953 -Episode

Ein geübtes Auge erkennt es sofort, das Porterhouse-Steak, das man in Neudeutsch T-Bone-Steak nennt – man würdigt den Knochen anstelle des Fleischs! Und in Italien ist man flexibel und charmant und spricht vom Bistecca Fiorentina. Mal ehrlich: Das ist fast Musik! Und bist Du zudem auch noch ein Carnivore, dann drehst Du fast durch und möchtest Beethoven’s Neunte auf dem Kamm blasen!

Was will dann noch der Zyniker bewirken, wenn er anmerkt, dass eine Geige halt anders und ästhetischer aussieht als dieses rohe Stück Kuh!

Eigentlich wollte ich hier den krönenden Abschluss eines Tages in Siena beschreiben. Der fand in der kleinen Trattoria La Torre direkt am Campo statt, und es war ein Abendmahl der Extraklasse. Ich war dort mit Familie, also zu viert, an einem kleinen Tisch, der nicht ausreichte, das Gebotene aufzunehmen. Höhepunkt war natürlich dieses Bistecca Fiorentina. Ich verkneife mir die Details, aber die rundum platzierten anderen Gäste, alles Italiener, verstummten, als hätten sie gerade dem Papst beim Biersaufen erwischt. Der Anblick des gedeckten Tischleins war gigantisch.

Ein Südtiroler merkte auf Italienisch an, wir seien Deutsche. Ich zu ihm: Correttamente! Schon war er ruhig. Immerhin hatte uns nun sportlicher Ehrgeiz gepackt, und so haben wir jeden vernünftigen Gedanken fahren lassen und alles aufgegessen. Dann gab ich dem Kellner zu verstehen, dass wir auch die Knochen haben möchten. Laut sagte ich: Per il cane! Und als ich Grappa doppia bestellte, wurden die Gespräche rundum wieder lauter.

Endlich zahlte ich – einen schrecklichen Betrag – und haute ein letztes Mal auf den Putz, mit einem sehr, sehr ordentlichen Trinkgeld. Der Zahlkellner schien beglückt, denn er wünschte uns zum Abschied Gottes Segen und viel Gesundheit.
Das hat mir einige Jahre weitergeholfen.

Selbstverständlich spricht keiner in meiner Familie Italienisch. Nur meine Tochter, mit dem Grossen Latinum ausgestattet, hat viel Gesagtes verstanden. Ich selbst hatte nur so an die 30 Vokabeln in meinem Dictionary. Na, was einem so zuläuft in einem langen Leben ….. vielleicht waren es auch 60, aber gefühlt 15.

Wie auch immer: Wir haben den Italienern in Piesa gezeigt, was echte Teutonen sind, und was man mit eisernem Willen schaffen kann. Und wir hatten Spass; die Situation hatte viel von einer Slapstick-Szene, besonders als der Ober erst ratlöos vor uns stand und nicht wusste, wo er den Salat hinstellen sollte, weil unser kleiner rundre Tisch gerammelt voll gepackt war, und schliesslich einen kleinen Beistelltisch heranschaffte, der ihn dann zwang, bei dem Service für andere Gäste Umwege zu gehen.
Nun war der Laden voll, und die Gäste waren relativ still; es gab etwas zu sehen. Richtig laut waren nur die Teutonen. Großspurig hatten sie in die Gaststube hinein erklärt, dass das alles kein Problem sei, es würde alles aufgegessen, und wir wären das so gewohnt. Und zu sehen waren 4 Leute, die in Summe 7 Zentner Fleisch und Knochen darstellten und so aussahen, als wäre die gezeigte Futtermenge tägliches Brot.
Nein, ich bin nicht so vermessen, anzunehmen, dass Ehrfurcht den Gastreaum beherrschte – aber weiss man’s?
Jedenfalls bildeten wir den Mittelpunkt, und der Rest an Menschen um uns herum schien ein wenig eingeschüchtert.Nur einer wagte es, seinen Nachbarn zu informieren: „Like lumberjacks!“
Wenn das kritisch gemeint war, dann zu Recht. Als der Koch nämlich das ganze Lendenstück geschultert durch das Restaurant trug, um 4 Porterhouse-Steaks abzuschneiden, entfuhr mir ein unfeines „Ach du Scheisse!“, weil ich ahnte, was auf uns zukommt.

Gut, wir hatten unseren Spass, der Koch seinen, der Ober ohnehin, das Abendbrot war mehr als üppig, aber sehr, sehr gut, die anderen Gäste hatten ihre besondere Unterhaltung, und wie gesagt ich eine Geldstrafe an der Backe. Einer muss halt die Lasten tragen ….. die Rolle des Esels übernehmen. Alle Finger zeigen in meine Richtung, und alle Münder flüstern „Der da! Der ist stark! Hast Du seine fette Geldbörse gesehen?“
So läuft das. Eigentlich eine runde Sache. Bei anderen.

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