942 – Ratlos

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Ich habe großmäulig behauptet,
ich könne über alles schreiben.
Aber das hier ist jetzt schwierig.
Das Bild zeigt eine Glaskugel in der Nacht.

Gegenstände: Kugel, Nacht.
Aussage: pffffft.
Symbolik: pffffft.
Erkenntnis: pffffft.

Nun mach mal was draus.
Die Nacht nützt. Ich brauche sie zum Schlafen.
Die Kugel nützt nicht. Ich schlafe ohne Kugel.
Vorsicht! Man komme mir nicht mit Ästhetik!
Ich kriege schon Zustände,
wenn ich in einen Spiegel schaue:
Fettige Haare, teigiges Gesicht, unrasiert –
so viel Ästhetik reicht mir für den Rest meiner Erdentage!
Weiter.
Ist eine gläserne Kugel in der Nacht mystisch?
Ist sie nachts mystischer als am Tag?
Soll ich etwa Grusel drübergiessen,
bis sie tropft wie im Film „The Blob“?
Oder soll ich Kräuterquark drauf tun,
und Schimmelpilz züchten?

Guck mal. In den Marmor-Brüchen von Carrara
nimmt man einen Marmor-Brocken,
wirft ihn in eine Kugelmühle,
und raus kommt eine Kugel,
die mal ein kantiger Stein gewesen ist.
Dann wird das Ding poliert
und verkauft.
Mystisch daran ist, dass die Kugelmühle
nicht kaputt gegangen ist.

Was also sollte ich wohl über die Glaskugel schreiben?
Nur das:
Wenn Du sie verkaufen willst,
leg sie ins Schaufenster
und mach das Licht aus.
Ab dann hilft nur noch Beten:
„Herr, schick mir einen Deppen,
der Kugeln sammelt!“
Echt blöde.

(Schau an! Wenn man nur Halb- und Viertelzeilen schreibt, kommt auch genug Text zuzsammen. Die Leerstellen muss man ja nicht unbedingt mitlesen.)

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