928 – Tod

Ich gestehe freimütig, ein leidenschaftlicher Fan von schwarzem Humor zu sein. So gilt für mich stets: Je schwärzer, desto bekömmlicher. Es ist wie beim Whiskey-Trinken. Üblicherweise mag man die lady-liken Sorten wie Dalwhinnie. Ich stehe allerdings auf den Laphroig. Mein erster Versuch damit erforderte gleich 3 x 300 ml, erst dann gingen bei mir die Lampen an. Nun bin ich auf das kernige Tröpfchen fixiert; schwarzer Humor passt dazu wie die Faust aufs Auge (Spaß!).

Kommen wir zum Thema. Ich habe zum „Tod“ ein besonderes Verhältnis. Das hat seine Gründe. Ich möchte damit nicht hausieren gehen. Nur so viel: Man hat mich seit 1973 bereits 3 x totgesagt. Und ich backe heute ein Roggenbrot.

Jaaa, magst Du sagen, aber der Tod ist doch alllgegenwärtig, und überall finden Begräbnisse statt! Und ich sage: Fast richtig. Aber es ist nicht der Tod verantwortlich zu machen, wenn jemand stirbt. Das Sterben bestimmt eine ganz andere Kraft, die wir nicht zu lenken vermögen. Und was ist der Tod? Ich glaube, der ist so alt wie die Bibel, das Biblion, also altgriechisch für Buch, Schrift, somit antik, älter als 2022 Jahre – und dieser Begriff soll mich heute noch ängstigen?

Ein Krankenhaus-Mediziner hat mich aufgeklärt. Ein Philosoph zwischen Schmerztabletten und Abführmittel. Er referierte: „Jetzt passen Sie mal gut auf, Herr Risch. Der Tod ist eine Fiktion, die wir leider nicht aus der Welt schaffen können. Es gibt ihn garnicht! Es lebt der Mensch, und das auch in der Sterbephase. Dann stirbt er irgendwann, wird aber niemals zu einem Toten, also zu einem toten Menschen. Nein, er wird was? Er wird zur Leiche! Und das ist kein Mensch! Menschen leben, und Leichen leben nicht!“

Ich habe mir das überlegt und finde: Falsch ist dieser Standpunkt nicht. Schlimmstenfalls ist er etwas zu akademisch, aber biologisch absolut korrekt.
Aber immer akzeptabel.

Ich schliesse mit einem konstruktiven Vorschlag ab.
In der Kunsthalle Karlsruhe hängt ein Bild von Albrecht Dürer mir dem Titel „Ritter, Tod unfd Teufel“. Mit dieser simplen Maßnahme ist der Tod als populäre historische Figur dort angekommen, wo er hingehört: Im Museum. Wir geben ihm denselben Stellenwert wie dem Gerippe des Tyrannosaurus rex: Interessant, aber absolut ungefährlich. Also nicht zu fürchten.

Und dann darf ich auch Witze darüber machen!

Oje, beinahe hätte ich es vergessen zu schreiben. Mein Standpunkt zum Tod hat nichts, aber auch garnichts mit meiner Fähigkeit zu trauern zu tun. Nimm diese und stopfe sie oben in den Text rein, und das Gemisch wird ungeniessbar. Denke nach: Das eine kann neben dem anderen existieren. Da schliesst sich garnichts aus. Als Panache wird es konfus und ungesund.

Ich könnte jetzt einen Witz über das Sterben formulieren – lasse ich lieber. Aber einen Spass wegen einer Leiche?`Das geht doch, oder?

Ein Grabstein auf den Wiener Zentralfriedhof. Das Testament forderte den folgenden Text:

„Hier ruhen nun meine Gebeine.
Ich wollt‘ es wären Deine.“

Sensible Seelchen verlassen nun den Friedhof fluchtartig.

Ganz meine Linie, dieser Grabspruch. Kann ich leider nicht nachahmen. Ich lasse mich als Asche im Wald vergraben, unter einem krüppeligen Bäumchen, das mineralischen Dünger braucht.
Das wird meine letzte gute Tat sein, wie man sie von einem Pfadfinder-Geist erwarten darf.

Ach Du lieber Himmel, da hängt ja noch etwas in der Luft: Die Pietät! Damit bin ich schnell durch. Pietät ist Rücksichtnahme gegenüber anderen Menschen, wie z. B. den Trauernden. Sie gilt also den Menschen, nicht den Leichen. Und nun erkläre man mir rasch, wer oder was den Priestern erlaubt, nicht enden wollende gruselige Grabreden zu halten, die eine Trauergemeinde an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit bringt.

Schluss mit der gebremsten Schaumschlägerei!

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