nennen, ein Freund Zola’s aus den Kindertagen. Diese Freundschaft endete, als Zola seinen Kumpel in einem Roman als erfolglosen Maler Lantier beschrieb. Das konnte Cezanne nicht verkraften, er war anscheinend absolut humorlos.

Was haben diese drei Figuren gemeinsam? Sie waren Bürger in Aix en Provence. Diese Stadt hat dem Grafen de Mirabeau ein Denkmal gesetzt. Die prächtigste Strasse heisst Cours Mirabeau.

Ich mag Aix, und ich mag die Franzosen. Aber die Franzosen mögen mich nicht. Ich habe einem Boucher, also einem Metzger endlos erklärt, dass seine Kalbsleberwurst mit Pilzen Crème forestienne heisst, und der sture Typ bestand vehement auf forestière. Bestand stur auf der Ansage, „forestienne“ gäbe es in seiner Sprache nicht, und hat dabei einfach ignoriert, dass das Wort existiert, denn ich habe es doch erfunden und benutzt!

Übrigens ein Gedicht, seine Crème Försterin!

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